{"id":18903,"date":"2023-07-13T15:09:29","date_gmt":"2023-07-13T13:09:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/03622-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:09:30","modified_gmt":"2023-07-13T13:09:30","slug":"03622-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/03622-01\/","title":{"rendered":"\u00d6kologischer Mietwohnungsbau Duderstadt"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel des \u00f6kologischen Wohnungsbauprojektes in Duderstadt war es, neben der Realisierung bereits bekannter energetisch optimierter Bauweisen auch die Kombination neuartiger Heiz-, L\u00fcftungs- und Regelungstechniken im Gescho\u00dfwohnungsbau einzusetzen und dies im Rahmen der Landesausstellung Natur im St\u00e4dtebau in Duderstadt einer breiten \u00d6ffentlichkeit zu pr\u00e4sentieren.<br \/>\nDer Erfolg aller angewandten Techniken wurde durch wissenschaftliche Begleitung und ein 3-j\u00e4hriges Me\u00dfprogramm der wichtigsten Verbrauchs- und Kenndaten des Nutzerverhaltens \u00fcberpr\u00fcft.<br \/>\nAngestrebtes Ziel war eine deutliche und nachhaltige Reduzierung des Energieverbrauchs bei der Nutzung von Mietwohnungen im Vergleich zum damaligen Standard.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1. Planung und Durchf\u00fchrung:<br \/>\nIn der Planung wurde die H\u00fcllfl\u00e4che des Geb\u00e4udes optimiert und optimal zur Sonne ausgerichtet. In Zusammenarbeit mit dem Fachingenieurb\u00fcro Theurich &#038; Klose wurden folgende Technikkomponenten geplant und realisiert: 1. Kontrollierte Wohnungsl\u00fcftung mit W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung;  2. Stromspartechnologie und Photovoltaik;  3. Warmwassererzeugung durch Vakuumr\u00f6hrenkollektoren;  4. Transparente W\u00e4rmed\u00e4mmung an der S\u00fcdfassade;   5. Gasbrennwertheizung;<br \/>\n6. Wohnungsweises Energieerfassungs- und Regelsystem.<br \/>\nBei der baulichen Ausf\u00fchrung wurde besonders auf die Winddichtigkeit der Geb\u00e4udekonstruktion geachtet, um W\u00e4rmeverluste durch unkontrollierte L\u00fcftung zu vermeiden. Geometrische und konstruktive W\u00e4rmebr\u00fccken wurden bei der Planung und der Durchf\u00fchrung weitgehend ausgeschlossen.<br \/>\n2. \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Schulung der Mieter<br \/>\nW\u00e4hrend der Landesgartenausstellung wurden in einer Musterwohnung die Energiespar-Techniken und Erfassungsmethoden fachkundig vorgestellt. (Vortr\u00e4ge, Brosch\u00fcren, Schautafeln&#8230;).<br \/>\nIn regelm\u00e4\u00dfigen Schulungsveranstaltungen wurden die Mieter mit den neuen Techniken vertraut gemacht und auf die Bedeutung der richtigen Rauml\u00fcftung und die M\u00f6glichkeiten zus\u00e4tzlicher Energieeinsparung hingewiesen.<br \/>\n3. Me\u00df- und Auswertungsphase<br \/>\nNeben den Verbrauchswerten f\u00fcr Heizung und Warmwasserbereitung wurden 3 Jahre lang Au\u00dfentemperaturen, Raumtemperaturen, \u00d6ffnungszeiten der Fenster, Betriebszeiten der L\u00fcftungsanlage und der Verbrauch von Kaltwasser, Gas und Strom gemessen und gespeichert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Winddichtigkeitspr\u00fcfung (Blower-Door-Test) eines Referenzgeb\u00e4udes hat bis auf kleine Luftleckstellen ergeben, da\u00df das gepr\u00fcfte Geb\u00e4ude als sehr dicht (n50 = 1,04 h-1) einzustufen ist. Die kleinen Leckstellen an Fenstern und Rohranschl\u00fcssen waren mit geringem Aufwand zu beheben.