{"id":18628,"date":"2023-07-13T15:11:13","date_gmt":"2023-07-13T13:11:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/06221-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:11:16","modified_gmt":"2023-07-13T13:11:16","slug":"06221-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/06221-01\/","title":{"rendered":"Umweltgerechter Neubau eines Flu\u00dfkraftwerkes an der Wutach in Wut\u00f6schingen\/Baden-W\u00fcrttemberg &#8211; Demonstrationsvorhaben"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>An der Wutach in Wut\u00f6schingen\/Schwarzwald wurde bis 1965 von einer Baumwollspinnerei ein Wasserkraftwerk als Ausleitkraftwerk mit ca. 65 kW Leistung betrieben. Seit der Kraftwerksstilllegung 1965 blockieren an diesem Standort mehrere Wehre und Sohlschwellen die Durchg\u00e4ngigkeit des Flie\u00dfgew\u00e4ssers. Es ist nunmehr ein umweltgerechter Neubau des Flusskraftwerkes im Wehrbereich der ehemaligen Wasserkraftanlage vorgesehen. Dar\u00fcber hinaus sollen im Rahmen des Neubaus verschiedene Ma\u00dfnahmen ber\u00fccksichtigt werden, welche die M\u00f6glichkeit zur angemessenen Ber\u00fccksichtigung umweltrelevanter Aspekte aufzeigen. Von zentraler Bedeutung sind hierbei Ma\u00dfnahmen im Bereich der Flie\u00dfgew\u00e4ssergestaltung, die Gegenstand dieses F\u00f6rdervorhabens sind.So soll durch:<br \/>\n1.\tdie Anlage eines naturnahen Umgehungsgerinnes in Verbindung mit dem R\u00fcckbau einer Sohlschwelle und dem Einbau einer weiteren Sohlschwelle die Flie\u00dfgew\u00e4sserdurchg\u00e4ngigkeit wieder hergestellt werden;<br \/>\n2.\teine Abflachung und Strukturierung der Uferlinie im Umfeld des Planungsgebietes die Wasser-Land-Verzahnung verbessert werden;<br \/>\n3.\tdie Entwicklung eines standorttypischen Hartholz-Auenwaldes im ehemaligen Triebwerkskanal ein neuer Lebensraum f\u00fcr Tiere und Pflanzen geschaffen werden und<br \/>\n4.\teine Verlegung einer vorhandenen Schotterbank auf ein niedrigeres Niveau in Verbindung mit einer st\u00e4rkeren Uferstrukturierung eine vielf\u00e4ltige Wasserwechselzone geschaffen werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZiel des Projekts Wasserkraftanlage Wut\u00f6schingen (WKA) war der umweltgerechte Ausbau der Wasserkraft an dem bereits bestehenden, sanierungsbed\u00fcrftigen Wutachwehr in Wut\u00f6schingen. Gleichzeitig musste mit dem Bau der Anlage den hohen Anforderungen des Hochwasserschutzes f\u00fcr die anliegenden Dorfbewohner in Wut\u00f6schingen Rechnung getragen werden.<br \/>\nDas Projekt setzt sich aus folgenden Komponenten zusammen:<br \/>\n1.\tKrafthaus<br \/>\n2.\tHochwasserentlastungsanlage<br \/>\n3.\tGrundablass<br \/>\n4.\tGewerbekanal<br \/>\n5.\tNat\u00fcrlicher Umgehungsbach<br \/>\n6.\tNaturnah ausgebildeter Stauraum<br \/>\n7.\tNaturnah ausgebildeter Unterwasserkanal<\/p>\n<p>Die Wasserkraftanlage ist als Buchtenkraftwerk &#8211; ohne Ausleitkanal &#8211; ausgebildet. Das Krafthaus liegt unmittelbar neben dem Wehr. Bei Normalbetrieb ist lediglich der im Gew\u00e4sserlauf gelegene Wehrr\u00fccken mit einer L\u00e4nge von ca. 5 m trockengelegt.<br \/>\nDie Nutzung der Wasserkraft erfolgt durch eine Kaplan-Rohr-Turbine mit Synchrongenerator. Die Anlage erzielt eine maximale elektrische Leistung von 530 kW. Die Hochwasserentlastungsanlage wurde als luftgef\u00fclltes Schlauchwehr konzipiert, das auf dem im Rahmen des Kraftwerkbaus sanierten Wehrk\u00f6rper aufgesetzt ist. Zur sicheren Abf\u00fchrung der relativ gro\u00dfen Hochwassermengen am Wehr dient ein Tosbecken, das in konventioneller Bauform erstellt wurde. F\u00fcr einen geregelten Transport des Geschiebematerials am Wehrk\u00f6rper vorbei ist ein Grundablass vorgesehen. Dieser wird \u00fcber eine elektrisch bzw. manuell gesteuerte Sch\u00fctze bedient und kann ggf. auch zur Hochwasserabf\u00fchrung herangezogen werden.