{"id":19305,"date":"2023-07-13T15:08:43","date_gmt":"2023-07-13T13:08:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/02082-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:08:44","modified_gmt":"2023-07-13T13:08:44","slug":"02082-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/02082-01\/","title":{"rendered":"Umweltvertr\u00e4gliche Raumordnung und Raumnutzung im norddeutschen K\u00fcstenraum am Beispiel der Nordseeinsel Norderney"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Anla\u00df zur Durchf\u00fchrung des Projektes sind die auf den Watteninseln der Ostfriesischen K\u00fcste bestehenden Konflikte zwischen dem Naturschutz und den unterschiedlichen anthropogenen Einfl\u00fcssen, die sich aus dem Tourismus, aus dem D\u00fcnenschutz, aus dem Verkehr, und aus der Grundwassergewinnung ergeben. Am Beispiel Norderneys wird analysiert, wie sich die verschiedenen Nutzungen und Aktivit\u00e4ten &#8211; hierbei insbesondere diejenigen, die mit dem Fremdenverkehr im Zusammenhang stehen &#8211; auf die Landschaft auswirken, welche Prozesse dabei ablaufen und welches Gewicht sie jeweils haben. Das Projekt soll als Basis f\u00fcr ein langfristiges Nutzungskonzept dienen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEs wurde im geobotanisch-vegetationskundlichen Vergleich auf der Basis einer Dissertation von Hobohm (1991) aus dem Institut f\u00fcr Geobotanik der Universit\u00e4t Hannover zun\u00e4chst die komplette floristisch-pflanzensoziologische Erfassung der Vegetation von Norderney erneut durchgef\u00fchrt. Ergebnisse dieser Erforschung sind Vegetationstabellen auf Assoziationsbasis sowie Vegetationskarten, die sp\u00e4ter durch boden- und gew\u00e4sserkundliche Untersuchungen unter Einbeziehung physikalisch-hydrochemischer Aspekte untermauert wurden. Mit Hilfe dieser Daten konnte ein naturwissenschaftlich fundierter Vergleich der Vegetations- und Landschaftsentwicklung der Insel erarbeitet werden, der modellhaft konkrete und vergleichbare Hinweise zur Vegetations- und Populationsdynamik sowie zum Sukzessionsgeschehen vor allem der D\u00fcnenlandschaften aller Ostfriesischer Inseln liefert. Dar\u00fcber hinaus wurde in einem zweiten Schritt die sozio-\u00f6konomische Struktur von Nordnerney vor dem Hintergund der monostrukturierten Tourismusentwicklung erfa\u00dft und bewertet. Die Auswirkungen auf die Stadtentwicklung und  -planung wurden daf\u00fcr dokumentiert. Abschlie\u00dfend konnten so in Verflechtung mit der \u00f6kologischen Zustandsbewertung Prognosen zu den k\u00fcnftigen Anspr\u00fcchen an die Raumnutzung gestellt werden. Hieraus wurden Empfehlungen abgeleitet, wie unter Minimierung bzw. Vermeidung negativer Auswirkungen auf die Landschaft k\u00fcnftige raumwirksame Nutzungen geplant und festgelegt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Der Schwerpunkt des Forschungsprojektes lag auf der Untersuchung von Auswirkungen, die anthropogene Einfl\u00fcsse, besonders der Fremdenverkehr, in der Landschaft haben.<br \/>\nEs hat sich gezeigt, da\u00df die mittlerweile sehr gro\u00dfe Anzahl an Besuchern direkt keine Bedrohung f\u00fcr den Erhalt der Landschaft auf Norderney darstellt. Viele Einfl\u00fcsse, die von den Touristen ausgehen, haben einen r\u00e4umlich sehr begrenzten, linienhaften Charakter. Trotzdem ist deutlich geworden, da\u00df gerade das z.T. sehr stark frequentierte Wegenetz zuk\u00fcnftig Ausgangspunkt f\u00fcr eine Sch\u00e4digung des Landschaftshaushalts sein kann. Von daher ist notwendig, hier zuk\u00fcnftig in bestimmten zeitlichen Abst\u00e4nden boden- und vegetationskundliche Vergleichsuntersuchungen durchzuf\u00fchren, um eine Kontrolle zu erm\u00f6glichen.<br \/>\nLimitierender Faktor f\u00fcr den Tourismus auf Norderney kann der Zustand der S\u00fc\u00dfwasserlinse als Trinkwasserreservoir sein. Eine zu starke Beanspruchung f\u00fchrt nicht nur zu einer Beeintr\u00e4chtigung der Wasserqualit\u00e4t, sondern auch zur Gef\u00e4hrdung wertvoller Feuchtbiotope, wie in einigen Bereichen bereits angedeutet ist. Grunds\u00e4tzlich mu\u00df aber deutlich gesagt werden: Die Gr\u00f6\u00dfe der S\u00fc\u00dfwasserlinse und die Menge der j\u00e4hrlichen Grundwasserneubildung reichen allemal f\u00fcr die Eigenversorgung von Norderney, jetzt und in der Zukunft.