{"id":18704,"date":"2023-07-13T15:12:16","date_gmt":"2023-07-13T13:12:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/07798-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:12:17","modified_gmt":"2023-07-13T13:12:17","slug":"07798-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/07798-01\/","title":{"rendered":"Befahrbarkeit von Niedermoorfl\u00e4chen bei Ma\u00dfnahmen zu deren Schutz und angepa\u00dfter Nutzung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Niedermoore sind als gro\u00dfr\u00e4umige Wasserspeicher, Filter f\u00fcr Wasser und N\u00e4hrstoffe sowie als Lebensraum f\u00fcr bedrohte Pflanzen- und Tierarten zu erhalten und angepasst zu nutzen. Die gro\u00dffl\u00e4chige Wiedervern\u00e4ssung erfordert unmittelbar umsetzbare Erkenntnisse zur Sicherung der Befahrbarkeit von Niedermoorfl\u00e4chen und zur Bestimmung der daf\u00fcr notwendigen Standortbedingungen, technischen Voraussetzungen und \u00f6konomischen Auswirkungen. Dazu geh\u00f6ren die Beurteilung der Befahrbarkeit von Niedermoorfl\u00e4chen, die Bestimmung von Varianten f\u00fcr standortangepasste Technikausstattung, die Ermittlung wirtschaftlicher Auswirkungen und die Ergebnis\u00fcbertragung auf ausgew\u00e4hlte Schutzgebiete.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenArbeitsschwerpunkte im dritten Projektjahr und Verl\u00e4ngerungshalbjahr waren die Definition von Tragf\u00e4higkeits- und Belastungsklassen, die Ausweisung standortangepasster Technik, die Ermittlung der zugeh\u00f6rigen Verfahrenskosten, die Bewertung des vorhandenen Technikbestandes in Brandenburgischen Niedermoorgebieten, die Bearbeitung von Szenarien der Technikanpassung sowie die \u00d6ffentlichkeitsarbeit und Praxisberatung.<br \/>\nAufbauend auf den bisherigen Projektergebnissen wurden anhand vorhandener und erforderlicher Scherfestigkeiten miteinander korrespondierende Tragf\u00e4higkeits- und Belastungsklassen formuliert. F\u00fcr hunderte von Technikvarianten der Gr\u00fcnlandbewirtschaftung erfolgte die Berechnung der erforderlichen Scherfestigkeit und die anschlie\u00dfende Zuordnung zu den Belastungsklassen. Daraus wurden Grenzwerte f\u00fcr einfach verf\u00fcgbare, mit der Bodenbelastung verbundene technische Gr\u00f6\u00dfen abgeleitet. F\u00fcr die wesentlichen Arbeitsg\u00e4nge der Gr\u00fcnlandbewirtschaftung wurden innerhalb aller Belastungsklassen typische Maschinenkombinationen ausgew\u00e4hlt und die Verfahrenskosten berechnet.<br \/>\nIn den Niedermoorgebieten Nuthe-Nieplitz-Niederung, Rhinluch und Untere Havel stellten zwanzig landwirtschaftliche Betriebe in Befragungen Daten zur Niedermoorbewirtschaftung und zum Technikbestand bereit. Darauf aufbauend wurde eine Leistungs- und Funktionsbewertung f\u00fcr die Technik durchgef\u00fchrt. F\u00fcr die Nuthe-Nieplitz-Niederung erfolgte die Ermittlung geeigneter Technik und der zugeh\u00f6rigen Verfahrenskosten f\u00fcr die drei Szenarien Ist-Zustand, Anpassung an gegenw\u00e4rtige Standortbedingungen und an moorschonende Standortbedingungen.<br \/>\nIn landwirtschaftlichen Betrieben bzw. bei Fachbeh\u00f6rden des Naturparks Nuthe-Nieplitz und im Osterfeiner Moor wurden spezielle Beratungen vor Ort durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Zur Absch\u00e4tzung der Befahrbarkeit wird eine einfache Methode entwickelt, mit der die mechanische Belastung beim Befahren auf die standortspezifische Tragf\u00e4higkeit abgestimmt werden kann.<br \/>\nZur Kennzeichnung der Tragf\u00e4higkeit dient die Scherfestigkeit, die von Biotoptyp, Bewuchsdichte und Bodenfeuchte abh\u00e4ngig ist. Fl\u00e4chenanteile in Tragf\u00e4higkeitsklassen sind aus den Biotoptypen gro\u00dffl\u00e4chig abzuleiten. Kleinr\u00e4umige Standortheterogenit\u00e4ten werden dabei nicht ber\u00fccksichtigt. Zeitanteile in Tragf\u00e4higkeitsklassen k\u00f6nnen anhand der Verkn\u00fcpfung von Jahresverl\u00e4ufen der Grundwasserst\u00e4nde mit ent-sprechenden Bodenfeuchten und somit zugeh\u00f6rigen Scherfestigkeiten ermittelt werden.<br \/>\nAls Ma\u00df f\u00fcr die mechanische Belastung beim Befahren dient die erforderliche Scherfestigkeit, deren Berechnung anhand technischer Daten wie Radlasten und Reifenabmessungen erfolgt. Die Bildung von Belastungsklassen vereinfacht die praktische Anwendbarkeit der Belastungsabsch\u00e4tzung. So kann aus einfach verf\u00fcgbaren technischen Daten wie Motornennleistung der Traktoren, Arbeitsbreite von M\u00e4hwerken, Ballendurchmesser bei Pressen oder Gesamtgewichten von Anh\u00e4ngern die Belastung abgeleitet werden. F\u00fcr standortspezifische Tragf\u00e4higkeiten wird funktionell geeignete Technik ausgewiesen.