{"id":18929,"date":"2023-07-13T15:14:14","date_gmt":"2023-07-13T13:14:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/10826-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:14:16","modified_gmt":"2023-07-13T13:14:16","slug":"10826-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/10826-01\/","title":{"rendered":"Modellvorhaben: Substanzschonende Beseitigung von Umweltsch\u00e4den an dem national wertvollen Kulturgut Steinerne Br\u00fccke in Kooperation mit mittelst\u00e4ndischen Unternehmen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Steinerne Br\u00fccke in Regensburg (Bauzeit 1135-1146) stellt die \u00e4lteste, noch unver\u00e4ndert erhaltene Steinbr\u00fccke Deutschlands dar. Sie stellt sowohl ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst in Deutschland als auch ein Denkmal von europ\u00e4ischen Rang dar, das es zu erhalten gilt. Durch die Belastungen von Umwelt und Verkehr hat der Bestand betr\u00e4chtlich gelitten. Sickerwasser, Streusalz und Schadstoffimmis-sionen aus der Luft haben dem Bestand aus Naturstein zugesetzt. Mit Hilfe auch von neuen, material-schonenden Untersuchungsmethoden soll ein behutsames Instandsetzungskonzept entwickelt werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methodena)\tSteintechnische Untersuchungen<br \/>\n\u00b7\tSteintechnische Kartierung<br \/>\n\u00b7\tEntfernung von fr\u00fcheren M\u00f6rtel- und Steinersatzantragungen und loser Teile<br \/>\n\u00b7\tFeststellung mechanischer Steinsch\u00e4den (z.B. durch Schalenbildung)<br \/>\n\u00b7\t\u00d6ffnen der Fugen zur Untersuchung der Fugenstruktur<br \/>\n\u00b7\tErforschen der Steindicken und Feststellen von Rissen und der Dichte des Fugenm\u00f6rtels durch endoskopische Untersuchungen<br \/>\nb)\tLaboruntersuchungen des Natursteins<br \/>\n\u00b7\tKartierung der Natursteinvariet\u00e4ten nach unterschiedlichen Kriterien und Merkmalen<br \/>\n\u00b7\tKernbohrungen an unterschiedlichen Gesteinstypen zur Bestimmung von den Gesteinskenndaten, Feuchtegehalt und Versalzung<br \/>\n\u00b7\tLaboruntersuchungen zur Frage der Konservierbarkeit der Sandsteine (Steinfestiger, Steinersatzstoff) und zur Auswahl von Fugen- und Restaurierungsm\u00f6rtel<br \/>\nc)\tZerst\u00f6rungsarme Untersuchungen des Natursteins<br \/>\n\u00b7\tEinsatz von Radar<br \/>\n\u00b7\tEinsatz von Mikroseismik an der Oberfl\u00e4che und im Bohrloch<br \/>\n\u00b7\tAnwendung von Ultraschall\u00b7\tAnwendung der Widerstandselektrik<br \/>\n\u00b7\tTomographie mit Hilfe von Radar, Mikroseismik, Ultraschall und Widerstandselektrik zur Struktur und Zustandsuntersuchung des Natursteins<br \/>\n\u00b7\tForschung und Entwicklung zerst\u00f6rungsarmer Untersuchungsmethoden<br \/>\nd)\tStatisch-konstruktive Betrachtungen (Gr\u00fcndung, Konstruktion u. Abdichtung, Ersch\u00fctterungen, Statik und Tragverhalten)<br \/>\ne)\tErkundungsbohrungen (durch den steinernen Br\u00fcckenkern bis in den Untergrund)<br \/>\nf)\tMusterhafte Instandsetzung ausgew\u00e4hlter Br\u00fcckenb\u00f6gen (Bogen XIV und IX)<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Steintechnische Untersuchungen<br \/>\nDie teils losen fr\u00fcheren M\u00f6rtel- und Steinersatzantragungen wurden gr\u00f6\u00dftenteils entfernt, zum Vorschein kommende Schadensbilder wurden aufgenommen wie Ziegelausmauerungen, Stahlgewebematten zum Teil mit Ausmauerung und Befestigungshaken, ferner offene Fugen und Risse.<br \/>\nNach \u00d6ffnen der Fugen wurde festgestellt, dass das Fugenmaterial weich und stark durchfeuchtet ist. Der \u00e4u\u00dferlich harte und dichte Fugenm\u00f6rtel bildet eine Sperre f\u00fcr das Wasser im Mauerwerk und sorgt daf\u00fcr, dass das Mauerwerk nicht austrocknen kann. \tAnhand von Bohrungen und anschlie\u00dfend der endoskopischen Untersuchung wurde versucht die Steindicken der Bogensteinquader empirisch festzustellen, um die Ergebnisse der zerst\u00f6rungsfreien Untersuchungen \u00fcberpr\u00fcfen sowie die statisch wirksame Bogenst\u00e4rke ann\u00e4hernd bestimmen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nLaboruntersuchungen des Natursteins<br \/>\nDurch eine lithologische Kartierung lie\u00dfen sich die unterschiedlichen Gesteinsarten (Variet\u00e4ten), ihr Sedimentsgef\u00fcge und der Schadenszustand (Verwitterungsformen, Reliefbildung, Risse, Ausbr\u00fcche) der Natursteine feststellen.<br \/>\nIn den untersuchten Musterb\u00f6gen dominieren die verschiedenen Arten des Regensburger Gr\u00fcnsandsteines, im Bereich der Pfeilerbasis der Kalkstein. Die gesteinsphysikalischen Daten und die mineralischen Bestandteile der Gr\u00fcnsandsteine schwanken stark. Diese beeinflussen das Auswitterungsverhalten, die Feuchteaufnahme und -abgabe.