{"id":18580,"date":"2023-07-13T15:12:44","date_gmt":"2023-07-13T13:12:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/08506-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:12:46","modified_gmt":"2023-07-13T13:12:46","slug":"08506-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/08506-01\/","title":{"rendered":"Bewuchsverhinderung an meerestechnischen Objekten durch biogene Antifoulinganstriche"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Das weltweit vorwiegend praktizierte Verfahren zur Bewuchsverhinderung an meerestechnischen Objekten besteht in einer Beschichtung mit hochgiftigen, vor allem Organo-Zinn-, Kupfer- und Organo-Stickstoff-Verbindungen enthaltenden, Antifoulingfarben. Das Ziel des vorliegenden Forschungsvorhabens ist die Erarbeitung und Erprobung biogener, nicht toxischer bzw. geringf\u00fcgig toxischer Antifoulinganstriche. Die Substitution der giftigen Antifoulants durch bewuchshemmende Wirkstoffe, isoliert aus benthischen Blaualgen, und deren Einbettung in giftfreie Farbanstriche ist von entscheidender Bedeutung f\u00fcr die Entlastung der Umwelt. Somit stellt dieses Forschungsvorhaben eine echte Alternative zur herk\u00f6mmlichen Antifoulingpraxis dar.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn diesem Projekt wurden biogene Antifoulinganstriche f\u00fcr meerestechnische Objekte entwickelt und in Labor- und Freilandexperimenten erprobt. Zur Herstellung dieser biogenen Antifoulinganstriche wurden bewuchshemmende Wirkstoffe aus Blaualgen isoliert und in verschiedene umweltvertr\u00e4gliche Farb-Matrices eingebettet. Die keimarme Kultivierung der wirkstoffproduzierenden Blaualge Scytonema hofmanni sowie die Isolierung gro\u00dfer Mengen an Rohextrakten war f\u00fcr alle Antifoulingtests im Laborma\u00df-stab und im Freiland notwendig. Der bewuchshemmende Wirkstoff Cyanobacterin wurde mittels HPLC-Analytik bestimmt.<br \/>\nW\u00e4hrend der gesamten Laufzeit des Projektes wurden  biologische Testverfahren zur umweltschonenden Antifoulingwirkung der isolierten bewuchshemmenden Substanzen im Vergleich zu den herk\u00f6mmlichen Bioziden im Laborma\u00dfstab durchgef\u00fchrt (Adh\u00e4sions- und Toxizit\u00e4tstests sowie Untersuchungen zur biologischen Abbaubarkeit von Antifoulingwirkstoffen und des Auswascheffektes von Bioziden aus den verwendeten Farb-Matrices mittels HPLC-Analytik). Diese Testverfahren wurden an verschiedenen Modellbewuchsorganismen (Bakterien, Kieselalgen, Seepocken) vorgenommen und bis zum Ende der Projektbearbeitung fortgef\u00fchrt.<br \/>\nIm letzten Jahr der Projektbearbeitung wurden Freilandexperimente zur Bewuchsverhinderung mittels neuentwickelter biogener Antifoulinganstriche im Vergleich zu den herk\u00f6mmlichen Antifoulinganstrichen an ausgew\u00e4hlten station\u00e4ren Testplatten durchgef\u00fchrt. Weiterhin erfolgte die Erprobung der neuentwickelten biogenen Antifoulinganstriche im Vergleich zu denkommerziellen Antifoulinganstrichen an mobilen Testfl\u00e4chen der Barkasse Wittow. Dabei wurde der Bedeckungsgrad der Bewuchsgruppen ermittelt und fotografisch dokumentiert, das Trockengewicht des Bewuchses bestimmt und der Aufwuchs taxonomisch bearbeitet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Aus der Blaualge Scytonema hofmanni konnte Cyanobacterin mit einem Gehalt von bis zu 25,8 % im Rohextrakt im gro\u00dftechnischen Ma\u00dfstab gewonnen werden. Der von uns kultivierte Stamm der Blaualge Calothrix brevissima bildete keine Bromphenole. Aus diesem Grunde wurde mit den synthetischen Bromphenolen 2,4,6-Tribromphenol (TBP) und Lanosol bzw. Tranosol gearbeitet.