{"id":19044,"date":"2023-07-13T15:13:26","date_gmt":"2023-07-13T13:13:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/09596-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:13:28","modified_gmt":"2023-07-13T13:13:28","slug":"09596-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/09596-01\/","title":{"rendered":"Erarbeitung eines Energie- und Umweltkonzeptes f\u00fcr die Stadt Novogard\/Polen unter besonderer Ber\u00fccksichtigung regenerativer Energiequellen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Erd\u00f6lkrise in den 70er Jahren f\u00fchrte dazu, da\u00df die damalige Sowjetunion ihre Erd\u00f6lprodukte zunehmend zu Weltmarktpreisen auf dem internationalen Markt anbot. Grundlegende Ver\u00e4nderungen der Roh\u00f6lpreise im damaligen COMECON-Verbund waren die Folge. Aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden f\u00fchrte dies dazu, da\u00df die einzelnen COMECON-L\u00e4nder ihre bis dahin stark auf sowjetisches Erd\u00f6l fixierte Energieversorgung umstellen mu\u00dften. Insbesondere in der damaligen DDR, Polen und der damaligen Tschechoslowakei wurden erd\u00f6lbefeuerte Energieerzeuger im gro\u00dfen Umfang auf den Betrieb mit heimischer Kohle umgestellt.<br \/>\nEntsprechend wird noch heute in Polen und Tschechien ein erheblicher Teil der Energie aus der heimischen Braun- bzw. Steinkohle erzeugt. Aufgrund der veralteten Kraftwerkstechnologie und dem Fehlen geeigneter Reinigungsanlagen sind neue Emissionen bei der Energieerzeugung die Folge, was zu den bekannten grenz\u00fcberschreitenden Umweltproblemen f\u00fchrt. Ziel des Vorhabens ist es, ein Energie- und Umweltkonzept f\u00fcr die etwa 20.000 Einwohner z\u00e4hlende polnische Stadt Nowogard, ca. 60 km nord\u00f6stlich der polnischen Hafenstadt Stettin, zu erarbeiten. Das Konzept soll als Vorschlag f\u00fcr eine Umstrukturierung der vorhandenen kommunalen Energieversorgung dienen. Gegenw\u00e4rtig ist die energiewirtschaftliche Situation durch hohe Emissionen bei der \u00fcberwiegenden W\u00e4rmebereitstellung aus der Kohleverbrennung gekennzeichnet. Eine Nutzung regenerativer Energiequellen findet nicht statt. Die Nutzung der Kraft-W\u00e4rme-Kopplung ist gegenw\u00e4rtig von untergeordneter Bedeutung. Das Vorhaben wird von der TU Dresden in Kooperation mit dem Institut f\u00fcr W\u00e4rmenutzung, Fernw\u00e4rmeversorgung und technische Geb\u00e4udeausr\u00fcstung Dresden e. V., der TU Stettin, den Stadtwerken Nowogard und der Stadtverwaltung Nowogard durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenGegenstand der vorgestellten Untersuchungen ist das Finden der g\u00fcnstigsten Vorgehensweise zur Energieversorgung aus einer Vielfalt von M\u00f6glichkeiten, die sich zwischen den beiden Extremen Beibehaltung des Status Quo einerseits und Realisierung der \u00f6kologischen Spitzenma\u00dfnahme andererseits ansiedeln. Wesentlicher Parameter f\u00fcr die erreichbare Umweltentlastung ist die von der Gesellschaft oder von ihren Mitgliedern akzeptierte finanzielle Mehrbelastung. F\u00fcr die Formulierung des damit verbundenen Optimierungsproblems gibt es prinzipiell zwei M\u00f6glichkeiten:<br \/>\n&#8211;\tDie Umweltentlastung wird vorgegeben, die Mehrkosten werden minimiert.<br \/>\n&#8211;\tDie akzeptierbaren Mehrkosten werden vorgegeben, die Umweltentlastung wird maximiert.<br \/>\nIm Projekt wurde an der Methodik gearbeitet, wie f\u00fcr ein definiertes Versorgungsgebiet eine solche Optimierung durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnte. Das vorgestellte Berechnungsinstrumentarium auf der Basis der Tabellenkalkulation ist geeignet, um den energiewirtschaftlichen Teil stadtplanerischer, strategischer Entscheidungen vorzubereiten. In diesem Zusammenhang k\u00f6nnen auch &#8211; bei etwas erweiterter Datenbasis &#8211; F\u00f6rdermodelle vorab auf ihre Wirksamkeit getestet werden. Als wichtigste Voraussetzung f\u00fcr die Umsetzung einer \u00f6kologisch sinnvollen Ma\u00dfnahme ist die Handlungsmotivation der beteiligten Akteure (Mieter, Wohnungsbesitzer, Versorgungsunternehmen) anzusehen. Sehr bedeutsam ist hierf\u00fcr wiederum die wirtschaftliche Zumutbarkeit, die stark durch die zu beachtenden Bilanzierungshorizonte bestimmt wird. Dies f\u00fchrt auf die ebenfalls im Projekt behandelten Fragen der gesetzlichen Rahmenbedingungen einerseits sowie der Gestaltung von Unternehmenszuschnitten andererseits.