{"id":18366,"date":"2024-11-27T10:34:02","date_gmt":"2024-11-27T09:34:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/09710-01\/"},"modified":"2024-11-27T10:34:05","modified_gmt":"2024-11-27T09:34:05","slug":"09710-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/09710-01\/","title":{"rendered":"Die Agenda 21 als Grundlage von Unternehmensleitbildern"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Agenda 21 als weltweites Umwelt- und Entwicklungsprogramm richtet sich an alle gesellschaftlichen Gruppen. Die Wirtschaft ist f\u00fcr ihre Umsetzung eine besonders wichtige Zielgruppe. Allerdings ist das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung, wie es der Agenda 21 zugrunde liegt, recht abstrakt. Ziel war deshalb, aus dem Leitbild Nachhaltigkeit konkrete Handlungsfelder und Anforderungen f\u00fcr Unternehmen abzuleiten sowie M\u00f6glichkeiten der Umsetzung aufzuzeigen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenUrspr\u00fcnglich war geplant, in den drei Projektunternehmen M\u00e4rz Fashion Group GmbH, M\u00fcnchen, Private Weissbierbrauerei G. Schneider und Sohn KG sowie Toshipa Europe GmbH Zielworkshops durchzuf\u00fchren, um jeweils ein unternehmensindividuelles Leitbild sowie eine entsprechende Nachhaltigkeits-strategie zu erarbeiten. Anschlie\u00dfend sollte die Umsetzung in den Betrieben begleitet werden, um daraus Empfehlungen abzuleiten, wie sich Nachhaltigkeit in Unternehmen umsetzen l\u00e4sst. Da sich diese Vorgehensweise als nicht geeignet erwies, wurde ein Nachhaltigkeits-Check erarbeitet, der Anforderungen in den Bereichen \u00d6konomie, \u00d6kologie, Soziales und Kooperation umfasst. Als Grundlagen wurden unter anderem die Agenda 21 selbst, die Ver\u00f6ffentlichungen der Enquete-Kommission zum Schutz des Menschen und der Umwelt, Kriterien f\u00fcr eine umweltbewu\u00dfte Unternehmensf\u00fchrung der Arbeitsgemeinschaft Selbst\u00e4ndiger Unternehmer (ASU) e.V., Arbeiten der International Labour Organisation (ILO) sowie des Council on Economic Priorities Accreditation Agency (CEPAA) herangezogen. Mit Hilfe dieser Checkliste k\u00f6nnen Unternehmen sich \u00fcberpr\u00fcfen, um eine erste Grundlage f\u00fcr die Diskussion \u00fcber Nachhaltigkeit und damit verbundene Unternehmensziele zu erhalten. Vor der Erarbeitung des Nachhaltigkeits-Checks wurden gesellschaftliche relevante Gruppen wie Gewerkschaften, Umweltverb\u00e4nde, Politik und Wissenschaft befragt, welchen Beitrag sie von der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung erwarten. Die Ergebnisse ebenso wie die Analyse bestehender Umweltleitbilder flossen in die Erarbeitung des Nachhaltigkeits-Checks ein. Erg\u00e4nzend wurden Praxisbeispielen quer durch alle Unternehmensgr\u00f6\u00dfen und Branchen recherchiert.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Der Nachhaltigkeits-Check hat sich f\u00fcr Unternehmen als gro\u00dfe Hilfe beim Einstieg in die Diskussion \u00fcber Nachhaltigkeit erwiesen. Vermieden werden dadurch abgehobene Diskussionen dar\u00fcber, was Nachhaltigkeit bedeutet, ohne gleichzeitig konkrete Ma\u00dfnahmen zu entwickeln. Dies war auch die gro\u00dfe Bef\u00fcrchtung der Projektunternehmen angesichts der geplanten Zielworkshops gewesen. Da die Kriterien des Nachhaltigkeits-Checks ein sozusagen beispielhaft nachhaltiges Unternehmen in den vier Bereichen \u00d6konomie, \u00d6kologie, Soziales und Kooperation abbilden, stellen sie eine Messlatte dar, an der sich jedes Unternehmen ausrichten und damit Defizite wie Pluspunkte ablesen kann. <\/p>\n<p>Dass Kooperation sozusagen als vierte Dimension der Nachhaltigkeit mit verschiedenen Kriterien abgebildet wurde, erwies sich ebenfalls als richtig. Zwar kann sicher dar\u00fcber diskutiert werden, ob Kooperation nicht vielmehr die Voraussetzung f\u00fcr das Erreichen sozialer, \u00f6kologischer und \u00f6konomischer Unternehmensziele ist. Doch die betriebliche Realit\u00e4t zeigt, dass es durchaus dienlich ist, dieses Thema als eigene Dimension aufzuf\u00fchren und ihm so einen hohen Stellenwert zu verleihen. Schlie\u00dflich geh\u00f6rt zur Verfolgung einer nachhaltigen Entwicklung auch eine Unternehmenskultur, die sich durch Offenheit, Kommunikation und