{"id":19266,"date":"2023-07-13T15:11:06","date_gmt":"2023-07-13T13:11:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/06017-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:11:08","modified_gmt":"2023-07-13T13:11:08","slug":"06017-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/06017-01\/","title":{"rendered":"Anwenderbezogene Auswahlverfahren und Einsatzm\u00f6glichkeiten von Schutzhandschuhen zur Vermeidung von Umweltbelastungen bei Arbeitnehmern"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Zur Vermeidung von Gesundheitssch\u00e4den in der Arbeitswelt ist h\u00e4ufig der Einsatz von Schutzhandschuhen unerl\u00e4sslich. Diese sind jedoch keineswegs immer undurchl\u00e4ssig f\u00fcr die Chemikalien, mit denen am Arbeitsplatz umgegangen wird. Dar\u00fcber hinaus sind sie auch selbst nicht indifferent f\u00fcr die Haut der Anwender. Deshalb war es Ziel des Projektes, f\u00fcr definierte Arbeitsbereiche konkrete Empfehlungen zu erarbeiten, die sowohl die Anforderungen seitens der Anwender, die in technischen Regelwerken festgeschriebenen Anforderungen an die Dichtheit von Chemikalienschutzhandschuhen und diesbez\u00fcgliche Testmethoden sowie die Ergebnisse hautphysiologischer Untersuchungen ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZun\u00e4chst ist eine Bestandsaufnahme zu den derzeitigen Testverfahren zur \u00dcberpr\u00fcfung der Durchl\u00e4ssigkeit von Schutzhandschuhen und deren Standardisierung in technischen Regelwerken sowie eine kritische Bewertung des Status quo inklusive der Erarbeitung von notwendigen Optimierungsvorschl\u00e4gen erfolgt. Parallel ist ein Vorauswahlverfahren f\u00fcr Schutzhandschuhe entwickelt und erprobt worden, das sich auf zwei Informationsquellen bezieht (einschl\u00e4gige nationale und internationale Datenbanken zu Schutzhandschuhen, Herstellerbefragung). Die ermittelten Schutzhandschuhe sind nach DIN-EN 374Teil I-IV auf ihre Best\u00e4ndigkeit gegen\u00fcber Penetration sowie ihre Permeabilit\u00e4t gegen\u00fcber den ermittelten Arbeitsstoffen getestet worden. Um Anforderungen der Anwender an Schutzhandschuhe, Verbesserungsvorschl\u00e4ge sowie Anwenderfehler zu erfassen, ist eine erste empirische Befragung unter Besch\u00e4ftigten aus den Bereichen Friseurhandwerk, Krankenpflege sowie Raumpflege durchgef\u00fchrt worden. Diese und auch die zweite Befragung &#8211; welche die subjektive Bewertung der hautphysiologisch sowie auf ihre Best\u00e4ndigkeit getesteten Handschuhe erfasste &#8211; erfolgt schriftlich mittels eines standardisierten und strukturierten Fragebogens. Im Rahmen der hautphysiologischen Untersuchungen ist der Einfluss einer 20-min\u00fctigen Handschuhokklusion auf  hautphysiologische Parameter bei Anwendung  verschiedener Handschuhmaterialien erfasst worden. Es wurden die folgenden hautphysiologischen Messmethoden angewandt: Bestimmung des trasepidermalen Wasserverlustes (TEWL), der relativen Hornschichtfeuchte (RHF), des Hautoberfl\u00e4chen-pH-Wertes sowie der Hauttemperatur.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Der aktuelle Stand der technischen Regelwerke zur Pr\u00fcfung und Auswahl von Schutzhandschuhen ist als unzureichend zu bezeichnen. So fehlt beispielsweise in der DIN-EN 374 Schutzhandschuhe gegen Chemikalien und Mikroorganismen ein Verfahren zur Bestimmung der Degradation; das im Rahmen einer Testhierarchie zur Ermittlung geeigneter Schutzhandschuhe in Expertenkreisen einhellig als unerl\u00e4sslich gilt. Zudem sind die bereits vorhandenen Testverfahren zur Bestimmung der Penetration und Permeation von Schutzhandschuhen hinsichtlich der Repr\u00e4sentation von Praxisbedingungen und der Standardisierung weiterzuentwickeln. Herstellerangaben zur Eignung von Schutzhandschuhen beziehen sich in aller Regel auf Einzelchemikalien und nicht auf die in der Praxis zum Einsatz kommenden Stoffgemische. Gleiches gilt f\u00fcr die Angaben in den verwendeten Datenbanken. Somit muss eine kritische Wertung des im Rahmen des Projektes entwickelten Vorauswahlverfahrens f\u00fcr Schutzhandschuhe erfolgen, das als pragmatisch bezeichnet werden kann. In der Praxis wird auch in n\u00e4chster Zukunft die Auswahl von Schutzhandschuhen willk\u00fcrlich erfolgen, was eine Gef\u00e4hrdung der Arbeitnehmer zur Folge hat. Deshalb ist zu fordern, dass Empfehlungen f\u00fcr einen geeigneten Handschuh nur aufgrund von Testungen der konkreten Stoffe bzw. Stoffgemische, gegen die der Handschuh sch\u00fctzen soll, bezogen