{"id":18932,"date":"2023-07-13T15:13:46","date_gmt":"2023-07-13T13:13:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/10162-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:13:48","modified_gmt":"2023-07-13T13:13:48","slug":"10162-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/10162-01\/","title":{"rendered":"Tagung: Umweltmanagement &#8211; Aspekte einer umweltbezogenen Unternehmensf\u00fchrung in mittelst\u00e4ndischen Unternehmen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>\u00d6kologische Aspekte haben seit geraumer Zeit Eingang in die \u00f6konomische Theorie gefunden. Die Volkswirtschaftslehre war Schrittmacher, die Betriebswirtschaftslehre folgte mit zeitlichem Abstand nach. Spezialaspekte standen zun\u00e4chst im Fokus der Forschung (z.B. Produktions- und Entsorgungsfragen). Nach und nach weitete sich der Betrachtungshorizont; heute hat die Umweltorientierung breiten Eingang in die betriebswirtschaftliche Forschung und Lehre gefunden.<br \/>\nDennoch besteht in (zumindest) zweifacher Hinsicht Kl\u00e4rungsbedarf:<br \/>\n(1) Inwieweit bildet Umweltmanagement ein abgegrenztes Aufgabenfeld im Sinne einer speziellen Betriebswirtschaftslehre? &#8211; und eng damit verbunden<br \/>\n(2) Inwieweit kommt der Umwelt\u00f6konomie ein gesonderter (organisatorischer) Status in der praktischen F\u00fchrung von gro\u00dfen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen zu?<br \/>\nAufgabe der Vallendarer Tagung war es, neben anderen Themenstellungen diese beiden Fragen zu beantworten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Tagung f\u00fchrte Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen und Praktiker aus unterschiedlichen Branchen und Unternehmensgr\u00f6\u00dfen zusammen. Hierdurch bestand ausreichend Gelegenheit zu fruchtbarer Diskussion. Die Breite der einbezogenen Standpunkte entsprach der Zielsetzung der Tagung. Die begleitende Pr\u00e4sentation aktueller Forschungsprojekte in Form einer Poster-Sektion war ein weiteres Instrument der breiten, zeitnahen Information.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Einige wichtige Ergebnisse der Tagung lassen sich in folgenden Punkten festhalten:<br \/>\n(1) Die Betriebswirtschaftslehre ist bei der Besch\u00e4ftigung mit \u00f6kologischen Fragestellungen in hohem Ma\u00dfe auf entsprechendes naturwissenschaftliches Wissen angewiesen. Sollen Umweltwirkungen in betriebliche Entscheidungsprozesse einflie\u00dfen, so m\u00fcssen sie antizipierbar sein. Eine solche Erwartungsbildung kann aber auch die Naturwissenschaft nur zum Teil leisten. Sie kann derzeit weit besser messen als prognostizieren. Hieraus resultieren (erhebliche) Probleme f\u00fcr die Unternehmensf\u00fchrung.<br \/>\n(2) Das Fehlen eines breiten und festen Fundaments beschr\u00e4nkt auch die Soziologie in ihrem Bem\u00fchen, Beitr\u00e4ge zu einer nachhaltigen Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft zu leisten. Allerdings gibt die bisherige Anpassungsleistung der Gesellschaft an die \u00f6kologische Herausforderung Grund zu Optimismus.<br \/>\n(3) Die Rolle der Juristen ist eine nachrangige. Juristen k\u00f6nnen erst aktiv werden, wenn Wirkungszusammenh\u00e4nge gekl\u00e4rt sind und Handlungsbedarf erkannt werden. Einer ihrer Wissenslieferanten sollte die Betriebswirtschaftslehre sein.