<br \/>\nDie Antifoulingtests mit Diatomeen (Nitzschia pusilla) unter Laborbedingungen zeigten, dass bei Einbettung von Cyanobacterin bzw. 2,4,6- Tribromphenol in die Farb-Matrix Vinylharz wei\u00df die Anheftung der Diatomeen im Vergleich zur Kontrolle um ca. 30 % bzw. 50 % reduziert ist.<br \/>\nBei den Antifoulingexperimenten im Freiland (station\u00e4re Testplatten und mobile Testfl\u00e4chen am Schiff) wurde festgestellt, dass Cyanobacterin als Hauptbiozid keinen bewuchshemmenden Effekt ausl\u00f6st, aber als Cobiozid mit Kupfer inhibierend auf das Mikrofouling wirkt. Die von uns als Hauptbiozide eingesetzten Bromphenole zeigten unter den realen Bedingungen der Freilandversuche bewuchshemmende Eigenschaften auf bestimmte Makrofoulingorganismen. Jedoch war die Einbindung dieser Substanzen in die verwendeten Vinylharz-Matrices recht schwierig (keine echte Filmbildung). Die Applikation von TBP als Cobiozid mit Kupfer bewirkte bei den station\u00e4ren Testplatten eine bewuchshemmende Wirkung auf Bryozoen und Hydrozoen; bei den mobilen Testfl\u00e4chen wurde keine Bewuchshemmung festgestellt.<br \/>\nCyanobacterin war bereits in Konzentrationen von 0,004 \u00b5g ml-1 ein spezifischer Inhibitor der Photosynthese. Auf die von uns getesteten heterotrophen Organismen wie Protozoen und Cyprislarven der Seepocken hatte es keinen Einfluss. Antibakterielle Wirkungen konnten nicht nachgewiesen werden.<br \/>\nDie eingesetzten Extrakte aus der Blaualge C. brevissima zeigten keine toxischen Effekte auf die Bewuchsorganismen. Von den getesteten synthetischen Bromphenolen hatte nur das 2,4,6-Tribromphenol in Konzentrationen ab 5 \u00b5g ml-1 auf Protozoen und ab 25 \u00b5g ml-1 auf die Kieselalge Nitzschia pusilla toxische Wirkungen.<br \/>\nDas nat\u00fcrliche Herbizid Cyanobacterin ist schnell in der Umwelt abbaubar. 1 \u00b5g ml-1 wurde ohne Verz\u00f6gerung innerhalb von 5 Tagen abgebaut. Die Gefahr einer Anreicherung, insbesondere in eutrophen K\u00fcstengew\u00e4ssern, ist daher gering. Auch 2,4,6-Tribromphenol wurde im nat\u00fcrlichen Medium nach einer lag-Phase von 14 Tagen unter unseren Versuchsbedingungen in Raten von 0,4 \u00b5g ml-1 vollst\u00e4ndig abgebaut.<br \/>\nDer Wirkstoff Cyanobacterin wird offenbar nicht aus der Farb-Matrix Vinylharz wei\u00df herausgewaschen. M\u00f6gliche Ursachen hierf\u00fcr k\u00f6nnten die feste Bindung des  Wirkstoffes in der Matrix, an ihrer Oberfl\u00e4che, der schnelle biologische oder photochemische Abbau im Medium, eine zu geringe Freisetzung unterhalb der Nachweisgrenze oder die Bildung von Komplexen mit den Metallen des Mediums sein. 2,4,6-Tribromphenol wurde aus der Farb-Matrix Vinylharz wei\u00df stark herausgewaschen. Wie in den Durch-flussexperimenten deutlich wurde, ist das Tribromphenol in der Farbe stabil und wird offensichtlich im nat\u00fcrlichen Medium durch die mit den Diatomeen vergesellschafteten Bakterien abgebaut. Zwischenprodukte reicherten sich nicht an. Nach ca. 2-w\u00f6chigem Betrieb der Durchflussanlage war noch keine Verringerung der Auslaugung des TBP zu erkennen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Im Rahmen des Projektes oder mit Bezug zum Projekt entstandene Ver\u00f6ffentlichungen:<br \/>\n1.