{"id":18919,"date":"2023-07-13T15:11:33","date_gmt":"2023-07-13T13:11:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/06708-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:11:36","modified_gmt":"2023-07-13T13:11:36","slug":"06708-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/06708-01\/","title":{"rendered":"Sanierung eines degradierten Niedermoores mittels Anbau von Schilf als nachwachsendem Rohstoff unter Verwertung gereinigter kommunaler Abw\u00e4sser"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Durch die intensive Melioration der meisten Niedermoore Nordostdeutschland in den 70er und 80er Jahren dieses Jahrhunderts wurde eine starke Bodendegradation (Schrumpfung, Torfverzehr) verursacht. Diese wurde unterst\u00fctzt durch Moorumbruch als Vorbereitung der Aussaat von Mais oder hochproduktiven Gr\u00e4sern, was eine zunehmende Setzung des Torfk\u00f6rpers und eine gro\u00dfe Belastung der Vorflut, des Grundwassers und der Atmosph\u00e4re mit den Abbauprodukten der Mineralisation mit sich brachte. Viele Fl\u00e4chen liegen heute brach. Hier entwickelt sich die Vegetation \u00fcber Hochstaudenfluren und Geb\u00fcschstadien zu Moorwald mit \u00e4hnlich negativen Begleiterscheinungen f\u00fcr die Umwelt wie die Intensivbewirtschaftung.<br \/>\nZiele einer nachhaltigen Niedermoorentwicklung und Nutzung, wie die Renaturierung, die Regeneration torfbildender Vegetation und die Produktion hochwertiger Rohstoffe und deren Verarbeitung zu neuen Produkten wurden im Schilfprojekt untersucht.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt kann in drei Schwerpunkte aufgegliedert werden, die parallel mit Beginn des Vorhabens durchgef\u00fchrt wurden:<br \/>\n1. Arbeiten auf der Pilotfl\u00e4che wie technische Ver\u00e4nderungen (Verwallungen), Bereitstellung von Wasser (Vorhaltebecken) als Grundlage der Wiedervern\u00e4ssung sowie biotische und abiotische Ist-Zustandsanalyse. Sp\u00e4ter: Auspflanzen von Sumpfpflanzenarten, Wiedervern\u00e4ssung, biotisches und abiotisches Monitoring, Ewrarbeitung von Empfehlungen f\u00fcr den Anbau.<br \/>\n2. Arbeiten in den Betrieben: Aufbau von Versuchsanlagen f\u00fcr die Produktion von Formk\u00f6rpern und Matten aller Art, Weiterentwicklung und Optimierung der Anlagen, Serienproduktion.<br \/>\n3. Marktanalyse und \u00f6konomische Bewertung: einzelwirtschaftliche Betrachtung der Schilfernte, Beurteilung der Schilfrohrkultur, weitergehende Abwasserbehandlung, Moore als Kohlenstoffsenke<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Wiedervern\u00e4ssung der Versuchsfl\u00e4che in Biesenbrow (Nordostbrandenburg) und die Etablierung der R\u00f6hrichtvegetation konnte erfolgreich umgesetzt werden. Die geerntete Biomasse kann \u00fcber verschiedene Verwertungsformen als Nachwachsender Rohstoff genutzt werden. Das infolge der Wiedervern\u00e4ssung labile System scheint sich wieder zu stabilisieren, zun\u00e4chst war eine verminderte CO2-Ausgasung festzustellen.