{"id":19285,"date":"2023-07-13T15:11:41","date_gmt":"2023-07-13T13:11:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/06834-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:11:41","modified_gmt":"2023-07-13T13:11:41","slug":"06834-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/06834-01\/","title":{"rendered":"Korrosionsschutz f\u00fcr umweltgesch\u00e4digte Industriedenkm\u00e4ler aus Eisen und Stahl (Modellvorhaben)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Modellhafte Entwicklung von geeigneten Konservierungstechniken f\u00fcr umweltbelastete Objekte aus Eisen und Stahl, schwerpunktm\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrt f\u00fcr den Bereich Industriedenkm\u00e4ler mit zus\u00e4tzlicher Ber\u00fccksichtigung von Kunstgussobjekten. Das Ziel ist es, bestehende Defizite in der konservatorischen Behandlung dieser Denkmalobjekte aus Eisen und Stahl auszugleichen, sowie besonders die Eignung in Hinblick auf Wirksamkeit und Dauerhaftigkeit von transparenten Beschichtungssystemen soll untersucht und bewertet werden. Die denkmalgerechte Reinigung der korrodierten Eisenoberfl\u00e4chen und besonders die Art und Verwendung von transparente Beschichtungssystemen ( Lacke, \u00d6le, Wachse, Ormocere,) auf ihre Wirksamkeit \u00fcberpr\u00fcft und bewertet werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Untersuchungen werden mit einer Schadensaufnahme an drei ausgew\u00e4hlten unterschiedlich umweltbelasteten Denkm\u00e4lern (Hochofen, untert\u00e4gigen Maschinen, Kunstgussskulpturen) begonnen (Zeitaufwand: 8 Monate). Die Schadenskartierung der korrodierten Eisenoberfl\u00e4chen soll Aufschluss dar\u00fcber geben, welche verschiedenen Korrosionserscheinungen (z.B. Lochfra\u00df, Korrosion unter Altbe-schichtungen,) vorliegen und dar\u00fcber hinaus eine optimale Auswahl der Testfl\u00e4chen an den Objekten f\u00fcr die anschlie\u00dfenden Reinigungs- und Beschichtungstests erm\u00f6glichen. Alle Objektbereiche werden vor der Behandlung soweit als m\u00f6glich in materialkundlicher Weise charakterisiert. Zeitgleich soll eine Vorauswahl aus der Vielzahl der angebotenen Beschichtungssysteme durch Bewitterungsschnelltests anhand vorkorrodierten Test-Eisenblechen im Labor und Freiland getroffen werden ( Zeitaufwand: 15 Monate). Nach der Beurteilung der Beschichtungssysteme bzgl. z.B. des Glanzverlustes, der Transparenz, UV-Best\u00e4ndigkeit, Dauerhaftigkeit und Reversibilit\u00e4t sollen die erfolgreichsten Kandidaten auf den ausgew\u00e4hlten Musterfl\u00e4chen appliziert werden. Die beschichteten Testfl\u00e4chen sollen dann \u00fcber einen Mindestzeitraum von 8-12 Monaten in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden (mindestens alle vier Wochen) beurteilt und auf ihren Zustand \u00fcberpr\u00fcft werden. Nach einer Jahresperiode soll eine erste intensive Begutachtung der Schutzsysteme stattfinden. Hierdurch wird eine detaillierte Bewertung der vorhandenen Mittel und Bearbeitungstechniken erm\u00f6glicht. Zugleich soll dann abgesch\u00e4tzt werden, ob eine weitere Begutachtungszeit sinnvoll ist, um eine endg\u00fcltige Aussage \u00fcber die Dauerhaftigkeit und den Wartungsbedarf der Schutzsysteme zu erhalten.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Da die Arbeiten im Vorhaben sich auf Labor- und Testfl\u00e4chenuntersuchungen aufteilen, werden die Ergebnisse beider Teilbereiche nachfolgend separat vorgestellt.<\/p>\n<p>Laborversuche:<br \/>\n\u00b7\tKorrodierte Substratoberfl\u00e4chen stellen eine schwierigere Beschichtungsoberfl\u00e4che f\u00fcr alle lackartigen Systeme (auch ORMOCERe) dar, speziell wenn anschlie\u00dfend eine hohe Feuchtebelastung eintritt. Die Schutzwirkung aller Lacksysteme (ausgedr\u00fcckt durch den Neurostgrad) nimmt bis aud den Sonderfall des Kriech\u00f6ls Owatrol beim \u00dcbergang vom blanken zum korrodierten Substrat deutlich ab. Die getesteten Wachssysteme reagieren hier gutm\u00fctiger.<br \/>\n\u00b7\tBei den Lacken zeigt sich der Kondenswasserkonstantklima-Test im Vergleich zur Belastung in simulierter Industrieatmosph\u00e4re (SO2-Test) als die st\u00e4rkere Belastung f\u00fcr die Beschichtung.<br \/>\n\u00b7\tDie getesteten Korrosionsschutzwachse sind den Lacke in ihrer Schutzwirkung durchaus ebenb\u00fcrtig, zum Teil sogar besser. Dabei muss eingeschr\u00e4nkt werden, dass keine Bestrahlung und ablaufende Regenbelastung simuliert wurde.