{"id":18397,"date":"2026-02-15T10:32:03","date_gmt":"2026-02-15T09:32:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/06203-01\/"},"modified":"2026-02-15T10:32:04","modified_gmt":"2026-02-15T09:32:04","slug":"06203-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/06203-01\/","title":{"rendered":"F\u00f6rderschwerpunkt Bioabfallverwertung: Nachweis der Genehmigungsf\u00e4higkeit einer gro\u00dfdimensionierten Komposttoilettenanlage im st\u00e4dtisch-\u00f6ffentlichen Raum am Modellprojekt \u00d6kohaus Rostock unter Ber\u00fccksichtigung baurechtlicher, hygienischer, epidemiolo[&#8230;]"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Der Anlass zur Initiierung des Vorhabens war die Suche nach sinnvollen M\u00f6glichkeiten der Einsparung von Trinkwasser auch im \u00f6ffentlichen Bereich. Das Komposttoilettenprojekt sollte weiterhin als \u00f6ffentlichkeitswirksames Modell f\u00fcr die BR Deutschland Anregungen und Anla\u00df f\u00fcr eine Nutzung \u00f6kologisch und \u00f6konomisch realisierbarer Alternativen der Abfallbeseitigung bieten. Die Zielsetzung bestand einerseits in der Erlangung wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse und Sicherheit in der Bewirtschaftung von Trockentoilettenanlagen f\u00fcr Projektbetreiber, Hersteller, Beh\u00f6rden und weitere Kooperationspartner. Zum anderen sollte die beh\u00f6rdliche Genehmigungsf\u00e4higkeit (hygienische, baurechtliche u.a.) einer Komposttoilettenanlage in einem innerst\u00e4dtisch-zentral gelegenen und \u00f6ffentlich genutzten Geb\u00e4ude nachgewiesen und f\u00fcr \u00e4hnliche Projekte in M-V durch \u00c4nderung der Rahmenrichtlinien in der Kommunal- und Landesgesetzgebung erleichtert werden.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZeitlich lassen sich einzelne Projektphasen unterscheiden: der Einbau der Toilettenanlage, die Initiierung des Kompostprozesses durch Beimpfung der Beh\u00e4lter mit Starterkompost sowie Besatz mit im Boden lebenden Tieren sowie die Prozessoptimierung. Die Nutzung der Komposttoilettenanlage erfolgte auf der Grundlage einer Ausnahmegenehmigung durch das zust\u00e4ndige Bauordnungsamt. W\u00e4hrend des genehmigten Zeitraumes wurde der Betrieb unter folgenden Gesichtspunkten wissenschaftlich betreut: a) hygienische und epidemiologische Untersuchung der Anlage durch das Landeshygieneinstitut M-V und b) \u00dcberpr\u00fcfung der Notwendigkeit einer siedlungswasser-wirtschaftlichen Nachbehandlung der evtl. anfallenden Sickerw\u00e4sser, \u00dcberwachung bzw. Optimierung des Rotteprozesses und Pr\u00fcfung der Kompostqualit\u00e4t durch das Institut f\u00fcr Siedlungswasserwirtschaft der Universit\u00e4t Rostock.Alle Arbeiten wurden durch \u00d6kohaus e.V., haupts\u00e4chlich in Person der Projektleitung, koordiniert, soweit m\u00f6glich mit Erfahrungen aus anderen Komposttoilettenanlagen verglichen und die Ergebnisse einer breiten \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich gemacht.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Eine Komposttoilette muss Anforderungen von Kleinkompostieranlagen erf\u00fcllen. Der Betrieb erfolgte auf Grundlage der bestehenden baurechtlichen Bestimmungen f\u00fcr die Nutzung \u00fcblicher Toiletten (z.B. aktive Be- und Entl\u00fcftung geschlossener R\u00e4ume getrennt von der Beh\u00e4lterl\u00fcftung). Die Herren- und Damentoiletten unterschieden sich im Prozessverlauf erheblich voneinander. W\u00e4hrend bei den Herren durch Trennung der F\u00e4kalien eine schnelle Umsetzung erfolgt(e), gestaltete sich die Kompostierung in den Damentoiletten aufgrund fehlender Trennung insgesamt schwieriger. In die Damentoiletten wird zum Hauptteil Urin eingetragen. Somit sind der Feuchtigkeitsgrad und das C\/N-Verh\u00e4ltnis weit ung\u00fcnstiger als in den Herrentoiletten. Dar\u00fcber hinaus wird der Urinstickstoff sehr schnell als Ammoniak freigesetzt. Es empfiehlt sich daher, ein- bis zweimal pro Woche Strukturmaterial zuzu-setzen und das anfallende Sickerwasser zu entfernen oder eine Fest-Fl\u00fcssig-Trennung zu installieren. Das Sickerwasser bedarf einer Nachreinigung, da es relativ hohe N\u00e4hrstoffwerte (Stickstoff und Phosphor) aufweist. Um optimale C\/N-Verh\u00e4ltnisse zu gew\u00e4hrleisten, hat sich als Zugabe ein Gemisch aus Strohh\u00e4cksel und Hobelsp\u00e4nen im Verh\u00e4ltnis 1:1 als optimal erwiesen. Dar\u00fcber hinaus empfiehlt es sich, dieselbe Menge Rindenschrot zuzusetzen. Aufgrund der Gr\u00f6\u00dfe