{"id":18281,"date":"2023-07-13T15:09:16","date_gmt":"2023-07-13T13:09:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/03146-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:09:17","modified_gmt":"2023-07-13T13:09:17","slug":"03146-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/03146-01\/","title":{"rendered":"Teilfl\u00e4chenbezogene Unkrautbek\u00e4mpfung zur Reduzierung des Herbizideinsatzes auf der Grundlage von Unkrautverteilung und Bodeneigenschaften"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bei der Applikation von chemischen Unkrautbek\u00e4mpfungsmitteln (Herbizide) wird \u00fcblicherweise eine m\u00f6glichst gleichm\u00e4\u00dfige Verteilung der Spritzbr\u00fche auf dem Feld angestrebt. Viele Untersuchungen zeigen jedoch, da\u00df Unkr\u00e4uter auf Ackerfl\u00e4chen nicht homogen verteilt sind. Unter dieser Voraussetzung ist eine Ganzfl\u00e4chenbehandlung mit Herbiziden \u00f6kologisch und \u00f6konomisch nachteilig. Ziel der Untersuchungen war es daher, auf der Grundlage von Feldbeobachtungen, Luftbildinventuren, Unkrautkartierungen und Bodenuntersuchungen ein teilschlagorientiertes Herbizid-Behandlungskonzept zu entwickeln. Aus den Daten der Unkrautverteilung sollte anhand von Fallbeispielen abgeleitet werden, welcher Fl\u00e4chenumfang auf der Grundlage von Unkrautschadensschwellen und Bodeneigenschaften mit Herbiziden tats\u00e4chlich behandelt werden m\u00fc\u00dfte. Es sollte gezeigt werden, da\u00df mit diesem Behandlungskonzept eine Reduzierung des Herbizideinsatzes in der Praxis m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Untersuchungen wurden auf ackerbaulich genutzten Fl\u00e4chen in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt durchgef\u00fchrt. Die Schl\u00e4ge unterschieden sich hinsichtlich Bodentyp und -art, Gr\u00f6\u00dfe sowie der Fruchtfolge. Ferner wiesen die Ackerschl\u00e4ge verschiedene Unkrautverteilungsmuster auf. Auf allen Schl\u00e4gen wurde die Unkrautverteilung anhand von Grob- und Detailkartierungen erfa\u00dft. Dabei wurden Rasterpunkte mittels satellitengest\u00fctzter Positionsbestimmung (DGPS = Differential Global Positioning System) eingemessen, um so die r\u00e4umliche Verteilung der Verunkrautung zu lokalisieren und eine sp\u00e4-tere punktgenaue Unkrautbek\u00e4mpfung durchf\u00fchren zu k\u00f6nnen. Mit dem geographischen Informationssystem (GIS) PC-ARC\/INFO wurden Unkrautkarten erstellt.<br \/>\nErg\u00e4nzend zur Unkrautkartierung wurde eine Erfassung der Verunkrautung mittels Luftbildinventuren durchgef\u00fchrt. Es wurden Farb- und Infrarotfilme verwendet. Die Terminierung der Luftbildfl\u00fcge orientierte sich an den Entwicklungsstadien der Kultur- und Unkrautpflanzen. Die Auswertung des Luftbildmaterials erfolgte visuell und nach einer Digitalisierung der Aufnahmen mittels computergest\u00fctzter Bildbearbeitung und -auswertung.<br \/>\nAuf der Grundlage der Unkraut- und Bodendaten wurden anhand von Fallstudien Herbizidapplikationen teilfl\u00e4chenspezifisch durchgef\u00fchrt und die Ergebnisse \u00f6kologisch und \u00f6konomisch bewertet.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) wurde aufgrund ihrer vegetativen Vermehrungsf\u00e4higkeit und ihrer zunehmenden Bedeutung in Sachsen-Anhalt in den Mittelpunkt der Untersuchungen gestellt. Die besten Ergebnisse der Luftbildfl\u00fcge wurden nach Auflaufen der Zuckerr\u00fcbe (Mitte\/Ende Mai) und im Gelbreifestadium des Getreides (Mitte\/Ende Juli) erzielt. Der hohe Farbkontrast erm\u00f6glichte eine gute Erkennbarkeit der Acker-Kratzdistelnester auf den Farbluftbildern in den genannten Zeitr\u00e4umen. F\u00fcr Acker-Kratzdistel waren Spro\u00dfdichten von 150 m-2  erforderlich, ab denen eine sichere Differenzierung im Luftbild m\u00f6glich war. Die im nahen Infrarot sensibilisierte Filmemulsion kann zu einer Kontraststeigerung beitragen. Bei den Luftbildfl\u00fcgen konnte ferner eine Verunkrautung mit Acker-Fuchsschwanz (Alopecurus myosuroides) und Gemeiner Quecke (Agropyron repens) vor der Bek\u00e4mpfungsma\u00dfnahme in Zuckerr\u00fcben erfa\u00dft werden. Jedoch sind f\u00fcr die erfolgreiche Abgrenzung hohe Besatzdichten (z. B. Acker-Fuchsschwanz: mittlere Besatzdichte 180 Pfl. m-2) und eine geringe Kulturpflanzengr\u00f6\u00dfe erforderlich. Nach der Bek\u00e4mpfungsma\u00dfnahme trugen Ver\u00e4nderungen des ph\u00e4nologischen Zustands der Nutz- und Unkrautpflanzen zu einer Erkennung von den Bestand \u00fcberragender Sp\u00e4tverunkrautung in Wintergetreide und Zuckerr\u00fcbe bei. Die Unkrautkartierung mittels Luftbild kann somit Hinweise auf Befallsschwerpunkte geben und f\u00fcr die Ausweisung von besonders zu behandelnden Teilfl\u00e4chen genutzt werden. Es ergeben sich insbesondere Einsatzm\u00f6glichkeiten bei der Erfassung mehrj\u00e4hriger Unkr\u00e4uter in Zuckerr\u00fcben oder abreifendem Getreide.