{"id":18992,"date":"2023-07-13T15:11:41","date_gmt":"2023-07-13T13:11:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/06883-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:11:43","modified_gmt":"2023-07-13T13:11:43","slug":"06883-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/06883-01\/","title":{"rendered":"Stoff- und Energieflu\u00dfanalyse einer Universit\u00e4t: Erstellung einer \u00f6kologischen Gesamtbilanz von Hochschulen am Beispiel der Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Hochschulen verursachen mit ihren Energie- und Stoffums\u00e4tzen Umweltbelastungen, die durch systematischen Einsatz organisatorischer und technischer Ma\u00dfnahmen erheblich reduziert werden k\u00f6nnten. W\u00e4hrend an vielen Hochschulen schon einzelne Umweltschutzma\u00dfnahmen umgesetzt werden, fehlte bisher ein ressourcensparendes Gesamtkonzept f\u00fcr ein professionelles Umweltmanagement einer Hochschule.<br \/>\nDie Hauptziele des Projektes waren die Erstellung eines Umweltmanagementkonzeptes f\u00fcr die Universit\u00e4t, die Durchf\u00fchrung einer Stoff- und Energieflu\u00dfanalyse der Universit\u00e4t sowie die Entwicklung von nicht-investiven Ma\u00dfnahmen. Untergeordnete Ziele waren die Ber\u00fccksichtigung der EMAS-Verordnung, die \u00dcbertragbarkeit auf andere Hochschulen sowie die praktische Umsetzung an der Universit\u00e4t selber.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenFast durch das ganze Projekt hinweg zog sich die (hochschulinterne) \u00d6ffentlichkeitsarbeit und die Stoff- und Energieflu\u00dfanalyse (SUE) mit Erstellung der \u00d6kobilanz. Letzteres lag daran, da\u00df immer wieder Teilbereiche bearbeitet wurden, je nachdem wann welche Daten vorlagen. Die SUE wurde f\u00fcr die Bereiche Energie, Verkehr, Wasser und Abwasser mit der Software Umberto durchgef\u00fchrt; Materialien und Abf\u00e4lle wurden mittels Excel analysiert. Nach Abschlu\u00df der \u00d6kobilanzierung wurden Umweltziele und -programm entwickelt. Der Proze\u00df der Erarbeitung der Umweltleitlinien dauerte etwa ein Jahr. Kleinere Abschnitte waren die Konzeption des Umweltinformationssystems (UIS) und der Organisationsstrukturen. Schlie\u00dflich mu\u00dften die einzelnen Bausteine aufeinander abgestimmt und zum Gesamtmodell zusammengef\u00fchrt werden.<br \/>\nDie Umsetzungsphase begann Ende 1997 mit der Vorbereitung des Abfallkonzeptes; die konkrete Durchf\u00fchrung fand im ersten Halbjahr 1998 statt. Die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der Abschlu\u00dftagung, die Herausgabe des Tagungsbandes sowie das Schreiben des Projektberichts bestimmte die letzten Monate des Projektes, die kostenneutral bis April 1999 verl\u00e4ngert werden mu\u00dfte.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Hauptziel 1: Erstellung eines Umweltmanagement-Konzeptes f\u00fcr Hochschulen am Beispiel der Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck<br \/>\nMit dem \u00bbOsnabr\u00fccker Umweltmanagement-Modell f\u00fcr Hochschulen\u00ab wurde ein integratives Gesamtkonzept f\u00fcr ein UMS an Hochschulen entwickelt. Es ist zun\u00e4chst auf die Situation an der Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck zugeschnitten, l\u00e4\u00dft sich aber ohne wesentliche \u00c4nderungen auf andere Hochschulen \u00fcbertragen. Der besseren \u00dcbersichtlichkeit halber wurden die verschiedenen Ma\u00dfnahmen zu zehn Bausteinen zusammengefa\u00dft, die in der Summe das UM-Modell ergeben. Dadurch wurde der Universit\u00e4t