der Beh\u00e4lter ist es schwierig, eine gr\u00fcndliche Durchmischung des Rottegutes zu erreichen. Somit werden sehr hohe Rottetemperaturen kaum erreicht, und es sind l\u00e4ngere Rottezeiten einzuplanen. Auch unter ung\u00fcnstigen Bedingungen finden Rotteprozesse statt. Aufgrund der langen Verweildauer des Rottegutes in der Anlage kann von einer Hygienisierung des Komposts ausgegangen werden. Innerhalb des Projektzeitraumes wurden jedoch keine wesentlichen Mengen an Kompost zur Feststellung der Unbedenklichkeit entnommen.Ein Befall von Drosophila tritt mit hoher Wahrscheinlichkeit, vor allem bei erh\u00f6htem Wassergehalt des Rottegutes auf. Diese k\u00f6nnen auch gegen den Luftstrom in die Toilettenr\u00e4ume aufsteigen. Eine Sch\u00e4dlingsreduzierung kann durch den Eintrag von Rindenschrot und eine Trockenlegung des Rottegutes erreicht werden. Die Verkompostierung von K\u00fcchenabf\u00e4llen ist in \u00f6ffentlichen Toiletten-Anlagen nur bedingt empfehlenswert bzw. nur dann, wenn sich der Kompostierungsprozess stabilisiert und sich ein reichhaltiges biologisches Leben entwickelt hat. Zur nat\u00fcrlichen Fliegenbek\u00e4mpfung k\u00f6nnen Spinnentiere in die Beh\u00e4lter gebracht werden. Sollte dies nicht ausreichen, kann &#8211; vorsichtig dosiert &#8211; nat\u00fcrlicher insektizider Wirkstoff eingesetzt werden. Dabei w\u00fcrde aber auch die Spinnenpopulation gesch\u00e4digt.Die Genehmigung der Anlage im \u00d6kohaus e.V. ist auch weiterhin an Auflagen (wissenschaftliches Begleitprogramm, Unbedenklichkeitspr\u00fcfung des Komposts) seitens des Umwelt- und des Bau-Ordnungsamtes der Stadt gekn\u00fcpft.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die \u00d6ffentlichkeitsarbeit erfolgte im Wesentlichen innerhalb von F\u00fchrungen f\u00fcr interessierte Personen, Weiterbildungsveranstaltungen f\u00fcr Lehrer\/innen und Multiplikator\/innen sowie Projekttagen f\u00fcr Schulklassen in Kooperation mit dem st\u00e4dtischen Umweltberatungszentrum und der Arbeitsgruppe PAR\u00c9A (entwicklungspolitische Bildung) des \u00d6kohaus e.V.. Die lokale Presse berichtete in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden \u00fcber die Anlage und \u00fcber den Prozessverlauf. Nach Abschluss des Projektes soll die Internetpr\u00e4sentation fertiggestellt und ein Konzept f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit bez\u00fcglich politischer Entscheidungstr\u00e4ger zur \u00c4nderung von gesetzlichen Rahmenrichtlinien der Genehmigung erarbeitet werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Wie die Erfahrungen unseres Projektes zeigen, kann eine Trockentoilettenanlage auf eine \u00f6kologisch sinnvolle, wassersparende und hygienische Weise F\u00e4kalien zu einem wertvollen Rohstoff umsetzen. Die Komposttoiletten im \u00d6kohaus e.V. sparen pro Jahr rund 200.000 Liter Trinkwasser. Gemessen an den Abwasserpreisen der Hansestadt Rostock entspricht dies einer j\u00e4hrlichen Kosteneinsparung von ca. 2000 DM. Dabei sind die Subventionierung von Trinkwasser bzw. bisher unbeachtete volkswirtschaftliche Auswirkungen der Abwasserbeseitigung nicht eingerechnet. Andererseits sind aber ebenso der hohe Wartungsaufwand und die derzeitigen Anschaffungskosten f\u00fcr den Betreiber mit einzukalkulieren. Unabh\u00e4ngig vom Spareffekt ging es uns darum, eine Alternative im Umgang mit vermeintlichen Abfallprodukten zu versuchen. Die generelle Genehmigungsf\u00e4higkeit von Trocken-Toilettenanlagen konnte durch unser Projekt demonstriert werden. Aufgrund ihrer Gr\u00f6\u00dfe stellt die Bewirtschaftung von Anlagen in \u00f6ffentlichen Einrichtungen h\u00f6here technische und wissenschaftliche Anforderungen an den Betreiber als Kleinkompostierungsanlagen. So besteht unserer Meinung nach weiterhin Forschungs- und Entwicklungsbedarf hinsichtlich der Funktionalit\u00e4t der Beh\u00e4lter (Kompostentnahme, Konzipierung der \u00dcberl\u00e4ufe, Einarbeitung der Zuschlagstoffe.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Der Anlass zur Initiierung des Vorhabens war die Suche nach sinnvollen M\u00f6glichkeiten der Einsparung von Trinkwasser auch im \u00f6ffentlichen Bereich. Das Komposttoilettenprojekt sollte weiterhin als \u00f6ffentlichkeitswirksames Modell f\u00fcr die BR Deutschland Anregungen und Anla\u00df f\u00fcr eine Nutzung \u00f6kologisch und \u00f6konomisch realisierbarer Alternativen der Abfallbeseitigung bieten. 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