<br \/>\n\u00b7\tIm Vergleich Wachs zu Lack sprach das optische Erscheinungsb\u00edld (matte, unaufdringliche Oberfl\u00e4che) immer f\u00fcr die Wachse.<br \/>\n\u00b7\tBeim Einsatz von Wachsen sind solche mit Inhibitorzus\u00e4tzen in ihrer Korrosionsschutzfunktion deutlich effizienter als reine Wachsmischungen.<br \/>\n\u00b7\tEine Unterscheidung der Lacke erfolgt g\u00fcnstigerweise auf korrodierten Blechen im Kondenswassertest. Dabei konnten die optimierten ORMOCER-Systeme, die Polyurethanlacke, das System Kydal 50L Hinblick auf den Neurostgrad \u00fcberzeugen. Bei allen Systemen f\u00fchrte die Anhebung der Schichtdicke zu einer besseren Korrosionsbarriere.<br \/>\n\u00b7\tDie ORMOCER-Systeme zeigen speziell bei der Untersuchung auf korrodierten Substraten eine Abstufung untereinander, die eine Auswahl f\u00fcr die Au\u00dfentests an Objekten erm\u00f6glicht. Das System OR1-GFL(5c!) mit einem f\u00fcnfschichtigen Aufbau erzielte die besten Testergebnisse.<br \/>\n\u00b7\tIm Vergleich mit der ORMOCERe mit den favorisierten handels\u00fcblichen Lacken ist dem System OR 1-GFL(5c!) eine sehr gute Schutzwirkung und Haftung zuzusprechen. Eine dramatische Verbesserung im Ergebnisvergleich ist jedoch nicht zu konstatieren.<\/p>\n<p>Objekttestfl\u00e4chen:<br \/>\nFrei Bewitterung (Henrichsh\u00fctte Hattingen): Die Wachssysteme werden bei direkter Regen- und Sonneneinwirkung st\u00e4rker abgebaut als die besten Lacke. ORMOCERe und Polyurethansysteme sind die Testsieger und in etwa ebenb\u00fcrtig (im Hinblick auf die Bewertung nach einer zweij\u00e4hrigen Bewitterung). Der stark gl\u00e4nzende Eindruck bei ORMOCEren und dem 2K-PUR-System (abgeschw\u00e4cht auch beim EK-PUR-Sytsem) verf\u00e4lscht allerdings das originale Erscheinungsbild. Die Problematik dieser Systeme (vor allem Polyurethanen) liegt in der Schwierigkeit, sie bei Bedarf wieder vom Untergrund zu l\u00f6sen und die Fl\u00e4che anschlie\u00dfend neu zu behandeln. In gesch\u00fctzten Lagen sind Wachse durchaus konkurrenzf\u00e4hig, zumal sie sehr viel einfacher zu reparieren sind. Bei stark belasteten Bereichen (stehende Feuchte, Korrosionsauflagerungen) versagen alle transparenten Systeme, hier kann nur ein rechnisches KS-System eingesetzt werden. Entsprechende Systeme haben sich in den Labortest f\u00fcr die Beschichtung der Kunstgussfiguren in Wolkenburg als deutlich \u00fcberlegen erwiesen.<br \/>\nInnenraumsituation (Erzaufbereitungsanlage am Rammelsberg): Lacke (auch ORMOCERe) scheinen hier eher etwas \u00fcberdimensionierte Schutzsysteme zu sein. Wachse weisen zu dem einen weniger ins Auge fallenden Oberfl\u00e4chencharakter auf (mattr). Besonders zur\u00fcckhaltend und damit sehr positiv wirkt das Cosmoloid H80. Dabei muss aber an Stellen mit hohem Korrosionspotential (z. B. im Innenbereich der Flotationszellen) eine weitere, genaue Beobachtung erfolgen, um rechtzeitig eine voranschreitende Neukorrosion zu erkennen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Was vertr\u00e4gt ein Denkmal?, Symposium vom 5.-6. M\u00e4rz 1997 in BochumKorrosionsschutz f\u00fcr Industriedenkm\u00e4ler ais Eisen und Stahl, Tagung, 11.-13. Mai 2000 in BochumKlassik trifft Moderne, Symposium am 29. September 2000 auf Schloss Wolkenburg.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die vorliegenden Untersuchungen haben ein gutes Fundament f\u00fcr die Beurteilung unterschiedlicher transparenter Beschichtungsstoffe im Hinblick auf ihre Eignung zum denkmalgerechten Korrosionsschutz bei Stahloberfl\u00e4chen geliefert. Die F\u00fclle der zu untersuchenden Stoffe erm\u00f6glichte allerdings nur grundlegende Aussagen. Transparente Beschichtungen (auch ORMOCERe) sind keinesfalls Wundermittel f\u00fcr den Schutz von Industriedenkm\u00e4lern. Sie erlauben aber einen guten tempor\u00e4ren Schutz, wenn auch voraussichtlich mit deutlich geringeren Standzeiten als Standard-KS-Systeme. Transparente Beschichtungen fordern somit ein hohes Ma\u00df an Verantwortung vom Objektzust\u00e4ndigen, um a) die richtige Auswahl zu treffen und b) die notwendige Pflege bereits beim Beginn der ersten Ma\u00dfnahme zu bedenken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Modellhafte Entwicklung von geeigneten Konservierungstechniken f\u00fcr umweltbelastete Objekte aus Eisen und Stahl, schwerpunktm\u00e4\u00dfig durchgef\u00fchrt f\u00fcr den Bereich Industriedenkm\u00e4ler mit zus\u00e4tzlicher Ber\u00fccksichtigung von Kunstgussobjekten. 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