{"id":18436,"date":"2023-07-13T15:10:46","date_gmt":"2023-07-13T13:10:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/05463-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:10:47","modified_gmt":"2023-07-13T13:10:47","slug":"05463-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/05463-01\/","title":{"rendered":"Implementierung der Landschaftsrahmenplanung im Rahmen kooperativer Planungsverfahren &#8211; Impulse f\u00fcr eine \u00f6kologische Regionalentwicklung &#8211;"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Derzeit wird der Landschaftsrahmenplan f\u00fcr das gesamte Saarland auf Landesebene erstellt. F\u00fcr den Landkreis Saarlouis liegt bislang ein nicht abgestimmtes Gutachten vor. Im Planungsalltag besitzt die Landschaftsplanung eine geringe Reichweite. Aus diesem Grund initiierte der Landkreis Saarlouis ein informelles, kooperatives Verfahren vor Beginn des gesetzlich geregelten Beteiligungsverfahren auf Landesebene, um die Beteiligung der regionalen und lokalen Akteure im Landkreis und damit die Effektivit\u00e4t und Handlungsorientierung der Landschaftsrahmenplanung zu optimieren. Das Projekt soll<br \/>\n\u00b7 einen Beitrag zur Konkretisierung und Umsetzung der Ziele und Ma\u00dfnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Natur und Landschaft leisten,<br \/>\n\u00b7 Impulse f\u00fcr eine \u00f6kologische Regionalentwicklung zur St\u00e4rkung des Vorsorgeprinzips geben,<br \/>\n\u00b7 die Kommunen, die Tr\u00e4ger \u00f6ffentlicher Belange und die ehrenamtlich im Naturschutz T\u00e4tigen \u00fcber eine zielgruppengerichtete Aufbereitung der Information und \u00fcber dialogische Arbeitsformen st\u00e4rker in die Landschaftsrahmenplanung einbeziehen und damit ihre Handlungsspielr\u00e4ume gegen\u00fcber der \u00fcber\u00f6rtlichen Planung erweitern,<br \/>\n\u00b7 die Arbeit auf ministerieller Ebene durch Kompetenz vor Ort und damit von unten qualifizieren,<br \/>\n\u00b7 den Dialog zwischen den Kommunen sowie zwischen Land und Kommunen auf der Ebene der Landschaftsplanung in Gang bringen,<br \/>\n\u00b7 horizontale und vertikale Kooperation f\u00f6rdern sowie neue Formen der Planung entwickeln,<br \/>\n\u00b7 die vermittelnde Position des Landkreises st\u00e4rken,<br \/>\n\u00b7 eine Schnittstelle zur Umsetzung \u00fcber\u00f6rtlicher Planungen schaffen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Projekt umfa\u00dft 5 Phasen:<br \/>\n\u00b7 Phase 1: Kl\u00e4ren der Rahmenbedingungen (Leitfragen-Interviews mit politischen Verwaltungsspitzen)<br \/>\n\u00b7 Phase 2: Zielgruppenorientierte Informationsvermittlung zur Qualifizierung der Teilnehmer<br \/>\n\u00b7 Phase 3: Konstituierung der Gremien (B\u00fcrgermeisterrunde, Werkst\u00e4tten, Werkstattgespr\u00e4che)<br \/>\n\u00b7 Phase 4: Der Dialog &#8211; gemeinsames Erarbeiten von Grunds\u00e4tzen, L\u00f6sungsstrategien und Ma\u00dfnahmen im Bereich der Landschaftsplanung<br \/>\n\u00b7 Phase 5: Auswertung und Dokumentation des Verfahrens<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In den ersten drei Projektphasen konnten die Rahmenbedingungen sowie die Teilnahmevoraussetzungen gekl\u00e4rt und das Verfahren durch die Gr\u00fcndung der Gremien institutionalisert werden. Durch intensive Informations- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit wurden sowohl Teilnehmer\/-innen als auch sonstige Interessierte umfassend \u00fcber das informelle, kooperative Verfahren als auch \u00fcber die fachlichen Inhalte des vorliegenden Gutachtens zur Landschaftsrahmenplanung informiert.<br \/>\nDie Projektphase 4 war in drei Arbeitsphasen unterteilt. Der Schwerpunkt der ersten Arbeitsphase lag auf der Diskussion der im Gutachten zum Landschaftsrahmenplan formulierten Zielsetzungen f\u00fcr eine \u00f6kologisch orientierte Regionalentwicklung. Die Zielsetzungen wurden in den Werkst\u00e4tten \u00fcberarbeitet, umformuliert oder auch erg\u00e4nzt und zu einem Grundsatzkatalog zusammengefa\u00dft. Obwohl sich die Verwaltungsspitzen ohne R\u00fcckkopplung mit den politischen Gremien nicht auf eine gemeinsame Verabschiedung dieser Grunds\u00e4tze einigen konnten, wurden die Grunds\u00e4tze als Arbeitsgrundlage f\u00fcr die Werkst\u00e4tten best\u00e4tigt. In den folgenden Arbeitsphasen widmeten sich die Gremien der Erarbeitung konkreter L\u00f6sungsans\u00e4tze und Ma\u00dfnahmen in den Bereichen<br \/>\n\u00b7 Siedlungs- und Freiraumentwicklung<br \/>\n\u00b7 Schutzgebietssystem<br \/>\n\u00b7 Kompensationsr\u00e4ume und Biotopverbund<br \/>\n\u00b7 