{"id":18687,"date":"2023-07-13T15:12:05","date_gmt":"2023-07-13T13:12:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/07432-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:12:06","modified_gmt":"2023-07-13T13:12:06","slug":"07432-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/07432-01\/","title":{"rendered":"Modellhafte Entwicklung eines Putzm\u00f6rtels auf Ziegelmauerwerk zur Bewahrung der Parochialkirche\/Berlin vor Umweltbelastungen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel ist die Entwicklung eines Putzm\u00f6rtels auf Basis von hydraulischem Kalk zur Sanierung von stark belastetem Ziegelmauerwerk, hier der Parochialkirche Berlin. Herk\u00f6mmliche, industriell gefertigte Sanierputze konnten hier aus Gr\u00fcnden des Denkmalschutzes nicht zur Anwendung kommen, da sie Putzdicken erfordern, die nicht dem historischen Erscheinungsbild entsprechen und au\u00dferdem in ihrer Festigkeit \u00fcber der Festigkeit der vorhandenen Ziegel liegen. Der zu entwickelnde M\u00f6rtel mu\u00df also in ge-ringen St\u00e4rken aufgetragen werden k\u00f6nnen, in seinen Festigkeiten dem Ziegeluntergrund angepa\u00dft werden und mu\u00df starken Umweltbelastungen auf bereits belastetem Mauerwerk standhalten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAn vier ausgew\u00e4hlten Bereichen der Fassade, die sich hinsichtlich ihrer Ausrichtung und Lage (Nord\/S\u00fcd, Sockel\/Mitte\/Traufe) unterscheiden, wird eine genaue Kartierung vorgenommen: Ziegelzustand, Ziegelsch\u00e4den, Altputzbestand, chemische Belastungen etc. An diesen Fl\u00e4chen werden Reinigungsverfahren erprobt.<br \/>\nEs werden dann verschiedene Putzproben aufgetragen. Als Basis f\u00fcr die Proben sind folgende Zusammensetzungen vorgesehen: hydraulischer Kalk mit zementfeinem H\u00fcttensandmehl, Wei\u00dfkalkhydrat mit zementfeinem H\u00fcttensandmehl sowie Zus\u00e4tzen zur Erh\u00f6hung der Biegezugfestigkeit, des Widerstandes gegen atmosph\u00e4rische Einfl\u00fcsse und s\u00e4urehaltige Niederschl\u00e4ge. Nach Durchlaufen eines Jahreszyklus werden die Probefl\u00e4chen erneut kartiert und auf folgende Fragen hin untersucht: Festigkeitsentwicklung der Putze; Gasdurchl\u00e4ssigkeit; Schadstoffaufnahme; Ver\u00e4nderungen im mikroskopischen Bereich zur Prognose des weiteren Verhaltens und der Lebensdauer der Putze. Die abschlie\u00dfende Diskussion beinhaltet auch die Frage nach der wirtschaftlichen Herstellung eines geeigneten Putzes.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Durch die Ergebnisse der Voruntersuchungen wurden die Anforderungen an den herzustellenden Putz weiter differenziert. Das historische Ziegelmauerwerk zeichnet sich durch ein hohes Wasseraufnahmeverm\u00f6gen aus, unterschiedliche Festigkeiten ergeben einen sehr heterogenen Putzuntergrund. Die Musterfl\u00e4chen sind m\u00e4\u00dfig bis stark mit Salzen belastet, hier vor allem Calciumsulfat als Verbindung der Schwefelanteite in der Luft bzw. dem Regenwasser mit den Calciumbestandteilen von Ziegeln und M\u00f6rtel, das sich als Gipskrusten auf Putz, Ziegeloberfl\u00e4chen und im Fugenm\u00f6rtel bis 1,5 cm Tiefe zeigte. Vor allem im Sockei- und Traufbereich traten verschiedene Mischsalze auf, deren Ursachen in Durch-feuchtungen des Mauerwerks aus alten, seit l\u00e4ngerem behobenen Sch\u00e4den liegen. Signifikante Unterschiede, die durch die Ausrichtung der Probeachsen nach den Himmelsrichtungen verursacht sein k\u00f6nnten, konnten nicht festgestellt werden. Da die Gipsanteile bei Ziegeln, die unverputzt standen, auch mehrere Millimeter tief eindrangen, zeigte die Reinigung mit dem IOS-Verfahren (Wasserstrahl mit Kalkmehl als Strahlgut) keine befriedigende Wirkung. Um die Gipsanteile zu reduzieren, m\u00fc\u00dften die Oberfl\u00e4chen abgeschlagen werden, was aus denkmalpflegerischen Gr\u00fcnden nicht in Frage kommt.