<br \/>\nDie Pflanzung von im Gew\u00e4chshaus vorgezogenen Topfpflanzen stellte sich als beste Etablierungsmethode heraus, wobei sich zeigte, da\u00df sogar nur 1 Pflanze oder weniger pro Quadratmeter, deutlich weniger als urspr\u00fcnglich angenommen, f\u00fcr die Begr\u00fcndung eines geschlossenen Schilfbestandes ausreicht. Au\u00dferdem konnte gezeigt werden, da\u00df eine m\u00f6glichst vollst\u00e4ndige Beseitigung der Graslandvegetation und eine direkt an die Pflanzung anschlie\u00dfende gesteuerte Vern\u00e4ssung des Standortes optimale Bedingungen f\u00fcr eine schnelle Bestandesbildung und die Unterdr\u00fcckung von Konkurrenzarten (Typha la-tifolia usw.) darstellen. Die stofflich- \u00f6kophysiologische Verwertbarkeit verschiedener Schilfsippen (Klone, \u00f6kologische Typen) als nachwachsender Rohstoff sowie die Entwicklung der Populationsstruktur und Artenzusammensetzung werden bei Koppitz et al. (1999) und Timmermann (1999) dargestellt.<br \/>\nIm Verlauf der Untersuchungen stellte sich heraus, da\u00df die mit der in den 70er Jahren durchgef\u00fchrten Meliorationsma\u00dfnahme verlegten Dr\u00e4nrohre noch funktionsf\u00e4hig waren (Dietrich et al. 1999). Dies wurde durch den hohen Wasserbedarf der Fl\u00e4che, auch au\u00dferhalb der Vegetationsperiode, ersichtlich (Dannowski et al. 1999). Eine Folge davon waren hohe Stoffaustr\u00e4ge, die auch auf die oxidierenden Bedingungen in Dr\u00e4nn\u00e4he und damit erh\u00f6hte L\u00f6slichkeiten zur\u00fcckzuf\u00fchren sind (Gensior &#038; Zeitz 1999). Dies zeigt, da\u00df Wiedervern\u00e4ssungsma\u00dfnahmen m\u00f6glichst gro\u00dfe Landschaftsausschnitte einbeziehen sollten, damit die aufgrund des f\u00fcr die Pilotfl\u00e4che festgestellten Inseleffekts auftretenden Schwierigkeiten auf unbedeutende Randeffekte reduziert werden k\u00f6nnen. Auf der Pilotfl\u00e4che ist zun\u00e4chst eine Schlie\u00dfung der Dr\u00e4ne im Fr\u00fchjahr 1999 vorgesehen.<br \/>\nDie  Nitrifikation im wiedervern\u00e4\u00dften, \u00fcberstauten Boden scheint drastisch gehemmt zu werden, was auf der \u00fcberstauten Fl\u00e4che h\u00f6here Netto-N-Mineralisierungsraten als auf einer entw\u00e4sserten Vergleichsfl\u00e4che zur Folge hatte. Neben der zun\u00e4chst erh\u00f6hten Stoffdynamik wurden mit der Wiedervern\u00e4ssung des Standortes die CO2-Emissionen verringert. So konnten die Voraussetzungen f\u00fcr eine Torfbildung und damit die Reaktivierung der nat\u00fcrlichen Funktionen des Niedermoores im Landschaftshaushalt geschaffen werden.<br \/>\nEinen \u00dcberblick \u00fcber die bestehende Technik f\u00fcr die Ernte von Schilf und die Vorverarbeitung im landwirtschaftlichen Betrieb sowie verschiedene Verwertungsm\u00f6glichkeiten wurde erarbeitet. Neben einer Marktanalyse f\u00fcr Schilfprodukte wurde eine \u00f6konomische Bewertung unterschiedlicher Szenarien zur Bewertung von Produkt- und Verwertungslinien f\u00fcr Schilf, des Schilfanbaus sowie verschiedener Moorfunktionen durchgef\u00fchrt. Es konnte gezeigt werden, da\u00df z.B. die Rohrernte zur Gewinnung von Dachbedeckungsmaterial kostendeckend sein kann.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Auswahl der Ver\u00f6ffentlichungen im Jahr 1998:<br \/>\nW. Wichtmann &#038; D. Koppisch 1998: Nutzungsalternativen f\u00fcr Niedermoore am Beispiel Nordostdeutschlands, Zeitschrift f\u00fcr Kulturtechnik und Landentwicklung, Heft 4, S. 162 -168<br \/>\nW. Wichtmann &#038; D. Koppisch 1998: Degraded fens in Northeastern Germany. Goals for cultivation and restoration. IPS Symposium Duluth, Minnesota 1998, p 32 &#8211; 36<br \/>\nW. Wichtmann 1998: Restoration of degraded fengrassland by rewetting and reed-production. Sustainable Agriculture for Food, Energy and Industry. James &#038; James Science Publishers Ltd. London, pp 479 &#8211; 483<br \/>\nW. Wichtmann &#038; T. Timmermann 1999: Degradiertes Saatgrasland oder umweltvertr\u00e4gliche Nachwachsende Rohstoffe: die Experimentalanlage Biesenbrow. In: M. Succow (Hrsg): Landschafts\u00f6kologische Moorkunde, 2. Auflage. Fischer Verlag Jena; im Druck<br \/>\nR. Roth, D. Koppisch, W. Wichtmann, &#038; J. Zeitz 1999: Moorschonende Gr\u00fcnlandnutzung. In: M. Succow &#038; H. Joosten (Hrsg): Landschafts\u00f6kologische Moorkunde, 2. Aufl. Fischer Verlag Jena; im Druck<\/p>\n<p>Zu folgenden Anl\u00e4ssen wurde das Projekt 1998 der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert:<br \/>\nW. Wichtmann 1998: Nutzung von Niedermooren und Naturschutz- ein Widerspruch? Vortrag im Rahmen des interdisziplin\u00e4ren Kolloquiums am Naturschutzzentrum der Uni G\u00f6tingen am 29.1.1998<br \/>\nW. Wichtmann 1998: Restoration of fens with industrial plants. Poster auf der 2nd international conference on restoration ecology, Groningen, 25 &#8211; 30.8.98<br \/>\nW. Wichtmann 1998: Fallstudie: Niedermoorrevitalisierung mittels Wiedervern\u00e4ssung und Schilfanbau &#8211; M\u00f6glichkeiten der Verwendung von weitgehend gereinigtem Abwasser. Fachsymposium Wasser ist Leben &#8211; was ist Abwasser, der Mittelstandsakademie M.-V. am 4.9.98<br \/>\nH. Holst, D. Koppisch, A. Sch\u00e4fer &#038; W. Wichtmann 1998: Wiederbelebung von degradierten Niedermooren und Talsandstandorten mittels Erlenanbau. S\u00e4chsische Landesstiftung Natur und Umwelt und DGMT-Fachtagung Moore in ihrer Beziehung zu Geh\u00f6lzbest\u00e4nden- Struktur, Dynamik und Schutz, 30.9.-4.10.98 in Niederlauterstein<br \/>\nW. Wichtmann 1998: Ist eine nachhaltige Nutzung von Niedermooren m\u00f6glich? Fortbildungsakademie der Volksbanken und Raiffeisengenossenschaften in Klein Plasten, M.-V., Fortbildung von Betriebsleitern i.d. Landwirtschaft. 4. M\u00e4rz 1998<br \/>\nW. Wichtmann 1998: Alles Gute kommt von oben &#8211; oder etwa doch nicht sowie Nachhaltige Nutzung von Niederlmooren. Landschaftspflegeverband Meckl. Endmor\u00e4ne, \u00dcAZ Waren\/M\u00fcritz, 14. M\u00e4rz 1998<br \/>\nW. Wichtmann 1998: Sustainable land use of floodplains and fens. Round-table Gespr\u00e4ch zu Problemen der Polesye, Landwirtschaftsministerium Minsk, 29. M\u00e4rz 1998<br \/>\nW. Wichtmann 1998: Ist Nachhaltigkeit die L\u00f6sung? Zum Beispiel: Schilfanbau auf einem Niedermoor. Deutsch-Polnische Tagung; Grundlagen einer \u00f6kologischen Kultur der Ev. Akademie Vorpommern, Kulice, Polen, 23.5.98<br \/>\nA. Sch\u00e4fer &#038; W. Wichtmann 1998: Fen Restoration and Reed Cultivation &#8211; First Results of an Interdisc. Proj. in Northeast. Germany, Economic Aspects, IPS Symposium Duluth, Minnesota 14.-18.6.98, p 244 &#8211; 249<br \/>\nH. Koppitz, H. K\u00fchl, T. Timmermann &#038; W. Wichtmann 1998: Fen Restor. and Reed Cultiv. &#8211; First Results of an Interdisc. Proj. in NE Germany, Biotic Aspects. IPS Symp. Duluth, Minnesota  14.-18.6.98, p 235 &#8211; 243<br \/>\nA. Gensior, J.Zeitz, R.Dannowski, O.Dietrich &#038; W.Wichtmann 1998: Fen Restor. and Reed Cultiv. &#8211; First Res. of an Int. Proj. in NE Germany, Abiotic Aspects, IPS Symposium Duluth, Minnesota 14.-18.6.98, p 229 &#8211; 234<br \/>\nW. Wichtmann 1998: Standortgerechte Nutzung wiedervern\u00e4\u00dfter Niedermoore. Arbeitskreis Moornutzung &#8211; Landespflege, Arbeitstreffen in Mecklenburg-Vorpommern am 25.9.1998.