Beteiligung auszeichnet. Nicht zuletzt lassen sich weitreichende \u00f6kologische oder soziale Verbesserungen vor allem durch Kooperation in der Produktkette realisieren. <\/p>\n<p>Die Recherche zu beispielhaften Schritten in Unternehmen ergab bemerkenswerterweise, dass jene Betriebe, die sich \u00f6kologisch engagieren, nicht gleicherma\u00dfen auch im sozialen Bereich mehr Verantwortung \u00fcbernehmen und umgekehrt. Hier schienen zwei v\u00f6llig unterschiedliche Traditionen der Unternehmenskultur nebeneinander zu existieren. Ihre Verkn\u00fcpfung unter dem Vorzeichen Nachhaltigkeit, so dass die eine von der anderen lernen kann, wird deshalb gro\u00dfe Potenziale erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>W\u00fcnschenswert ist eine Weiterentwicklung des Nachhaltigkeits-Checks zu einem Instrument der konti-nuierlichen bzw. wiederholten Bewertung der Unternehmensleistung. Als Methode w\u00e4re die Verkn\u00fcpfung der Nachhaltigkeitskriterien mit einer Art Self-Assessement geeignet, also eine Verbindung zwischen quantitativer und qualitativer Bewertung. Ein breiterer Einsatz der erarbeiteten Nachhaltigkeitskriterien zeichnet sich im Bereich Unternehmensberichterstattung ab. F\u00fcr die ersten Versuche verschiedener Unternehmen, einen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen, haben sie eine gute Hilfestellung bei der Festle-gung von Themen und Kernaussagen sowie der Strukturierung des Inhalts geboten.<\/p>\n<p>Die Auswertung bestehender Umweltleitbilder hat schlie\u00dflich gezeigt, dass bisher nur wenige Unterneh-men Leitlinien aufgestellt haben, die geeignet sind eine nachhaltige Entwicklung anzusto\u00dfen und zu f\u00f6rdern. Kein Wunder, hat doch die EG-\u00d6ko-Audit-Verordnung bei ihren Vorgaben zur Umweltpolitik einzig die Verbesserung der Umweltsituation im Blick. Da ein \u0082nachhaltiges Unternehmensleitbild ohnehin nicht in Unternehmensleitlinien &#8211; als Aussagen zu den \u00f6konomischen Zielen und zum Umgang mit den Mitarbeitern &#8211; und Umweltleitlinien getrennt sein kann und deshalb unter dem Zeichen Nachhaltigkeit ganz neu konzipiert werden sollte, ist hier f\u00fcr die kommenden Jahre noch eine breite wissenschaftliche Diskussion zu erwarten. Gleichzeitig ist den Unternehmen anzuraten, den Umgang mit Nachhaltigkeit zun\u00e4chst auf der Ebene von Ma\u00dfnahmen und Projekten zu \u00fcben, bevor eine grundlegende Umgestaltung des Leitbilds angegangen wird: Dies war letztlich &#8211; neben der Definition von Handlungsfeldern und Kriterien f\u00fcr Nachhaltigkeit &#8211; ein ganz wesentliches Ergebnis dieses Projekts.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Projektergebnisse wurden bei der future-Jahrestagung im September 1999 vorgestellt. Der Leitfaden, bestehend mit Projektergebnissen, Nachhaltigkeits-Check und rund 40 Praxisbeispielen wurde im M\u00e4rz 2000 ver\u00f6ffentlicht und an die Presse sowie Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppen verteilt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit hilft nichts so sehr wie eine Strukturierung des Themas durch Handlungsfelder und die Vermittlung \u00fcber Aktionen und Projekte &#8211; sozusagen eine bildhafte Darstellung des abstrakten Leitbegriffs. Die Sammlung von beispielhaften Schritten zeigte, dass kreative \u00f6kologische und soziale Verantwortung in Unternehmen nichts Neues ist, sondern vielfach gelebt wird, weil es zur Unternehmenskultur geh\u00f6rt. Neu ist lediglich eine Sichtweise, die \u00d6konomie, \u00d6kologie und Soziales miteinander verkn\u00fcpft. Damit geht gerade in Zeiten der Globalisierung und Virtualisierung von dem Begriff Nachhaltigkeit ein wichtiger Impuls f\u00fcr die Gestaltung des Wirtschaftens aus, der auch die Unternehmen der New Economy k\u00fcnftig st\u00e4rker erreichen muss.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Agenda 21 als weltweites Umwelt- und Entwicklungsprogramm richtet sich an alle gesellschaftlichen Gruppen. Die Wirtschaft ist f\u00fcr ihre Umsetzung eine besonders wichtige Zielgruppe. Allerdings ist das Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung, wie es der Agenda 21 zugrunde liegt, recht abstrakt. 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