{"id":18788,"date":"2023-07-13T15:11:10","date_gmt":"2023-07-13T13:11:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/06142-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:11:11","modified_gmt":"2023-07-13T13:11:11","slug":"06142-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/06142-01\/","title":{"rendered":"Lernmodell: Umweltlernen in der Einen Welt und f\u00fcr die Eine Welt"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>In diesem Projekt sollten Materialien f\u00fcr die Lehrerfortbildung zum Unterricht in kulturell gemischten Klassen entwickelt werden. Voraussetzung daf\u00fcr war die Kenntnis der Natur- und Umweltbeziehungen der betroffenen Sch\u00fcler, die durch Befragung der Kinder aber auch von t\u00fcrkischen Erwachsenen ermittelt werden sollte. Auf dieser Basis sollten erlebnisorientierte Unterrichtsmaterialien entwickelt und erprobt werden, die sp\u00e4ter als Lehrerfortbildungsmaterial zum Einsatz kommen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie TUD als Projektnehmerin f\u00fchrte dieses Projekt in Verbindung mit der Abteilung f\u00fcr Biologiedidaktik der Technischen Universit\u00e4t Braunschweig durch. Hierdurch konnten das fachdidaktische know how der betreffenden Wissenschaftler in das Projekt eingebunden werden.<br \/>\nF\u00fcr die Dauer des Projekts wurde ein st\u00e4ndig arbeitendes Team aus diesem Institut der TUBS sowie  erfahrenen t\u00fcrkischen und deutschen Lehrkr\u00e4ften gewonnen. Die zu ber\u00fccksichtigenden Sch\u00fcler wurden auf dritte und vierte Klassen begrenzt und in das Konzept empirische Untersuchungen zu Naturbeziehung und Umweltbewusstsein t\u00fcrkischer und deutscher Grundschulkinder der betreffenden Jahrg\u00e4nge eingef\u00fcgt. Die Beschr\u00e4nkung auf die t\u00fcrkische Minderheit hatte vor allem den Grund, dass damit eine gewisse \u00dcbersichtlichkeit gewahrt blieb. Die empirische Untersuchung an den Grundschulkindern wurde im Rahmen einer Dissertation durchgef\u00fchrt. Schlie\u00dflich wurde eine kleine Zahl von Grundschullehrkr\u00e4ften zu ihren Erfahrungen mit Minorit\u00e4ten, insbesondere der t\u00fcrkischen Minorit\u00e4t, im Hinblick auf natur- und umweltbezogene Unterrichtsthemen befragt. Es wurde ein dreit\u00e4giger Workshop mit Grundschullehrern t\u00fcrkischer und deutscher Herkunft durchgef\u00fchrt. Auch wurde ein t\u00fcrkischer Professor der Biologiedidaktik aus Ankara im Rahmen seines Stipendiums von der Alexander von Humboldt Stiftung in diese Untersuchung integriert und lieferte wertvolle Beitr\u00e4ge zur Umwelterfahrung t\u00fcrkischer Erwachsener. Im Ergebnis wurden vier schulpraktische Konzepte und Projekte entwickelt und eines &#8211; Das Gartenjahr &#8211; von einer t\u00fcrkischen Lehrerin durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Das Projekt der Entwicklung von Studieneinheiten f\u00fcr die Lehrerfortbildung wurde f\u00fcr gemischte Grundschulklassen der dritten und vierten Jahrgangsstufen durchgef\u00fchrt. Da die t\u00fcrkische Minderheit die zahlenm\u00e4\u00dfig weitaus gr\u00f6\u00dfte in Deutschland ist, wurde das Umweltbewusstsein von deutschen und t\u00fcrkischen Grundsch\u00fclern exemplarisch befragt. Gerade Umweltbildung bietet aufgrund ihres konzeptionellen Ansatzes, ihrer Interdisziplinarit\u00e4t und projektorientierten Unterrichtsformen, d. h. aufgrund ihrer Vielf\u00e4ltigkeit in Themen und Methoden, die M\u00f6glichkeit, interkulturell ausgerichtete Lernprozesse zu initiieren und das Zusammenlebender Deutschen mit ethnischen Minderheiten zu f\u00f6rdern. Durch die Arbeit an Themen, die alle betreffen, lassen sich auf indirektem Wege viele Umgangsweisen mit Natur und Umwelt in die gemeinsamen Bem\u00fchungen von Kindern, Lehrern und Eltern einbringen. Durch die Mitarbeit eines t\u00fcrkischen Professors der Biologiedidaktik aus Ankara konnte auch eine Anzahl in Deutschland lebender t\u00fcrkischer Erwachsener in Form einer Befragung in das Projekt einbezogen werden.<br \/>\nEine kleinere Zahl von Grundschullehrkr\u00e4ften wurde zu ihren Erfahrungen mit Minorit\u00e4ten, insbesondere der t\u00fcrkischen, im Hinblick auf natur- und umweltbezogene Unterrichtsthemen befragt: Insgesamt konnte man feststellen, dass in den Gespr\u00e4chen in der Mehrzahl ein differenziertes Bild von der t\u00fcrkischen Minderheit sichtbar wurde, die ethnischen Unterschiede wahr- und auch aufgenommen wurden. Allerdings entsteht h\u00e4ufig eine stereotype Routine im Umgang mit diesen Minderheiten.