{"id":19233,"date":"2024-11-27T10:34:22","date_gmt":"2024-11-27T09:34:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/11951-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:34:22","modified_gmt":"2024-11-27T09:34:22","slug":"11951-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/11951-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Beseitigung von Sch\u00e4den an Holzbauteilen der umweltbelasteten Herwigsdorfer Kirche (Sachsen) mit anschlie\u00dfenden Weiterbildungsma\u00dfnahmen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Instandsetzung des durch Umweltsch\u00e4den, tierische und pflanzliche Holzsch\u00e4dlinge sowie \u00dcberlastung in Zusammenhang. mit der Schiefstellung und Umbauten des Innenraums in der Barockzeit stark gesch\u00e4digten Dachreiters und der Deckenbalkenlage mit den Ma\u00dfgaben: Aussch\u00f6pfung der sinnvollen M\u00f6glichkeiten zum Substanzerhalt, weitere Ablesbarkeit der Sicherungsma\u00dfnahmen aus drei Jahrhunderten, Anwendung traditionellen Zimmererhandwerks und Einbeziehung neuerer Reparaturm\u00f6glichkeiten z. B. bei Holzverbindungen. Das Vorhaben soll in modellhafter Weise Gegenstand der Aus- und Weiterbildung von Zimmerern, Architekten und Ingenieuren im osts\u00e4chsischen Raum sein.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDer Ausf\u00fchrungsplanung liegt ein verformungsgerechtes Aufma\u00df zugrunde. Zu prinzipiellen Fragen der Ausf\u00fchrung fand im Mai 1998 ein Fachkolloquium mit eingeladenen Zimmerermeistern, Statikern und Bauingenieuren statt. Die Instandsetzung soll in zwei Jahresscheiben erfolgen. Dem Baubeginn geht eine ausf\u00fchrliche Darstellung der Schadensbilder vor der interessierten Fach\u00f6ffentlichkeit voraus. Dann wird zuerst der Reiter durch m\u00f6glichst schadensarmes Demontieren der Haube und Laterne entlastet (Reparatur derselben am Boden). Dann werden abgesteifte Balkenlage und Dachstuhl unter gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Schonung des barock ausgestalteten Innenraums instandgesetzt, wobei insbesondere hier traditionelle und moderne Holzverbindungen und Ausf\u00fchrungsdetails zu verflechten sind. In der zweiten Phase wer-den Turmstumpf und Abstrebungen instandgesetzt- die Schiefstellung bleibt erhalten- und die Haube mit Laterne montiert. Insbesondere die zweite Phase bedarf der Begleitung in Sachen Aufnahme und Dokumentation der Holzbauteile und -verbindungen. Auf die sonstigen Bauleistungen (Dachdeckung,&#8230;) wird hier zweckm\u00e4\u00dfigerweise nicht eingegangen.<br \/>\nDie Arbeiten werden in beiden Phasen von Weiterbildungsangeboten begleitet. Es soll ferner versucht werden, Auszubildende in die Arbeiten einzubeziehen. Nach Abschluss der Arbeiten erfolgt in geeigneter Weise eine Dokumentation weitergabef\u00e4higer Erfahrungen und Erkenntnisse.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Abweichend von der Planung wurde auf Dr\u00e4ngen des Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege sowie wegen technologischer Schwierigkeiten auf die Demontage von Haube\/Laterne\/Spitze verzichtet. Dadurch wur-den Planer und ausf\u00fchrende Zimmererfirma noch mehr herausgefordert, da durch die verbliebenden Bauteile mit Eigenlasten und Windkr\u00e4ften bedeutend kritischere Bauzust\u00e4nde abzusichern waren als eigentlich geplant. Dies ist letztlich gelungen.<br \/>\nNach Demontage der Renaissance- Felderdecke mit ausf\u00fchrlicher Dokumentation wurde im ersten Bauabschnitt nach umfangreichster Absteifung im Innenraum die Balkendecke instandgesetzt. Dabei kam \u00fcberwiegend das sogenannte BVD- Sanierungsanker- Verfahren (Bertsche) zur Anwendung, da wegen der hohen einwirkenden Kr\u00e4fte und ung\u00fcnstiger R\u00fcckschnittbedinguingen der u.a. mit Echtem Hausschwamm befallenen Holzbauteile traditionelle Verbindungen nur eingeschr\u00e4nkt ausf\u00fchrbar waren.<br \/>\nMit hydraulischen Hebern wurde die Balkenlage mit dem Dachreiter seitenweise ausgehoben und so die kritische Schieflage des Reiters etwas zur\u00fcckgenommen. Mit einem Zugstabsystem (Besista) wurden unter Verwendung von vorhandenen Zangen zur Verteilung der Vertikallasten zwei Fachwerktr\u00e4ger im Reiterbereich gebildet. Parallel zu den Arbeiten erfolgte eine baubegleitende Dokumentation durch das G\u00f6rlitzer Fortbildungszentrum f\u00fcr Handwerk und Denkmalpflege.