{"id":18406,"date":"2023-07-13T15:10:11","date_gmt":"2023-07-13T13:10:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/04400-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:10:12","modified_gmt":"2023-07-13T13:10:12","slug":"04400-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/04400-01\/","title":{"rendered":"Integration von spezifischen Begr\u00fcnungsverfahren in Bodennutzungssysteme durch Untersaaten in Getreide als Bausteine umweltvertr\u00e4glicher Produktionsverfahren zum Schutz des Bodens und der Gew\u00e4sser"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Denken und Handeln ist in der heutigen modernen Industriegesellschaft von einem starken Umweltbewu\u00dftsein gepr\u00e4gt. In verschiedenen Studien werden derzeit \u00fcblichen Produktionsverfahren im Pflanzenbau Umweltbelastungen zugeschrieben. Demnach ist eine \u00dcberpr\u00fcfung der pflanzenbaulichen Produktionstechnik hinsichtlich der Umweltvertr\u00e4glichkeit der Anbausysteme notwendig. Unter diesem Aspekt haben Begr\u00fcnungsverfahren im Pflanzenbau an Bedeutung zugenommen. Begr\u00fcnungsverfahren zum verbesserten Boden- und Gew\u00e4sserschutz sind mit kostensparenden Untersaaten m\u00f6glich. Die Akzeptanz von Untersaatverfahren ist in der Praxis allerdings sehr unzureichend. Es fehlen Kenntnisse \u00fcber die Herbizidstrategie im Getreidebau mit Untersaaten, au\u00dferdem sind kaum Versuchsergebnisse \u00fcber den Einflu\u00df der Bestandesf\u00fchrung in der Deckfrucht und der Deckfruchtsorten vorhanden. Zielsetzung des Forschungsvorhabens ist es deshalb, das Anbausystem Getreide mit Untersaat f\u00fcr den modernen, integrierten Pflanzenbau mit hohen Ertr\u00e4gen zu optimieren und f\u00fcr die Beratung und Praxis Anbaustrategien zu erarbeiten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUm die Zielsetzung des Forschungsvorhabens zu erreichen wurden vier Feldversuchsprogramme entwickelt, welche Wechselwirkungen von Sorte, Stickstoffd\u00fcngung und Herbizideinsatz untersuchen. Durchgef\u00fchrt werden die Versuchsprogramme am Beispiel der Deckfrucht Winterweizen. In Abh\u00e4ngigkeit von Untersaatart und Zeitpunkt der Untersaat werden Herbizidstrategien getestet. Die Einfl\u00fcsse von Stickstoffd\u00fcngung und Sortenwahl der Deckfrucht auf die Untersaat werden festgehalten und die Eignung von Winterweizensorten f\u00fcr eine Untersaat in einem Exaktversuch (10 Sorten) und am Sortiment der Landessortenversuche in Westfalen-Lippe gepr\u00fcft. Dabei werden Zielgr\u00f6\u00dfen wie die Untersaatentwicklung durch Boniturwerte, Deckungsgrad, Pflanzenzahlen\/qm und Trockenmasseertrag und spezifische Konkurrenzmerkmale der Deckfruchtsorten durch Wuchsform, Blattgr\u00f6\u00dfe, Blatthaltung, Pflanzenh\u00f6he, Bestandesdichte und Lichtmessungen ermittelt. Zur Charakterisierung der Winterweizenbest\u00e4nde wird neben dem Kornertrag auch die Ertragsstruktur analysiert. Das Anbauverfahren wird j\u00e4hrlich auf f\u00fcnf Standorten in der Praxis demonstriert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>1. Die Herbstuntersaaten von Festuca rubra, Dactylis glomerata und Lolium perenne und die Fr\u00fchjahrsuntersaaten von Lolium multiflorum sind als Begr\u00fcnungsma\u00dfnahme geeignet. Die Fr\u00fchjahrsuntersaaten Lolium perenne, Dactylis glomerata und Trifolium pratense sind mit Unsicherheiten behaftet. Durch die Untersaat von Trifolium repens konnte in keinem Versuchsjahr eine Begr\u00fcnung erreicht werden.<br \/>\n2. Grunds\u00e4tzlich konnte keine Minderung der Weizenertr\u00e4ge durch die Untersaat festgestellt werden. Nur durch g\u00fcnstige Witterungsverh\u00e4ltnisse in den Herbst- und Wintermonaten k\u00f6nnen sich fr\u00fche Herbstuntersaaten stark entwickeln und zu geringen Ertragseinbu\u00dfen der Deckfrucht f\u00fchren. Standortspezifische Erfahrungen erh\u00f6hen die Anbausicherheit dieses Systems.<br \/>\n3. Ein Einsatz von haupts\u00e4chlich \u00fcber den Boden wirkenden Herbiziden zur Unkraut- und Ungrasbek\u00e4mpfung im Nachauflauf Herbst ist nur mit einer Grasuntersaat im Fr\u00fchjahr m\u00f6glich. Die Ungrasbek\u00e4mpfung in Weizenbest\u00e4nden mit Grasuntersaat ist mit Fenoxapropethyl im Fr\u00fchjahr ohne Beeintr\u00e4chtigung der Begr\u00fcnung m\u00f6glich. Die gepr\u00fcften Kombinationen aus Sulfonyl-Harnstoffen mit Fluroxypyr sind in der Wirkung uneinheitlich. Die Herbstuntersaaten Festuca rubra und Dactylis glomerata zeigen keine Sch\u00e4den. Allerdings ist die Entwicklung von Lolium perenne als Fr\u00fchjahrsaussaat 1996 in den Varianten Flurogycofen\/Thifensulfuron (Hydra), Metasulfuron\/Thifensulfuron (Concert) und Triasulfuron (Logran) deutlich eingeschr\u00e4nkt. Mit leichter Ausd\u00fcnnung in diesen Herbizidvarianten reagiert auch Lolium perenne als Herbstaussaat. Die Wirkstoffe Ioxynil, Bentazon, Mecoprop und Dichlorprop gegen dikotyle Unkr\u00e4uter zeigen keine negativen Auswirkungen auf die Grasuntersaaten.