<br \/>\nUmweltfragen sind universell, betreffen alle Menschen gleicherma\u00dfen und sind nicht an bestimmte L\u00e4nder oder gar deren Curricula gebunden. Sie bed\u00fcrfen allerdings der Bearbeitung aus unterschiedlichen Perspektiven. Das betrifft insbesondere ethnisch bedingte unterschiedliche Zug\u00e4nge zu den Dingen und Ph\u00e4nomenen und den Umgang mit unserer nat\u00fcrlichen und anthropogenen Umwelt. Es war erkennbar, dass t\u00fcrkische Kinder auch dann, wenn sie im Unterricht nur wenig oder gar nicht mehr als Kinder mit einem ganz eigenen kulturellen Hintergrund erkennbar sind, mit Natur und Umwelt dennoch anders umgehen als Kinder mit deutschem kulturellen Hintergrund.<br \/>\nEs wurde ein dreit\u00e4giger Workshop mit Grundschullehrern t\u00fcrkischer und deutscher Herkunft durchgef\u00fchrt. Die Gespr\u00e4che zwischen diesen Lehrkr\u00e4ften ergaben, dass es erhebliche Defizite im Wissen um die Situation des jeweils anderen gibt. Es fehlt an einem Informationsaustausch zwischen den deutschen Regelschullehrern und den t\u00fcrkischen Lehrkr\u00e4ften, die &#8211; bedingt durch ihren Einsatz an verschiedenen Schulen &#8211; ihr vorhandenes Wissen \u00fcber die Problemlagen der t\u00fcrkischen Kinder und die Interessen der Eltern kaum weitergeben k\u00f6nnen. Es bedarf mehr (Zeit-) Raum f\u00fcr eine solche p\u00e4dagogische Verst\u00e4ndigung. Die Anregung einer verst\u00e4rkten interkulturellen Bildungsarbeit wurde positiv aufgenommen. Gleichzeitig wurden die Grenzen einer Kooperation erkennbar. In zahlreichen Diskussionsbeitr\u00e4gen wurde auf organisatorische Hindernisse hingewiesen: Lehrplandruck, fehlende Kooperationsbereitschaft t\u00fcrkischer und deutscher Eltern, Sprachprobleme, zu hoher Arbeitsaufwand u.a.m.<br \/>\nIm Ergebnis konnte in diesem Projekt ein Gesamtbild der Schul- und Unterrichtssituation im Hinblick auf Umweltbildung f\u00fcr die Sch\u00fclergruppe des dritten und vierten Schuljahres erstellt werden, das eine notwendige Voraussetzung f\u00fcr schulpraktische Konzepte und Projekte ist. Vier schulpraktische Konzepte wurden entwickelt, eines &#8211; Das Gartenjahr &#8211; wurde von einer t\u00fcrkischen Lehrerin durchgef\u00fchrt und dokumentiert. Dieses Beispiel errang in einem Wettbewerb von \u00fcber achtzig eingereichten Arbeiten einen beachtlichen f\u00fcnften Platz.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Dieses Projekt wurde im Rahmen von zwei Jahrestagungen der TUD \u00fcber Interkulturelle Umweltbildung (1997 in Braunschweig, 1999 in Hattingen, NRW) sowie des bereits erw\u00e4hnten Workshops (1998 in Braunschweig) der \u00d6ffentlichkeit pr\u00e4sentiert. \u00dcber die Ergebnisse dieses Projektes wurde in zwei Buchpublikationen berichtet:<br \/>\nStrey, Gernot, Bahadir, M\u00fcfit (Hrsg.): Umweltlernen in der einen Welt f\u00fcr die eine Welt; Teubner-Reihe Umwelt (M. Bahadir, H.-J. Collins, B. Hock, Hrsg.), B. G. Teubner Verl., Stuttgart &#8211; Leipzig 1999<br \/>\nMaack-Rheinl\u00e4nder, Kathrin: Umweltbewusstsein und Umwelthandeln t\u00fcrkischer und deutscher Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der 3. und 4. Grundschulklasse. Eine empirische Studie im Rahmen des Projekts Entwicklung und Erprobung eines Lehr- und Lernmodells zur Umweltbildung unter besonderer Ber\u00fccksichtigung ethnischer Minderheiten f\u00fcr die Lehrerfortbildung; Peter Lang, Europ\u00e4ischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt 1999<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Alle Akteure &#8211; Kinder, Lehrkr\u00e4fte, Eltern &#8211; kamen im Sinne einer Partizipation in diesem Projekt zu Wort. Damit konnte zum ersten Mal ein komplettes Bild der Situation des Unterrichts zu Umweltfragen in ethnisch gemischten Grundschulklassen gezeichnet werden. Interkultureller Umweltbildungsunterricht mehr ist als ein einmaliges Modellprojekt, sondern vielmehr eine kontinuierlich durchzuf\u00fchrende Aufgabe. F\u00fcr die Gegenwart und Zukunft ist es daher erforderlich, dass die Heranwachsenden lernen, mit Vielfalt und unterschiedlichen Welt- und Naturinterpretationen umzugehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens In diesem Projekt sollten Materialien f\u00fcr die Lehrerfortbildung zum Unterricht in kulturell gemischten Klassen entwickelt werden. Voraussetzung daf\u00fcr war die Kenntnis der Natur- und Umweltbeziehungen der betroffenen Sch\u00fcler, die durch Befragung der Kinder aber auch von t\u00fcrkischen Erwachsenen ermittelt werden sollte. 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