{"id":19183,"date":"2023-07-13T15:10:28","date_gmt":"2023-07-13T13:10:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/04859-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:10:28","modified_gmt":"2023-07-13T13:10:28","slug":"04859-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/04859-01\/","title":{"rendered":"Reaktivierung der Wasserkraftanlage Neue H\u00fctte an der P\u00f6hla\/Sachsen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Reaktivierung der Wasserkraftanlage Neue H\u00fctte an der P\u00f6hla unter m\u00f6glichst umweltgerechten Gesichtspunkten. Dabei sollen nicht nur Faktoren der Wirtschaftlichkeit sondern besonders auch der \u00d6kologie ber\u00fccksichtigt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Bauarbeiten begannen im Mai 1994 mit dem Bodenaushub f\u00fcr das Turbinenhaus mit umfangreichen Sprengarbeiten wegen des anstehenden massiven Felsens. Die Beton- und Baumeisterarbeiten wurden an eine ortsans\u00e4ssige Firma vergeben und von dieser im Zeitraum von zw\u00f6lf Wochen von Juli bis Oktober ausgef\u00fchrt.<br \/>\nEnde Juli begannen die Arbeiten an der Trasse der Druckrohrleitung und der Freifluterleitung. Mit einem Zeitaufwand von ca. vier Wochen erfolgten die Betonarbeiten am Einlaufbecken und der Rechenanlage Ende Juli bis Anfang August. Zeitgleich wurde die 450 m lange Druckrohrleitung aus Stahl verlegt und verschwei\u00dft und parallel dazu die Freifluterleitung aus Betonrohren. Die Druckleitungen und das Einlaufbauwerk waren Ende August 1994 rohbaufertig.<br \/>\nDie Arbeiten am Betriebsgraben begannen ebenfalls im Juli 1994 mit der R\u00e4umung des Grabens und der Fertigstellung des vorgesehenen Profils zum Einlegen der Dichtungsfolie bis Mitte September. Nach der Verlegung und Verschwei\u00dfung der Folie gegen Ende September erfolgte das Bedecken der Folie mit Mineralgestein und die Fertigstellung der Erdarbeiten im Gel\u00e4ndeumfeld. Die Verlegung der 250 m langen Freispiegelleitung vom Wehr bis zur ersten Wegkreuzung erfolgte ebenfalls in dieser Zeit.<br \/>\nVon Ende Oktober bis Anfang November wurden Restarbeiten am Wehr durchgef\u00fchrt und bis Mitte Dezember die Erdarbeiten fertiggestellt.<br \/>\nDie Montage der Turbinenanlage begann Ende November. Mit ihr wurden zeitgleich die Elektroarbeiten und die Installation des Rechenreinigers durchgef\u00fchrt, so da\u00df Ende Dezember ein erster Probebetrieb der Anlage durchgef\u00fchrt werden konnte. Das Ergebnis war zufriedenstellend. Die abschlie\u00dfende Abnahme durch das EVU erfolgte Anfang Januar 1995. Seitdem liefert die Anlage Strom ins Netz.<br \/>\nVon April bis Mai 1995 wurden die Feinplanie und andere Restarbeiten im Bereich des Betriebsgrabens und der Trasse der Druckleitung beendet. Ebenfalls im Fr\u00fchjahr 1995, nach Ende der Frostperiode, wurde die Fischtreppe am Wehr errichtet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Wasserkraftanlage Neue H\u00fctte an der P\u00f6hla geht bereits auf das Jahr 1887 zur\u00fcck. Sie diente fr\u00fcher zum mechanischen Antrieb der Holzschleiferei einer Papierfabrik. Mit der Schlie\u00dfung der Papierfabrik erfolgte die Stillegung der Anlage in den vierziger Jahren. Der ehemalige M\u00fchlgraben wurde trockengelegt und verf\u00fcllt. Im Laufe der Zeit verkam der Graben immer mehr zum Abladeplatz f\u00fcr Unrat und M\u00fcll. Die Anlage war dem Verfall preisgegeben.<br \/>\nW\u00e4hrend des damaligen Betriebes erfolgte die Wasserausleitung \u00fcber ein Wehr mit einem beweglichen Klappenaufsatz. Der Einlauf in den Betriebsgraben konnte mit einem h\u00f6lzernen Sch\u00fctz verschlossen werden. \u00dcber einen rund 1200 m langen Kanal wurde das Wasser am rechten Talrand dem Wasserschlo\u00df zugef\u00fchrt. Dort begann der Kraftabstieg in einer unterirdisch verlegten st\u00e4hlernen Druckrohrleitung zum Krafthaus. Ein ca. 300 m langer \u00fcberdeckter Freispiegelkanal f\u00fchrte das Wasser wieder in die P\u00f6hla zur\u00fcck.