{"id":18960,"date":"2023-07-13T15:08:36","date_gmt":"2023-07-13T13:08:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/01764-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:08:36","modified_gmt":"2023-07-13T13:08:36","slug":"01764-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/01764-01\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderschwerpunkt Bioabfallverwertung: Human\/Veterin\u00e4rhygiene der Kompostierung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel der durchgef\u00fchrten Untersuchungen war es einmal zu pr\u00fcfen, ob Unterschiede im Hinblick auf die Hygienisierung von Komposten zwischen 6 verschiedenen angewendeten Prozessen bestehen, ob die Indikatorkeime und Pr\u00fcfmodelle in verschiedenen Praxissituationen aussagekr\u00e4ftig bzw. anwendbar sind sowie in welchem Gr\u00f6\u00dfenbereich die Luftkeimemissionen mit und ohne lufttechnische Schutzma\u00dfnahmen in den verschiedenen Anlagenbereichen sind.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn vier Versuchsans\u00e4tzen wurden zun\u00e4chst Untersuchungen zur Auswahl von Indikatororganismen und deren Resistenzeigenschaften durchgef\u00fchrt. Ein sich anschlie\u00dfender Modellkompostierungsversuch unter kontrollierten Bedingungen sollte Tendenzen zur Absterbekinetik von Salmonellen und ausgew\u00e4hlten Viren ergeben. Diese Versuche wurden in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner unter Anwendung von phytopathogenen Erregern abgewickelt. Als weitere Aktivit\u00e4t folgte die Untersuchung von Bioabfall- und Kompostproben aus sechs technisch unterschiedlichen Kompostierungsverfahren auf Indikatororganismen. Abschlie\u00dfend wurden Proze\u00dfpr\u00fcfungen entsprechend LAGA M 10 bzw. einem Entwurf zur BioAbfV. durch Einlage von Testorganismen (Phyto- und Seuchenerreger) zur \u00dcberpr\u00fcfung ihrer \u00dcberlebensf\u00e4higkeit in sechs verschiedenen Kompostierungsanlagen w\u00e4hrend drei Untersuchungszeitr\u00e4umen durchgef\u00fchrt.<br \/>\nGleichzeitig erfolgten in den Kompostierungsanlagen Luftkeimmessungen mit bis zu vier verschiedenen Me\u00dfger\u00e4ten an unterschiedlichen Arbeitsplatzbereichen zur Bestimmung ausgew\u00e4hlter bakteriologischer und mykologischer Parameter. Neben der Erprobung der Einsatzm\u00f6glichkeiten und der Vergleichbarkeit der Me\u00dfmethoden (Ger\u00e4te und Nachweisverfahren f\u00fcr Bakterien und Pilze) unter den verschiedenen \u00e4u\u00dferen Bedingungen sollten im Hinblick einer verminderten Luftkeimbelastung in und au\u00dferhalb des Kompostwerkes Ma\u00dfnahmen erarbeitet, in die Praxis umgesetzt und deren Effizienz auch hinsichtlich ihrer umweltrelevanten Auswirkungen \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ergebnisse zeigen, da\u00df Enterobacteriaceen, Enterococcus faecium und das Enterovirus als Indikatorkeime nicht geeignet sind. Auch E. coli, der als F\u00e4kalindikator im Trinkwasser gilt, erwies sich als wenig geeignet, weil E. coli auch wie die beiden anderen genannten Bakterien im Boden sowie in anderen Bereichen der Umwelt ubiquit\u00e4r vorkommen und so das Fertigprodukt nat\u00fcrlicherweise besiedeln bzw. kontaminieren k\u00f6nnen. Enteroviren kommen nicht regelm\u00e4\u00dfig im Ausgangsmaterial vor und der Routinenachweis aus dem Sammelgut ist wegen der Inhomogenit\u00e4t des Materials zu unsicher und technisch zu aufwendig.