{"id":18323,"date":"2023-07-13T15:12:48","date_gmt":"2023-07-13T13:12:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/08591-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:12:51","modified_gmt":"2023-07-13T13:12:51","slug":"08591-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/08591-01\/","title":{"rendered":"Umweltgerechte L\u00f6sung von Pflanzenschutzproblemen in Winterraps und Mais in Systemen mit reduzierter Bodenbearbeitung"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Verfahren der pfluglosen Bodenbearbeitung erh\u00f6hen die Gef\u00fcgestabilit\u00e4t und Tragf\u00e4higkeit des Bodens, hemmen die Bodenerosion und den Austrag von Pflanzenschutzmitteln, schonen die Bodenlebewesen und verringern Arbeits- und Maschinenkosten. Trotz ihrer Vorteile werden diese Verfahren nur z\u00f6gernd von der Praxis angenommen. Ein wichtiger Grund hierf\u00fcr d\u00fcrfte die Zunahme der Verunkrautung und des Befalls mit Schadorganismen sein, die nach pflugloser Bodenbearbeitung auftreten kann. F\u00fcr den Anbau von Raps und Mais wurden die Konsequenzen einer pfluglosen Bodenbearbeitung f\u00fcr den Pflanzenschutz wenig bearbeitet und keine L\u00f6sungen vorgeschlagen. Dies war daher der Schwerpunkt des abgeschlossenen Projektes.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenWinterraps wurde an zwei Standorten (Braunschweig, G\u00f6ttingen) in der \u00fcblichen dreigliedrigen Fruchtfolge (Raps, Weizen, Gerste) angebaut. In den drei Kulturen wurden drei Bodenbearbeitungs- und Aussaatverfahren (Pflug\/Drillsaat, Grubber\/Drillsaat, Direktsaat) angewendet. Am Standort G\u00f6ttingen wurden auf den Versuchsanlagen Torland und Weendelsbreite die Verunkrautung sowie das Auftreten von Pilzkrankheiten, Rapssch\u00e4dlingen und ausgew\u00e4hlten Gegenspielern erfa\u00dft. Um ausreichende Bestandesdichten zu erzielen, wurden vor der Rapsaussaat bzw. nach der Aussaat Ma\u00dfnahmen zur gleichm\u00e4\u00dfigen Verteilung der Strohauslage sowie zur Schneckenbek\u00e4mpfung durchgef\u00fchrt.<br \/>\nAm Standort Braunschweig wurde neben dem Raps auch Mais in einer dreigliedrigen Fruchtfolge (Mais, Weizen, Gerste) angebaut. Auch hier wurde in den oben genannten Bearbeitungs- und Aussaatverfahren das Auftreten von Unkr\u00e4utern, Krankheiten und Sch\u00e4dlingen erfa\u00dft. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten die Verunkrautung vor allem mit Ackerfuchsschwanz, das Auftreten von Fusariosen in Mais und Getreide sowie die Aktivit\u00e4t von Ackerschnecken und deren Bek\u00e4mpfung<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In dem Projekt traten vor allem nach Direktsaat erhebliche Probleme mit der Etablierung der Rapsbest\u00e4nde auf. Die aussaattechnischen Probleme sind von Seiten der Landtechnik l\u00f6sbar. Besondere Probleme kann dagegen das Auftreten von Ackerschnecken bereiten, deren Aktivit\u00e4t in Rapsdirektsaaten vor allem bei anhaltender N\u00e4sse w\u00e4hrend der Keim- und Auflaufphase zu einem Totalausfall f\u00fchrte. Molluskizideins\u00e4tze zum Zeitpunkt der Aussaat sicherten zwar die Bestandesentwicklung, f\u00fchrten aber nicht zu einer nachhaltigen Verminderung der Schneckenaktivit\u00e4t oder deren Abundanz. Fruchtfolgen mit Winterraps und Wintergetreide f\u00f6rdern wegen der fast ganzj\u00e4hrigen Bodenbedeckung die Schneckenaktivit\u00e4t, die bei Verzicht auf das Pfl\u00fcgen sowie bei k\u00fchlfeuchter Witterung und entsprechenden Bodenverh\u00e4ltnissen weiter zunimmt und sich auch in dem auf den Raps folgenden Winterweizen auswirken kann. Regelm\u00e4\u00dfige Kontrollen der Schneckenaktivit\u00e4t sind dann unerl\u00e4\u00dflich, um \u00fcber den Molluskizideinsatz zu entscheiden.<br \/>\nDie pfluglose Bodenbearbeitung f\u00fchrte zu einer zunehmenden Vergrasung der Raps- und nachfolgenden Getreidebest\u00e4nde, die vor allem durch l\u00fcckige Rapsbest\u00e4nde beg\u00fcnstigt wurde. In Raps sind Gr\u00e4ser -einschlie\u00dflich des Ausfallgetreides- relativ leicht mit Herbiziden zu kontrollieren. Der Einsatz der Graminizide mu\u00df allerdings relativ fr\u00fch erfolgen. Anwendungen im Sp\u00e4therbst oder Fr\u00fchjahr sind nicht in der Lage, Konkurrenzwirkungen, die vor allem vom Ausfallgetreide ausgehen, und Ertragsausf\u00e4lle zu vermindern.