{"id":19156,"date":"2023-07-13T15:08:45","date_gmt":"2023-07-13T13:08:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/02166-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:08:46","modified_gmt":"2023-07-13T13:08:46","slug":"02166-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/02166-01\/","title":{"rendered":"R\u00fcckgewinnung gasf\u00f6rmiger An\u00e4sthetika w\u00e4hrend Vollnarkosen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In der Universit\u00e4tsklinik Ulm werden j\u00e4hrlich ca. 4.4 Millionen Liter Lachgas freigesetzt. Ungef\u00e4hr 60000 Liter Narkosegase, bei denen es sich um FCKWs handelt, werden in die Atmosph\u00e4re geleitet. F\u00fcr die alten Bundesl\u00e4nder der Bundesrepublik Deutschland betr\u00e4gt die Zahl der Vollnarkosen, die in Kliniken durchgef\u00fchrt werden, nach Angaben des statistischen Bundesamtes mindestens 5.8 Millionen pro Jahr.<br \/>\nW\u00e4hrend den Operationen werden in Deutschland die Narkosegase wie auf der ganzen Welt an die Atmosph\u00e4re abgegeben, was aufgrund ihres Treibhausgaseffektes und  der ozonabbauenden Kapazit\u00e4t unter Umweltaspekten bedenklich ist.<br \/>\nAls neuentwickeltes Narkosegas kam 1994 die Substanz Desflurane auf den Markt, die aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften weniger ozonzerst\u00f6rend wirkt als die herk\u00f6mmlichen Substanzen, daf\u00fcr ist ein ausgepr\u00e4gter Treibhauseffekt zu erwarten. Unser Projekt dient der R\u00fcckgewinnung der Gase w\u00e4hrend der Narkosen, um so ein geschlossenes Recyclingkonzept zu entwickeln und den Ersatz des Lachgases und der FCKWs und FKWs durch das umweltfreundliche Edelgas Xenon zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden\u00b7Testung verschiedener Adsoptionsmaterialien auf qualitative und quantitative Eignung zur Adsorption volatiler An\u00e4sthetika<br \/>\n\u00b7Durchf\u00fchrung von Expositionsmessungen am Arbeitsplatz des An\u00e4sthesiepersonals und Entwicklung von Ma\u00dfnahmen zur Belastungsreduktion<br \/>\n\u00b7Konstruktion einer R\u00fcckgewinnungsanalge zur Anreicherung von Xenon aus dem Narkoseabgas<br \/>\n\u00b7Modifikation eines herk\u00f6mmlichen Narkoseger\u00e4tes zum Xenon-Narkoseger\u00e4t.<br \/>\n\u00b7Erste Versuche mit Xenonnarkosen und R\u00fcckgewinnung am Tiermodell<br \/>\n\u00b7Vorbereitung der Zulassung von Xenon als Narkosegas in Deutschland und Europa.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Ergebnisse: Die Untersuchungen \u00fcber die Eignung der R\u00fcckgewinnung volatiler An\u00e4sthetika ergaben eine klare Pr\u00e4ferenz f\u00fcr die direkte Kondensation in K\u00fchlfallen. Diese haben nach verschiedenen Modifikationen die gleiche quantitative Effektivit\u00e4t der Aktivkohle, die Kapazit\u00e4t ist jedoch unbegrenzt und es entf\u00e4llt die Lagerung und Wiederaufarbeitung von Adsorptionsmaterialien. Die Firma Dr\u00e4ger hat sich aufgrund unserer Untersuchungen bereits eine kommerzielle Anlage bauen  lassen, in der 75% der FCKWs, die dort f\u00fcr die Kalibrierung der Narkoseger\u00e4te verwendet werden (j\u00e4hrlich Substanzverbrauch DM 1 Mio), aus der Abluft zur\u00fcckgewonnen und wieder eingesetzt werden. \u00b7 Bei der Untersuchung verschiedener Narkoseverfahren wurde festgestellt, da\u00df Maskennarkosen zu den h\u00f6chsten Arbeitsplatzbelastungen f\u00fchren und hier die Larynx- und Doppelmasken \u00fcberlegen sind. Weiterhin konnte gezeigt werde, da\u00df durch den Einsatz von Silikonmaterialien der Verlust von Lachgas und FCKWs um das 10.000-fache ansteigt. \u00b7 Die R\u00fcckgewinnungsanlage f\u00fcr das Narkosegas Xenon wurde fertiggestellt. \u00b7 Ein Beatmungsger\u00e4t wurde f\u00fcr den Einsatz mit dem neuen An\u00e4sthetikum modifiziert und vom T\u00dcV zugelassen. \u00b7 In einer Untersuchung an 28 Schweinen wurde die Funktion der Komponenten erfolgreich getestet. \u00b7 Quantitativ und qualitativ f\u00fchrte der Versuch zu Ergebnissen, die weiter verbesserungsf\u00e4hig sind, die aber bereits dazu gef\u00fchrt haben, da\u00df vom Industriepartner Messer-Griesheim