<br \/>\nSalmonellen als Indikatorkeim zur Beurteilung der hygienischen Beschaffenheit von Komposten anzuwenden, erscheint nach den erzielten Ergebnissen aus Modellkompostierungs- und den Praxisuntersuchungen im Rahmen von Proze\u00dfpr\u00fcfungen nach LAGA M10 bzw. der im Entwurf vorliegenden BioAbfV. als sinnvoll. Salmonellen sind in den Kompostausgangsmaterialien mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit zu finden (bis 90 %) und effiziente Nachweisverfahren ergeben eine hohe Nachweissicherheit auch bei einem inhomogenen Material, wie es Komposte immer darstellen. Durch die praxis\u00fcblichen Rottebedingungen werden Salmonellen i. d. R. abget\u00f6tet. Der negative Nachweis von Salmonellen nach Proze\u00dfpr\u00fcfungen von Kompostierungsanlagen und im Endprodukt Kompost erspart eine aufwendige Untersuchung auf sonstige m\u00f6glicherweise vorkommende bakterielle oder virale Krankheitserreger. Werden Salmonellen im Kompost nachgewiesen, l\u00e4\u00dft dies auf mangelnde Rottebedingungen (ungen\u00fcgende Temperatur\/Zeiteinwirkung), schlechtes Management auf den Anlagen oder eventuell eine Rekontamination durch Ger\u00e4tschaften (Radlader etc.) schlie\u00dfen. Rekontaminationen durch B\u00f6den sind auszuschlie\u00dfen, da diese Erreger nat\u00fcrlicherweise nicht im Boden enthalten sind. Damit erf\u00fcllen Salmonellen am besten die Anforderungen, die an Indikatorkeime f\u00fcr inhomogene Substrate wie Komposte zu stellen sind.<br \/>\nF\u00fcnf von sechs untersuchten Kompostierungsanlagen haben die Proze\u00dfpr\u00fcfungen unter Verwendung von S. Senftenberg W 775 als Testindikatororganismus bestanden. Die verwendeten Pr\u00fcfmodelle lie\u00dfen sich gut handhaben und auswerten, die gesammelten Erfahrungen k\u00f6nnen zur Weiterentwicklung der Pr\u00fcfverfahren genutzt werden. Die Resultate wurden schon umgesetzt, indem sie direkt in die Gestaltung der Anlage II zur Bioabfallverordnung eingeflossen sind.<br \/>\nDie Untersuchungen zur Luftkeimbelastung in verschiedenen Arbeitsplatzbereichen mit unterschiedlichen Ger\u00e4tschaften ergaben gro\u00dfe Schwankungsbreiten in den gemessenen Werten, wobei geschlossene Kompostwerke, was die Luftkeimgehalte am Arbeitsplatz angeht, keine erkennbaren Vorteile gegen\u00fcber offenen Anlagen bringen.<br \/>\nAufgrund der erarbeiteten Ergebnisse kann im Hinblick auf die Keimfreisetzung keines der untersuchten Kompostierungsverfahren bevorzugt werden, zumal die diskutierten Grenz- bzw. Richt- oder \u00dcberwachungswerte in allen Bereichen der beprobten Anlagen in Abh\u00e4ngigkeit der angewandten Me\u00dfmethoden meist \u00fcberschritten wurden.<br \/>\nDie Forderung nach Luftkeimgehalten in Kompostierungsanlagen, die denen der Au\u00dfenluft entsprechen, ist unrealistisch, nach vorliegenden Erfahrungen ist eine lufttechnische Ma\u00dfnahme dann als erfolgreich anzusehen, wenn sie den Luftkeimgehalt am Arbeitsplatz um mindestens 2 Zehnerpotenzen senkt. Durch lufttechnische und organisatorische Ma\u00dfnahmen kann der Luftkeimgehalt im Kompostwerk selbst sowie in der Abluft deutlich gesenkt werden.