<br \/>\n4. Eine hohe Bestandesdichte der Deckfrucht vermindert den Untersaataufwuchs. Durch die Bestandesf\u00fchrung mit Hilfe der Stickstoffd\u00fcngung (bestockungs- oder scho\u00dfbetont) ist eine Verbesserung der Wachstumsbedingungen des Untersaatbestandes m\u00f6glich. Geringe Ertragseinbu\u00dfen der Deckfrucht k\u00f6nnen auftreten.<br \/>\n5. Die Wahl der Deckfruchtsorte hat einen Einflu\u00df auf die Entwicklung der Untersaaten. Dieser kann aber von Jahreseffekten (Witterungseinfl\u00fcsse) und produktionstechnischen Ma\u00dfnahmen \u00fcberlagert werden. Durch Ihr Wuchs- und Bestockungsverhalten unterscheiden sich die gepr\u00fcften Weizensorten in der Beschattung, was sich in der Entwicklung der Untersaatbest\u00e4nde wiederspiegelt. Von den gepr\u00fcften 10 Winterweizensorten kann nur die Sorte Greif uneingeschr\u00e4nkt als untersaatgeeignet beschrieben werden. Die Sorten Haven, Ritmo und Contra k\u00f6nnen eher positiv, die Sorten Zentos, Mikon, Tambor und Orestis eher negativ bewertet werden.<br \/>\n6. Durch die Analyse von sortenspezifischen Eigenschaften werden gro\u00dfe Unterschiede im Wuchsverhalten der einzelnen Winterweizensorten deutlich. Die Blatthaltung (Anteil gebogener Bl\u00e4tter) und die Blattl\u00e4nge sind am st\u00e4rksten mit der Lichtabsorption (Beschattung) korreliert. F\u00fcr die Untersaatentwicklung ist das Merkmal Pflanzenl\u00e4nge zus\u00e4tzlich wichtig. Die Analyse der Untersaataufw\u00fcchse, der Be-schattungsleistung der einzelnen Sorten und der sortenspezifischen Eigenschaften machte es m\u00f6glich, einen Untersaat-Index als Beurteilungssystem zur Untersaateignung von Winterweizensorten (zu entwicklen. Der Untersaat-Index erlaubt mit Hilfe der Boniturwerte spezifischer Eigenschaften aus der Registerpr\u00fcfung jede Winterweizensorte hinsichtlich ihrer Untersaateignung zu bewerten. Je niedriger der Untersaat-Index ist, desto besser ist die Sorte f\u00fcr das Anbauverfahren mit Untersaaten geeignet.<br \/>\n7. Auf den meisten Demonstrationsstandorten konnte mit Hilfe einer Gras- bzw. Kleegrasuntersaat eine ausreichende Fl\u00e4chenbegr\u00fcnung erreicht werden. Dabei mu\u00df ber\u00fccksichtigt werden, da\u00df eine And\u00fcngung der Best\u00e4nde mit Stickstoff nicht erfolgt ist. Dies kann allerdings in der Praxis sinnvoll und zweckm\u00e4\u00dfig sein, um die Bestandesentwicklung zu f\u00f6rdern. Der Vergleich der Deckfruchtertr\u00e4ge der Demonstrationsstandorte unterstreicht die Ergebnisse der Exaktversuche. Nur durch Festuca rubra &#8211; sehr fr\u00fch im Herbst in Winterweizen ges\u00e4t &#8211; wurden Minderertr\u00e4ge festge-stellt. Unter Ber\u00fccksichtigung dieser Ergebnisse sind Beeintr\u00e4chtigungen der Deckfruchtertr\u00e4ge durch Untersaaten in der Regel nicht zu erwarten.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Besichtigung der Demonstrationsstandorte in Verbindung mit Feldtagen; Vortr\u00e4ge und Ver\u00f6ffentlichung im Tagungsband: 1994 DLG-Ausschu\u00df Gr\u00e4ser, Klee und Zwischenfr\u00fcchte; 1996 AG Gr\u00fcnland und Futterbau der Ges. f. Pflanzenbauwissenschaften; 1997 Ges. f. Pflanzenbauwissenschaften<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Durch die Ergebnisse der Feldversuche konnten offene Fragen des Anbauverfahrens Getreide mit Untersaat gekl\u00e4rt werden. Die aufgezeigten M\u00f6glichkeiten zur Ungras- und Unkrautbek\u00e4mpfung in Winterweizen mit Grasuntersaaten und die Sortenwahl sowie eingeschr\u00e4nkt die Bestandesf\u00fchrung der Deckfrucht zur Beeinflussung der Wachstumsbedingungen der Untersaat f\u00fchren zu praxisgerechten und  sicheren Anbauverfahren. Der neu entwickelte Untersaat-Index erlaubt eine schnelle Beurteilung der Eignung von Weizensorten f\u00fcr das Anbauverfahren \u0082Getreide mit Untersaaten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Denken und Handeln ist in der heutigen modernen Industriegesellschaft von einem starken Umweltbewu\u00dftsein gepr\u00e4gt. In verschiedenen Studien werden derzeit \u00fcblichen Produktionsverfahren im Pflanzenbau Umweltbelastungen zugeschrieben. Demnach ist eine \u00dcberpr\u00fcfung der pflanzenbaulichen Produktionstechnik hinsichtlich der Umweltvertr\u00e4glichkeit der Anbausysteme notwendig. 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