{"id":18264,"date":"2023-07-13T15:09:29","date_gmt":"2023-07-13T13:09:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/03576-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:09:29","modified_gmt":"2023-07-13T13:09:29","slug":"03576-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/03576-01\/","title":{"rendered":"Untersuchung der infrastrukturellen und umweltrelevanten Auswirkungen des Auflassens des Bergbaus im ehemaligen Steinkohlenrevier Lugau-Oelsnitz und Erarbeitung von Vorschl\u00e4gen zur praktischen Umsetzung und Nutzung der erzielten Ergebnisse"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel des Vorhabens ist die Erarbeitung einer Prognose zum zeitlichen Verlauf der Flutung der Bergbauhohlr\u00e4ume des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenbergbaus und der Erarbeitung von Ma\u00dfnahmen zu ihrer \u00dcberwachung. Es werden die m\u00f6glichen Auswirkungen der Grundwasser-Wiederanstieges nach Abschlu\u00df der Flutung abgesch\u00e4tzt. Von diesen Ergebnissen werden konzeptionelle Hinweise abgeleitet, wie die Auswirkungen der Flutung bei der infrastrukturellen Planung zu ber\u00fccksichtigen sind.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenErster Arbeitsschritt war die Schaffung der Ausgangsdaten. Aus den verf\u00fcgbaren Unterlagen wurden, in enger Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern, die vorhandenen Daten zu Topographie, Geologie und Hydrogeologie, Bergbau und Infrastruktur erhoben. Anschlie\u00dfend wurden die so gewonnenen Daten auf ihre Verwertbarkeit \u00fcberpr\u00fcft und den einzelnen historischen Etappen des Bergbaus zugeordnet, d. h. es wurden die hydrologisch-hydrogeologischen Verh\u00e4ltnisse vor Beginn des Bergbaus, w\u00e4hrend des Abbaus der Steinkohle und nach Einstellung des Bergbaus rekonstruiert. Die Aufbereitung der Daten erfolgte unter Verwendung von Komponenten des Umweltinformationssystems des S\u00e4chsischen Landesamtes f\u00fcr Umwelt und Geologie. Aufbauend auf den Ergebnissen dieser Datenanalyse wird der m\u00f6gliche weitere Verlauf der Flutung bis zur Einstellung quasistation\u00e4rer hydrogeologischer Verh\u00e4ltnisse prognostiziert. Gebiete, in denen Beeintr\u00e4chtigungen der Infrastruktur und Umwelt durch die aufsteigenden Flutungsw\u00e4sser eintreten k\u00f6nnen, werden kartenm\u00e4\u00dfig dargestellt. Weiterhin werden Aussagen zu einer m\u00f6glichen Beeintr\u00e4chtigung der Grundwasserqualit\u00e4t gemacht. Abschlie\u00dfend werden \u00dcberwachungsma\u00dfnahmen zur weiteren Kontrolle des Flutungsverlaufs (Monitoring) vorgeschlagen und konzeptionelle Hinweise erarbeitet, wie die Flutungsauswirkungen bei der infrastrukturellen Planung zu ber\u00fccksichtigen sind.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Von 1844 bis 1971 wurden im Lugau-Oelsnitzer Revier ca. 142 Millionen Tonnen Steinkohle gef\u00f6rdert. Auf einem Gebiet von ca. 25 km2 entstanden ca. 152 Mill. m3 Hohlraum, wovon sich etwa 50% als Bergsenkung bis zur Erdoberfl\u00e4che fortpflanzten. Von den 161 bekannten Tages\u00f6ffnungen im gesamten Revier hatten 89 eine direkte Verbindung zum Grubengeb\u00e4ude.<br \/>\nNach dem Ende der F\u00f6rderung 1971 dauerten die Verwahrungsarbeiten bis Anfang 1976 an. Danach war man allgemein der Meinung, da\u00df alle Nachwirkungen des Bergbaus beendet oder zumindest so weit abgeklungen sind, da\u00df keine Gef\u00e4hrdungen f\u00fcr Umwelt und Infrastruktur eintreten k\u00f6nnen.