<br \/>\nDie Brennwertheizanlage erbrachte anf\u00e4nglich nicht die m\u00f6glichen Nutzungsgrade, was aber im Laufe des Kontrollverfahrens einreguliert werden konnte. Generell mu\u00df bemerkt werden, da\u00df theoretisch hohe Normnutzungsgrade in der Praxis der Niedrigenergieh\u00e4user nicht erreicht werden k\u00f6nnen. Dieses gilt jedoch nicht nur f\u00fcr Brennwerttechnik, sondern im gleichen Ma\u00dfe auch f\u00fcr den Einsatz herk\u00f6mmlicher Niedertemperaturkessel. Grund hierf\u00fcr ist, da\u00df die ben\u00f6tigten Nutzw\u00e4rmemengen im Niedrigenergiehaus geringer werden, die Verluste des Kessels und der W\u00e4rmeverteilung jedoch nicht im gleichen Ma\u00dfe sinken. Hier ist es besser, mit absoluten Werten f\u00fcr die Verluste zu rechnen.<br \/>\nDie Ergebnisse der solaren Trinkwssererw\u00e4rmung zeigen, da\u00df nur standardisierte und praxiserprobte L\u00f6sungen hydraulischer und regelungstechnischer Einbindung von Solaranlagen in die konventionelle Heizungsanlagentechnik ausreichend hohe solare Deckungsanteile erbringt.<br \/>\nDie L\u00fcftungsger\u00e4te mit W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung wurden von den Bewohnern selten &#8211; und dann meist nur als Dunstabzug f\u00fcr die K\u00fcchenluft &#8211; genutzt. Die geringe Akzeptanz der Nutzer l\u00e4\u00dft sich mit dem relativ hohen Stromverbrauch, auf den in den Mieterinformationsveranstaltungen hingewiesen wurde und der Ger\u00e4uschentwicklung erkl\u00e4ren. F\u00fcr die aus hygienischen und bauphysikalischen Gr\u00fcnden n\u00f6tige kontrollierte L\u00fcftung sind in den letzten drei Jahren bereits bessere L\u00f6sungen mit und ohne W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung entwickelt worden.<br \/>\nDie gemessenen Heizw\u00e4rmeverbrauchswerte stimmen f\u00fcr die Geb\u00e4ude als Gesamtheit gut mit errechneten Werten nach der W\u00e4rmeschutzverordnung von 1995 \u00fcberein. Die Einzelverbrauchswerte der Wohnungen weichen untereinander jedoch im Verh\u00e4ltnis 1:6 voneinander ab; im wesentlichen begr\u00fcndet durch unterschiedliche, vom Nutzer (Mieter) verursachte L\u00fcftungsw\u00e4rmeverluste und innere W\u00e4rmegewinne. Die Einzeldatenanalyse zeigt deutlich, da\u00df zuk\u00fcnftiges Einsparpotential im Niedrigenergiehaus wesentlich vom Nutzerverhalten im Zusammenspiel mit der Regelungs- und Anlagentechnik abh\u00e4ngt. Ansatzpunkte f\u00fcr niedrige Verbrauchswerte sind:<br \/>\n\u00b7 Konsequente Aufkl\u00e4rung der Nutzer \u00fcber den starken Einflu\u00df ihres L\u00fcftungsverhaltens, vor allem in den \u00dcbergangszeiten (Fr\u00fchling, Herbst) auf den Heizw\u00e4rmeverbrauch. Die Schwierigkeit hierbei liegt darin, das Interesse an der Thematik bei den Mietern zu wecken, um so ein bewu\u00dftes L\u00fcftungsverhalten zu erreichen. In Duderstadt mu\u00dfte leider festgestellt werden, da\u00df h\u00f6chstens 50 % der Nutzer an den angebotenen Infoveranstaltungen teilnahmen.