{"id":19227,"date":"2023-07-13T15:12:05","date_gmt":"2023-07-13T13:12:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/07435-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:12:06","modified_gmt":"2023-07-13T13:12:06","slug":"07435-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/07435-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben zur Beseitigung und Verh\u00fctung bergbaubedingter Sch\u00e4den am Dom St. Marien in Zwickau (Sachsen)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Steinkohlenbergbau wurde im Zwickauer Revier 1978 planm\u00e4\u00dfig eingestellt. Unter dem Dom wurde vorwiegend im Zeitraum nach 1920\/1930 in etwa 400 m Tiefe Steinkohle abgebaut. Die seinerzeit sorgf\u00e4ltig dokumentierten Bergsenkungen hatten zu Bausch\u00e4den am Dom und zur \u00dcberschreitung statischer Normen gef\u00fchrt, au\u00dferdem zum Nachweis einer tektonischen St\u00f6rung diagonal unter dem Dom. Unerwartet traten etwa 1989\/90 neue Risse am Dom auf, die durch Hebungen verursacht wurden. Der Hebungsvorgang wurde regional erfasst und berechnet. Die Beobachtungen am Dom waren dabei in mehrere andere Programme integriert. Die Bearbeitungsergebnisse der sekund\u00e4ren, bergbauinduzierten Hebungen erreichten Modellcharakter f\u00fcr die Bergschadenstheorie. Das Abklingen der bergbauinduzierten Bewegungen war Voraussetzung f\u00fcr die Beseitigung der Bauwerkssch\u00e4den am Dom.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenEs bestand eine gute Kooperation zu Arbeitsprogrammen des Freistaates Sachsen. Die historischen Dokumentationen zum Dom, aktuelle Kontrollmessungen zur Bauwerkssicherheit und sorgf\u00e4ltige Beobachtungen zum Grundwasserstand an den beiden neu angelegten Dommessstellen waren wertvolle Bausteine. Es wurde nachgewiesen, dass die sekund\u00e4re Hebung erneut tektonische Linien aktivierte. Die Spezialmessungen zum Dom waren wertvolle Erg\u00e4nzungen zur Modellierung des Hebevorganges und zur sicheren Aussage des Abklingens des Hebungsvorganges nach 1999. Parallel wurden Methoden zur Bausicherung an historischen Geb\u00e4uden weiterentwickelt, die ebenfalls Modellcharakter besitzen. Es ging darum, auseinandergerissene Bauwerksteile durch Rissverschluss und Vernadelung wieder zum vollen Querschnitt und Lastabtrag zu ert\u00fcchtigen, auch um andere Bereiche vor \u00dcberlastung und Br\u00fcchen zu sch\u00fctzen. Dazu mussten Vertr\u00e4glichkeitspr\u00fcfungen der verwendeten Materialien (Kohlefaserst\u00e4be statt Stahlnadeln; geeignete Vergie\u00dfm\u00f6rtel) zum historischen Mauerwerk des bedeutenden Baudenkmals erfolgen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Bauwerkskontrollmessungen qualifizierten die regionale Berechenbarkeit der sekund\u00e4ren bergbau-induzierten Hebungen. Nach dem nachgewiesenen Ende der Bewegungen mussten vor allem die vertikal gerissenen Pfeiler der Nordseite des Domes saniert werden. Bei der vorhandenen Pfeiler-Gew\u00f6lbe-Konstruktion und der erheblichen L\u00e4nge der erforderlichen Anker wurde ein Verfahren gew\u00e4hlt, das die Weichheit der Konstruktion ber\u00fccksichtigt und gleichzeitig temperaturbedingte \u00c4nderungen des Ankermaterials ausschlie\u00dft. Notwendigerweise sind die Horizontalkr\u00e4fte aus der Gew\u00f6lbekonstruktion sicher \u00fcber die Strebepfeiler in das Fundament abzuleiten und die f\u00fcr die Rissbildung hervorgerufene Lastumlegung, die zu \u00dcberlastungen des verbleibenden tragenden Querschnittes des Natursteinmauerwerkes gef\u00fchrt hatte, war zu verhindern. Wegen der optischen Beeintr\u00e4chtigungen in dem hochwertigen Kulturdenkmal musste ein nach Abschluss der Ma\u00dfnahmen unsichtbares Vernadelungs- und Verpressverfahren gew\u00e4hlt werden.