{"id":18494,"date":"2023-07-13T15:10:05","date_gmt":"2023-07-13T13:10:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/04174-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:10:05","modified_gmt":"2023-07-13T13:10:05","slug":"04174-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/04174-01\/","title":{"rendered":"Untersuchungen zur Bedeutung von Saumbiotopen (Streifenmanagement) in intensiv genutzten Agrarlandschaften zur Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Durch k\u00fcnstlich angelegte, streifenf\u00f6rmige Saumbiotope im Inneren von Getreidefeldern soll die botanische und strukturelle Diversit\u00e4t in intensiv genutzten Agrarlandschaften erh\u00f6ht werden, um so zu einer Schonung und F\u00f6rderung von nat\u00fcrlichen Gegenspielern von Getreidesch\u00e4dlingen beizutragen. Auf diese Weise k\u00f6nnte eine Umweltentlastung durch eine Reduktion des Pflanzenschutzmittelaufwands erreicht werden. Ebenso kann mit solchen Krautstreifen durch die Schaffung von Refugien und \u00dcberwinterungsquartieren f\u00fcr viele Arthropodenarten ein Beitrag zum angewandten Natur- und Artenschutz in der Agrarlandschaft geleistet werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAn zwei Versuchsstandorten s\u00fcdlich von Hannover (Calenberger B\u00f6rde) wurden innerhalb von Winterweizenfeldern jeweils zwei schmale Ackerwildkrautstreifen (Abstand 30 m) mit einer speziellen Ansaatmischung ausges\u00e4t.<br \/>\nEs wurde untersucht, ob sich durch solche Krautstreifen der Pr\u00e4dationsdruck durch Blattlausantagonisten erh\u00f6hen l\u00e4\u00dft und ob auf diese Weise ein Beitrag zu einer nat\u00fcrlichen Regulation des Blattlausbefalls geleistet werden kann, so da\u00df sich m\u00f6glicherweise Insektizidbehandlungen einsparen lassen. Ebenso wurde gepr\u00fcft, wie sich die Streifen auf Individuen- und Artenzahlen von Spinnen sowie auf Verbreitungsprozesse auswirken, und ob dies einen Einflu\u00df auf die Wiederbesiedlung insektizidbehandelter Fl\u00e4chen hat.<br \/>\nDer Befallsverlauf der Getreideblattl\u00e4use wurde im Weizen mittels visueller Z\u00e4hlungen erfa\u00dft. Die Abundanz der Spinnen in Krautstreifen und definierten Abst\u00e4nden im Feld wurde mit Hilfe eines D-vac-Saugger\u00e4tes bestimmt; zur Ermittlung der Aktivit\u00e4tsdichte dienten in Form von Transekten angeordnete Bodenfallen. \u00dcber Austauschprozesse auf der Bodenoberfl\u00e4che im Grenzbereich Streifen\/Feld sowie \u00fcber m\u00f6gliche Barriereeffekte der Streifen sollten Richtungsbodenfallen und Markierung-Wiederfang-Versuche mit Wolfsspinnen Aufschlu\u00df geben.<br \/>\nDie Probenahmen erfolgten zwar kontinuierlich im Jahresverlauf, vor und nach der Anwendung eines Pyrethroids (zu Beginn der Weizenbl\u00fcte) jedoch besonders intensiv, um Einfl\u00fcsse der Wildkrautstreifen auf Aphidendichten und Wiederbesiedlung durch Spinnen feststellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Untersuchung konnte zeigen, da\u00df sich nach gelungener Ansaat in den Streifen dichte, vielf\u00e4ltig struturierte und bl\u00fctenreiche Pflanzenbest\u00e4nde etablieren lassen. Die Pflanzensukzession in den Krautstreifen war im ersten Jahr von einer Dominanz von Therophyten gekennzeichnet, w\u00e4hrend im zweiten und dritten Jahr Hemikryptophyten den Aspekt pr\u00e4gten. Die Deckungsgrade der Streifenvegetation lagen vom ersten Sommer nach Ansaat an bei 80 &#8211; 100 %. Nach Umbruch der Streifen war eine Restverunkrautung durch einige Pflanzenarten der Saatmischung sowie durch Gr\u00e4ser und Disteln zu beobachten.