<br \/>\nVon einer \u00dcbertragbarkeit der Methode zur Absch\u00e4tzung der Befahrbarkeit kann ausgegangen werden. Das Modell eignet sich als Grundlage f\u00fcr Empfehlungen zur betrieblichen und regionalen Technikauswahl. F\u00fcr operative Entscheidungen zum Technikeinsatz ist es \u00fcber stichprobenartige Messungen der Scherfestigkeit nutzbar.<br \/>\nDas angepasste Befahren von Niedermoorgr\u00fcnland ist nur in Ausnahmef\u00e4llen ein technisches Problem. Auf dem Markt wird f\u00fcr die meisten Bedingungen geeignete Technik angeboten, die sich in landwirtschaftliche Betriebe eingliedern l\u00e4sst. In einigen F\u00e4llen k\u00f6nnte allerdings der anhaltende Trend zu immer leistungsf\u00e4higeren und schwereren Maschinen dazu f\u00fchren, dass in absehbarer Zeit keine Technik mehr in den unteren Belastungsklassen verf\u00fcgbar ist.<br \/>\nMit dem Modell zur Absch\u00e4tzung der Befahrbarkeit stehen die Grundlagen f\u00fcr die Ermittlung wirtschaftlicher Auswirkungen zur Verf\u00fcgung. Die Verfahrenskosten steigen mit abnehmenden Belastungsklassen. Die H\u00f6he der Mehraufwendungen h\u00e4ngt von den konkreten Standortbedingungen eines Betriebes oder einer Region ab. Berechnungen f\u00fcr das Gebiet der Nuthe-Nieplitz-Niederung weisen zus\u00e4tzliche Verfah-renskosten von 24 DM\/ha f\u00fcr die Anpassung des derzeit vorhandenen Technikbestandes an die gegen-w\u00e4rtigen Standortbedingungen mit niedrigen Grundwasserst\u00e4nden w\u00e4hrend der Bearbeitungszeitspannen aus. Bei Anpassung der Technik an moorschonende Standortbedingungen mit ganzj\u00e4hrigen Grundwasserflurabst\u00e4nden von weniger als 30 cm betragen die zus\u00e4tzlichen Verfahrenskosten 52 DM\/ha. Unter Ber\u00fccksichtigung weiterer Kostenbestandteile w\u00e4ren somit die Fl\u00e4chen f\u00fcr Mehrkosten von insgesamt 88 DM\/ha*a bei ganzj\u00e4hrig torferhaltenden Bodenfeuchten befahrbar. Die genannten Betr\u00e4ge k\u00f6nnen als Richtwerte f\u00fcr die Mehraufwendungen bei unterschiedlichen Graden der Technikanpassung dienen.<br \/>\nDas angepasste Befahren von Niedermoorgr\u00fcnland ist somit vor allem ein \u00f6konomisches Problem. Auch wenn die Technikanpassung anhand der Standortbedingungen erfolgt und hinsichtlich der Kosten optimiert wird, entstehen Mehraufwendungen.<br \/>\nDie Erhebungen in Niedermoorgebieten Brandenburgs zeigen, dass der vorhandene Technikbestand \u00fcberwiegend hohe und sehr hohe Belastungen verursacht. Damit besteht zwangsl\u00e4ufig die Notwendigkeit zur starken Absenkung der Grundwasserst\u00e4nde w\u00e4hrend der Bewirtschaftungszeitspannen mit den entsprechenden negativen Folgen f\u00fcr die Niedermoorstandorte. Technikanpassung ist daher ein wesentliches Erfordernis f\u00fcr die Erhaltung und schonende Nutzung der Niedermoore. Die Mehrkosten liegen weit unter fr\u00fcheren Sch\u00e4tzungen. Im Rahmen der verschiedenen F\u00f6rderprogramme f\u00fcr die Gr\u00fcnlandnutzung werden standortbedingt unterschiedliche Verfahrenskosten bisher kaum ber\u00fccksichtigt. Umfassende Ans\u00e4tze zur Verbesserung der Situation der Niedermoore m\u00fcssen auch die Auswirkungen einer Vern\u00e4ssung auf die Kosten f\u00fcr die Fl\u00e4chenbearbeitung einbeziehen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die bisherigen Projektergebnisse wurden im dritten Projektjahr und Verl\u00e4ngerungshalbjahr zu verschiedenen Anl\u00e4ssen in Form von Vortr\u00e4gen und Ver\u00f6ffentlichungen vorgestellt (s. Anlage). Insbesondere eine Maschinenvorf\u00fchrung und ein Seminar zum angepassten Befahren von Niedermoorgr\u00fcnland erreichten eine breite \u00d6ffentlichkeit. Zus\u00e4tzlich wurden zahlreiche pers\u00f6nliche Konsultationen in landwirtschaftlichen Betrieben, Beh\u00f6rden, Verb\u00e4nden und landtechnischen Unternehmen durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Rahmen des Projektes ist es gelungen, anwenderorientierte Erkenntnisse zur Befahrbarkeit von Niedermoorgr\u00fcnland bereitzustellen. Die Umsetzung der vorliegenden Ergebnisse durch Einbeziehung in F\u00f6rderrichtlinien und landwirtschaftliche Beratung kann dazu beitragen, \u00fcber die weitgehend erreichte extensive Nutzung der Niedermoore hinaus deren Wasserhaushalt zu verbessern und damit entscheidend auf die langfristige Erhaltung dieser Standorte hinzuwirken. Entsprechende Schritte wurden von den Projektbearbeitern unternommen und auch weiterhin fortgesetzt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Niedermoore sind als gro\u00dfr\u00e4umige Wasserspeicher, Filter f\u00fcr Wasser und N\u00e4hrstoffe sowie als Lebensraum f\u00fcr bedrohte Pflanzen- und Tierarten zu erhalten und angepasst zu nutzen. 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