{"id":18213,"date":"2023-07-13T15:13:37","date_gmt":"2023-07-13T13:13:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/09965-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:13:40","modified_gmt":"2023-07-13T13:13:40","slug":"09965-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/09965-01\/","title":{"rendered":"\u00d6ko-Effizienz und \u00d6ko-Effektivit\u00e4t in der mittelst\u00e4ndischen Unternehmenspraxis"},"content":{"rendered":"<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm theoretischen Teil (Kap. 2 &#8211; 5) wird zun\u00e4chst der Begriff der Umweltleistung gekl\u00e4rt. Dabei wird einerseits auf bestehende Normen, Richtlinien (EMAS, ISO 14031, EGT) Bezug genommen, andererseits als Ma\u00dfstab das globale Oberziel eines sustainable development herangezogen. Von Umweltleistung zu sprechen ist deshalb schon problematisch, da Menschen und von Menschen geschaffene Organisationsformen wie Unternehmen zuallererst und st\u00e4ndig Leistungen der Natur in Anspruch nehmen, die wiederum umgewandelt werden zu wirklichen oder vermeintlichen Nutzenstiftungen f\u00fcr den Menschen. Sieht man die urspr\u00fcngliche Wertsch\u00f6pfungsgrundlage in der nat\u00fcrlichen Natur (Altner) und nicht in Unternehmen, dann hei\u00dft Umweltleistung, da\u00df der Naturkapitalstock erhalten bleibt oder sogar gest\u00e4rkt bzw. revitalisiert wird, da\u00df die vorhandenen Umweltbelastungen absolut reduziert werden und ein m\u00f6glichst geschlossener Stoffkreislauf mit der Natur erreicht wird. \u00d6konomie ist nach diesem Verst\u00e4ndnis nicht nur monet\u00e4r, sondern physisch und philosophisch zu erkl\u00e4ren, sie ist langfristig angelegt und nicht allein erwerbswirtschaftlich, sondern auch selbstversorgend, nicht beherrschend, sondern eingeordnet in kulturelle Vielfalt und verbunden mit einem nachhaltigen Lebensstil. M.a.W. l\u00e4\u00dft sich ein Urteil \u00fcber die Umweltleistung nicht abgeben ohne die Kl\u00e4rung der Wertgrundlagen unterschiedlicher \u00d6konomieverst\u00e4ndnisse, wof\u00fcr aktuell insbesondere die Gegen\u00fcberstellung des herrschenden mainstreams Neoklassik\/Neoliberalismus auf der einen Seite  mit der aufkeimenden \u00f6kologischen \u00d6konomik auf der anderen Seite interessiert. Da wir nur in der letzteren eine zukunftsf\u00e4hige Alternative der Wirtschaftsordnung erkennen, leiten wir daraus den Begriff der Umweltleistung (Kap.2) ab und entwickeln daraus im folgenden (Kap.3) zumindest die Konturen einer Theorie des Nachhaltigen Unternehmens. Damit eng verbunden sind nat\u00fcrlich Fragestellungen \u00fcber die Beweggr\u00fcnde umweltverantwortlichen Handelns, die an der gegenw\u00e4rtigen Situation und den Perspektiven einer zukunftsf\u00e4higen Entwicklung zu relativieren sind.  Es folgt daraus, da\u00df Unternehmen aktiv Spielr\u00e4ume zur Umweltverbesserung haben, aber st\u00e4rker als bisher stratetgische Potenziale ausloten m\u00fcssen und sich als strukturpolitische Akteure (Schneidewind)  verstehen. \u00d6ko-Effektivit\u00e4t kann nur aus dieser Weiterentwicklung des Unternehmens zu einer systemisch-nutzenstiftenden Organisation entstehen im der dringend notwendigen Ausgestaltung einer sozial\u00f6kologischen Marktwirtschaft haben. Die Realisierung von \u00d6ko-Effektivit\u00e4t ist i.d.R. mit systemischen, funktionalen Optimierungen verbunden, die strategischen Mut, Weitblick und Kooperationsf\u00e4higkeit mit Umweltpartnern erfordert. Selbstverst\u00e4ndlich geh\u00f6rt dazu auch die Produktlinienverantwortlichkeit und ein kritisches, mit einer breiten \u00d6ffentlichkeit diskutiertes Bewu\u00dftsein \u00fcber die Universalisierbarkeit von Bed\u00fcrfnissen und die langfristige Tragf\u00e4higkeit des jeweiligen Produktionsprogramms. In diesem Zusammenhang ist die Integration des Ziels Umweltleistung in AGENDA 21-Prozesse unabdingbar.