<br \/>\nMitte 1999 erscheint ein Sonderband des Archivs f\u00fcr Naturschutz und Landschaftsforschung mit den wichtigsten Ergebnissen des Gesamtprojketes als Doppelheft (ca. 240 Manuskriptseiten).<br \/>\nVerschiedene Vorstellungen des Verbundprojektes konnten im Berichtszeitraum auf der Pilotfl\u00e4che angeboten werden:<br \/>\n\u00b7 Am 22.5.98 wurde die Pilotfl\u00e4che im Rahmen der Tagung der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft (DBG) zur Boden\u00f6kologie von Feuchtgebieten, Niedermoorbewirtschaftung und Spurengasemissionen, vorgestellt.<br \/>\n\u00b7 Vorstellung der Pilotfl\u00e4che gegen\u00fcber dem Landschafts\u00f6kologischen Gro\u00dfpraktikum der Universit\u00e4t Greifswald am 4.6.1998.<br \/>\n\u00b7 Am 14.3. 1998 wurde die Pilotfl\u00e4che einer Wissenschaftlerin der Universit\u00e4t Moskau (Tatjana Minerjewa) und Kollegen aus dem Botanischen Institut Greifswalds vorgestellt.<br \/>\n\u00b7 Die Pilotfl\u00e4che wurde mit G\u00e4sten aus Wei\u00dfru\u00dfland Anfang August 98 besichtigt.<br \/>\n\u00b7 Am 30.8.1998 wurde das Projekt im Rahmen des Gemeindefestes Biesenbrow in Zusammenarbeit mit den Uckerm\u00e4rkischen Musikwochen vorgestellt und eine Begehung der Piltfl\u00e4che vorgenommen.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Zwei Jahre nach der Umsetzung der Sanierungsma\u00dfnahme zeigen sich auf unterschiedlichen Ebenen des \u00d6kosystems positive Entwicklungen, wie z.B. die beeindruckende Entwicklung der Zielvegetation sowie die aufgezeigten wirtschaftlichen Potentiale bei der Schilfernte und der Schilfverwertung. Weiterhin besteht gro\u00dfes Interesse an Konzepten f\u00fcr die Revitalisierung und nachhaltige Nutzung von devastierten Niedermooren. Dies wird deutlich an der gro\u00dfen Zahl der Anfragen f\u00fcr Vortr\u00e4ge zum Thema bzw. Projektvorstellungen. Das zur Wiedervern\u00e4ssung verwendete Wasser erf\u00e4hrt eine weitergehende Reinigung (Sch\u00f6nung) beim Durchstr\u00f6men bzw. \u00dcberrieseln des Moork\u00f6rpers was eine D\u00e4mpfung von Abflu\u00dfspitzen bzw. eine Vergleichm\u00e4\u00dfigung des gesamten Abflu\u00dfgeschehens zur Folge hat. Die \u00f6konomische Tragf\u00e4higkeit der Schilfwirtschaft konnte aufgezeigt werden. Mit Hilfe des Projekts konnte sich die \u00d6koform GmbH als selbstst\u00e4ndiger Betrieb mit einem gro\u00dfen Angebot verschiedenster Formk\u00f6rper aus Biomasse aus einer Besch\u00e4ftigungsgesellschaft ausgr\u00fcnden. Das Projekt wurde zum 31.12.98 abgeschlossen, die Untersuchungen zur Schilfverwertung wurden beendet. Sowohl die biotischen, als auch ein Teil der abiotischen Untersuchungen werden noch \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum weitergef\u00fchrt. Weiterer Forschungsbedarf ergibt sich v.a. zur Beurteilung der Vern\u00e4ssungsma\u00dfnahme bez\u00fcglich des Stoff- und Wasserhaushaltes sowie der weiteren Entwicklung der Schilfbest\u00e4nde, insbesondere unter den Bedingungen der Einleitung vorgereinigter Abw\u00e4sser. Dar\u00fcber hinausgehender Untersuchungsbedarf spiegelt sich in den Themen verschiedener geplanter Forschungsvorhaben wider.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Durch die intensive Melioration der meisten Niedermoore Nordostdeutschland in den 70er und 80er Jahren dieses Jahrhunderts wurde eine starke Bodendegradation (Schrumpfung, Torfverzehr) verursacht. 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