{"id":18404,"date":"2023-07-13T15:11:10","date_gmt":"2023-07-13T13:11:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/06178-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:11:12","modified_gmt":"2023-07-13T13:11:12","slug":"06178-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/06178-01\/","title":{"rendered":"Entwurfsplanung zur Reaktivierung der Wasserkraftanlage am Klosterstandort St. Marienthal"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Reaktivierung der Wasserkraftanlage im Kloster St. Marienthal, bestehend aus zwei Francisturbinen, welche sowohl zur Energieerzeugung, als auch zum mechanischen Antrieb des S\u00e4gewerkes genutzt wurden. Die bestehende Anlage wurde im Jahr 1967 hinsichtlich der Elektroenergieerzeugung und 1990 f\u00fcr den S\u00e4gewerksbetrieb stillgelegt. Zielstellung ist, den Elektroenergiebedarf des gesamten Klostergel\u00e4ndes und des Internationalen Begegnungszentrums St. Marienthal abzudecken und Energie\u00fcbersch\u00fcsse in das Netz einzuspeisen. Das Projekt war Bestandteil des EXPO 2000-Projektes Modellstadt Ostritz, in dem der Nachweis erbracht werden sollte, eine Kleinstadt zumeist aus regenerativen Energietr\u00e4gern versorgen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAuf der Grundlage der vorliegenden Grundlagenermittlung, der Machbarkeits- und Vertr\u00e4glichkeitsstudien ist eine Entwurfsplanung zur Erneuerung der Wasserkraftanlage zu erstellen, um die Genehmigungsf\u00e4higkeit zu erlangen. Dabei sind sowohl die technisch-wirtschaftlichen Aspekte als auch die Belange des Denkmalschutzes, des Naturschutzes, des Grund-, Wasser- und Baurechtes, die historisch bedingten Funktionen und die exponierte Lage in unmittelbarer N\u00e4he des Internationalen Begegnungszentrums zu beachten.<br \/>\nDie Gestaltung der gesamten Anlage ist derart vorzunehmen, dass Besucherverkehr im Kraftwerk selbst und auch an den betriebstechnisch notwendigen Anlagen im Zulaufbereich stattfinden kann.<br \/>\nEs war geplant, die komplette Anlage als Demonstrationsobjekt f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit, insbesondere f\u00fcr die Besucher der Modellstadt Ostritz im Rahmen der EXPO 2000 und des Internationalen Begegnungszentrums, auszubauen.<br \/>\nIm Einzelnen waren bis zur Entwurfsplanung zu erledigen:<br \/>\n&#8211;\tKl\u00e4rung der Grund- und eigentumsrechtlichen Angelegenheiten<br \/>\n&#8211;\tErneuerung des Wassernutzungsrechtes<br \/>\n&#8211;\tVorbereitung des Antrages zur wasserrechtlichen Genehmigung<br \/>\n&#8211;\tBestandsaufnahme und Zustandsbewertung der Bauwerke und Anlagen<br \/>\n&#8211;\tErkundungen des Baugrundes<br \/>\n&#8211;\tLeistungsermittlungen der Turbinen entsprechend dem abgestimmten Wasserdargebot<br \/>\n&#8211;\tVariantenuntersuchungen bis zur Entwurfsplanung<br \/>\n&#8211;\tBeh\u00f6rdenabstimmungen<br \/>\n&#8211;\tLandschaftspflegerische Begleitplanung<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Unter den genannten Bedingungen wurde zun\u00e4chst eine Machbarkeitsstudie erarbeitet, die im groben die Wirtschaftlichkeit zum Inhalt hatte. Daraus entwickelte sich der Antrag an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Mit den vorliegenden Erkenntnissen  konnte den beteiligten Ingenieuren und Architekten eine spezifische Aufgabenstellung vorgegeben werden. Der exponierte Standort des Klosters, unmittelbar an der Grenze zu Polen, erfordert zus\u00e4tzlichen Abstimmungsbedarf zur wasserrechtlichen Genehmigung, die aus diesem Grunde auch beim Regierungspr\u00e4sidium zu beantragen ist. Verz\u00f6gernd wirkte sich die langwierige Vereinbarung zur verbleibenden Restwassermenge aus, zu der Polen zustimmen musste.