<br \/>\nEine Beurteilung des m\u00f6glichen gesundheitlichen Zustandes der Arbeitnehmer in Kompostierungsanlagen kann nur abgegeben werden, wenn parallel zu den lufthygienischen Messungen entsprechend begleitende spezifische arbeitsmedizinische Untersuchungen folgen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Vortrag beim 5. Hohenheimer Seminar 1994<br \/>\nMesse Sinsheim &#8211; Umweltausstellung 1996<br \/>\nFaltblatt Keimemissionen bei der Abfallentsorgung und -verarbeitung<br \/>\nFachlicher Input in Gremien zur Gestaltung der Bioabfallverordnung<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die in dem Verbundvorhaben erarbeiteten Ergebnisse zeigen, da\u00df bei guter Rottef\u00fchrung und richtigem Management der Anlagen ein seuchenhygienisch unbedenklicher Kompost erzeugt werden kann. Als einfache und zuverl\u00e4ssige Methode zur \u00dcberpr\u00fcfung der Hygienisierungswirkung eignen sich Salmonellen sowohl f\u00fcr die Proze\u00dfpr\u00fcfungen der Anlagen als auch f\u00fcr die Produktpr\u00fcfung des Kompostes.<br \/>\nDie Keimbelastung der Luft ist an allen Arbeitspl\u00e4tzen in der Kompostierung, auch wenn l\u00fcftungstechnische Ma\u00dfnahmen erfolgreich angewendet werden, um 1 bis 2 Zehnerpotenzen h\u00f6her als in der Au\u00dfenluft. Technische und organisatorische Ma\u00dfnahmen zur Absenkung des Luftkeimgehaltes sind aus Gr\u00fcnden des Arbeitsschutzes notwendig und erfolgreich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel der durchgef\u00fchrten Untersuchungen war es einmal zu pr\u00fcfen, ob Unterschiede im Hinblick auf die Hygienisierung von Komposten zwischen 6 verschiedenen angewendeten Prozessen bestehen, ob die Indikatorkeime und Pr\u00fcfmodelle in verschiedenen Praxissituationen aussagekr\u00e4ftig bzw. anwendbar sind sowie in welchem Gr\u00f6\u00dfenbereich die Luftkeimemissionen mit und ohne lufttechnische Schutzma\u00dfnahmen in den verschiedenen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[56,2422,51,53],"class_list":["post-18960","projektdatenbank","type-projektdatenbank","status-publish","hentry","tag-baden-wuerttemberg","tag-landnutzung","tag-ressourcenschonung","tag-umwelttechnik"],"meta_box":{"dbu_projektdatenbank_az_ges":"01764\/01","dbu_projektdatenbank_medien":"","dbu_projektdatenbank_pdfdatei":"A-01764.pdf","dbu_projektdatenbank_bsumme":"207.981,27","dbu_projektdatenbank_firma":"Universit\u00e4t HohenheimInstitut f\u00fcr Umwelt- und Tierhygiene sowieTiermedizin mit Tierklinik","dbu_projektdatenbank_strasse":"Garbenstr. 30","dbu_projektdatenbank_plz_str":"70599","dbu_projektdatenbank_ort_str":"Stuttgart","dbu_projektdatenbank_p_von":"1993-06-14 00:00:00","dbu_projektdatenbank_p_bis":"1998-02-03 00:00:00","dbu_projektdatenbank_laufzeit":"4 Jahre und 8 Monate","dbu_projektdatenbank_telefon":"0711\/459","dbu_projektdatenbank_inet":"","dbu_projektdatenbank_bundesland":"Baden-W\u00fcrttemberg","dbu_projektdatenbank_foerderber":"9","dbu_projektdatenbank_ab_bericht":"","dbu_projektdatenbank_ist_nachbewilligung_von":"","dbu_projektdatenbank_hat_nachbewilligung":"","dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[]},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/18960","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/projektdatenbank"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/18960\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31963,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/projektdatenbank\/18960\/revisions\/31963"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=18960"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=18960"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=18960"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}