{"id":18939,"date":"2023-07-13T15:14:31","date_gmt":"2023-07-13T13:14:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/11262-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:14:34","modified_gmt":"2023-07-13T13:14:34","slug":"11262-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/11262-01\/","title":{"rendered":"St\u00e4dtebauliche und \u00f6kologische Potentiale von autoarmen\/autofreien Stadtquartieren"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Siedlungsprojekte des autoarmen bzw. autofreien Wohnens in Deutschland, \u00d6sterreich und den Niederlanden sollen aus st\u00e4dtebaulicher und verkehrlicher Sicht auf qualitative Aspekte analysiert und ihre spezifischen Potentiale beschrieben werden. Es sollen modellhaft anschauliche und praxisorientierte Verallgemeinerungen abgeleitet werden, die als Empfehlungen f\u00fcr die Praxis in die Erarbeitung eines Planungshandbuches m\u00fcnden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden\u00b7\tFallstudien: eingehende Analyse ausgew\u00e4hlter Modellprojekte des autoarmen\/autofreien Wohnens mit Hilfe einer Stadtbild-\/Stadtgestalt-\/Stadtraum-Analyse und Beschreibung ausgew\u00e4hlter Parameter, die st\u00e4dtebauliche und verkehrliche Qualit\u00e4ten differenziert illustrieren (21 Untersuchungsaspekte);<br \/>\n\u00b7\tVeranschaulichung mit Hilfe von Strukturanalysen (Layer) und Fotografien;<br \/>\n\u00b7\tAbleitung verallgemeinerbarer Aussagen zu st\u00e4dtebaulichen und verkehrlichen Potentialen;<br \/>\n\u00b7\tBildung von Hypothesen zu st\u00e4dtebaulichen und \u00f6kologischen Qualit\u00e4ten<br \/>\n\u00b7\tNachweis st\u00e4dtebaulicher und \u00f6kologischer Qualit\u00e4ten anhand von 6 Qualit\u00e4tsbausteinen;<br \/>\n\u00b7\tUnterst\u00fctzung der Analyse durch ein Forschungskolloquium, an dem Vertreter von Projekten autoarmen\/autofreien Wohnens und Fachleute aus dem St\u00e4dtebau und der Verkehrswissenschaft teilnehmen;<br \/>\n\u00b7\tPr\u00e4sentation und Diskussion der Forschungsergebnisse auf einer internationalen Fachkonferenz (20.9.2000 in T\u00fcbingen) und Einarbeitung der Kritik und Anregungen der Tagung in den Endbericht.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die autoreduzierten Stadtquartiere sind ein Zeichen des Wandels. Ihr Ziel ist es, gangbare Wege aus den Zw\u00e4ngen der im Laufe des 20. Jahrhunderts zunehmend selbstverst\u00e4ndlicheren Autoorientierung in der Stadtentwicklung zu beschreiten.<br \/>\nIm Vordergrund steht die Emanzipation aus den st\u00e4dtebaulichen Zw\u00e4ngen des Industriezeitalters: Wohnen ohne Autol\u00e4rm und Unfallgefahren durch den Autoverkehr; Entfaltungschancen im Haus und im Au\u00dfenraum; architektonische Selbstverwirklichung in der Stadt; intensivere soziale Beziehungen im Quartier; R\u00fcckgewinnung der Stra\u00dfe als sozialer Ort; Entwicklung von Verantwortung f\u00fcr Natur, Bauen und Stadt im Sinne der Agenda 21.<br \/>\nDie autoreduzierten Stadtquartiere ver\u00e4ndern durch die (graduell unterschiedliche) Herausnahme des Autos als den Raum und dessen Nutzung pr\u00e4judizierende Kraft die Wahrnehmung und Bedeutung des Wohn- und Stadtraumes. Dies schl\u00e4gt sich insbesondere in der neuen Rolle der Stra\u00dfe, der Erdgeschosszone der Geb\u00e4ude sowie der freien Fl\u00e4chen im Quartier nieder. Mit der Betonung auf die Wohn-, Aufenthalts- und Nutzungsqualit\u00e4ten eines Stadtteils kehrt sich der einge\u00fcbte Blick auf den Zusammenhang von Stadt und Mobilit\u00e4t um: Lebens- und Stadtqualit\u00e4t stehen im Vordergrund des (pers\u00f6nlichen) Interesses. Daraus leitet sich die Mobilit\u00e4tsnachfrage ab &#8211; und nicht umgekehrt.