{"id":18319,"date":"2026-04-29T10:34:45","date_gmt":"2026-04-29T08:34:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/01211-01\/"},"modified":"2026-04-29T10:34:51","modified_gmt":"2026-04-29T08:34:51","slug":"01211-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/01211-01\/","title":{"rendered":"Dom und Moritzburg in Zeitz, modellhafter Komplex von Voruntersuchungen \u00fcber Umweltsch\u00e4den an der Moritzburg (Torgeb\u00e4ude)"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bereits im Jahr 1991 waren aufgrund von akuter Gef\u00e4hrdung der umweltgesch\u00e4digten Moritzburg in Zeitz erste Substanzsicherungen am Dom und dem Schlo\u00df begonnen worden. Diese Instandsetzungen erfolgten mit einem Minimum an planerischen Vorarbeiten, da der bauliche Zustand des Ensembles rasches Handeln zu erfordern schien. F\u00fcr eine denkmalgerechte Sanierung der Gesamtanlage war jedoch eine Untersuchung notwendig, die aufgrund von zahlreichen ungel\u00f6sten Fragen im Hinblick auf Schadensursachen, Statik und Baugeschichte eine vollst\u00e4ndige Schadensanalyse des Bauzustandes erbringen sollte, um so Schlu\u00dffolgerungen im Hinblick auf die Gesamtsanierung der Moritzburg zu gewinnen. Neben diesen Ergebnissen f\u00fcr die Planung einer substanzschonenden Restaurierung galt es, eine Entscheidungsgrundlage f\u00fcr die Bewertung von m\u00f6glichen Nutzungsvarianten der Bauglieder zu gewinnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden<\/p>\n<p>Gemeinsam mit Dom und Schlo\u00df stellt das im Untergescho\u00df noch in seiner urspr\u00fcnglich fortifikatorischen Bedeutung zu erkennende Torhaus aus der zweiten H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts eines der pr\u00e4genden Bauglieder der Moritzburg dar. Zugleich bildet der streng symmetrische Pavillonbau mit zwei seitlich angrenzenden, kasemattierten Schanzen den \u00f6stlichen Abschlu\u00df der Anlage. Um ein rationelles und repr\u00e4sentatives Verfahren f\u00fcr die Einsch\u00e4tzung des baulichen Gesamtbestandes zu gew\u00e4hrleisten, wurde das Torhaus als Musteruntersuchungsobjekt bestimmt. Die Putz- und Werksteinfassaden dieses Bauelementes wiesen regionaltypische Schadensbilder des gesamten Bauensembles auf. Man durfte also davon ausgehen, da\u00df die hier festgestellten Schadensursachen &#8211; und daraus resultierende Restaurierungskonzepte &#8211; sich im wesentlichen auf die Gesamtanlage \u00fcbertragen lassen konnten. Ein f\u00fcr die pr\u00e4zise Auswertung schadensbegutachtender und baugeschichtlicher Beobachtungen notwendiges verformungsgetreues Handaufma\u00df wurde f\u00fcr das Torhaus auf drei Gescho\u00dfebenen erstellt. An der Au\u00dfenfassade wurde eine Kartierung und Analyse der Schadensbilder durchgef\u00fchrt und m\u00f6gliche Zusammenh\u00e4nge von materialkundlichen und umweltbedingten Gegebenheiten diagnostiziert. Neben der photographischen Vorzustandsdokumentation entstanden Me\u00dfphotos zur photogrammetrischen Auswertung der Fassaden. Schlie\u00dflich entstand eine Musterreparaturfl\u00e4che am Torhaus f\u00fcr eine m\u00f6gliche Fassadensanierung der Gesamtanlage.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Voruntersuchungen brachten wertvolle R\u00fcckschl\u00fcsse im Hinblick auf die Kl\u00e4rung restaurierungstechnischer und baugeschichtlicher Fragestellungen und bildeten so die Eckpfeiler f\u00fcr die Planungen der Gesamtrestaurierung. Die integrierte planerische Erfassung des Bauk\u00f6rpers durch die Kombination der Photogrammetrie und des verformungsgetreuen Handaufma\u00dfes (beide entstanden im Ma\u00dfstab 1:25) stellte sich als arbeitsintensives Unternehmen heraus, bew\u00e4hrte sich jedoch aufgrund der Qualit\u00e4t der Resultate. Die photogrammetrischen Planunterlagen bildeten eine erstklassige Grundlage f\u00fcr die Schadensdokumentation, Auswertung und Ausschreibung der Restaurierungsarbeiten. Innerhalb des Handaufma\u00dfes konnten bis dahin ungekl\u00e4rte Bauphasen der Entstehungsgeschichte des Torhauses differenziert und planerisch dargestellt werden. Auch fanden sich Hinweise auf einen mittelalterlichen Vorg\u00e4ngerbau. Mit dieser Methode wurde eine Exaktheit und Dokumentationsqualit\u00e4t aller bauhistorischen Befunde gew\u00e4hrleistet, die mit herk\u00f6mmlichen Methoden nicht zu erreichen gewesen w\u00e4re.