<br \/>\n(4) Innerhalb der Betriebswirtschaftslehre ist es strittig, ob \u00d6kologie zu einer \u00c4nderung des \u00f6konomischen Aussagensystems f\u00fchren mu\u00df oder ob das gewohnte methodische Instrumentarium ausreicht. Die Mehrzahl der Beitr\u00e4ge neigte letzterer Meinung zu. Dies sollte nicht als ein Ad acta-Legen \u00f6kologischer Bem\u00fchungen in der Betriebswirtschaftslehre verstanden werden; es er\u00f6ffnet vielmehr den Blick auf vielf\u00e4ltige, bislang noch nicht ausreichend genutzte L\u00f6sungspotentiale. Bessere \u00d6konomie f\u00fchrt &#8211; im Rahmen der Mehrheitsmeinung &#8211; zu besserer \u00d6kologie, nicht normative Forderungen eines umweltgerechten Verhaltens.<br \/>\n(5) Eine zentrale Herausforderung an die betriebwirtschaftliche Theorie wird in Zukunft darin bestehen, pr\u00e4zise Aussagen \u00fcber die Wirkung staatlicher Kontextgestaltung zu liefern. Hiermit wird &#8211; wie bereits vermerkt &#8211; auch eine Forderung von Juristen eingel\u00f6st.<br \/>\n(6) F\u00fcr Unternehmen f\u00fchrt die explizite und nachhaltige Ber\u00fccksichtigung der Umwelt in aller Regel zu einer Erh\u00f6hung der zu tragenden Kosten. Nur zum Teil sind diese an die Kunden weitergebbar bzw. k\u00f6nnen sie zur Differenzierung gegen\u00fcber Wettbewerbern verwendet werden. Neben der H\u00f6he der Kosten ist aber auch deren Plan- bzw. Berechenbarkeit eine wesentliche Determinante des Unternehmenserfolgs.<br \/>\n(7) Mittelst\u00e4ndische Unternehmen k\u00f6nnen durch \u00f6kologische Kontextfaktoren sich neu er\u00f6ffnende Marktchancen zwar schnell nutzen. Die wirtschaftliche Tragf\u00e4higkeit dieser \u00f6kologisch bedingten \u00f6konomischen Nischen ist aber eher als gering einzusch\u00e4tzen.<br \/>\n(8) \u00d6kologische Kontextfaktoren f\u00fchren auch zu einer Erh\u00f6hung der Komplexit\u00e4t der Managementaufgabe. Diese k\u00f6nnen die Unternehmen zunehmend nicht mehr durch die Schaffung spezialisierter Stellen (z. B. der eines Umweltschutzbeauftragten), sondern nur durch die \u00dcbertragung der Aufgabe an alle F\u00fchrungskr\u00e4fte bew\u00e4ltigen. Dies gilt &#8211; so ein wichtiges Ergebnis der Tagung &#8211; weitgehend unabh\u00e4ngig von der Unternehmensgr\u00f6\u00dfe.<br \/>\n(9) F\u00fcr die betriebswirtschaftliche Ausbildung bedeutet dies einen entsprechenden Integrationsbedarf umwelt\u00f6konomischer Aspekte in alle betriebswirtschaftlichen Teildisziplinen. Starke Spezialisierungen sind eher skeptisch zu betrachten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Mitte 1997 ist der Band der Vallendarer Tagung im Sch\u00e4ffer-Poeschel-Verlag, Stuttgart, erschienen (Umfang ca. 550 Seiten). J. Weber (Hrsg.): Umweltmanagement, Stuttgart 1997.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Vallendarer Tagung gibt einen wichtigen Einblick in den Stand betriebswirtschaftlicher Forschung und Lehre im Bereich des Umweltmanagements. Er zeigt die tiefe Verankerung \u00f6kologischer Fragestellungen an Hochschulen und in F\u00fchrungsetagen gro\u00dfer und mittelst\u00e4ndischer Unternehmen. Wenn der Staat &#8211; besser als bisher &#8211; die entsprechenden Rahmenbedingungen setzt, besteht kein Anla\u00df f\u00fcr Zweifel, ob die Wirtschaft ihren Beitrag zu einer \u00f6kologischen, nachhaltigen Entwicklung unserer Gesellschaft tats\u00e4chlich wird leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens \u00d6kologische Aspekte haben seit geraumer Zeit Eingang in die \u00f6konomische Theorie gefunden. Die Volkswirtschaftslehre war Schrittmacher, die Betriebswirtschaftslehre folgte mit zeitlichem Abstand nach. Spezialaspekte standen zun\u00e4chst im Fokus der Forschung (z.B. Produktions- und Entsorgungsfragen). 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