<br \/>\nNach Auswertung der o.g. Daten ergab sich f\u00fcr den zu entwickelnden Putzm\u00f6rtel folgendes Anforderungsprofil: neben festgelegten Festigkeitskennwerten waren dies eine gute Haftzugfestigkeit trotz des d\u00fcnnschichtigen Auftrags und der unterschiedlichen Ziegeluntergr\u00fcnde, ein hohes Wasserr\u00fcckhalteverm\u00f6gen, um ein zu schnelles Austrocknen auf den stark saugenden Ziegeln zu vermeiden, gute wasserabweisende Qualit\u00e4ten und ein geringes Schwundverhalten. Diese Eigenschaften werden durch Zus\u00e4tze erreicht: 1. Kunststoffdispersion und 2. Hydrophobierer f\u00fcr die Haftung und Wasserabweisung, 3. Methylzellulose f\u00fcr das Wasserr\u00fcckhalteverm\u00f6gen, 4. Pangel f\u00fcr Verbesserung der Verarbeitbarkeit.  Aus den im Labor getesteten verschiedenen Wei\u00dfkalkhydrat\/Hochofenzement- bzw.  Hydraulischer Kalk\/Hochofenzementmischungen wurden drei Mischungen zur Erprobung an der Kirche ausgew\u00e4hlt. Als Vergleich wurde ein Industriesanierputz mit aufgetragen. Schon w\u00e4hrend des Putzens zeigten sich erste Probleme, bei allen Mustern traten Risse entlang der Fugen, die vorher mit demgleichen M\u00f6rtel verfugt worden waren, auf. Die Ursachen hierf\u00fcr liegen zum einen in einem zu fetten Bindemittel\/ Zuschlagverh\u00e4ltnis (1 : 4), zum anderen in der Verarbeitung selber; der Untergrund war nicht ausreichend vorgen\u00e4\u00dft worden, Verfugung und Verputz folgten zu dicht hintereinander und der Putz wurde w\u00e4hrend des Abbindens nicht ausreichend feucht gehalten. Deshalb wurden nach weiteren Laborversuchen mit mageren M\u00f6rteln (1:5, 1:7, 1:9) zus\u00e4tzliche Muster mit B\/Z 1:5 angelegt, bei denen die Verarbeitung entsprechend optimiert wurde. Diese Muster zeigten hinsichtlich der Risse befriedigende Ergebnisse.<br \/>\nNach sechs Monaten wurden die Muster auf ihre Haftzugfestigkeit gepr\u00fcft, nach neun Monaten wurde die Saizbelastung untersucht. Alle M\u00f6rtel zeigten eine gute Haftzugfestigkeit, wobei die Mischung mit Wei\u00dfkalkhydrat am schw\u00e4chsten war. Die Fl\u00e4chen hatten in unterschiedlichem Ma\u00dfe Salze aufgenommen, am besten schnitt hier die Mischung aus hydraulischem Kalk\/Hochofenzement mit dem Zusatz von Pangel ab. Die aufgetragenen M\u00f6rtel entsprachen den Anforderungen, gegen den Sanierputz sprechen hinsichtlich der Oberfl\u00e4che denkmalpflegerische Gr\u00fcnde sowie die Tatsache, da\u00df die chemischen Zus\u00e4tze nicht bekannt sind und f\u00fcr den Putz bei der vorgegebenen Dicke von unter einem Zentimeter keine Gew\u00e4hrleistung zu bekommen ist.<br \/>\nSoweit es nach einem Jahreszyklus pr\u00fcfbar ist, zeigen die entwickelten M\u00f6rtel gute Eigenschaften hinsichtlich der Resistenz gegen Umwelteinfl\u00fcsse und den daraus resultierenden Salzbelastungen. F\u00fcr eine weitere Erprobung wurde der M\u00f6rtel HK\/HOZ\/K\/H\/M\/P (Hydraulischer Kalk\/Hochofenzement\/ Kunst-stoffdispersion\/Hydrophobierer\/Methylzellulose\/Pangel) ausgew\u00e4hlt.<br \/>\nHinsichtlich der Kosten k\u00f6nnen keine abschlie\u00dfenden Aussagen gemacht werden, da die Herstellung des entwickelten M\u00f6rtels bzw. Bindemittels bislang nicht zu beziffern war.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Ein Bericht an die Datei MONUFAKT des Umweltbundesamtes liegt vor.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Soweit es die Fragestellung dieses Projektes zulie\u00df, konnten Erkenntnisse gewonnen werden, die zur Entwicklung eines Putzm\u00f6rtels auf Basis von hydraulischem Kalk als Bindemittel f\u00fchren k\u00f6nnen, der den Umweltbelastungen und den daraus entstehenden Salzbelastungen standh\u00e4lt, in seiner Festigkeit geeignet ist f\u00fcr weiches, historisches Ziegelmauerwerk und in seiner Gestaltung denkmalpflegerischen Anspr\u00fcchen gen\u00fcgt. Um diese Erkenntnisse zu vertiefen und zu einer repr\u00e4sentativen Aussage zu f\u00fchren, eventuell sogar einen marktf\u00e4higen M\u00f6rtel nicht nur f\u00fcr Baudenkm\u00e4ler hervorzubringen, ist es notwendig, den ausgew\u00e4hlten Putzm\u00f6rtel gro\u00dffl\u00e4chig einzusetzen und \u00fcber einen Zeitraum von mehreren Jahren zu beobachten und entsprechende Untersuchungen durchzuf\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel ist die Entwicklung eines Putzm\u00f6rtels auf Basis von hydraulischem Kalk zur Sanierung von stark belastetem Ziegelmauerwerk, hier der Parochialkirche Berlin. 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