Aktionsprogramm Flie\u00dfgew\u00e4sser<br \/>\n\u00b7 Grundwasser<br \/>\nDie Ergebnisse wurden in Text und (digitalen) Karten dokumentiert. In der abschlie\u00dfenden B\u00fcrgermeisterrunde wurden alle Ergebnisse der Werkst\u00e4tten und Werkstattgespr\u00e4che noch einmal vorgestellt, diskutiert und mit wenigen Erg\u00e4nzungen beschlossen. Die Einbindung der politischen Entscheidungstr\u00e4ger stellt eine wesentliche Voraussetzung f\u00fcr die Umsetzung der Ergebnisse dar. Die Institutionalisierung des Dialoges (auf Zeit) f\u00fchrte zu einer intensiven Auseinandersetzung aller Beteiligten mit der Landschaftsplanung. Die intersektorale und ebenen\u00fcbergreifende Zusammenarbeit f\u00f6rderte die Entwicklung konsensorientierter und umsetzungsf\u00e4higer L\u00f6sungen f\u00fcr gemeinde\u00fcbergreifende Konfliktsituationen. Noch vor Aufstellung des Landschaftsrahmenplanes auf Landesebene konnten die Beteiligten ihre Interessen formulieren und dokumentieren. Das Fallbeispiel zeigt aber auch, da\u00df Kooperation kein einfaches Unterfangen ist. Trotz guter und teilweise sogar \u00fcberraschender inhaltlicher Erfolge konnten angesichts der Komplexit\u00e4t und Themenvielfalt der Landschaftsrahmenplanung nur wenige Schwerpunktthemen zufriedenstellend bearbeitet werden. Die Vorbereitung der Sitzungen, die inhaltliche Arbeit und Verhandlungen gestalteten sich als weitaus aufwendiger als vorab angenommen. Angesichts des Aufwandes und der erforderlichen Voraussetzungen mu\u00df im Einzelfall gepr\u00fcft werden, ob die Komplexit\u00e4t des Verhandlungsgegenstandes und die Verhandlungsspielr\u00e4ume den Aufwand eines kooperativen Verfahrens rechtfertigen. Das Beispiel von Saarlouis liefert kein Patentrezept f\u00fcr kooperative Verfahren in der Landschaftsplanung, da sich gerade die kooperativen Ans\u00e4tze gegen eine Standardisierung des Verfahrens sperren. Dennoch lassen sich anhand des Fallbeispiels spezifische Probleme und Verfahrenskonstellationen gut dokumentieren und Hilfestellung f\u00fcr die Konstruktion eigener kooperativer Ans\u00e4tze geben.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Neben einer intensiven \u00d6ffentlichkeitsarbeit auf kommunaler, Kreis- und Landesebene im Saarland konnte das Projekt in mehreren Veranstaltungen einem breiten Fachpublikum vorgestellt werden. Zahlreiche Anfragen bezeugen die bundesweite Resonanz. Die Ergebnisse wurden\/werden im UVP-Report und in einem Fachbuch zur Landschaftsplanung der HTW Dresden ver\u00f6ffentlicht. Die digitalen Karten werden Bestandteil des Umweltinformationssystems, das der Landkreis Saarlouis derzeit aufbaut.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Landschaftsplanung steht unter dem Druck, ihre Wirksamkeit und ihre Chancen auf Umsetzung zu erh\u00f6hen. Die Weiterentwicklung der kommunikativen Elemente, der Beteiligungsverfahren und der Ausgestaltung des Planungsprozesses ist ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung. Die kooperativen Ans\u00e4tze und Verfahren, die sich derzeit im Bereich der r\u00e4umlichen Planung entwickeln, er\u00f6ffnen auch f\u00fcr die Landschaftsplanung als breit angelegte und sehr komplexe strategische Planung die Chance, praxisnahe L\u00f6sungen gemeinsam mit der Vielzahl von betroffenen Akteuren zu erarbeiten und umzusetzen. Durch den Einstieg in eine dialogische und iterative Planung k\u00f6nnen regionale Potentiale und Ressourcen in weitaus gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe als bisher erschlossen werden. Grunds\u00e4tzlich gilt, da\u00df die informellen, kooperativen Verfahren kein Ersatz f\u00fcr das formale Planverfahren darstellen: Sie k\u00f6nnen die traditionellen hoheitlichen Verfahren insbesondere dort erg\u00e4nzen, wo komplexe Problemlagen oder eine hohe Konfliktdichte in Kombination mit einer Vielzahl selbst\u00e4ndig agierender und betroffener Akteure das traditionelle Beteiligungsverfahren \u00fcberfordern. Erheblicher Forschungs- und Entwicklungsbedarf besteht noch im Bereich der Methoden- und Qualit\u00e4tsstandards, der Schnittstellenkonstruktion zu formalen Verfahren und zur Umsetzungsebene sowie der Evaluation der Verfahren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Derzeit wird der Landschaftsrahmenplan f\u00fcr das gesamte Saarland auf Landesebene erstellt. F\u00fcr den Landkreis Saarlouis liegt bislang ein nicht abgestimmtes Gutachten vor. Im Planungsalltag besitzt die Landschaftsplanung eine geringe Reichweite. 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