{"id":18922,"date":"2023-07-13T15:14:36","date_gmt":"2023-07-13T13:14:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/11316-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:14:36","modified_gmt":"2023-07-13T13:14:36","slug":"11316-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/11316-01\/","title":{"rendered":"Praxistest zum Einsatz simulationsbasierter Prognoseinstrumente in der Landschaftsplanung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Quantitative Analysen zum Gef\u00e4hrdungsgrad von Tierpopulationen werden heute im Rahmen von naturschutzfachlichen Begleitplanungen nur sehr selten durchgef\u00fchrt. Grund daf\u00fcr ist der oft enorme Datenbedarf hierf\u00fcr zur Verf\u00fcgung stehender Werkzeuge sowie ihr hoher Anspruch an die theoretische Vorbildung des Nutzers. Es soll deshalb ein einfach anwendbares Werkzeug zur standardisierten Gef\u00e4hrdungsgradanalyse von Tierpopulationen entwickelt werden. Dazu soll ein Simulationsprogramm und eine Datenbank auf einem zentralen Server installiert und \u00fcber das Internet und das Telephonnetz interessierten Anwendern zug\u00e4nglich gemacht werden. Durch die Koppelung mit einer Datenbank sollen &#8211; bei m\u00f6glichst geringem Zeit- und Kostenaufwand f\u00fcr den Anwender &#8211; Aussagen zur mittel- und langfristigen Gef\u00e4hrdung von Tierpopulationen in der r\u00e4umlich stark strukturierten Kulturlandschaft geliefert werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZun\u00e4chst wurden das Simulationsprogramm und die dazugeh\u00f6rige Datenbank mit interner Administrator-Schnittstelle auf einem Server implementiert. Anschlie\u00dfend wurde eine Benutzerschnittstelle zu diesen Werkzeugen in Java implementiert, um den Zugriff \u00fcber das Netz zu erm\u00f6glichen. Die Funktionstests des kompletten Systems erfolgten mit Fallbeispielen aus der eigenen Forschungsarbeit.<br \/>\nIm zweiten Schritt wurde die Datenbank mit Parametern gef\u00fcllt. Dazu wurde die existierende Literatur gesichtet, Kontakt mit Entomologen aufgenommen und diesbez\u00fcgliche Datenbanken im WWW gesucht.<br \/>\nEs wurden Ableitungsalgorithmen entwickelt und die Genauigkeit der Parameter abgesch\u00e4tzt.<br \/>\nDie praxisnahe Erprobung anhand von etwa 11 ausgew\u00e4hlten Fallbeispielen aus der naturschutzfachlichen Planungspraxis erfolgte in enger Zusammenarbeit mit Planungsb\u00fcros. Zum Abschluss wurden die Ergebnisse dieser Fallbeispiele ausgewertet, um den Umfang und die Pr\u00e4sentation der Simulationsergebnisse an die spezifischen Anforderungen der Planer anzupassen und das System mit interaktiven Hilfen derart auszustatten, dass es ohne Anleitung von jedem interessierten Nutzer bedient werden kann.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Inzwischen verf\u00fcgt das Institut f\u00fcr Zoologie \u00fcber einen leistungsf\u00e4higen Server, der nur als WWW-, Datenbank- und Simulationsserver f\u00fcr SISP zur Verf\u00fcgung steht. Die Homepage verf\u00fcgt \u00fcber eine detaillierte Dokumentation des Simulationswerkzeuges sowie seiner theoretischen Grundlagen, eine gut dokumentierte Beispielanwendung und die Java-Applets f\u00fcr die Benutzeranmeldung und die Eingabe der Simulationsauftr\u00e4ge. Die eigentliche Simulationssoftware wurde so modifiziert, dass sie von der Datenbank mit \u00dcbergabe des Simulationsauftrags aufgerufen werden kann. Nach Abarbeitung der Simulation wird das Ergebnis in die Datenbank geschrieben und daraus mittels eines Reports ein automatisierter Bericht erstellt, der auf in der Datenbank gespeicherten Schl\u00fcssels\u00e4tzen besteht, die nach definierten Bewertungsalgorithmen mit den Ergebnissen kombiniert werden.<br \/>\nDie mit der Literaturrecherche und Ableitung von Modellparametern besch\u00e4ftigten wissenschaftlichen Hilfskr\u00e4fte fanden unter 1250 gezielt gesuchten Literaturstellen lediglich 13 Ver\u00f6ffentlichungen, die Prim\u00e4rdaten ausreichender Qualit\u00e4t f\u00fcr das populationsdynamische Modell enthielten. Daraus, aus pers\u00f6nlichen Kontakten und einer Internet-Datenbank konnten jedoch 75 Parameters\u00e4tze f\u00fcr 40 Arten abgeleitet werden, die zum Teil geographisch differenziert sind. Eine wichtige Erkenntnis war die Feststellung, dass Arten in unterschiedlichen geographischen Regionen nur in der Reaktion auf Umweltstochastizit\u00e4t differieren. F\u00fcr das Migrationsmodell wurden noch mehr Angaben gefunden, die daraus erstellte Datenbank umfasst 166 Eintr\u00e4ge zu 108 Arten. Allerdings reichten die Angaben einiger dieser Zitate nicht zur Ableitung quantitativer Migrationsparameter.