<br \/>\n\u00b7 Begrenzung des Verschwendungspotentials der W\u00e4rmeabgabe durch sorgf\u00e4ltige Planung, Auslegung, Inbetriebnahme und Durchf\u00fchrung eines hydraulischen Abgleichs sowie der Reglereinstellung.<br \/>\n\u00b7 Verst\u00e4rkter Einsatz zentraler und dezentraler Regeleinrichtungen, die bei \u00dcberschreiten zeitlich gemittelter Au\u00dfentemperaturen (Heizgrenztemperaturen im Bereich zwischen 10\u00b0C-14\u00b0C) die Heizenergiezufuhr unterbrechen und bei Unterschreiten durch manuelle Anforderung wieder zulassen. Weiterhin ist die Erfassung der Fenster\u00f6ffnung zur Unterbrechung der dezentralen Heizenergiezufuhr eine aussichtsreiche technische M\u00f6glichkeit zur Reduzierung des L\u00fcftungsw\u00e4rmeverbrauchs. Einzelraumregler mit Fensterkontaktfunktionen k\u00f6nnen dies erf\u00fcllen..<br \/>\nDas wohnungszentrale Raumtemperaturregelungs- und Energieerfassungssystem erwies sich in der Praxis f\u00fcr die Mehrzahl der Mieter als zu kompliziert und sollte in Zukunft durch einfache, bedienerfreundliche Ger\u00e4te ersetzt werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>1. Vortr\u00e4ge und Pr\u00e4sentation auf der Landesgartenschau 1995<br \/>\n2. Brosch\u00fcre NILEG\/DBU: Modellprojekt \u00d6kologischer Wohnungsbau in Duderstadt<br \/>\n3. Fachartikel in Zeitschrift GAS Heft 1\/96 S. 25 ff Technik im Niedrigenergiehaus, Zwischenbericht des Modellprojektes \u00d6kologischer Mietwohnungsbau in Duderstadt Dieter Wolff, Peter Teuber, Martin Krohm und Burkhard Alkemeier.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Durch die lange und intensive Me\u00dfphase konnten wichtige Erkenntnisse \u00fcber die Wirksamkeit der verschiedenen eingesetzten Techniken im Mietwohnungsbau gewonnen und daraus L\u00f6sungen f\u00fcr zuk\u00fcnftige Verbesserungen abgeleitet werden.<br \/>\nDie tats\u00e4chlich erzielten W\u00e4rmeverbrauchswerte liegen etwas \u00fcber den nach der WSVO errechneten Vorgaben. Hier zeigt sich bei genauer Ursachenforschung, da\u00df das Heiz- und L\u00fcftungsverhalten der Mieter einen gravierenden Einflu\u00df auf das Gesamtergebnis hat. Einsparpotentiale, die durch bewu\u00dftes Nutzerverhalten v.a. bei der L\u00fcftung erreicht werden k\u00f6nnen, sind wesentlich h\u00f6her als die durch verbesserte Technologien erzielbare Reduzierung des Heiz- und Elektroenergieverbrauchs.<br \/>\nDie eingesetzten technischen Ger\u00e4te m\u00fcssen bedienerfreundlicher und in ihrer Wirkungsweise f\u00fcr den Nutzer akzeptabler werden.<br \/>\nDie Niedrigenergiehaus-Techniken erfordern eine intensive Planung und genaue Abstimmung aller geplanten beteiligten Gewerke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel des \u00f6kologischen Wohnungsbauprojektes in Duderstadt war es, neben der Realisierung bereits bekannter energetisch optimierter Bauweisen auch die Kombination neuartiger Heiz-, L\u00fcftungs- und Regelungstechniken im Gescho\u00dfwohnungsbau einzusetzen und dies im Rahmen der Landesausstellung Natur im St\u00e4dtebau in Duderstadt einer breiten \u00d6ffentlichkeit zu pr\u00e4sentieren. 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