<br \/>\nDie noch vorhandenen Anlagenteile befinden sich in einem solch desolaten Zustand, da\u00df ein kompletter Neubau der wichtigsten Anlagenteile erforderlich ist. Eine Sanierung kommt nicht mehr in Frage. Das Ingenieurb\u00fcro Hans Kellner entwarf die Pl\u00e4ne f\u00fcr die Reaktivierung in Zusammenarbeit mit dem Gutachtergremium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Im wesentlichen wurde die Anlage nach den Gegebenheiten der fr\u00fcheren Wasserkraftanlage rekonstruiert. Der Wehrbereich wird komplett neu gestaltet und mit einer Fischaufstiegsm\u00f6glichkeit ausgestattet. Die Wasserentnahme erfolgt jetzt \u00fcber eine Sohlentnahme in Form des Tiroler Wehres \u00fcber einen Grundrechen. Der Betriebsgraben wurde ebenfalls grundlegend saniert. Durch Zukauf der anliegenden Grundst\u00fccke konnte das vorhandene gemauerte Rechteckgerinne in ein naturn\u00e4heres Profil mit deutlich geringerer Str\u00f6mungsgeschwindigkeit umgewan-delt werden. Das Wasserschlo\u00df wird an der gleichen Stelle wie fr\u00fcher errichtet. Der Krafthausanbau an die alte Papierfabrik ist nicht mehr sanierungsf\u00e4hig. Ein Neubau des Krafthauses war deshalb erforderlich. Das Betriebsgeb\u00e4ude wird aus Platz- und hydraulischen Gr\u00fcnden von dem ehemaligen Betriebsgel\u00e4nde weg n\u00e4her an die P\u00f6hla verlegt, um den langen Unterwasserkanal einzusparen. Dadurch wurde auch eine neue Trassenf\u00fchrung f\u00fcr die um 200 m verl\u00e4ngerte Druckrohrleitung und den Freischu\u00df erforderlich.<br \/>\nMit der Reaktivierung der Anlage und der damit einhergegangenen Modernisierung der Anlagentechnik ist ein sehr sch\u00f6nes Gesamtensemble entstanden, das die Vorteile der ressourcenschonenden Wasserkraftnutzung bei gleichzeitig m\u00f6glichst geringer Beeintr\u00e4chtigung der Umwelt demonstriert. Bei einer Ausbauleistung von 468 kW und einer durchschnittlichen Jahresenergieerzeugung von 1.750 MWh erreicht die Anlage eine j\u00e4hrliche CO2-Einsparung von rund 1.400 t.<br \/>\nDie Verbindung der durch das Wehr getrennten Biotope \u00fcber eine Fischtreppe stellt eine deutliche Aufwertung dar. Am Krafthaus selbst ist die Errichtung einer Fischaufstiegsm\u00f6glichkeit wegen der sehr gro\u00dfen H\u00f6hendifferenz von 42 m nur sehr schwer m\u00f6glich. Wanderwillige Fische meiden dunkle Kan\u00e4le. Deswegen ist nicht zu erwarten, da\u00df der Untergraben als Sackgasse wirkt, da die Fische in den Graben trotz h\u00f6herer Str\u00f6mung nicht einschwimmen. Die Anlage kann als Beispiel f\u00fcr eine gute Gestaltung der Durchg\u00e4ngigkeit dienen. Die Neugestaltung des M\u00fchlgrabens, sowie die Einrichtung von Fischunterst\u00e4nden und Stillwasserzonen verbessern dieses Bild weiter. Insgesamt ergibt sich ein sehr positives Bild der gesamten Anlage. Ebenso ist die Restwasserproblematik hier unter der Ber\u00fccksichtigung der \u00f6rtlichen Gegebenheiten sehr gut gel\u00f6st. Der optische Eindruck der Ausleitungsstrecke l\u00e4\u00dft keine Beeintr\u00e4chtigung der Bioz\u00f6nose vermuten.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Hier ist eine Wasserkraftanlage entstanden, die beispielhaft aufzeigt, wie mit Engagement und Phantasie eine Anlage geschaffen werden kann, die sowohl den \u00f6kologischen als auch den \u00f6konomischen Anspr\u00fcchen gerecht wird. Es wird hierdurch gezeigt, da\u00df umweltgerechte Wasserkraftnutzung durchaus m\u00f6glich ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Reaktivierung der Wasserkraftanlage Neue H\u00fctte an der P\u00f6hla unter m\u00f6glichst umweltgerechten Gesichtspunkten. Dabei sollen nicht nur Faktoren der Wirtschaftlichkeit sondern besonders auch der \u00d6kologie ber\u00fccksichtigt werden. Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Bauarbeiten begannen im Mai 1994 mit dem Bodenaushub f\u00fcr das Turbinenhaus mit umfangreichen Sprengarbeiten wegen des anstehenden [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[57,47,50,51,52,53],"class_list":["post-19183","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-bayern","tag-klimaschutz","tag-naturschutz","tag-ressourcenschonung","tag-umweltforschung","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"04859\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-04859.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"178.952,16","dbu_projektdatenbank_firma":"Firma Johann Kaiser","dbu_projektdatenbank_strasse":"","dbu_projektdatenbank_plz_str":"94342","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Stra\u00dfkirchen","dbu_projektdatenbank_p_von":"1994-05-11 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"1999-07-06 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"5 Jahre und 2 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Bayern","dbu_projektdatenbank_foerderber":"8","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/19183","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/19183\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32186,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/19183\/revisions\/32186"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=19183"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=19183"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=19183"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}