<br \/>\nInsgesamt wurde deutlich, da\u00df die touristische Nutzung der Insel in ihrer gegenw\u00e4rtigen Intensit\u00e4t vor dem Hintergrund einer umweltvertr\u00e4glichen Raumnutzung akzeptabel ist, wenn zuk\u00fcnftig eine Kontrolle der o.g. Faktoren gew\u00e4hrleistet ist und die im Rahmen des Projektes erarbeiteten Ma\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt werden.<br \/>\nEin besonderes Problem stellt die Kaninchenpopulation dar. Sie mu\u00df durch eine st\u00e4rkere Bejagung dezimiert oder bestenfalls ganz beseitigt werden, um wieder einen naturnahen Zustand von Vegetation und Landschaft zu erreichen.<br \/>\nAuch die vielf\u00e4ltigen Insel- und D\u00fcnenschutzma\u00dfnahmen wirken sich auf den Naturhaushalt der Insel Norderney aus. Es mu\u00df aber akzeptiert werden, da\u00df vor allem der Erhalt des besiedelten Bereiches in keiner Weise zur Disposition gestellt werden kann. Dies ist Teil eines Kompromisses zwischen Mensch und Natur, ohne den eine umweltvertr\u00e4gliche Raumnutzung im norddeutschen K\u00fcstenraum nicht zu erreichen ist.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>&#8211; Symposium am 18. April 1997 auf Norderney<br \/>\n&#8211; Ver\u00f6ffentlichung einer etwas ge\u00e4nderten Fassung des Abschlu\u00dfberichtes in den Abhandlungen aus dem Westf\u00e4lischen Museum f\u00fcr Naturkunde 61, M\u00fcnster 1999, Beiheft<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt hatte Pilotfunktion; es mu\u00dfte also zun\u00e4chst einmal gekl\u00e4rt werden, welche St\u00f6rpotentiale \u00fcberhaupt vorliegen, bevor im einzelnen untersucht werden konnte, welche Wirkung sie entfalten. Basis hierf\u00fcr war die grundlegende Erfassung der naturr\u00e4umlichen Situation; so ist z.B. die gro\u00dfe Anzahl an Vegetationsaufnahmen zu erkl\u00e4ren. Anders h\u00e4tte aber auch kein Beleg daf\u00fcr erbracht werden k\u00f6nnen, da\u00df die Sch\u00e4digungen der Pflanzendecke durch Radfahrer oder Fu\u00dfg\u00e4nger r\u00e4umlich stark eingeschr\u00e4nkt bleiben: Bei der Planung vergleichbarer Projekte kann nun der Aufwand f\u00fcr pflanzensoziologische Untersuchungen im Bereich der Wegenetze geringer veranschlagt werden. Dagegen m\u00fc\u00dfte die Anzahl an Bodenanalysen deutlich vergr\u00f6\u00dfert werden, da sich zeigte, da\u00df der Stickstoffeintrag in die D\u00fcnenlandschaften mittelfristig ein weit gr\u00f6\u00dferes Problem darstellen k\u00f6nnte, als dies aktuell der Fall ist. Ein dauerhaftes Monitoring ist auch hinsichtlich der Grundwassersituation und der Kaninchenproblematik unerl\u00e4\u00dflich: so w\u00e4re zum Beispiel eine feste Installierung von Dauerbeobachtungsfl\u00e4chen zu bef\u00fcrworten, besonders dann, wenn die Anzahl der Kaninchen entweder ansteigen oder etwa durch eine verst\u00e4rkte Bejagung zur\u00fcckgehen sollte. Auch m\u00fcssen Besucherstr\u00f6me genauer und \u00fcber das ganze Jahr erfa\u00dft werden. Nur so kann im Bedarfsfall eine geeignete Lenkung erfolgen.<br \/>\nInsgesamt war es m\u00f6glich, raumwirksame Einfl\u00fcsse des Fremdenverkehrs von weniger wirksamen Faktoren zu trennen. Vergleichbare Untersuchungen und Folgeuntersuchungen k\u00f6nnen nun auf der Grundlage dieser Ergebnisse m\u00f6glichst schnell und effizient durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Anla\u00df zur Durchf\u00fchrung des Projektes sind die auf den Watteninseln der Ostfriesischen K\u00fcste bestehenden Konflikte zwischen dem Naturschutz und den unterschiedlichen anthropogenen Einfl\u00fcssen, die sich aus dem Tourismus, aus dem D\u00fcnenschutz, aus dem Verkehr, und aus der Grundwassergewinnung ergeben. 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