<br \/>\nNeben den Tests mit Fragestellungen aus dem unmittelbaren wissenschaftlichen Umfeld wurden insgesamt 11 Studien in Zusammenarbeit mit Planungsb\u00fcros durchgef\u00fchrt. Zur Auswertung dieser Praxistests wurde den Anwendern ein von uns entwickelter Fragebogen vorgelegt. Die Reaktion der Anwender war insgesamt positiv, zeigt jedoch einige Problembereiche auf, die eine Weiterentwicklung des Werkzeuges notwendig machen. Zun\u00e4chst einmal kamen die Anwender trotz der umfangreichen Kommentare und Hilfestellungen auf der FIFB-Website noch nicht ohne Hilfestellung durch einen unserer Mitarbeiter zurecht. Au\u00dferdem war trotz der Datenbank der Aufwand zur Beschaffung der zoologischen Daten (hier vor allem Habitatkapazit\u00e4ten) zu gro\u00df, um die Finanzierung einer solchen Studie in einer Standard-Planungssituation zu erlauben. Hier spielt es eine wichtige Rolle, dass sich im deutschsprachigen Raum (im Gegensatz z.B. zu den USA) quantitative populationsbiologische Argumentationen in der Naturschutzpraxis bisher kaum durchgesetzt haben. Schlie\u00dflich zeigte die Sichtung der Literatur, dass das zur Ableitung populationsdynamischer Kenngr\u00f6\u00dfen verwendete Datenmaterial ausgesprochen heterogen ist. Hier kann durch die Ableitung zu ungenauer Parameter ein teilweise recht beachtlicher Fehler in den Gef\u00e4hrdungsanalysen resultieren. Bisher reicht der Umfang der Datenbank noch nicht aus, um die Plausibilit\u00e4t neu abgesch\u00e4tzter Parameter im Vergleich mit den Parametern \u00e4hnlicher Arten zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Das Projekt SISP wurde bereits direkt nach Beginn auf einer Tagung der NNA Risikoabsch\u00e4tzung im Naturschutz vorgestellt sowie im M\u00e4rz 98 bei der Fachtagung der ANL mit dem Titel Zielarten &#8211; Leitarten &#8211; Indikatorarten. Aus beiden Tagungen resultierten gemeinsame Publikationen mit Karin Amler, die aber beide noch nicht erschienen sind. Auch im aus dem FIFB-Projekt hervorgehenden Buch Populationsbiologie in der Naturschutzpraxis konnten Teile des Projektes vorgestellt werden.<br \/>\nDie Pr\u00e4sentation im WWW erfolgt auf der Homepage der Arbeitsgruppe \u00d6kologie am Institut f\u00fcr Zoologie der Universit\u00e4t Mainz, auf der Homepage der \u00d6kologischen Station der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg sowie durch den WWW-Server des SISP-Projektes.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Simulationsprogramm SISP ist soweit entwickelt, dass es unmittelbar \u00fcber das Netz benutzt werden kann. Auch die Datenbank enth\u00e4lt gen\u00fcgend Daten zu Mobilit\u00e4t und Populationsdynamik von Insekten, dass eine Reihe von Beispielanwendungen problemlos durchgef\u00fchrt werden konnte. Unser Ansatz, die Datenbeschaffung durch die Datenbank-Simulation-Koppelung zu vereinfachen und die Simulation unmittelbar auf einem zentralen Server durchzuf\u00fchren fand die Zustimmung der Nutzer. Allerdings haben die Interviews mit Anwendern ergeben, dass ein Einsatz des Modells ohne Betreuung durch einen Modellierer noch zu schwierig ist. Auch haben sich quantitative Studien in der Planungspraxis in Deutschland noch nicht soweit durchgesetzt, dass die Anwender in jedem Fall den hierf\u00fcr zus\u00e4tzlich notwendigen Aufwand an Feldarbeit (vor allem zur Populationsgr\u00f6\u00dfensch\u00e4tzung) investieren w\u00fcrden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Quantitative Analysen zum Gef\u00e4hrdungsgrad von Tierpopulationen werden heute im Rahmen von naturschutzfachlichen Begleitplanungen nur sehr selten durchgef\u00fchrt. Grund daf\u00fcr ist der oft enorme Datenbedarf hierf\u00fcr zur Verf\u00fcgung stehender Werkzeuge sowie ihr hoher Anspruch an die theoretische Vorbildung des Nutzers. 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