ein Handlungsschema bereitgestellt, nach dem sie bei der endg\u00fcltigen Einf\u00fchrung und sp\u00e4teren Fortf\u00fchrung des UM vorgehen kann. Ebenso ist \u00fcber die Aufteilung in Bausteine eine klare Abgrenzung von Teilbereichen vorgenommen worden. Dadurch ist eine weitgehende Integration in die bisherigen Arbeitsgebiete und -abl\u00e4ufe der Verwaltung m\u00f6glich, so da\u00df keine eigene Umweltschutz-Abteilung geschaffen werden mu\u00df. Zur \u00fcbergreifenden Koordination und konzeptionellen Umweltplanung wird ein \u00bbKoordinator Umweltmanagement\u00ab vorgesehen, der Dreh- und Angelpunkt des gesamten UMS.<br \/>\nHauptziel 2: Erfassung der Stoff- und Energiefl\u00fcsse der Universit\u00e4t und ihre Bilanzierung und Bewertung<br \/>\nDie Stoff- und Energieflu\u00dfanalyse mit anschlie\u00dfender Erstellung einer \u00d6kobilanz, die als einer von zwei Schwerpunkten des Projekts festgelegt wurde, ist sowohl vom Zeitaufwand als auch von der Datenmenge her erheblich umfangreicher ausgefallen als geplant. Es konnte jedoch die bisher weitestgehende Stoff- und Energieflu\u00dfbilanzierung einer Hochschule durchgef\u00fchrt werden. Insbesondere die sich an die Sachbilanz anschlie\u00dfende Bewertung der Stofffl\u00fcsse mit Hilfe der ISO-Methode der Wirkungskategorien wurde erstmals auf eine Hochschule angewendet. Auch wenn nicht alle Stoff- und Energiefl\u00fcsse ber\u00fccksichtigt wurden, konnten den Entscheidern der Universit\u00e4t eindeutige Empfehlungen zur Reduzierung der Umweltbelastungen gegeben werden.<br \/>\nHauptziel 3: Erarbeitung von Instrumenten zur Senkung der Umweltbelastungen<br \/>\nDieser Bereich konnte nicht mit der geplanten Intensit\u00e4t bearbeitet werden. Dies wirkte sich insbesondere im Bereich der nicht-investiven Ma\u00dfnahmen negativ aus, da sie erheblich umfangreicher h\u00e4tten durchgef\u00fchrt werden m\u00fcssen, um eine nachhaltige Wir-kung bei den Hochschulangeh\u00f6rigen zu erzielen. Es konnten jedoch zumindest im Rahmen der Umsetzung eines neuen Abfallkonzepts beispielhaft auf die Universit\u00e4t zugeschnittene Ma\u00dfnahmen der Mitarbeiterinformation, -weiterbildung, -motivation und -beteiligung entwickelt, durchgef\u00fchrt und evaluiert werden. Sie k\u00f6nnen von der Universit\u00e4t auch f\u00fcr zuk\u00fcnftige Aktionen, z.B. einer Energiesparkampagne, eingesetzt werden. Neben diesen Instrumenten, die direkt zur Anwendung kamen, wurden weitere Beispiele erarbeitet, die direkt oder indirekt zur Senkung der Umweltbelastungen der Universit\u00e4t beitragen k\u00f6nnten. Im Bereich der Informations- und Anreizsysteme sind dies z.B. der Energiesparfonds oder &#8211; erheblich umfangreicher &#8211; das Konzept f\u00fcr ein Umweltinformationssystem (UIS). Weiterhin wurde die Umstellung der Dienst-KFZ auf Erdgas, die Beteiligung am Car-Sharing oder der Einsatz von Photovoltaik untersucht.<br \/>\nUnterziel 1: Ber\u00fccksichtigung der EG-\u00d6ko-Audit-Verordnung<br \/>\nFast zeitgleich mit dem Beginn des Projekts im November 1995 wurde die deutsche Ausf\u00fchrungs-Verordnung zur EG-\u00d6ko-Audit-Verordnung verabschiedet. Auch wenn sie zun\u00e4chst nicht f\u00fcr \u00f6ffentliche Einrichtungen vorgesehen war, wurde es als sinnvoll erachtet, die Anforderungen der VO an den Aufbau eines UMS mit in die Bearbeitung des Projekts einflie\u00dfen zu lassen. Die schon im Gesetz vorgesehene Erweiterung auf \u00bbandere Bereiche\u00ab fand schlie\u00dflich Anfang 1998 statt, und insbesondere auf Bem\u00fchen des Pr\u00e4sidenten der Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck konnte \u00fcber die Hochschul-Rektoren-Konferenz erreicht werden, da\u00df auch Hochschulen in die VO mit aufgenommen wurden. Die Anforderung der VO wurden nicht nur weitgehend ber\u00fccksichtigt, sondern das entwickelte UM-Modell geht noch weit \u00fcber die dort vorgesehenen Ma\u00dfnahmen hinaus.