{"id":18624,"date":"2023-07-13T15:08:34","date_gmt":"2023-07-13T13:08:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/01735-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:08:35","modified_gmt":"2023-07-13T13:08:35","slug":"01735-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/01735-01\/","title":{"rendered":"Bienen als Bioindikatoren bei der Umweltdiagnostik im radioaktiv belasteten Uranabbaugebiet um Ronneburg (Wismut &#8211; Gera)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Eignung der Honigbiene als Bioindikator f\u00fcr Umweltsch\u00e4den unterschiedlichster Genese ist bekannt. Untersuchungen mit nat\u00fcrlich vorkommenden Radionukliden, wie sie in verst\u00e4rktem Ma\u00dfe im ehemaligen Uranabbaugebiet der Wismut vorkommen, sind bis jetzt nicht erfolgt. Ziel des Vorhabens war es deshalb, die Eignung der Honigbiene als Bioindikator f\u00fcr Umweltsch\u00e4den, verursacht durch nat\u00fcrliche Radionuklide im Zusammenhang mit dem Uranbergbau, zu untersuchen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1.\tEntwicklung der Bienenv\u00f6lker unter dem Einfluss der radioaktiven Belastung im Wismutgebiet im Vergleich zu Kontrollv\u00f6lkern; makroskopische Beurteilung des Gesundheitszustands, Populationssch\u00e4tzung, statistische Auswertung<br \/>\n2.\tErmittlung bodenabh\u00e4ngiger Transferfaktoren f\u00fcr die nat\u00fcrlichen Radionuklide U-235, U-238, Ra-226, Th-232, Pb-210, K-40 in Boden, Pflanze (Raps) und Honig; Probennahme aus verschiedenen deutschen Regionen mit unterschiedlicher Bodenbeschaffenheit (Boden, Pflanzen, Honig); Pollenanalytik im Honig; Bestimmung der radioaktiven Nuklide mittels Gammaspektrometrie in Boden, Pflanze, Honig (Universit\u00e4t Marburg);<br \/>\n3.\tErmittlung pflanzenspezifischer Eigenschaften auf die Transferfaktoren; Probennahme (Boden, Pflanzen, Honig) bei gleicher Bodenbeschaffenheit (Ronneburg\/Seelingst\u00e4dt) mit unterschiedlichen Trachtpflanzen (Sonnenblume, Ackerbohne, Phacelia, Raps, Kamille, Rotklee); Pollenanalytik im Honig; Bestimmung der radioaktiven Nuklide mittels Gammaspektrometrie in Boden, Pflanze, Honig (U-niversit\u00e4t Marburg)<br \/>\n4.\tErmittlung des Radionuklidgehalts in Abh\u00e4ngigkeit von der Entfernung zum Haldengebiet; Entnahme von Erd-, Pflanzen- (Raps) und Honigproben in der gesamten Region Ronneburg\/Seelingst\u00e4dt; Sammlung von Mischhonigen der Region und von Honigen direkt von der Absetzanlage Tr\u00fcnzig; Pollenanalytik im Honig; Bestimmung der radioaktiven Nuklide in den Proben mittels Gammaspektrometrie<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Entwicklung der Bienenv\u00f6lker in der Wismutregion wurde insgesamt \u00fcber 2 Jahre verfolgt. Die radioaktive Belastung der Region hatte keinen Einfluss auf den Gesundheitszustand und die Entwicklung der V\u00f6lker. Der Transfer der radioaktiven Nuklide unterschiedlicher Bodenarten in die Pflanze (Raps) und in den Honig zeigte keinen Einfluss der Bodenbeschaffenheit. Die ermittelten Transferraten lagen bei 0,04-0,12 beim Transfer Boden-Pflanze und bei 0,01-0,06 beim Transfer Pflanze-Honig. Auch der pH-Wert der Erdproben hatte keinen Einfluss auf Aktivit\u00e4tsgehalt bzw. Transfer. Auffallend sind dagegen die h\u00f6heren Boden- und Pflanzenwerte einzelner Nuklide in der Ronneburger Region im Vergleich zu den ermittelten Werten anderer Regionen Deutschlands. Der h\u00f6here Wert beinhaltet aber keinen erh\u00f6hten Transfer. Auch die untersuchten Pflanzenarten scheinen keinen