<br \/>\nDie Projekte autofreien Wohnens ziehen nach einem \u00fcber ein halbes Jahrhundert andauernden Prozess des trial und error um einen autofreundlichen Konsens den (mehr oder weniger) radikalen Entschluss, eindeutig der Stadt und damit der Kultur des Ortes Priorit\u00e4t einzur\u00e4umen. Sie trennen Wohnen vom motorisierten Individualverkehr und definieren Mobilit\u00e4t als Nutzungsoption f\u00fcr alle verf\u00fcgbaren Verkehrsmittel eines Stadtraumes. Damit stellen sie das Konzept der autofreien Stadtquartiere vom Kopf auf die F\u00fc\u00dfe, denn es entstammt urspr\u00fcnglich dem fortschrittseuphorischen Denken des Industriezeitalters: als letzte Zelle im Modell des organischen St\u00e4dtebaus sollte das Wohnmilieu ungest\u00f6rt, sicher und naturnah sein.<br \/>\nDie zentrale Erkenntnis der vorliegenden Untersuchung lautet: Die autofreien, autoarmen und verkehrsberuhigten Stadtquartiere zeichnen sich im Vergleich zu herk\u00f6mmlichen, autokonformen Wohn- und Wohnmischquartieren in der Stadt in ganz besonderem Ma\u00df durch ein Zusammenspiel von 4 Eigenschaften aus, die den Kern st\u00e4dtebaulicher und \u00f6kologischer Qualit\u00e4t ausmachen:<br \/>\n1.\tKomplexit\u00e4t<br \/>\n2.\tFlexibilit\u00e4t<br \/>\n3.\tUrbanit\u00e4t<br \/>\n4.\tNachhaltigkeit.<br \/>\nDiese Eigenschaften f\u00fchren zu folgenden st\u00e4dtebaulichen und \u00f6kologischen Chancen autoreduzierter Stadtquartiere: Fl\u00e4chengewinn; Verkehrsentlastung; flexible Raumnutzung; flexible Verkehrsmittelwahl; Kostenflexibilit\u00e4t und eine dialogorientierte Planungs- und Projektkultur.<br \/>\nDie Untersuchung stellte fest, dass sich die autofreien\/autoarmen Stadtquartiere in vieler Hinsicht als Baustein f\u00fcr die europ\u00e4ische Stadt des 21. Jahrhunderts eignen: Sie belegen eindrucksvoll eine Renaissance weicher Standortfaktoren, zu denen u. a. Urbanit\u00e4t, damit eng verkn\u00fcpft, eine Kultur des Ortes und deutlich sp\u00fcrbar, die Chance, vielf\u00e4ltige soziale Beziehungen vor Ort aufbauen zu k\u00f6nnen, z\u00e4hlen.<br \/>\nInsgesamt repr\u00e4sentieren die Modellprojekte trotz ihrer Vielschichtigkeit und immer nur partiellen Vergleichbarkeit ein neues Denken im St\u00e4dtebau und in der Stadtentwicklung, das anstelle von Aufgliederung, Ausdifferenzierung und letztlich raumfunktionaler Trennung, eindeutig an integrierenden Strukturen und Aktivit\u00e4ten interessiert ist. Dass in diesem Zusammenhang Mobilit\u00e4t neu definiert werden muss, hat die Studie zu beweisen versucht: Lebensqualit\u00e4t in der Stadt steht in unmittelbarer Abh\u00e4ngigkeit vom Grad der Autoorientierung bzw. der Autoreduzierung. Beides zusammen: Wohnen in der Stadt und Mobilit\u00e4t mit dem Umweltverbund ergibt in der Summe die angestrebten \u00f6kologisch wirksamen Effekte f\u00fcr eine langfristig stabile Entwicklung.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Forschung wurden am 20.09.2000 in einem internationalen Kongress in T\u00fcbingen vorgestellt und diskutiert. Im Dezember 2000 werden die Ergebnisse im Rundbrief Autoarme Stadtquartiere des ILS Dortmund publiziert. Weitere Publikationen werden vorbereitet.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>F\u00fcr die Zukunft der Stadt l\u00e4sst sich aus der vorliegenden Forschung ableiten, dass im Gegensatz zur Vergangenheit, Stadt, Wohnen, Verkehr, Kultur und Natur nicht mehr von einander getrennt entwickelt werden m\u00fcssen. F\u00fcr die Stadt europ\u00e4ischen Typs bilden die untersuchten Projekte autofreien\/autoarmen Wohnens Reformpotentiale f\u00fcr eine Stadt der kurzen Wege. Die Fallstudien belegen, dass st\u00e4dtebauliche und \u00f6kologische Qualit\u00e4ten in die F\u00e4higkeit m\u00fcnden, Komplexit\u00e4t in der Raumnutzung zu bew\u00e4ltigen und Kommunikation unter allen Beteiligten als Voraussetzung f\u00fcr Entwicklung zu kultivieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Siedlungsprojekte des autoarmen bzw. autofreien Wohnens in Deutschland, \u00d6sterreich und den Niederlanden sollen aus st\u00e4dtebaulicher und verkehrlicher Sicht auf qualitative Aspekte analysiert und ihre spezifischen Potentiale beschrieben werden. Es sollen modellhaft anschauliche und praxisorientierte Verallgemeinerungen abgeleitet werden, die als Empfehlungen f\u00fcr die Praxis in die Erarbeitung eines Planungshandbuches m\u00fcnden k\u00f6nnen. 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