<br \/>\nVerfahren der pfluglosen Bodenbearbeitung k\u00f6nnen auch Vorteile f\u00fcr den Pflanzenschutz mit sich bringen. Dies war in diesem Projekt vor allem bei der Auswirkung auf Rapssch\u00e4dlinge erkennbar: Nach pflugloser Bestellung wurden Rapsfl\u00e4chen weniger stark vom Rapserdfloh besiedelt als gepfl\u00fcgte Felder. Der Befall der Pflanzen mit Larven und die Schlupfabundanz der Jungk\u00e4fer waren vermindert. Beim Rapsglanzk\u00e4fer wurden reduzierte Schlupfraten der Jungk\u00e4fer in den pfluglosen Systemen im Vergleich zur Pflugvariante festgestellt. Dies k\u00f6nnte auf dem Einflu\u00df von Gegenspielern, von Parasitoiden oder epig\u00e4isch lebenden R\u00e4ubern beruhen. Es ist aber auch m\u00f6glich, dass bodenphysikalische Faktoren f\u00fcr die Effekte verantwortlich sind. Bei der Rapserdflohpopulation d\u00fcrfte aber in erster Linie die Ansiedlung der adulten K\u00e4fer auf den Rapsfeldern beeinflu\u00dft werden. Es ist bekannt, dass Fl\u00e4chen mit einer Mulchauflage von den Imagines eher gemieden werden.<br \/>\nIn der Maisfruchtfolge war die Zunahme des Befalls des auf den Mais folgenden Winterweizen mit Fusarium sp. nach pflugloser Bestellung das auff\u00e4lligste Ergebnis des Projektes. Dies best\u00e4tigt erneut die Ge-fahr einer zunehmenden Bedeutung von Fusariosen in Maisfruchtfolgen mit pflugloser Bodenbearbeitung. Grunds\u00e4tzlich mu\u00df bei der Etablierung pflugloser Systeme davon ausgegangen werden, dass von den vermehrt auf der Bodenoberfl\u00e4che verbleibenden Pflanzenresten ein erh\u00f6htes Infektionsrisiko ausgeht. Dies ist vor allem auch deshalb der Fall, weil die Pflanzenreste auf der Bodenoberfl\u00e4che h\u00e4ufig austrock-nen und dann verlangsamt mikrobiell abgebaut werden. Eine m\u00f6glichst intensive Zerkleinerung der Pflanzenreste kann neben einer Anpassung der Fruchtfolge dieser Gefahr entgegenwirken.<br \/>\nIn diesem Projekt traten zwischen den Ertr\u00e4gen der Pflug- und Grubbervariante meistens keine signifikanten Unterschiede auf. Nach Direktsaat kam es dagegen sowohl in Mais als auch in Raps in der Mehrzahl der Versuche zu signifikanten Ertragsminderungen. Die \u00f6konomischen Vorteile der Direktsaat wurden teilweise durch h\u00f6here Pflanzenschutzkosten kompensiert. Voraussetzung f\u00fcr eine \u00f6konomische Konkurrenzf\u00e4higkeit der Direktsaat ist das Ausbleiben \u00fcberproportionaler Ertragsverluste. Nur wenn es gelingt, die Ertragssicherheit zu verbessern, wird sich dieses System in gr\u00f6\u00dferem Ma\u00dfe in der Praxis durchsetzen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>10 Wissenschaftliche Publikationen<br \/>\n9 Vortr\u00e4ge und Poster<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Interesse an Systemen mit reduzierter Bodenbearbeitung wird in Zukunft zunehmen. Entwicklungen der Produktionstechnik, Anpassungen der Fruchtfolge sowie eine an den Standort angepa\u00dfte, flexible Handhabung der Systeme mit einem Wechsel zwischen Pfl\u00fcgen und pflugloser Bestellung k\u00f6nnen dazu beitragen, die Pflanzenschutzprobleme zu l\u00f6sen. Diese M\u00f6glichkeiten m\u00fcssen genutzt werden, damit nicht durch einen allzu h\u00e4ufigen und prophylaktischen Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel die \u00f6konomischen und \u00f6kologischen Vorteile pflugloser Systeme aufgehoben oder in das Gegenteil verkehrt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Verfahren der pfluglosen Bodenbearbeitung erh\u00f6hen die Gef\u00fcgestabilit\u00e4t und Tragf\u00e4higkeit des Bodens, hemmen die Bodenerosion und den Austrag von Pflanzenschutzmitteln, schonen die Bodenlebewesen und verringern Arbeits- und Maschinenkosten. Trotz ihrer Vorteile werden diese Verfahren nur z\u00f6gernd von der Praxis angenommen. 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