das Zulassungsverfahren in Deutschland und Europa betrieben wird. \u00b7 Zu diesem Zweck wurde ein toxikologisches Gutachten erstellt und beim Bundesamt f\u00fcr Arzneimittelwesen in Berlin hinterlegt. \u00b7 Es wurde in einem eigens veranstalteten Symposium eine internationale Arbeitsgruppe gegr\u00fcndet, die die europ\u00e4ische Zulassung betreibt. \u00b7 Aus medizinischer Sicht wurden die ausgezeichneten Eigenschaften des Narkosegases Xenon best\u00e4tigt. \u00b7 Die in Deutschland erforderlichen Multcenterstudien befinden sich in Planung und werden Anfang 1997 beginnen (Partner: Heidelberg, Hamburg, Ulm, Damme\/D\u00fcmmer). \u00b7 Zur quantitativen Verbesserung der R\u00fcckgewinnung wurde vom GKSS Forschungszentrum in Geesthacht eine semipermeable Membran zur Anreicherung von Xenon entwickelt und im Rahmen einer Diplomarbeit getestet. \u00b7 Diese Membran wird im Moment in unseren Versuchsaufbau integriert und im Probelauf getestet werden. Diskussion: Durch die ersten Untersuchungen wird das Projekt Xenon mit Sicherheit in die Routinepraxis der An\u00e4sthesie eingehen werden. Die technische Realisierung ist jedoch unter Umwelt- und Energieaspekten (Erh\u00f6hung der Effizienz bei Senkung des Energieverbrauches) weiter verbesserungsbed\u00fcrftig. Diese Meinung wird von den beteiligten industriellen Projektpartnern nur partiell geteilt. Die m\u00f6gliche bakterielle und virologische Verunreinigung recycelter Medikamente beinhaltet in der Fachwelt noch ein gewisses Angstpotential, das durch entsprechende Untersuchungen (geeignete Filter stehen kommerziell zur Verf\u00fcgung) noch abgebaut werden mu\u00df.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Popul\u00e4rwissenschaftlich: Ver\u00f6ffentlichungen in uni ulm intern, Focus, Spiegel, TV-Berichte in SDR3 Abendschau und Wissenschaftsmagazin, ARD + ZDF Mittagsmagazin, ORF Wissenschaftsmagazin. Wissenschaftliche Pr\u00e4sentationen auf dem Zentraleurop\u00e4ischen An\u00e4sthesiekongress Wien 1995, Deutschen An\u00e4sthesiekongress in N\u00fcrnberg 1996, Europ\u00e4ischem An\u00e4sthesiekongress in Jerusalem 1994 und London 1996, Weltan\u00e4sthesiekongress in Sydney 1996, Vortr\u00e4ge an den Universit\u00e4ten in Z\u00fcrich und M\u00fcnchen. 1996 noch feste Vortragstermine in M\u00fcnster, G\u00f6ttingen, Wien, Budapest und Linz. Wissenschaftliche Ver\u00f6ffentlichungen in der Acta Anaesthesiologica Scandinavica und in der Zeitschrift Der An\u00e4sthesist. Eingereichte Publikationen im British Journal of Anaesthesia, An\u00e4sthesiologie und Intensivmedizin, Der An\u00e4sthesist. 1996 Durchf\u00fchrung eines europ\u00e4ischen Symposiums zur Vorbereitung der Zulassung von Xenon in Europa.<br \/>\nEine Bewerbung f\u00fcr die Projektpr\u00e4sentation auf der EXPO 2000 in Hannover wird vorbereitet.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Durch die von uns angeregte Diskussion wird die Umweltbelastung durch die An\u00e4sthesie innerhalb der \u00c4rzteschaft nicht mehr bagatellisiert. Auch die Untersuchungen der Arbeitsplatzbelastung f\u00fchrten zu einer Zunahme des \u00f6ffentlichen Interesses an Alternativen. Auf dem von uns veranstalteten Symposium in Freiburg sowie auf den besuchten Kongressen in Sydney und N\u00fcrnberg, auf dem die Projektpartner bereits mit eigenen Messest\u00e4nden vertreten waren, war das internationale \u00f6ffentliche und fachspezifische Interesse gro\u00df. Die medizinischen, arbeitsplatz- und umweltentlastenden Eigenschaften des Edelgases Xenon, verbunden mit der Aussicht, da\u00df die Xenonan\u00e4sthesie durch die R\u00fcckgewinnung wirtschaftlich realisierbar ist, hat innerhalb der Industriepartner zu einer gro\u00dfen Bereitschaft gef\u00fchrt, das Projekt kommerziell zu realisieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In der Universit\u00e4tsklinik Ulm werden j\u00e4hrlich ca. 4.4 Millionen Liter Lachgas freigesetzt. Ungef\u00e4hr 60000 Liter Narkosegase, bei denen es sich um FCKWs handelt, werden in die Atmosph\u00e4re geleitet. 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