Einfluss auf den Transfer der radioaktiven Nuklide zu haben. Allerdings ist die untersuchte Pflanzenzahl zu gering, um eine detaillierte Aussage zu machen. Bei Phacelia schwankt der Transfer Boden-Pflanze zwischen 0,07 und 0,25; f\u00fcr Rotklee liegt der Wert bei 0,05; f\u00fcr Ackerbohne bei 0,04; ebenso f\u00fcr Raps. Der Transfer in den Honig ist \u00e4u\u00dferst gering (z. B. Pha-celia 0,01-0,04). Auch hier sind die erh\u00f6hten U-238-Werte in fast allen Boden- und z. T. auch Pflanzen-proben der Wismutregion auff\u00e4llig, bsd. direkt auf dem Gel\u00e4nde der Absetzanlage Tr\u00fcnzig.<br \/>\nDie Untersuchungen zur Ermittlung des Radionuklidgehalts in Abh\u00e4ngigkeit von der Entfernung zum Hal-dengebiet zeigen im wesentlichen keine Abweichungen von den Messungen in anderen Regionen. Lediglich eine Erd- und zwei Pflanzenproben unterscheiden sich hinsichtlich der Aktivit\u00e4tswerte. \u00c4u\u00dferst gering und dementsprechend schwer nachweisbar waren die Werte im Honig. Der Transfer von Ra-226 vom Boden in die Pflanze schwankt zwischen 0,01 und 0,05; von der Pflanze in den Honig zwischen 0,05 und 0,17. Auch die direkt an der Absetzanlage Tr\u00fcnzig gewonnenen Honige sowie die Mischhonige aus der Region zeigten \u00e4u\u00dferst geringe Aktivit\u00e4t. Untersuchungen an Bienen selbst ergaben h\u00f6here U-238- und Ra-226-Werte als im Honig. Es k\u00f6nnte sein, dass sich Bienen selbst als besseres Testsubstrat erweisen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Poster auf dem 2. Jenaer Bienenkundlichen Symposium, M\u00e4rz 1993<br \/>\nPoster auf der 87. Jahresversammlung der Dtsch. Zoolog. Ges. 1994 in Jena<br \/>\nVer\u00f6ffentlichung in:<br \/>\nDie Altlasten des Uranbergbaus und der Uranerzaufbereitung, Naturwissenschaftl. Reihe des Museums f\u00fcr Naturkunde der Stadt Gera, Heft 20, 1993<br \/>\nDiplomarbeit an der Universit\u00e4t Marburg, 1994<br \/>\nVer\u00f6ffentlichung f\u00fcr Zeitschrift Apidologie eingereicht<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>1.\tDie Honigbiene eignet sich auch f\u00fcr nat\u00fcrlich vorkommende Radionuklide als Bioindikator. Trotz geringer Belastung der Region waren in den meisten Honigproben messbare Aktivit\u00e4ten zu finden, wenn auch oftmals im Bereich der Nachweisgrenze. Unter Zugrundelegung des Transferfaktors f\u00fcr Boden\/Pflanze bzw. f\u00fcr Pflanze\/Honig k\u00f6nnen somit aus den Honigproben R\u00fcckschl\u00fcsse auf den Gehalt in Boden bzw. Pflanze gezogen werden<br \/>\n2.\tDie Belastung des Honigs mit nat\u00fcrlichen Radionukliden ist sehr gering. Es besteht somit keine Gefahr beim Verzehr von Honig.<br \/>\n3.\tDie Belastung der Wismutregion mit nat\u00fcrlich vorkommenden Radionukliden ist nicht sch\u00e4dlich f\u00fcr die Entwicklung der Bienenv\u00f6lker (stellvertretend f\u00fcr andere Insekten).<br \/>\n4.\tDer Gehalt an nat\u00fcrlichen Radionukliden in den Bienen selbst war h\u00f6her als im Honig. Es kann sein, dass die Bienen besser geeignet sind f\u00fcr derartige Untersuchungen als der Honig. Dies m\u00fcsste jedoch mit einer gr\u00f6\u00dferen Probenzahl belegt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Eignung der Honigbiene als Bioindikator f\u00fcr Umweltsch\u00e4den unterschiedlichster Genese ist bekannt. Untersuchungen mit nat\u00fcrlich vorkommenden Radionukliden, wie sie in verst\u00e4rktem Ma\u00dfe im ehemaligen Uranabbaugebiet der Wismut vorkommen, sind bis jetzt nicht erfolgt. 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