{"id":19262,"date":"2023-07-13T15:14:07","date_gmt":"2023-07-13T13:14:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/10640-16\/"},"modified":"2023-07-13T15:14:09","modified_gmt":"2023-07-13T13:14:09","slug":"10640-16","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/10640-16\/","title":{"rendered":"Naturschonendes Wohnen in Wilhelmshaven"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Stadt Wilhelmshaven hat bereits 1991 einen einstimmigen Ratsbeschluss f\u00fcr die Errichtung einer \u00d6kosiedlung bzw. Modellsiedlung im Stadtteil Aldenburg auf einer 3 Hektar gro\u00dfen ehemaligen Friedhofserweiterungsfl\u00e4che gefasst. Nach erfolgreicher Teilnahme an der \u00f6ffentlichen Ausschreibung im April 1995 bekam der Verein \u00d6kosiedlung Aldenburg e. V. am 28. Februar 1996 die Fl\u00e4che f\u00fcr ein \u00f6kologi-sches Umsetzungskonzept mit der Vorgabe, die Baureife, d. h. den Bebauungsplan, herzustellen. Nach-dem dieser im Juli 1997 vom Rat der Stadt beschlossen wurde, fingen die Probleme an, mit denen fast alle Stiftungsprojekte zu tun haben. Die Hauptfrage f\u00fcr die Stadt ist: Wie versichere ich mich, dass die \u00f6kologische Ma\u00dfnahme tats\u00e4chlich umgesetzt wird? Daf\u00fcr brachte der St\u00e4dtebauliche Vertrag, den die Stadt mit dem Verein im M\u00e4rz\/April 1998 beschlie\u00dfen soll, die L\u00f6sung. Der B-Plan bietet nicht die recht-liche Struktur. Nur der privatrechtliche Vertrag zwischen Stadt und Tr\u00e4ger, der seit August 1997 in Arbeit ist, soll die Probleme l\u00f6sen. Zentrale \u00f6kologische Ma\u00dfnahmen sind:<br \/>\n\u00b7 Das dezentrale Energiekonzept mit BHKW und sp\u00e4ter Photovoltaik<br \/>\n\u00b7 Der Bereich Hochbau mit Niedrigenergieh\u00e4usern in Holzrahmenbauweise<br \/>\n\u00b7 Das Mobilit\u00e4tskonzept, das auch Car Sharing beinhaltet<br \/>\n\u00b7 Die Grauwasserreinigung in bewachsenem Bodenfilter<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenF\u00fcr alle Bereiche wird ein Arbeits- und Zeitplan erarbeitet, um die weitere Planung des Projektes zu sichern. Drei Phasen stehen jetzt an:<br \/>\nPhase 1 &#8211; Erwerbs- und Vertragsphase zwischen Stadt und Verein. Diese Phase soll im April d. J. abge-schlossen werden.<br \/>\nPhase 2 &#8211; Die Planungsphase l\u00e4uft schon parallel zu Phase 1, damit daf\u00fcr m\u00f6glichst wenig Zeit bei der Umsetzung des 1. Bauabschnittes ben\u00f6tigt wird. Alle Genehmigungsplanungen laufen ebenso parallel zu den Ausf\u00fchrungsplanungen, damit, sobald die Genehmigungen erteilt sind, die Ausschreibungen stattfinden k\u00f6nnen, so dass wir bis Mitte Juni d. J. \u00fcbergehen k\u00f6nnen in die<br \/>\nPhase 3 &#8211; Realisierung des 1. Bauabschnittes. Dieser soll von Mitte Juni 1998 bis Fr\u00fchjahr 1999 laufen mit der parallelen Vorbereitung f\u00fcr die Erschlie\u00dfung des 2. und 3. Bauabschnittes im Nov. 1998 und Baubeginn Juli\/August 1999. Es ist vorgesehen, alle Planungen bis zum Ende der 18monatigen F\u00f6rder-zeit abgeschlossen zu haben.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<br \/>\nTrotz Ratsbeschluss von 1991, eine \u00d6kosiedlung bzw. Modellsiedlung im Stadtteil Aldenburg zu etablie-ren, und des positiven Ratsbeschlusses im Juli 1997 zum B-Plan der \u00d6kosiedlung Aldenburg, der termingerecht und erfolgreich vom Verein erstellt wurde, scheiterte das Projekt &#8211; Naturschonendes Wohnen in Wilhelmshaven &#8211; am 13. Juli 1998.<\/p>\n<p>Wenn man nachtr\u00e4glich die Ursachen analysiert, f\u00fchrte eine Vielzahl verschiedener Faktoren zum Scheitern. Manche Bereiche, wie \u00d6ffentlichkeit\/Presse waren nicht so vordergr\u00fcndig, hatten aber starke psychologische Wirkung auf die m\u00f6glichen Interessenten\/Zielgruppen.