<br \/>\nSowohl die Acker-Kratzdistel als auch die monokotyle und dikotyle Gesamtverunkrautung bildeten mehr oder weniger ausgepr\u00e4gte Befallsschwerpunkte auf den Ackerschl\u00e4gen. In vielen F\u00e4llen konnten die Verteilungsschwerpunkte des Vorjahres best\u00e4tigt werden. Allerdings wichen die 1996 ermittelten Populationsdichten erheblich von den 1995 kartierten ab. Ebenfalls waren Unterschiede in der Artenzusammensetzung festzustellen. Als Ursachen f\u00fcr diese Unterschiede in der Abundanz und im Artenspektrum lassen sich u. a. vom Vorjahr abweichende Witterungsbedingungen und Fruchtwechsel anf\u00fchren. Anhand von Vergleichskartierungen in den Jahren 1994, 1995 und 1996 konnten Aussagen hinsichtlich der Ortsstabilit\u00e4t der Acker-Kratzdistelnester getroffen werden. Auch bei wechselnder Kultur zeigten die Distelnester eine weitgehende Ortsstabilit\u00e4t. Es wurden weiterhin statistische Verrechnungen zur Aufdeckung von Koinzidenzen zwischen Bodeneigenschaften und Unkrautverteilung durchgef\u00fchrt.<br \/>\nIn den 1995 und 1996 durchgef\u00fchrten Fallstudien zur teilfl\u00e4chenbezogenen Distelbek\u00e4mpfung in Zuckerr\u00fcben und Winterweizen konnte das hohe Herbizideinsparungspotential einer Teilfl\u00e4chenbehandlung best\u00e4tigt werden. Auf der Grundlage der ermittelten Unkrautverteilung war eine Herbizidapplikation nur auf 51 bzw. 21 % der Gesamtfl\u00e4che erforderlich. Anhand der Ergebnisse der Bodenanalytik wurde die Austragsgef\u00e4hrdung von Herbiziden f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Versuchsstandorte ermittelt. Auf der Grundlage dieser Ergebnisse konnte eine Einteilung von Schl\u00e4gen in Teilfl\u00e4chen mit unterschiedlicher Austragsgef\u00e4hrdung erfolgen.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Ergebnisse des Projektes wurden auf einem Workshop der Universit\u00e4t Hohenheim und anl\u00e4\u00dflich weiterer nationaler und internationaler Konferenzen zu Fragen der Unkrautbek\u00e4mpfung vorgetragen und diskutiert. F\u00fcr 1997 ist die Teilnahme an der ersten European Conference on Precision Agriculture vorgesehen. Im Juni 1997 wurden die Forschungsergebnisse auf einer Pressekonferenz einer breiten \u00d6ffentlichkeit bekannt gemacht. F\u00fcr September 1997 ist die Teilnahme an einer Innovationsmesse in Leipzig vorgesehen.<\/p>\n<p>NORDMEYER, H., H\u00c4USLER, A., NIEMANN, P. (1996): Weed mapping as a tool for patchy weed control. 2. International Weed Control Congress, Kopenhagen, 1996, 119-124.<br \/>\nH\u00c4USLER, A., NORDMEYER, H., NIEMANN, P., WITTMANN, CHR., HINTZSCHE, E. (1996): M\u00f6glichkeiten der Unkrauterkennung mittels Luftbild. KTBL-Arbeitspapier 236, 101-112.<br \/>\nNORDMEYER, H., H\u00c4USLER, A., NIEMANN, P. (1997): Patchy weed control as an approach in precision farming. Proceedings 1st European Conference on precision farming, Warwick, im Druck.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Aufgrund der inhomogenen Verteilung der Unkr\u00e4uter ist eine kleinr\u00e4umig differenzierte Bek\u00e4mpfung grunds\u00e4tzlich sinnvoll. Ein besonderes Problem stellt dabei die zeitaufwendige Unkrautkartierung dar. Der j\u00e4hrliche Informationsbedarf l\u00e4\u00dft sich in bestimmten F\u00e4llen durch Luftbildauswertung und Erstellung von Datenpools reduzieren. Das Teilschlagkonzept leistet aus wissenschaftlicher Sicht im Bereich der Unkrautbek\u00e4mpfung einen Beitrag zur Umweltentlastung, ohne da\u00df Ertragseinbu\u00dfen zu bef\u00fcrchten sind. Allerdings erfordert die Umsetzung des Konzeptes vom Landwirt fundiertes Fachwissen, die Bereitschaft, zus\u00e4tzlich Zeit zu investieren, sowie die Investition in zus\u00e4tzliche Technik. Insgesamt ist zu erwarten, da\u00df die Bedeutung der teilfl\u00e4chenspezifischen Unkrautbek\u00e4mpfung im Rahmen einer teilfl\u00e4chenspezifischen Landbewirtschaftung langfristig zunimmt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bei der Applikation von chemischen Unkrautbek\u00e4mpfungsmitteln (Herbizide) wird \u00fcblicherweise eine m\u00f6glichst gleichm\u00e4\u00dfige Verteilung der Spritzbr\u00fche auf dem Feld angestrebt. Viele Untersuchungen zeigen jedoch, da\u00df Unkr\u00e4uter auf Ackerfl\u00e4chen nicht homogen verteilt sind. 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