<br \/>\nEntsprechend des Sanierungsvorschlages wurden zun\u00e4chst alle inneren Risse und Gef\u00fcgest\u00f6rungen in dem Mauerwerk der Strebepfeiler durch Auff\u00fcllen mit geeignetem Verf\u00fcllmaterial verschlossen. Damit war \u00fcberhaupt die M\u00f6glichkeit gegeben, geschlossene Bohrkan\u00e4le, die bis zu 4 m L\u00e4nge erforderlich waren, herzustellen. Als Injektionsanker sind hochfeste, temperatur- und dehnungsunempfindliche Kohlefaseranker verwendet worden.<br \/>\nEin Problem stellte die Auswahl des Injektionsm\u00f6rtels dar, der einerseits die langen schlanken Bohrkan\u00e4le vollst\u00e4ndig auszuf\u00fcllen hatte, gleichzeitig \u00fcber die notwendige Auszugfestigkeit der Injektionsanker verf\u00fcgen musste und keine naturwerksteinzerst\u00f6renden Quelleffekte aufweisen durfte.<br \/>\nNach Abschluss der statisch-konstruktiven Sicherungsarbeiten sind die Pfeiler entsprechend der denkmalpflegerischen Zielstellung steinsichtig lasiert und die Verfugung ist bestandsgerecht wieder hergestellt worden.<br \/>\nGem\u00e4\u00df der denkmalpflegerischen Zielstellung wurde auf der S\u00fcdseite das Fundament des 5. Strebepfeilers zun\u00e4chst vollst\u00e4ndig freigelegt. Innere Hohlr\u00e4ume des Fundamentes wurden durch Verpressung mit Injektionsm\u00f6rtel geschlossen. Eine Armierung erfolgte oberseitig auf der Fundamentau\u00dfenseite durch ein CF-Laminat. Anschlie\u00dfender \u00dcberputz mit entsprechendem Sperrmaterial schloss diese Ma\u00dfnahme ab. Schleusen im Fundamentbereich sind instandgesetzt worden.<br \/>\nDaraufhin wurde der 5. Strebepfeiler vollst\u00e4ndig und der Jochbereich zwischen 4. und 5. Strebepfeiler mit einem speziellen konstruktiven Ger\u00fcst einger\u00fcstet. Eine Verpressung der inneren Hohlr\u00e4ume des 5. Strebepfeilers ist durchgef\u00fchrt worden. Diese Kohlefaseranker wurden ca. 60 cm \u00fcber den Rissverlauf hinaus in das Naturwerksteinmauerwerk des Domes eingebracht. Die Neigung dieser Bohrkan\u00e4le mit einer Steigung von 10 % erm\u00f6glichten eine vollst\u00e4ndige Verf\u00fcllung dieser Bohrkan\u00e4le mit einem Verpressm\u00f6rtelmaterial. Die Erfahrungen der Sanierung der Pfeiler Nordseite nutzend ist hier ein bereits erprobter M\u00f6rtel eingesetzt worden.<br \/>\nIm Anschluss an die statische Sanierungsarbeit ist das Naturwerksteinmauerwerk der Pfeiler sowie die Bauzier der denkmalschutzrechtlichen Auflagen entsprechend instandgesetzt worden. Die Armierungen der Ma\u00dfwerke wurden aufgearbeitet und durch einen neuen formschl\u00fcssigen Verbund mit dem vorhandenen Naturwerksteinmauerwerk wieder voll funktionsf\u00e4hig gemacht. Die Gestaltung der Bauzier erfolg-te entsprechend des Bestandes mit dem abschlie\u00dfenden Versetzen der Apostelfigur Bartholom\u00e4us.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die erreichten geologisch-tektonischen und geod\u00e4tischen Ergebnisse waren bereits mehrfach Gegenstand von Fachtagungen und einschl\u00e4gigen Publikationen. Einige Hauptaussagen wurden und werden in den Informationsheften Dom St. Marien Zwickau publiziert, Heft 9\/1998 und 12\/2003, herausgegeben vom F\u00f6rderverein zur Erhaltung des Domes St. Marien zu Zwickau e.V.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Durch engagiertes Zusammenwirken unterschiedlicher Fachbereiche und gute Kooperation zu anderen Untersuchungsprogrammen (Geologie, Tektonik, Bergbaugeschichte, Bergbaufolgeprobleme, Geod\u00e4sie, Baustatik, Materialkunde) wurden bei der Sanierung des Baudenkmales Zwickauer Dom Ergebnisse erzielt, die auf mehreren Teilgebieten Modellcharakter erreichten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Steinkohlenbergbau wurde im Zwickauer Revier 1978 planm\u00e4\u00dfig eingestellt. Unter dem Dom wurde vorwiegend im Zeitraum nach 1920\/1930 in etwa 400 m Tiefe Steinkohle abgebaut. 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