<br \/>\nF\u00fcr die Spinnen lie\u00df sich vor allem in den Krautstreifen eine erh\u00f6hte Abundanz und Artendiversit\u00e4t feststellen, die positiv mit der Komplexit\u00e4t der Streifenvegetation korreliert war. Damit best\u00e4tigten sich Ergebnisse anderer Autoren, die einen engen Zusammenhang zwischen Arten- und Individuendichten von Spinnen und der Vegetationsstruktur belegen, der sich u. a. mit einem h\u00f6herem Beuteangebot und mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Netzbau erkl\u00e4ren l\u00e4\u00dft. Vom zweiten Versuchsjahr an lie\u00df sich auch eine Erh\u00f6hung der Individuen- und Artenzahl im streifennahen Feldbereich feststellen, d.h. die Krautstreifen trugen zu einer erh\u00f6hten Diversit\u00e4t und Spinnendichte im Weizenbestand bei. Obwohl die Linyphiiden auch in den Krautstreifen die arten- und individuenreichste Familie waren, boten die Streifen  mit zunehmendem Alter ebenso Spinnenarten Lebensraum, die zur Vollendung ihres Lebenszyklus auf die N\u00e4he unbeeinflu\u00dfter Habitate angewiesen sind, wie z.B. Lycosiden.<br \/>\nEbenso konnte gezeigt werden, da\u00df die Krautstreifen f\u00fcr viele Spinnen besonders w\u00e4hrend der Wintermonate ein geeignetes Refugialhabitat darstellen, dabei nutzten auch typische Ackerarten wie Erigone atra und Oedothorax apicatus die Streifen zur \u00dcberwinterung. Insbesondere f\u00fcr O. apicatus konnte eine Besiedlung des Weizenfeldes aus den Streifen im Fr\u00fchjahr nachgewiesen werden. Da sich die meisten Linyphi-idenarten durch  Ballooning verbreiten, lie\u00df sich f\u00fcr die Spinnen insgesamt eine Ausbreitung in erster Linie anhand steigender Dichten im Feld im Verlauf der Vegetationsperiode nachvollziehen.<br \/>\nDie Bedeutung der Krautstreifen f\u00fcr den Naturschutz wird am Vorkommen einiger Rote Liste-Arten deutlich, die ihren Verbreitungsschwerpunkt \u00fcberwiegend in feuchten Habitaten haben. Sie konnten den Streifen bzw. den angrenzenden Feldbereich offenbar vor\u00fcbergehend als Lebensraum nutzen. Aus \u00f6kologischer Sicht w\u00e4re eine gr\u00f6\u00dfere Streifenbreite, ein l\u00e4ngerer Zeitraum vor dem Umbruch  sowie eine st\u00e4rkere Vernetzung mit anderen Saumbiotopen w\u00fcnschenswert.<br \/>\nDie Pyrethroidbehandlungen hatten eine nachhaltige Reduktion der Spinnendichten zur Folge. Bei der Art Oedothorax apicatus lie\u00dfen signifikant h\u00f6here Bodenfallenf\u00e4nge in den Insektizidparzellen mit Streifen auf eine Wiederbesiedlung behandelter Fl\u00e4chen schlie\u00dfen. F\u00fcr die Spinnen insgesamt sowie f\u00fcr Erigone atra konnte dagegen aufgrund der vorherrschenden Verbreitung durch Fadenflug (s.o.) eine Wiederbesiedlung nicht eindeutig nachgewiesen werden.