<br \/>\nUnterziel 2: \u00dcbertragbarkeit der Ergebnisse auf andere Hochschulen<br \/>\nAngesichts der heterogenen Struktur der Hochschullandschaft war eine Ber\u00fccksichtigung s\u00e4mtlicher Hochschultypen und -gr\u00f6\u00dfen nicht m\u00f6glich, da in Osnabr\u00fcck keine technischen Fachbereiche und keine Medizin existieren. Die \u00dcbertragung des Konzepts auf Hochschulen \u00e4hnlicher Struktur wird jedoch durch das modulare System der zehn Bausteine erm\u00f6glicht. W\u00e4hrend die \u00e4u\u00dfere Form vorgegeben wurde, kann die konkrete Ausgestaltung nach eigenen Priorit\u00e4ten erfolgen.<br \/>\nUnterziel 3: Praktische Umsetzung der Projektergebnisse<br \/>\nBisher kann nur von einer zaghaften Umsetzung an der Universit\u00e4t die Rede sein. W\u00e4hrend es zun\u00e4chst viel Unterst\u00fctzung bei der Entwicklung und Verabschiedung der Umweltleitlinien gab, hat das Interesse an der konkreten Ausgestaltung und Umsetzung der eher abstrakten Leitlinien nachgelassen. Positiv gesehen werden kann andererseits, da\u00df die Universit\u00e4t sich zum Aufbau eines UMS bekannt hat (auch wenn die Stelle des \u00bbKoordinators Umweltmanagement\u00ab zun\u00e4chst nur teilweise und befristet eingerichtet wird) und da\u00df sie das Projekt mit erheblichen Eigenmitteln unterst\u00fctzt hat.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Als zentrale Veranstaltungen wurden an der Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck zwei Workshops durchgef\u00fchrt. Am 13.\/14. Februar 1997 wurde mit einem \u00bbHalbzeit-Workshop\u00ab Zwischenbilanz der bisherigen Arbeit gezogen (Teilnehmer: 40 Hochschullehrer, Fachkr\u00e4fte des Umweltschutzes und Studierende aus verschiedenen Hochschulen). Die Abschlu\u00dftagung am 27.\/28. November 1998 schlie\u00dflich stellte die Gesamtergebnisse des \u00bbOsnabr\u00fccker Umweltmanagement-Modells\u00ab vor (Teilnehmer: 70 Vertreter von 32 Hochschulen und einiger externer Institute).<br \/>\nBeim HIS-Praxisseminar \u00bbUmweltmanagement in Hochschulen\u00ab, das am 9.\/10. Juni 1997 an der TU Clausthal durchgef\u00fchrt wurde, konnte zudem auf Einladung von HIS und ZTW (Zentrum f\u00fcr Technologietransfer und Weiterbildung der TU Clausthal) die Arbeitsgruppe Energie moderiert und anhand der bisher erarbeiteten Ergebnisse die Einf\u00fchrung eines Energiemanagements an Hochschulen mit den Teilnehmer\/inne\/n erarbeitet werden.<br \/>\nZur Verbreitung der Ergebnisse des Projekts in der eigenen Universit\u00e4t, an anderen Hochschulen und \u00fcber die Hochschulebene hinaus wurden eine Reihe von Vortr\u00e4gen und Pr\u00e4sentationen durchgef\u00fchrt sowie Zeitschriftenartikel und andere Beitr\u00e4ge ver\u00f6ffentlicht. Insbesondere durch die Unterst\u00fctzung der Pressestelle der Universit\u00e4t konnte in fast jeder Ausgabe der Unizeitung ein Artikel zu einem bestimmten Aspekt des Umweltmanagements untergebracht werden. Nach und nach werden die Ergebnisse auch im Internet zur Verf\u00fcgung gestellt (http:\/\/www.usf.Uni-Osnabrueck.DE\/projects\/sue).