<br \/>\nEinen weiteren Untersuchungsschwerpunkt bildete der Substanzverlust an dem Naturstein des Au\u00dfenbaues durch Abplatzen und Absanden. Es zeigte sich, da\u00df die Verwendung des in der N\u00e4he von Zeitz geschlagenen weichen Sandsteines in Kombination mit den ung\u00fcnstigen Umwelteinfl\u00fcssen vor Ort (Braunkohlehausbrand, Emissionen der Chemieindustrie, Autoabgase) zu den erheblichen Sch\u00e4den an den Natursteinwerken der Moritzburg gef\u00fchrt hatte. Zugleich konnte infolge einer mineralogischen Analyse von Gesteinsproben die \u00dcberzeugung bekr\u00e4ftigt werden, da\u00df eine Verfestigung der absandenden Natursteinoberfl\u00e4chen durch Kiesels\u00e4ureester oder andere chemische Produkte die Sch\u00e4den mittelfristig vergr\u00f6\u00dfert h\u00e4tte. Innerhalb des Restaurierungskonzeptes entschied man sich schlie\u00dflich f\u00fcr das Austauschen von besch\u00e4digten Steinen, das auf die statisch-konstruktiven Funktionsbereiche begrenzt blieb, was \u00f6konomisch die sinnvollste L\u00f6sung ist.<br \/>\nAn den anderen Steinoberfl\u00e4chen wurde die traditionelle Methode der Sicherung durch Kalkm\u00f6rtel und Kalkschl\u00e4mmen vorgenommen. Diese Technik erfordert eine intelligente Vorgehensweise, verlangt doch die Wahl der M\u00f6rtelzuschlagstoffe, der Materialien und schlie\u00dflich deren richtige Anwendungstechnik eine sensible Arbeitsweise des Restaurators. Sie antwortet ad\u00e4quat auf die vorgefundene relative Weichheit der Originalbest\u00e4nde und zerst\u00f6rt nicht die Alterungsspuren der Oberfl\u00e4chenbefunde. Das Verfahren wurde an einem Musterfeld der Torhausfassade erprobt und schlie\u00dflich auf gr\u00f6\u00dfere Fl\u00e4chen umgesetzt.<br \/>\nIn seiner Gesamtheit betrachtet lie\u00dfen sich aus dem Voruntersuchungsprojekt konkrete Vorgaben f\u00fcr die Sanierungsplanung der Moritzburg und die m\u00f6gliche k\u00fcnftige Nutzung herleiten. Auf diese Weise wurde die sorgf\u00e4ltige Steuerung einer nutzungsneutralen Steuerung des Baudenkmals erm\u00f6glicht. Die auf Anhieb nicht immer einsichtige Methodik der sorgf\u00e4ltigen Anamnese eines Baudenkmals und der zeitliche Aufwand eines solchen Projektes sind jedoch wirtschaftlich und erlauben eine genaue Ausschreibung und Kostenkontrolle w\u00e4hrend der sp\u00e4teren Bauma\u00dfnahmen. Das angewandte Verfahren dient so der sparsamen Verwendung vorhandener finanzieller Ressourcen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Filmische Dokumentation der auf der Moritzburg geleisteten Untersuchungen und sp\u00e4teren Sanierungsarbeiten am Dom in dem Film Zeichen setzen &#8211; Die Moritzburg zu Zeitz.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>In direkter Folge auf das Untersuchungsprojekt wurde die Restaurierung der Moritzburg weitergef\u00fchrt. Dabei wurden die f\u00fcr das Sanierungskonzept gewonnenen Erkenntnisse umgesetzt und die angewandten Methoden der Aufma\u00dftechnik z.B. am Dom fortgef\u00fchrt. Diese Ma\u00dfnahmen unterst\u00fctzte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt in Form zwei weiterer F\u00f6rderprojekte: Beseitigung von Steinsch\u00e4den und Dachsanierung am Dom zu Zeitz (AZ 00127; F\u00f6rdersumme 900.000 DM) und Abschlie\u00dfende Mittelbewilligung f\u00fcr Projekte nach den Kriterien des Sofortprogramms f\u00fcr die neuen L\u00e4nder (Dom\/Zeitz) (AZ 03700\/05, F\u00f6rdersumme 2.150.000 DM), so da\u00df die Restaurierung der Moritzburg mit einer Gesamtsumme von 3.225.000 DM durch die DBU gef\u00f6rdert wurde.<br \/>\nInnerhalb der Gesamtsanierung des Baukomplexes Moritzburg konnten die Arbeiten am Schlo\u00df vor einiger Zeit abgeschlossen werden. Im Dom wird mittlerweile die Innenausstattung mit der Anlage eines Orgelprospektes vervollst\u00e4ndigt. Die Au\u00dfenfassadenarbeiten am Torhaus sehen noch ihrer Vollendung entgegen, in dem Geb\u00e4ude sollen demn\u00e4chst museumsp\u00e4dagogische Angebote stattfinden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bereits im Jahr 1991 waren aufgrund von akuter Gef\u00e4hrdung der umweltgesch\u00e4digten Moritzburg in Zeitz erste Substanzsicherungen am Dom und dem Schlo\u00df begonnen worden. Diese Instandsetzungen erfolgten mit einem Minimum an planerischen Vorarbeiten, da der bauliche Zustand des Ensembles rasches Handeln zu erfordern schien. 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