{"id":19263,"date":"2023-07-13T15:10:25","date_gmt":"2023-07-13T13:10:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/04833-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:10:26","modified_gmt":"2023-07-13T13:10:26","slug":"04833-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/04833-01\/","title":{"rendered":"Reaktivierung einer Wasserkraftanlage an der Werra\/Th\u00fcringen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Nach Jahren der Zwischennutzung einer ehemaligen M\u00fchle als Pumpstation der \u00f6rtlichen Kaliindustrie sollte eine Wasserkraftanlage unter Ber\u00fccksichtigung der aktuellen \u00f6kologischen Erkenntnisse zur Durchg\u00e4nglichkeit und zur Baugestaltung wasserbaulicher Elemente reaktiviert werden.<br \/>\nWann sich ortstypische Lebensgemeinschaften wieder ansiedeln, h\u00e4ngt stark von der Entwicklung der Wasserqualit\u00e4t der Werra ab, die derzeit noch hohe Salzkonzentrationen aufweist.<br \/>\nMit den Ma\u00dfnahmen ist aber die Basis f\u00fcr eine potentielle naturnahe Biotopentwicklung und die Durchg\u00e4nglichkeit am Wasserkraftstandort vorab gesichert.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEs gab drei Gestaltungsbereiche zur \u00f6rtlichen Verbesserung der \u00f6kologischen Bedingungen:<\/p>\n<p>a) Oberwassergraben<br \/>\nHier wurde \u00fcberalteter Baumbestand auf Stock gesetzt, gleichwohl die durchg\u00e4ngige Beschattung erhalten und eine gesunde Altersstruktur des Uferbewuchses erzielt.<br \/>\nSedimente, die sich aufgrund des Zwischenbetriebs als Pumpstation ergeben haben, wurden von der Sohle des Oberwassergrabens ber\u00e4umt, so da\u00df der Bioz\u00f6nose die gewachsene Interstitial-Struktur der Talaue wieder zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<p>b) Aufstiegsanlage f\u00fcr Fische und Kleinlebewesen an Wasserkraftanlage<br \/>\nDie bisher f\u00fcr Gew\u00e4sser aufgrund ihrer H\u00f6he undurchg\u00e4ngliche Stauanlage wurde mit einer Aufstiegsanlage versehen. Ihre Form ergibt sich nach neueren Erkenntnissen, wie sie die L\u00e4nderarbeitsgemeinschaft Wasser entwickelt hat.<\/p>\n<p>c) Unterwassergraben<br \/>\nEin bisher zur Wasserkraftnutzung ungeeigneter, teilweise mit Betonsteinplatten im Uferbereich befestigter Graben wurde aufgeweitet und vertieft.<br \/>\nDie Aufweitung wurde \u00fcber das hydraulisch zum Betrieb der Wasserkraftanlage erforderliche Ma\u00df hinaus vergr\u00f6\u00dfert, um Raum f\u00fcr differenzierte Biotopstrukturen der Feucht- und Wechselwasserzonen zu schaffen.<br \/>\nDies besonders auch als Gegensatz zu dem unterhalb gelegenen, im Zuge einer Gew\u00e4sserbegradigung vertieften Werrabettes gegen\u00fcber der Talaue.<br \/>\nNebeneffekt der Wiederinbetriebnahme der Wasserkraftanlage ist die konstante Stauhaltung am Ausleitungswehr, wodurch sich die Restwasserabgabe in die Ausleitungsstrecke vergleichm\u00e4\u00dfigt. Im Zwischenbetrieb durch die Pumpstation war diese bei niedrigem Wasserstand wegen mangelhafter Regulierung h\u00e4ufig trocken gefallen.<br \/>\nDie Ma\u00dfnahmen wurden im Zuge der Baurealisation und der Inbetriebnahme der Wasserkraftanlage durchgef\u00fchrt.<br \/>\nZudem kann mit rd. 1,8 Mio. kWh elektrischer Energie die CO2-Emission von 1.900 t\/a im Vergleich zu konventionellen Steinkohlekraftwerken vermieden werden, dies entspricht der Schadstoffsubstitution von 110 ha Mischwald.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Mit der Reaktivierung der Wasserkraftanlage und den oben angesprochenen Ma\u00dfnahmen ist die potentielle Durchg\u00e4ngigkeit an der Staustufe wesentlich verbessert worden.<br \/>\nDies bildet die Grundlage f\u00fcr die Entwicklung einer naturnahen Bioz\u00f6nose, wobei der Engpa\u00dffaktor in der starken Salzfracht der Werra liegt.<br \/>\nM\u00f6glich ist jedoch das langfristige Abklingen dieser Salzfracht, wenn auch stets von einer dauerhaften Basisbelastung auf Grund der Grundwasserabsenkungen unter Siedlungsgebieten auszugehen ist.<br \/>\nDie Kostenkalkulation hat sich gegen\u00fcber der veranschlagten Gr\u00f6\u00dfenordnung erh\u00f6ht. Dieses, weil ein Neubau der Wasserkraftanlage aus baugrundtechnischen Gr\u00fcnden erforderlich war, anstatt der vorher angedachten Reaktivierung.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Wasserkraftanlage mit ihrem landschafts\u00f6kologischen Konzept ist den einschl\u00e4gigen Fachbeh\u00f6rden im Rahmen der rechtlichen Bearbeitung bekannt gegeben.<br \/>\nF\u00fcr die Wasserkraftanlage werden nach Bedarf f\u00fcr Fachinteressierte und die \u00f6rtliche \u00d6ffentlichkeit (Schulklassen) F\u00fchrungen angeboten, wie auch bereits mehrfach angenommen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigen:<br \/>\n\u00b7 da\u00df die sichere Abgabe einer Restwassermenge in der Ausleitungsstrecke mit den Regulierungsvorrichtungen einer Wasserkraftanlage m\u00f6glich ist.<br \/>\n\u00b7 da\u00df technisch zur Wasserkrafterzeugung erforderliche Bauelemente wie Oberwasser- und Unterwassergraben durchaus auch nach \u00f6kologischen Aspekten ausgeformt werden k\u00f6nnen und Funktio-nen eines naturnahen Gew\u00e4sserquerschnittes mit Wechselwasserzone und Weichholzaue erf\u00fcllen k\u00f6nnen.<br \/>\n\u00b7 da\u00df mit der Sanierung von einer Wasserkraftanlage auch die Sicherung einer potentiellen Durchg\u00e4nglichkeit f\u00fcr Kleinstlebewesen und Fische m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>F\u00fcr zuk\u00fcnftige Projekte kann die Frage gestellt werden, ob nicht, wie in der hier verfolgten Art und Weise, technische Bauwerke stets auch st\u00e4rker nach einem umweltpolitischen Entwicklungsziel gestaltet werden k\u00f6nnten.<br \/>\nIm Bereich des Na\u00dfabbaues von Sand und Kies, den man h\u00e4ufig gleichzeitig als Renaturierungschance f\u00fcr naturnahe Flu\u00dfauen wahrnimmt, ist dies bereits wesentlich st\u00e4rker Usus als bei der Umgestaltung von Wasserkraftanlagen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Nach Jahren der Zwischennutzung einer ehemaligen M\u00fchle als Pumpstation der \u00f6rtlichen Kaliindustrie sollte eine Wasserkraftanlage unter Ber\u00fccksichtigung der aktuellen \u00f6kologischen Erkenntnisse zur Durchg\u00e4nglichkeit und zur Baugestaltung wasserbaulicher Elemente reaktiviert werden. 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