<br \/>\nCa. 5 km oberhalb des Kraftwerkstandorts wird der Wutach eine Wassermenge von 2,8 cbm\/s durch Ausleitung in einen M\u00fchlkanal (Gewerbekanal) entnommen. An dem Kanal liegen mehrere Kleinwasser-kraftwerke, die ebenfalls Strom erzeugen. Urspr\u00fcnglich fand die Wiedereinleitung des Wassers in die Wutach \u00fcber den unteren Gewerbekanal unmittelbar nach der Wehrschwelle der WKA statt. Um auch dieses Energiepotenzial f\u00fcr die elektrische Stromerzeugung in der WKA nutzen zu k\u00f6nnen, wurde der sogenannte obere Gewerbekanal \u00fcber eine L\u00e4nge von 175 m neu ausgebaut. Durch den oberen Gewerbekanal flie\u00dft die \u00fcber den M\u00fchlkanal ausgeleitete Wassermenge unmittelbar oberhalb der WKA, im Staubereich, der Wutach wieder zu. F\u00fcr den unteren Gewerbekanal wird noch eine Restwassermenge von 150 l\/s zur Verf\u00fcgung gestellt, um dort den notwendigen Lebensraum f\u00fcr standorttypische Tiere und Pflanzen zu erhalten.<br \/>\nMit der Errichtung der WKA konnte durch den zus\u00e4tzlichen Bau eines nat\u00fcrlichen Umgehungsbaches mit einer Abflussmenge von 300 l\/s und den R\u00fcckbau von drei vorhandenen Sohlschwellen die Durchg\u00e4ngigkeit in diesem Bereich wiederhergestellt werden, ohne die Wirksamkeit des Hochwasserschutzes zu beeintr\u00e4chtigen. Durch eine gezielt \u00f6kologische Strukturierung des Stauraumes und des Unterwasserkanals wurden Lebensr\u00e4ume f\u00fcr Fauna und Flora erhalten bzw. noch zus\u00e4tzlich geschaffen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Durch den \u00f6kologisch ausgerichteten Bau der Wasserkraftanlage Wut\u00f6schingen konnte der lokale Eingriff in die bereits von einer bestehenden Wehranlage gepr\u00e4gte Landschaft und Natur auf ein geringes Ma\u00df begrenzt werden. Gleichzeitig wurde durch die Erstellung eines nat\u00fcrlichen Umgehungsbaches und den R\u00fcckbau dreier Sohlschwellen die Durchg\u00e4ngigkeit des Flie\u00dfgew\u00e4ssers am Kraftwerksstandort wiederhergestellt, durch die Neugestaltung des Ober- und Unterwasserbereichs nat\u00fcrlicher Lebensraum er-halten bzw. zus\u00e4tzlich geschaffen. Zudem leistet das Kraftwerk mit einer Erzeugung von ca. 2.600 MWh\/Jahr regenerativer Energie einen Beitrag zur Schonung unserer Umwelt und nat\u00fcrlichen Ressourcen. F\u00fcr eine \u00f6kologische Gesamtbewertung des Projekts sind die negativen Eingriffe den positiven Auswirkungen durch den Kraftwerksbau gegen\u00fcberzustellen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>In der \u00f6ffentlichen Diskussion hat das Projekt eine gro\u00dfe Zustimmung erfahren. Sowohl die zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rden, die \u00f6rtliche Gemeinde, die Fischerei und nicht zuletzt die Wut\u00f6schinger B\u00fcrger stehen dem Wasserkraftwerk vor Ort durchwegs positiv gegen\u00fcber. Auch \u00fcber die lokalen Grenzen hinaus wurde der WKA gro\u00dfes Interesse entgegengebracht. Politiker, Fachleute, Beh\u00f6rdenvertreter, Kraftwerkskollegen und andere Interessierte haben das Wasserkraftwerk bereits besichtigt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Nach abschlie\u00dfender Einsch\u00e4tzung des Verantwortlichen f\u00fcr die Umweltvertr\u00e4glichkeitsstudie wurden die durch die Bauma\u00dfnahme hervorgerufenen begrenzten Eingriffe in die Natur durch die positiven \u00f6kologischen Auswirkungen des Kraftwerkbaus und die damit verbundenen Ausgleichsma\u00dfnahmen vollst\u00e4ndig ausgeglichen. Das Projekt WKA Wut\u00f6schingen hat gezeigt, dass die aus gesamt\u00f6kologischer Sicht sinnvolle Nutzung der Wasserkraft als erneuerbare Energie nicht unbedingt im Widerspruch zu den sektoralen \u00f6kologischen Belangen stehen muss. Bei Flie\u00dfgew\u00e4sserabschnitten, die z.B. durch bestehende alte Wehranlagen bzw. Hochwasserschutzeinrichtungen vorbelastet sind, kann ein naturgerechter Ausbau der Wasserkraftnutzung diesbez\u00fcglich sogar zu Verbesserungen f\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens An der Wutach in Wut\u00f6schingen\/Schwarzwald wurde bis 1965 von einer Baumwollspinnerei ein Wasserkraftwerk als Ausleitkraftwerk mit ca. 65 kW Leistung betrieben. Seit der Kraftwerksstilllegung 1965 blockieren an diesem Standort mehrere Wehre und Sohlschwellen die Durchg\u00e4ngigkeit des Flie\u00dfgew\u00e4ssers. 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