<br \/>\nBei der Schadenskartierung wurden die fl\u00e4chig und punktuell auftretenden Salzvorkommen, schwarzen Krusten, mechanische Besch\u00e4digungen und Rissspuren aufgenommen. Es \u00fcberwiegt die Reliefbildung an der Gesteinsoberfl\u00e4che durch die aktiven Verwitterungsprozesse sowie die oberfl\u00e4chig dunkel gef\u00e4rbten Gipskrustenbildungen. Als Salzbelastung an den Bogensteinen tritt Steinsalz auf, das vorzugsweise an der por\u00f6sen Gesteinsoberfl\u00e4che sowie an den Fugen fl\u00e4chig und punktuell auskristallisiert. Die Natriumchlorid-Belastung der Fugen nimmt nur langsam ins Innere ab.<br \/>\nDie Untersuchungen f\u00fcr eine Steinfestigung der Natursteinoberfl\u00e4che ergaben, dass ein ausreichender Festigungserfolg am trockenen Naturstein mit herk\u00f6mmlichen Marktprodukten m\u00f6glich ist. Allerdings muss vor einer Steinfestigung der Salzgehalt und die Feuchtigkeit reduziert werden.<br \/>\nZerst\u00f6rungsarme Untersuchungen des Natursteins<br \/>\nDie zerst\u00f6rungsfreien Untersuchungsmethoden konnten zur Beurteilung des aktuellen Bauzustandes der Steinernen Br\u00fccke erfolgreich eingesetzt werden.<br \/>\nAn dem untersuchten Pfeiler und anschlie\u00dfenden Jochen wurden hinter der Au\u00dfenschale Bereiche mit strukturellen Ver\u00e4nderungen wie Schalenabl\u00f6sungen oder Materialwechsel ermittelt. Die Einbindetiefe der \u00e4u\u00dferen Steine konnte zuverl\u00e4ssig bestimmt werden. Des Weiteren wurden Bereiche erh\u00f6hter Feuchte- und Salzgehalte diagnostiziert. Es wurde festgestellt, dass das Innere des Pfeilers nicht homogen ist. Ver\u00e4nderungen der Materialqualit\u00e4t bzw. Festigkeit der Innenf\u00fcllung wurden ermittelt. Die gemes-senen Informationen wurden durch gezielte Bohrungen geeicht.<br \/>\nMusterhafte Instandsetzung ausgew\u00e4hlter Br\u00fcckenb\u00f6gen<br \/>\nDie Ergebnisse der umfangreichen Untersuchungen wurden in ein konkretes Instandsetzungskonzept f\u00fcr die Steinerne Br\u00fccke umgesetzt. In einem ersten Schritt wurden an zwei Musterb\u00f6gen die Methoden einer denkmalgerechten Instandsetzung des Natursteins erprobt. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen sowohl in restauratorischer, bautechnischer und finanzieller Hinsicht sind Grundlage f\u00fcr die geplante Instandsetzung der gesamten Br\u00fccke.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>1998: Vortrag 3. Internationale Donaubr\u00fcckenkonferenz in Regensburg; November 1998: Vortrag Herbstsymposium 1998 zur Denkmalpflege in Regensburg; Mai 2000: Vortrag IASS Symposium in Istanbul; 22.\/23. Mai 2001: Expertentreffen in Regensburg; Oktober 2001: Vortrag beim Klub f\u00fcr das Alte Prag in Prag; April 2004: Vortrag Fachsymposium Karlsbr\u00fccke in Prag; Mai\/Juni 2004: Vortr\u00e4ge im Rahmen der Bewerbung Regensburg &#8211; Europ. Kulturhauptstadt 2010; Weitere Vortr\u00e4ge bei staatl. Beh\u00f6rden, Berufsvereinigungen, Historischen Vereinen; Fachvortr\u00e4ge durch die beteiligten Fachleute; M\u00e4rz 2006: Tagung Natursteinsanierung 2006 Stuttgart; Hornemann-Institut: Datenbank hericare-docu<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die sorgf\u00e4ltigen Untersuchungen, gr\u00fcndlichen Analysen und die modellhafte exemplarische Instandsetzung am Bauwerk in interdisziplin\u00e4rer Zusammenarbeit waren Voraussetzungen daf\u00fcr, dass viele bisher unbekannte Erkenntnisse \u00fcber die Steinerne Br\u00fccke gewonnen werden konnten, die f\u00fcr eine zuk\u00fcnftige denkmalvertragliche und die Substanz schonende Instandsetzung des gesamten Br\u00fcckenbauwerkes von gro\u00dfer Bedeutung sind. Weiter konnte in der \u00d6ffentlichkeit bewusst gemacht werden, dass die bau-werkssch\u00e4digenden Umwelteinfl\u00fcsse aus dem Verkehr (hohe Belastung, Salzstreuung, Abgase) langfris-tig durch die Sperrung der Steinernen Br\u00fccke f\u00fcr jeglichen Kfz-Verkehr unterbunden werden m\u00fcssen und nur auf diese Weise das einmalige Br\u00fcckenbauwerk erhalten werden kann.<br \/>\nDie Ergebnisse des Modellvorhabens war eine wertvolle Hilfe f\u00fcr die von der Stadt Regensburg geplante Gesamtinstandsetzung der Steinernen Br\u00fccke als ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst und Denkmal von europ\u00e4ischem Rang.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Steinerne Br\u00fccke in Regensburg (Bauzeit 1135-1146) stellt die \u00e4lteste, noch unver\u00e4ndert erhaltene Steinbr\u00fccke Deutschlands dar. 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