<br \/>\nBeobachtungen aus dem angrenzenden Zwickauer Steinkohlenrevier in den 80er und Anfang der 90er Jahre zeigten aber, da\u00df das Gebirge noch nicht zur Ruhe gekommen ist bzw. sogar erneut Bewegungen einsetzten. In bestimmten Senkungsgebieten f\u00fchrte der Wiederanstieg des Grundwassers zu erheblichen Problemen.<br \/>\nIm Lugau-Oelsnitzer Revier wurden im Rahmen eines 1996 durchgef\u00fchrten Nivellements Senkungen bis 40 mm und Hebungen bis 47 mm festgestellt. Die genaue zeitliche Zuordnung der Bewegungen ist durch das Fehlen von Messungen zwischen 1972 und 1996 nicht m\u00f6glich. Es kann jedoch als gesichert gelten, da\u00df die Bewegungen der Tagesoberfl\u00e4che noch andauern. Insbesondere die Ursachen f\u00fcr die Hebungen werden noch kontrovers diskutiert.<br \/>\nZur Problematik des Flutungswasseranstieges im Lugau-Oelsnitzer Revier wurden umfangreiche Recherchen angestellt. Dabei zeigte sich, da\u00df dieser Frage zum Zeitpunkt der Schachtverwahrungen nicht ausreichend Rechnung getragen wurde. Infolgedessen besteht derzeit keine M\u00f6glichkeit, den Flutungsspiegel direkt zu beobachten und somit auch keine M\u00f6glichkeit der Beprobung des Flutungswassers. Durch C &#038; E wurden deshalb zun\u00e4chst indirekte Me\u00dfverfahren (z. B. Geoelektrische Tiefensondierungen) eingesetzt, um oberfl\u00e4chennahe Grubenfelder auf Anzeichen der Flutungswasserf\u00fchrung zu untersuchen. Dabei konnte nach gewiesen werden, da\u00df der Flutungsspiegel diese Gebiete bisher noch nicht erreicht hat.<br \/>\nDie Analyse der vorhandenen Ri\u00dfunterlagen und der technischen Angaben zu den Tages\u00f6ffnungen (Geometrie, Verwahrungszustand usw.) ergab, da\u00df das aufsteigende Flutungswasser wahrscheinlich nicht, wie bisher angenommen, im Lagerst\u00e4ttenausstrich zutage treten wird, sondern an morphologisch tieferliegenden Tages\u00f6ffnungen.<br \/>\nDie Bergschadenkundliche Analyse von 1974 weist mehrere Gebiete aus, in denen es zu Beeintr\u00e4chtigungen durch aufsteigendes Flutungswasser kommen kann (sog. Poldergebiete). Die Vorflut ist in diesen Gebieten durch technische Ma\u00dfnahmen wiederhergestellt. In welchem Umfang Oberfl\u00e4chenwasser aus diesen Gebieten dem Grubengeb\u00e4ude zusitzt, ist gegenw\u00e4rtig nicht ermittelbar. Unterstellt man jedoch einen k\u00fcnftigen \u00dcberlauf des Flutungswassers an tiefliegenden Tages\u00f6ffnungen, so ergibt sich f\u00fcr die Poldergebiete auch nach Abschlu\u00df der Flutung keine Ver\u00e4nderung des hydrologisch-hydrogeologischen Regimes.<br \/>\nF\u00fcr die Weiterf\u00fchrung der Untersuchungen wird insbesondere folgendes vorgeschlagen:<br \/>\nEs wird empfohlen, den Flutungswasserspiegel mit direkten Aufschlu\u00dfverfahren zu ermitteln. W\u00fcnschenswert w\u00e4re die Anlage eines Me\u00dfnetzes von Beobachtungspegeln, mit dem alle wesentlichen Lagerst\u00e4ttenteile erfa\u00dft werden. Wegen des hohen \u00f6konomischen und technischen Aufwandes kann ein solches Me\u00dfnetz nur schrittweise realisiert werden.<br \/>\nAls erster Schritt wird deshalb vorgeschlagen, einen Beobachtungspegel vom Freigel\u00e4nde des Bergbaumuseums Oelsnitz aus in das F\u00fcllort der +20 m-Sohle des Kaiserin-Augusta-Schachtes niederzubringen.<br \/>\nAls Erg\u00e4nzung zum vorgeschlagenen Beobachtungspegel am Kaiserin-Augusta-Schacht wird empfohlen, am Pluto-Schacht in Gersdorf einen zweiten Beobachtungspegel zu errichten, mit dem der Flutungs-wasserspiegel im Nordteil der Lagerst\u00e4tte kurz vor dem Austritt an der Oberfl\u00e4che erfa\u00dft werden kann.