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnde k\u00f6nnen in 5 Gruppen zusammengefasst werden:<\/p>\n<p>1) Umgang mit Vertragspartner Stadt\/Politik: Das Projekt war nicht ein Projekt der Stadt &#8211; die Politik stand nicht dahinter. Die fehlende Bereitschaft seitens der Verwaltungsspitze, sich mit uns o-der gemeinsam mit der DBU und\/oder IES hinzusetzen und L\u00f6sungen f\u00fcr die Probleme zu suchen, war sehr frustrierend und deprimierend. Wir hatten viel Zeit und Geld investiert. Bei Problemen m\u00fcssen Wege gefunden werden, um sie zu l\u00f6sen. Die Stadt wollte angeblich die \u00d6kosiedlung; es war ihr Ratsbeschluss.<br \/>\n2) Interne Planungsfehler\/Fehleinsch\u00e4tzungen: Es gab einen gravierenden Fehler. Wir sicherten unseren Anspruch auf das Grundst\u00fcck nicht mit einem Vorvertrag ab. Es war uns nicht bewusst, dass die Stadt sich zu jeder Zeit ohne Schaden aus den Verhandlungen zur\u00fcckziehen kann.<br \/>\n3) Durchsetzung von \u00f6kologischen Ma\u00dfnahmen: Die Wissensdefizite in diesen Bereichen sind verst\u00e4ndlicherweise enorm. Hier im Norden gibt es wenig Beispiele, bei denen diese Techniken und Bauweisen intensiv praktiziert werden. Auch wenn es einige Beispiele gibt, die Motivation, sich mit der Thematik auseinander zu setzen, ist nicht gro\u00df. Es ist einfach zu exotisch.<br \/>\n4) \u00d6ffentlichkeit\/Presse: Vielleicht sollen wir weniger Wind um \u00d6kosiedlungen machen und still und leise einfach erstellen. Sollen wir sie einfach anders nennen?<br \/>\n5) Finanzprobleme: Eine Finanzbeteiligung der Interessierten muss von Anfang an vorhanden sein. Sonst kann es sein, dass die Initiative lange Diskussionen um den Inhalt macht, und wenn es los gehen soll, bleiben die Teilnehmer nicht dabei. Die Finanzbasis muss von vornherein vorhanden sein, d. h., keine Auftragsvergabe ohne Geld in der Kasse.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des 4j\u00e4hrigen Verlaufs dieses Projektes sind \u00fcber 80 Artikel in Zeitungen, Zeitschriften  und Journalen erschienen. Auch in Radio Bremen, NDR und Radio Jade sind mehrere Beitr\u00e4ge zur Sied-lungsentwicklung, zu Problemen und zur L\u00f6sungssuche gesendet worden. Auch zu den Techniken, die in der Siedlung Anwendung finden sollen, gab es Beitr\u00e4ge und vor allem \u00f6ffentliche Veranstaltungen, die das Projekt und seine Inhalte pr\u00e4sentierten.<br \/>\nDer Hauptbericht f\u00fcr die DBU ist auch ein St\u00fcck \u00d6ffentlichkeitsarbeit, da diese Information bei der DBU verbleibt, auch wenn der Verein aufgel\u00f6st wird. Er beinhaltet eine Reflektion der Fehler und Empfehlun-gen f\u00fcr andere Initiatoren, so dass diese mehr Erfolg bei ihren Vorhaben erzielen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Dieses Projekt war ein Erfolg in vielen Aspekten, z. B. dass ein St\u00e4dtebaulicher Vertrag existiert, bei dem die \u00f6kologischen Ma\u00dfnahmen auch festgelegt sind, oder auch insbesondere, dass sich viele hier in der Region erstmals und ernsthaft mit solchen Inhalten besch\u00e4ftigt haben. F\u00fcr die Investoren, die hier wohnen wollten und ihre Lebensplanung in die Realisierung der Siedlung gestellt hatten, ist dies nur ein schwacher Trost. Vielleicht k\u00f6nnen es andere Leute mit Hilfe des Abschlu\u00dfberichtes besser machen!<br \/>\nUnsere Hauptempfehlung ist, Projekte in diesem Umfang nur anzugehen, wenn die volle Bef\u00fcrwortung und Unterst\u00fctzung der Gemeinde- bzw. Stadtverwaltung und der Politik sicher sind (keine Scheinmehrheiten durch Fraktionszwang). Viel Geld, Engagement und Energie sind sonst ergebnislos.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Stadt Wilhelmshaven hat bereits 1991 einen einstimmigen Ratsbeschluss f\u00fcr die Errichtung einer \u00d6kosiedlung bzw. Modellsiedlung im Stadtteil Aldenburg auf einer 3 Hektar gro\u00dfen ehemaligen Friedhofserweiterungsfl\u00e4che gefasst. 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