<br \/>\nAuf Grund der Eigentums- und Nutzungsrechte in der DDR war es schwierig und sehr zeitaufwendig, die alten verbuchten Wassernutzungsrechte des Klosters nachzuweisen, um somit die Anspr\u00fcche auf die Wasserkraftnutzung geltend zu machen.Ebenso stellte sich die Frage nach dem Eigentumsnachweis des Baugrundes. Der Wehrk\u00f6rper wurde bis in die Mitte der 80er Jahre als Grundmittel des Klosters mit 1,- DM gef\u00fchrt und als 1991 der S\u00e4gebetrieb \u00fcber die Wasserkraft eingestellt wurde, wurde dieses Bauwerk aus dem Buchbestand genommen. Der Grund und Boden wurde 1994 in das Grundbuch des Freistaates Sachsen eingetragen, weil bis zu diesem Zeitpunkt kein Eigent\u00fcmer zugeordnet war. Damit ergab sich, dass wir mit der Talsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen einen Erbbauvertrag verhandeln und abschlie\u00dfen mussten.  Aus den vorgenannten Schwierigkeiten ergaben sich Zeitverz\u00f6gerungen und erh\u00f6hte finanzielle Aufwendungen.  Des Weiteren war die Festlegung der Restwassermenge eine unbedingte Voraussetzung zur Dimensionierung einer wirtschaftlichen Turbine. Zudem reichte die Qualit\u00e4t der bisherigen Planungen nicht aus, um den Forderungen der Genehmigungsbeh\u00f6rden gerecht zu werden. Aus diesem Grunde wurde auf Empfehlung unseres Beraters, Prof. Horlacher, die KUBENS Ingenieurgesellschaft, Beratende Ingenieure im Wasserbau, von uns gebunden. Der hohe engagierte Einsatz und die Fachkunde dieses Ingenieurb\u00fcros bei der \u00dcberarbeitung und Zusammenfassung der vorliegenden Entwurfsunterlagen erm\u00f6glichte die kurzfristige Zustimmung der Beh\u00f6rden und somit die Ausschreibung der kompletten Leistungen zur Erneuerung der Wasserkraftanlage. Es wurden alle Beh\u00f6rdenauflagen vorab der Ausf\u00fchrung der Bauleistungen erf\u00fcllt, so dass nach der VOB-Ausschreibung im Sept. 99 der Baubeginn im Oktober si-chergestellt werden konnte.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Anlage wird nach Fertigstellung f\u00fcr Besucher des Klosters und des Internationalen Begegnungszentrums St. Marienthal zur Besichtigung offen stehen. Zusammen mit den Einrichtungen des historischen S\u00e4gewerkes sowie der Dauerausstellung \u00fcber regenerative Energien im Museum des IBZ wird ein umfassender \u00dcberblick \u00fcber die Erzeugung und Nutzung umweltfreundlicher Energien erm\u00f6glicht. Das gesamte Wasserkraftwerk sowie die Au\u00dfenanlagen k\u00f6nnen besichtigt werden.<br \/>\nEs ist geplant, umfassende Informationen anhand von Schautafeln, Modellen und Computersimulationen zu vermitteln.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die Erneuerung dieser historischen Wasserkraftanlage ist ein positives Beispiel zur Nutzung regenerativer Energien. Mit der Erneuerung erfolgt die Stabilisierung des alten Wehres, der Bau einer Fischaufstiegsanlage und die Instandsetzung der Ufer im Zu- und Ablaufgraben. Ebenso wird mit dem Bau die Bestandssicherung des historischen Krafthauses und der alten wasserbautechnischen Ausr\u00fcstungen (Zulaufregulierung) sowie der mechanischen Kraft\u00fcbertragung zur Betreibung des S\u00e4gewerkes sichergestellt. Mit der Erzeugung umweltfreundlichen Stromes kann das gesamte Kloster und das IBZ versorgt werden. Damit ist ein wesentlicher lokaler Beitrag zur Reduzierung der Emissionswerte von Kohlenstoff- und Schwefeloxiden geleistet. Den Belangen des Naturschutzes wird man ebenfalls gerecht da einerseits die Passierbarkeit des Wehres f\u00fcr Fische und Kleinlebewesen gew\u00e4hrleistet und mit der Umsetzung der landschaftspflegerischen Begleitplanung ein standortgerechter Bewuchs der Ufer initiiert wird. Zudem erfolgt die Beseitigung von Schwemmgut, welches durch die Rechenreinigungsanlage dem Fluss entnommen und entsorgt wird. Mit der Planung ist sichergestellt, dass die Anspr\u00fcche an den Denkmal-schutz eingehalten werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Reaktivierung der Wasserkraftanlage im Kloster St. Marienthal, bestehend aus zwei Francisturbinen, welche sowohl zur Energieerzeugung, als auch zum mechanischen Antrieb des S\u00e4gewerkes genutzt wurden. Die bestehende Anlage wurde im Jahr 1967 hinsichtlich der Elektroenergieerzeugung und 1990 f\u00fcr den S\u00e4gewerksbetrieb stillgelegt. 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