<br \/>\n\u00dcber die Errichtung weiterer Beobachtungspegel sollte erst nach der Realisierung der beiden vorgeschlagenen Pegelbohrungen und der Auswertung der damit gewonnenen Me\u00dfergebnisse entschieden werden.<br \/>\nSobald in den Beobachtungspegeln Flutungswasser angetroffen wird, sollten Untersuchungen zur Flutungswasserqualit\u00e4t vorgenommen werden.<br \/>\nDie zu erwartende hohe Gesamtmineralisation, die relativ einfach elektrometrisch \u00fcber die Leitf\u00e4higkeit zu identifizieren ist, sollte im Rahmen des Monitoringprogrammes des LfUG als \u00dcberwachungsparameter genutzt und ausgewertet werden.<br \/>\nDas Flutungswasser besitzt ein thermisches Potential, welches unter g\u00fcnstigen Bedingungen nutzbar gemacht werden kann. Nach Realisierung der vorgeschlagenen Beobachtungspegel und einem mehrj\u00e4hrigen Beobachtungszyklus k\u00f6nnen Angaben zu den verf\u00fcgbaren Wassermengen und dem Temperaturgradient des Wassers gemacht werden. Im Rahmen einer gezielten Wasserentnahme w\u00e4re dann eine Steuerung des weiteren Flutungsverlaufes m\u00f6glich.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des Projektes wurden auf dem 3. Treffen des Arbeitskreises Bergbaufolgelandschaften der Gesellschaft f\u00fcr Geowissenschaften e.V. am 25.04.1997 in Oelsnitz vor mehr als 120 Fachleuten aus der Kommunalverwaltung, von Beh\u00f6rden, Institutionen, Hochschulen und Firmen vorgestellt und diskutiert. Eine zusammenfassende Darstellung wurde im Exkursionsf\u00fchrer Folgeerscheinungen des Steinkohlenbergbaus im Raum Zwickau-Oelsnitz (Hrsg.: H. BRAUSE) ver\u00f6ffentlicht.<br \/>\nMit der Stadtverwaltung Oelsnitz werden gegenw\u00e4rtig Folgema\u00dfnahmen auf dem Gebiet der Bergschadensbewertung und der Schaffung von Beobachtungspegeln er\u00f6rtert.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Der vorliegende Bericht soll den Kommunen im Steinkohlenbergbaugebiet Lugau-Oelsnitz dazu dienen, gegenw\u00e4rtig ablaufende und k\u00fcnftig zu erwartende Prozesse, die im Zusammenhang mit der Einstellung des Bergbaus stehen, objektiv beurteilen und bei der L\u00f6sung ihrer Verwaltungs- und Planungsaufgaben ber\u00fccksichtigen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Vordergrund steht dabei die Betrachtungsweise, da\u00df die im Rahmen der Datenrecherche ermittelten Fakten den einzelnen Etappen der bergbaulichen T\u00e4tigkeit zugeordnet und die umwelt- und infrasrukturrelevanten Wirkungen f\u00fcr das gesamte Untersuchungsgebiet herausgearbeitet wurden. Es wurde versucht, Informationsdefizite durch eigene Untersuchungen zu kompensieren. Zur Beseitigung bisher noch bestehender Informationsdefizite wurden entsprechende Ma\u00dfnahmen vorgeschlagen. Diese Vorgehensweise ist sowohl auf andere ehemalige Bergbaugebiete als auch auf andere Regionen mit infrastrukturellen Entwicklungsproblemen \u00fcbertragbar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel des Vorhabens ist die Erarbeitung einer Prognose zum zeitlichen Verlauf der Flutung der Bergbauhohlr\u00e4ume des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenbergbaus und der Erarbeitung von Ma\u00dfnahmen zu ihrer \u00dcberwachung. Es werden die m\u00f6glichen Auswirkungen der Grundwasser-Wiederanstieges nach Abschlu\u00df der Flutung abgesch\u00e4tzt. 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