<br \/>\nDie Bearbeitung des Vorhabens gliedert sich in folgende Arbeitsschritte:<br \/>\n&#8211;\tErfassung des Ist-Standes bez\u00fcglich Umweltbelastungen, Anlagenstruktur, Anlagenzustand, Energiebedarf.<br \/>\n&#8211;\tErmittlung von Prognosedaten bez\u00fcglich der Entwicklung der Bedarfsstruktur.<br \/>\n &#8211;\tAufstellen und Vollkostenvergleich von technischen Varianten f\u00fcr die mittel- und langfristige Gestaltung der W\u00e4rme- und Stromversorgung.<br \/>\n&#8211;\tErmittlung der \u00f6kologischen Wunsch-Variante.<br \/>\n&#8211;\tAnalyse der ostdeutschen Energiewirtschaft aus polnischer Sicht und unter Ber\u00fccksichtigung dieser Erkenntnisse.<br \/>\n&#8211;\tAufstellen von Prognosen zur Entwicklung der juristischen Randbedingungen und der staatlichen\/kommunalen Randbedingungen f\u00fcr die Strukturierung der Erzeugungs- und Versorgungsbetriebe.<br \/>\n&#8211;\tKomplexe Vergleichsrechnungen technischer, betriebswirtschaftlicher, volkswirtschaftlicher und juristischer Varianten und Szenarien. Neu ist die n\u00e4here Betrachtung von Interessen und Handlungsmotivationen der beteiligten Akteure (Erzeuger, Versorger und Verbraucher) bez\u00fcglich der Einf\u00fchrung umweltvertr\u00e4glicher Techniken.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Zusammenfassend sind folgende Schlu\u00dffolgerungen abzuleiten:<br \/>\n1.\tDie \u00f6kologischen Vorzugsvarianten Geothermienutzung und Kraft-W\u00e4rme-Kopplung scheitern derzeit zum einen an den energiepolitischen Rahmenbedingungen einer notwendigen F\u00f6rderung und zum anderen an den noch fehlenden Regularien.<br \/>\n2.\tKraft-W\u00e4rme-Kopplung kann neben den unbestrittenen \u00f6kologischen Vorteilen auch wirtschaftliche Vorteile und damit Realisierungschancen erhalten, wenn sie fr\u00fchzeitig eine klare kommunalpolitische Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt. Ohne klare politische Unterst\u00fctzung werden durch die Eigendynamik der Ver\u00e4nderungen der Kraft-W\u00e4rme-Kopplung die wirtschaftlichen Grundlagen entzogen.<br \/>\n3.\tAm chancenreichsten ist derzeit die gro\u00dffl\u00e4chige Installation dezentraler Erdgasheizungen. Emissionsminderung ergibt sich durch den Sauberen Brennstoff Erdgas und die hohe Effizienz moderner Anlagen. Restriktiv ist die Netzkapazit\u00e4t. Nachteilig ist, da\u00df diese Variante die Chancen des Ausbaus der Kraft-W\u00e4rme-Kopplung einschr\u00e4nkt.<br \/>\nDie Bildung von kommunalen Querverbundversorgungsunternehmen ist sehr zu empfehlen. Die Installation eines privaten Konkurrenzkampfes auf dem Gebiet der W\u00e4rmeversorgung innerhalb einer Stadt f\u00fchrt, wie auch ostdeutsche Erfahrungen zeigen, nicht zu den erhofften Preissenkungseffekten sondern zu einem ineffizienten Kapitaleinsatz.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Zwischenergebnisse des Projektes wurden im Rahmen eines Osteuropaseminars der Fernw\u00e4rmemesse (Essen, Feb. 1998) und auf dem 3. Fernw\u00e4rmekolloquium in Dresden (Sept. 1998) vorgetragen. Die n\u00e4chste Pr\u00e4sentation erfolgt auf der gemeinsamen Veranstaltung Kraftwerkstechnisches Kolloquium\/ Fernw\u00e4rmekolloquium der TU Dresden (Dresden, Sept. 1999).<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Analyse der ostdeutschen Verh\u00e4ltnisse und die Betrachtung der gegenw\u00e4rtigen polnischen Ausgangssituation f\u00fchrt zu dem Schlu\u00df, da\u00df die W\u00e4rmeversorgung so weit wie m\u00f6glich als kommunale Dienstleistungsaufgabe verstanden werden sollte. Die Verg\u00fctung der Leistungen sollte damit verbunden, direkt oder indirekt, als Teil des st\u00e4dtischen Haushaltes eingeordnet werden. Fragen der Quersubventionierung von unterst\u00fctzungsbed\u00fcrftigen Bereichen und sozialen Aspekten lassen sich so in direktem Zusammenhang mit der Entscheidung \u00fcber die kommunalen Finanzmittel l\u00f6sen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Erd\u00f6lkrise in den 70er Jahren f\u00fchrte dazu, da\u00df die damalige Sowjetunion ihre Erd\u00f6lprodukte zunehmend zu Weltmarktpreisen auf dem internationalen Markt anbot. Grundlegende Ver\u00e4nderungen der Roh\u00f6lpreise im damaligen COMECON-Verbund waren die Folge. 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