<br \/>\nIn einer sechsteiligen Serie \u00bbUmweltmanagement an Hochschulen\u00ab in der Zeitschrift \u00bbUmweltwissenschaften und Schadstoff-Forschung\u00ab (Hrsg. Prof. Hutzinger, ecomed-Verlag) werden seit Anfang 1999 wesentliche Ergebnisse der Fach\u00f6ffentlichkeit vorgestellt (z. B. Ausgabe 1: VIEBAHN, PETER; MATTHIES, MICHAEL, 1999: Das Osnabr\u00fccker Umweltmanagement-Modell f\u00fcr Hochschulen &#8211; von den Umweltleitlinien bis zur Mitarbeiterbeteiligung (\u00dcberblick \u00fcber die zehn Elemente); Beitragsserie: Umweltmanagement an Hochschulen, Teil I; UWSF &#8211; Z. Umweltchem. \u00d6kotox. 11 (1); 55-62; ecomed: Landsberg).<br \/>\nIm M\u00e4rz 1999 ist eine Publikation mit den Beitr\u00e4gen der Abschlu\u00dftagung erschienen (VIEBAHN, PETER; MATTHIES, MICHAEL (Hrsg.) 1999: Umweltmanagement an Hochschulen. Konzepte, Strategien, L\u00f6sungen. Bochum: projekt verlag. ISBN 3-89733-021-0.). Der 600-seitige Abschlu\u00dfbericht wird etwas gek\u00fcrzt im Herbst 1999 als Buchver\u00f6ffentlichung erscheinen.<br \/>\nDie weiteren Schritte h\u00e4ngen davon ab, ob das vorgeschlagene Umweltmanagementsystem von der Universit\u00e4t aufgebaut wird; in dem Rahmen k\u00f6nnten weitere umfangreiche PR-Ma\u00dfnahmen stattfinden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das vorgelegte UM-Modell hat mit seinen zehn Bausteinen einen betr\u00e4chtlichen Umfang erreicht. Der Schwerpunkt bei der Implementation lag dabei bei der Stoff- und Energieflu\u00dfanalyse, an zweiter Stelle folgte die Entwicklung und Durchf\u00fchrung nicht-investiver Ma\u00dfnahmen. Ziel dieses Projekts war eine fundierte Analyse der Umweltauswirkungen sowie ihre Bewertung, um einerseits der Universit\u00e4t Entscheidungshilfen f\u00fcr die Verringerung der durch sie verursachten Umweltbelastungen zu geben. Auf ihrer Grundlage sollten nun Schwerpunkte bei den technischen Ma\u00dfnahmen gesetzt und ihre Umsetzung durch nicht-investive Ma\u00dfnahmen begleitet werden. Andererseits sollte mit diesem Vorgehen ein Weg f\u00fcr Vergleiche der Hochschulen untereinander aufgezeigt werden, f\u00fcr den das einfache Gegen\u00fcberstellen von Verbr\u00e4uchen und Verkehrsleistungen ohne ihre tiefergehende Betrachtung f\u00fcr die Zukunft nicht mehr ausreichend erscheint.<br \/>\nNicht ber\u00fccksichtigt wurden in dem UM-Modell die Bereiche Lehre, Forschung und au\u00dferuniversit\u00e4re Weiterbildung sowie ihre entsprechende Umgestaltung und Erweiterung hinsichtlich Aspekten aus der Agenda 21- und Nachhaltigkeitsdebatte (Stichwort \u00bbgreening the universities\u00ab). Dies war zun\u00e4chst nicht das Ziel des Projekts und w\u00e4re auch vom zeitlichen Umfang nicht leistbar gewesen. Andererseits werden auch durch diese eher \u00bbweichen\u00ab Faktoren noch keine Ressourcen eingespart und Umweltbelastungen gesenkt. Wichtiger erschien, die Hochschulangeh\u00f6rigen zun\u00e4chst in ihrem direkten Umfeld auf die \u00bbpraktischen\u00ab Auswirkungen ihres Tuns aufmerksam zu machen und vor Ort zu einer Verbesserung der Umweltsituation zu gelangen. Einer Erweiterung des Modells um Nachhaltigkeitsfaktoren steht jedoch nichts im Wege; in den Umweltleitlinien wurden die Bereiche umweltvertr\u00e4gliche Lehre und Forschung bereits ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Hochschulen verursachen mit ihren Energie- und Stoffums\u00e4tzen Umweltbelastungen, die durch systematischen Einsatz organisatorischer und technischer Ma\u00dfnahmen erheblich reduziert werden k\u00f6nnten. 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