<br \/>\nIm zweiten Bauabschnitt erfolgte die Instandsetzung des Reiters selbst. Dieser war sehr gesch\u00e4digt. F\u00fcnf der acht Ecks\u00e4ulen mussten auf bis zu 8,5 m L\u00e4nge gesto\u00dfen werden. Unter Verwendung von belastbaren Schichtholz (Kerto) konnten diverse \u00dcberlaschungen und St\u00f6\u00dfe so ausgef\u00fchrt werden, dass maximal Originalsubstanz erhalten werden konnte. Die bauzeitlichen Absteifungen im Reiter sowie die handwerkliche Ausf\u00fchrung der Holzarbeiten gestalteten sich sehr schwierig. Auf erg\u00e4nzende Stahlverspannungen konnte nicht verzichtet werden.<br \/>\nIm Zuge der Arbeiten wurde ein Weiterbildungsseminar f\u00fcr Zimmerer mit Besichtigung der Baustelle durchgef\u00fchrt. \u00dcberdies wurde das Vorhaben in die am G\u00f6rlitzer FBZ laufenden Weiterbildungen einbezogen. Es wurde ein ma\u00dfst\u00e4bliches Holzmodell von Dachtragwerk und Dachreiter mit Kennzeichnung der ausgetauschten bzw. erg\u00e4nzten Bauteile angefertigt, dass nun im G\u00f6rlitzer FBZ f\u00fcr die laufende Weiterbildung zur Verf\u00fcgung steht.<br \/>\nNach Abschluss der Arbeiten wird nun im Zuge der laufenden Ausbildung zum Restaurator im Handwerk ein Abschlussgespr\u00e4ch mit Besichtigung erfolgen.<br \/>\nDie Sicherungsma\u00dfnahmen aus mehreren Jahrhunderten sind ablesbar geblieben. Es wurde ein gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Anteil an Originalsubstanz erhalten. Der Reiter hat seine Schiefstellung in geminderter Weise erhalten. Die Felderdecke konnte im wesentlichen schadensfrei wieder eingebaut werden.<br \/>\nWegen des sehr engen Finanzierungsrahmens mussten bei der Ausf\u00fchrung Kompromisse gemacht werden. Da dies letztlich in der Region Normalit\u00e4t ist, war die kosteng\u00fcnstige L\u00f6sung bei nichtsdestoweniger denkmalpflegerischem Anspruch nur zu berechtigter Teil der Diskussionen und Gespr\u00e4che im Rahmen der Weiterbildungsma\u00dfnahmen. Ferner stie\u00df insbesondere die Anwendung der modernen Verfahren auf besonderes Interesse bei den Fachhandwerkern und Technikern.<br \/>\nDie Bauherrin h\u00e4tte sich allerdings ein sich in h\u00f6heren Teilnehmerzahlen ausdr\u00fcckendes, gr\u00f6\u00dferes Interesse unter den Fachleuten gew\u00fcnscht. M\u00f6glicherweise stand der regional extreme \u00dcberlebens- und Preiskampf unter den Fachbetrieben einer regeren Beteiligung entgegen. Durch die Verwertung der beim Vorhaben Kirche Herwigsdorf gesammelten Erfahrungen in der lfd. Weiterbildungsarbeit des G\u00f6rlitzer FBZ k\u00f6nnen jedoch noch weitere Zielgruppen erreicht werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Bauherrin erm\u00f6glichte mit F\u00fchrungen w\u00e4hrend der Arbeiten eine rege Anteilnahme der interessierten \u00d6ffentlichkeit. Das G\u00f6rlitzer FBZ hat Ausstellungstafeln hergestellt, die bei regionalen Fachmessen und Veranstaltungen bereits verwendet wurden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Vorhabenziel wurde trotz des engen Finanzierungsrahmens in vollem Umfang erreicht. Die Instandsetzung im Bestand, d. h. ohne Demontage des Reiters  wurde seitens der Denkmalpflege besonders anerkannt. Die geplanten Weiterbildungsma\u00dfnahmen wurden durchgef\u00fchrt bzw. sind teilweise noch integrativer Bestandteil der derzeit laufenden Ausbildung zum Restaurator im Handwerk am G\u00f6rlitzer Fortbildungszentrum f\u00fcr Handwerk und Denkmalpflege. Dachtragwerk und Dachreiter der Dorfkirche Herwigsdorf konnten vor dem Einsturz bewahrt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Instandsetzung des durch Umweltsch\u00e4den, tierische und pflanzliche Holzsch\u00e4dlinge sowie \u00dcberlastung in Zusammenhang. mit der Schiefstellung und Umbauten des Innenraums in der Barockzeit stark gesch\u00e4digten Dachreiters und der Deckenbalkenlage mit den Ma\u00dfgaben: Aussch\u00f6pfung der sinnvollen M\u00f6glichkeiten zum Substanzerhalt, weitere Ablesbarkeit der Sicherungsma\u00dfnahmen aus drei Jahrhunderten, Anwendung traditionellen Zimmererhandwerks und Einbeziehung neuerer [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":0,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[51,68,2423],"class_list":["post-19233","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-ressourcenschonung","tag-sachsen","tag-umweltkommunikation"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"11951\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-11951.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"96.794,20","dbu_projektdatenbank_firma":"Ev.-Luth. 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