\tPentschew, P. &#038; B. Schacht (2000): Biogene Antifoulinganstriche &#8211; Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der Versuche. Fifth International Conference on Marine Science and Technology, Conference Proceedings, Vol. 2, 125-128, November 9-10, 2000, Varna, Bulgarien, ISBN954-90919-1-0<br \/>\n2.\tSchumann, R., S. Kacan, S. G\u00f6rs &#038; S. Abarzua (2000): Isolation, Analyse und Wirksamkeit biogener Antifoulants aus Algen. Fifth International Conference on Marine Science and Technology, Conference Proceedings, Vol. 2, 128-132, November 9-10, 2000, Varna, Bulgarien, ISBN 954-90919-1-0<br \/>\n3.\tKacan, S., S. G\u00f6rs, R. Schumann, B. Schacht, P. Pentschew, B. Piechulla &#038; S. Abarzua (2001): Antifouling effects of biogenic compounds on marine technical objects in a flow through system. Poster, International Conference on Biofouling and Materials, Conference Proceedings, pp. 107, June 10-13, Frankfurt\/Main<br \/>\n4.\tAbarzua, S. (2001): Antifouling ohne Gift &#8211; Zukunft oder Illusion? Einsatz biogener Antifoulinganstriche zur Bewuchsverhinderung an meerestechnischen Objekten. Traditio et Innovatio (Forschungsmagazin der Universit\u00e4t Rostock) Heft 1, 27-30, ISSN 1432-1513<br \/>\n5.\tPentschew, P., B. Schacht, R. Schumann, S. G\u00f6rs, S. Kacan &#038; S. Abarzua (2001): Biogene Antifoulinganstriche &#8211; Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der Versuche, Tagungsband, 3. Workshop Konstruktionstechnik, Innovation &#8211; Konstruktion &#8211; Berechnung, 481-488, Shaker Verlag, Aachen, ISBN 3-8265-9314-6, ISSN 0945-0831<br \/>\n6.\tAbarzua, S., S. Kacan, S. G\u00f6rs, P. Pentschew, B. Schacht, R. Schumann &#038; B. Piechulla (2002):The utilisation of biogenic antifouling coatings for marine technical objects, Fifth International Workshop on Methods for the Development of Maritime Technology, DEMAT, November 7-10, 2001, University of Rostock, Conference Proceedings (in press)<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Projekt wurden biogene Antifoulinganstriche f\u00fcr meerestechnische Objekte entwickelt und in Labor- und Freilandexperimenten erprobt. Anhand der vorliegenden Untersuchungsergebnisse wurde festgestellt, dass Bromphenole im Freiland bewuchshemmende Effekte auf bestimmte Makrofoulingorganismen bei Einsatz als Hauptbiozid zeigten. Cyanobacterin bewirkte als Hauptbiozid im Freiland keine Antifoulingeffekte. In Kombination mit Bromphenolen und Kupfer deuten sich jedoch Bewuchsverhinderungen an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Das weltweit vorwiegend praktizierte Verfahren zur Bewuchsverhinderung an meerestechnischen Objekten besteht in einer Beschichtung mit hochgiftigen, vor allem Organo-Zinn-, Kupfer- und Organo-Stickstoff-Verbindungen enthaltenden, Antifoulingfarben. Das Ziel des vorliegenden Forschungsvorhabens ist die Erarbeitung und Erprobung biogener, nicht toxischer bzw. geringf\u00fcgig toxischer Antifoulinganstriche. 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