auf ein konkretes Handschuhfabrikat, auszusprechen. Dies ist im Rahmen des Projektes f\u00fcr die Einatzbereiche Raumpflege, Krankenpflege sowie Friseurhandwerk erfolgt. F\u00fcr diese Bereiche konnten verschieden Schutzhandschuhe ermittelt werden, die aufgrund der experimentellen Best\u00e4ndigkeitspr\u00fcfungen in entsprechend hohe Leistungsstufen eingestuft wurden sowie als Ergebnis der hautphysiologischen Untersuchungen Funktionsparameter der epidermalen Permeabilit\u00e4tsbarriere nicht &#8211; oder nur in geringem Ausma\u00df &#8211; beeintr\u00e4chtigen. Dass diese Untersuchungen notwendig sind, haben Einzelergebnisse gezeigt, die belegen, dass nach dem Vorauswahlverfahren ermittelte Schutzhandschuhe zum Teil penetrabel und f\u00fcr die ausgew\u00e4hlten Testchemikalien permeabel waren. Auch die hautphysiologischen Untersuchungen haben gezeigt, dass abh\u00e4ngig vom Handschuhmaterial und gegebenenfalls erfolgter Puderung der Handschuhe Hautfunktionsparameter ung\u00fcnstig beeinflusst werden. So kommt es beispielsweise durch Verwendung gepuderter Handschuhe zu einem Anstieg des Hautoberfl\u00e4chen-pH-Wertes, was wiederum die Entstehung von Handekzemen und Infektionen der Haut beg\u00fcnstigt. Als gro\u00dfes Problem bez\u00fcglich der Sch\u00e4digung der Haut durch das Tragen von Schutzhandschuhen ist der Okklusionseffekt objektiviert worden. Dieser entsteht durch den nahezu luftdichten Abschluss der Haut und die dadurch bedingte Mazeration der Haut. Die Mazeration der Haut durch das vermehrte Schwitzen unter den Handschuhen ist als ein Risikofaktor f\u00fcr die Entwicklung von Handekzemen zu bezeichnen. Zudem verringert das verst\u00e4rkte Schwitzen unter Schutzhandschuhen die Anwenderakzeptanz. Besonders herauszustellen ist das Ergebnis der Anwenderbefragung, dass eine gro\u00dfe Zahl von Anwendern bestehende Hautprobleme ausschlie\u00dflich auf das Tragen von Schutzhandschuhen zur\u00fcckf\u00fchrt. Zudem konnten relevante Erkenntnisse zu subjektiven Anforderungen an einen Schutzhandschuh ermittelt werden. Diese Anforderungen sind neben der experimentellen und hautphysiologischen Pr\u00fcfung bei der Auswahl von Schutzhandschuhen zu ber\u00fccksichtigen, um die Anwendung von Schutzhandschuhen zur Pr\u00e4vention von berufbedingten Hauterkrankungen zu steigern.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Publikation von Zwischenergebnissen in: Schwanitz H.J., Uter W., Wulfhorst B. (1996) Neue Wege zur Pr\u00e4vention; Paradigma Friseurekzem. Rasch, Osnabr\u00fcck; Pr\u00e4sentaton der Ergebnisse auf wissenschaftlichen Fachtagungen sowie Ausschusstagungen der gesetzlichen Unfallversicherungstr\u00e4ger und Weiterbildungsveranstaltungen von Arbeitsmedizinern; Auszeichnung mit dem Posterpreis der Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Berufsdermatologie 1996. &#8211; Publikation der Endergebnisse in Vorbereitung, nach weiteren Testungen Erstellung eines Leitfadens f\u00fcr kleine und mittlere Unternehmen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Durchf\u00fchrung des F\u00f6rderprojektes hat konkrete Ergebnisse zur Verbesserung der Auswahl und Anwendung von Schutzhandschuhen f\u00fcr Besch\u00e4ftigte in Feuchtberufen erbracht. Eine Weiterf\u00fchrung spezifischer Testungen f\u00fcr die bisher ausgew\u00e4hlten und weitere Feuchtberufe ist unerl\u00e4sslich. Zudem sind Schulungskonzepte zur Verbesserung der Akzeptanz und Vermeidung von Anwendungsfehlern bei den Besch\u00e4ftigten in Feuchtberufen zu entwickeln. Besondere Bedeutung kommt der Entwicklung neuer Handschuhmaterialien zu, wie einem semipermeablen Handschuh, der undurchl\u00e4ssig f\u00fcr exogene Noxen ist, die Wasserdampfabgabe der Haut jedoch nicht einschr\u00e4nkt. Der durch das verst\u00e4rkte Schwitzen unter Schutzhandschuhen entstehende Okklusionseffekt, der die Entstehung von Handexzemen f\u00f6rdert, k\u00f6nnte so verhindert werden. Erste Voruntersuchungen eines semipermeablen Materials sind seitens des Projektnehmers bereits durchgef\u00fchrt worden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Zur Vermeidung von Gesundheitssch\u00e4den in der Arbeitswelt ist h\u00e4ufig der Einsatz von Schutzhandschuhen unerl\u00e4sslich. Diese sind jedoch keineswegs immer undurchl\u00e4ssig f\u00fcr die Chemikalien, mit denen am Arbeitsplatz umgegangen wird. Dar\u00fcber hinaus sind sie auch selbst nicht indifferent f\u00fcr die Haut der Anwender. 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