<br \/>\nDie Krautstreifen hatten ebenfalls Effekte auf die Aphidendichten: In Jahren mit eher geringem Befallsdruck blieb der Aphidenbefall  in den Versuchsparzellen mit Krautstreifen unterhalb der Bek\u00e4mpfungsschwelle von 4 Aphiden je \u00c4hre und Fahne zur Zeit der Weizenbl\u00fcte, so da\u00df in solchen Situationen  auf eine Insektizidbehandlung verzichtet werden k\u00f6nnte. Da in allen drei Untersuchungsjahren kein hoher Aphidenbefall  zu verzeichnen war, lassen sich diese Ergebnisse jedoch nicht verallgemeinern. Ein Einflu\u00df der Krautstreifen auf die Blattlauspopulation lie\u00df sich auch an ansteigenden Aphidendichten mit zunehmendem  Abstand zu den Streifen erkennen. Konkrete R\u00fcckschl\u00fcsse auf regulierende Effekte durch bestimmte Gegenspieler lie\u00dfen sich jedoch aus den vorliegenden  Daten nicht ziehen. Vermutet wird ein Einflu\u00df eines ganzen Komplexes verschiedener Blattlausantagonisten, zu dem auch die Spinnen beigetragen haben.<br \/>\nDie Krautstreifen hatten keinen erkennbaren Effekt auf die Ernteertr\u00e4ge.<br \/>\nDer Versuch einer \u00f6konomischen Bewertung der Anlage von Ackerkrautstreifen anhand einer vereinfachten Nutzen-Kosten-Analyse zeigte, da\u00df auf Seiten des Landwirts die Kosten (Anlage und Pflege der Streifen, Arbeitserschwernis, Fl\u00e4chenverlust durch die Streifen, Beseitigung der Folgeverunkrautung) \u00fcberwiegen, die in Form von Ausgleichszahlungen kompensiert  werden m\u00fc\u00dften.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Posterbeitrag bei der Tagung der Deutschen Phytomedizinischen Gesellschaft in M\u00fcnster, 1996<br \/>\nFachvortr\u00e4ge: DGaaE-Arbeitskreistreffen  Epig\u00e4ische Raubarthropoden in M\u00fcnster, 1996; IOBC-Arbeitskreistreffen Integrated Control in Cereal Crops in Llerida, Spanien, 1997; Entomologen-Tagung (DGaaE) in Bayreuth, 1997; Publikationen: 1.Zum Einflu\u00df von Ackerwildkrautstreifen im Winterweizen auf die Abundanz von Getreideblattl\u00e4usen und Spinnen, Mitt. Dtsch. Ges. all. angew. Entomol. 11, 237-240. 2. Effects of sown weed strips in cereal fields on the abundance of spiders (Arachnida: Araneae) and cereal aphids (Homoptera: Aphididae), IOBC-Bulletin, in Vorb.; geplant: Vortrag bei der Entomologen-Tagung in Basel, 1999; weitere Publikationen<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Mit der Anlage von Ackerwildkrautstreifen lassen sich Spinnen der Agrarlandschaft f\u00f6rdern, dabei scheint gerade die Funktion als \u00dcberwinterungshabitat innerhalb der Ackerfl\u00e4chen von Bedeutung zu sein. Bei geringem Befallsdruck durch Getreideblattl\u00e4use lassen sich Insektizidbehandlungen einsparen.<br \/>\nBei einer Umsetzung des Streifenkonzeptes in die landwirtschaftliche Praxis m\u00fc\u00dften arbeitswirtschaftliche Aspekte st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt werden und durch Ausgleichszahlungen finanzielle Anreize geschaffen wer-den.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Durch k\u00fcnstlich angelegte, streifenf\u00f6rmige Saumbiotope im Inneren von Getreidefeldern soll die botanische und strukturelle Diversit\u00e4t in intensiv genutzten Agrarlandschaften erh\u00f6ht werden, um so zu einer Schonung und F\u00f6rderung von nat\u00fcrlichen Gegenspielern von Getreidesch\u00e4dlingen beizutragen. Auf diese Weise k\u00f6nnte eine Umweltentlastung durch eine Reduktion des Pflanzenschutzmittelaufwands erreicht werden. 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