<br \/>\nDas im Forschungsprojekt entwickelte Bepunktungsmodell f\u00fcr Umweltleistung trifft sich zum Zeitpunkt seiner  Ver\u00f6ffentlichung interessanterweise mit dem Bepunktungsmodell des Umweltbundesamtes (DUX), das 6 Umweltbereiche mit max. 6000 Umweltpunkte benotet. Es ist denkbar, da\u00df unser Verfahren mit dieser Betrachtungsweise kompatibel ist, wozu weitere Forschungsarbeiten geleistet werden sollten. In jedem Falle dient unser Instrumentarium dem st\u00e4rkeren micro-macro-link, wie er jeder nationalen Umweltzielplanung (analog dem niederl\u00e4ndischen Vorbild) zugrunde liegen sollte.<br \/>\nDas von uns entwickelte Instrumentarium hebt also sowohl die (nach ISO 14000 oder EMAS) organisierten Umweltmanagementsysteme auf die strategische Stufe der Nachhaltigkeit (ohne die Verzahnung mit der operativen Entscheidungsebene auszublenden) und bildet eine Br\u00fcckenfunktion zwischen dem mikro\u00f6konomischen Bereich und der staatlichen Umweltpolitik, die verst\u00e4rkt auf indirekte Anreizfunktionen und freiwillige Vereinbarungen setzt. Zu bedenken ist dabei immer, da\u00df eine neue Balance zwischen \u00d6konomie, \u00d6kologie und Sozialem\/Kulturellem gefunden werden mu\u00df, die derzeit weit \u00fcberzogen zugunsten finanz\u00f6konomischer, kurzfristiger Kalk\u00fcle ausf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Mit den 5 Referenzbetrieben ist in enger Kooperation sowohl der Kriterienkatalog Managementpotenzial als auch das Umweltkennzahlensystem abgestimmt worden. Am weitesten konnten beide Bewertungsfelder (enablers + results) bei der Neumarkter Lammsbr\u00e4u bepunktet werden. Die Brauereibranche verf\u00fcgt bereits traditionell \u00fcber umfangreiche Kennzahlenstatistiken, die allerdings f\u00fcr unsere Zwecke neu aufbereitet werden mu\u00dften und z.T. nur bedingt brauchbar waren. Dennoch konnte hier \u00fcber benchmarks und Umweltziele eine recht weitgehende Bewertung durchgef\u00fchrt werden. Schwieriger gestalteten sich Erhebung und Auswertung im Mineralwasserbereich und Hausbau. Dazu kam, da\u00df die Fa. Graf Holzbausysteme erst vor kurzem gegr\u00fcndet wurde, im Aufbau befindlich ist und naturgem\u00e4\u00df noch kein ausgereiftes Umweltkennzahlensystem vorweisen kann. Hier wurde im Rahmen des Forschungsprojekts zus\u00e4tzliche Entwicklungsarbeit f\u00fcr ein funktionierendes Umweltmanagement geleistet. Allen 5 Betrieben wurden jedenfalls der Abschlu\u00dfbericht als hardcopy, das Bepunktungsmodell und die Ergebnisse in Form einer CD zur Verf\u00fcgung gestellt mit dem Angebot der weiteren Betreuung und Unterst\u00fctzung in den Anstrengungen zu einer glaubw\u00fcrdigen dauerhaften Umweltleistung.<br \/>\nAm Ende des Forschungsprojekts wurde deutlich, da\u00df Unternehmen durchaus in der Lage sind, weitgehende Anspr\u00fcche der Umweltleistung zu erf\u00fcllen. Aus diesem Grunde wurden auch Pionierunternehmen bewu\u00dft ausgew\u00e4hlt. Das schlie\u00dft aber keineswegs die Teilnahme anderer, noch am Anfang der Umweltaktivit\u00e4ten stehender Betriebe, aus. Im Gegenteil kann es sehr befruchtend sein, anhand eines benchmarking unterschiedliche St\u00e4rken und Schw\u00e4chen der Umweltleistung miteinander zu vergleichen, sich anzuspornen zu einer kontinuierlichen Verbesserung und  zu einer dauerhaften Umweltvertr\u00e4glichkeit hochzuschrauben.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>Die Projektergebnisse wurden den Referenzbetrieben vorgestellt und ebenfalls das Bewertungsmodell mithilfe einer Notebook-Pr\u00e4sentation erkl\u00e4rt. Die Betriebe sahen darin sowohl die M\u00f6glichkeit der Verbesserung des internen \u00d6ko-Controlling als auch die Erweiterung ihrer Umweltberichterstattung in Richtung Nachhaltigkeitsbericht. Das Forschungsprojekt wurde au\u00dferdem bereits vorgestellt im Rahmen der Initiative der Stadt N\u00fcrnberg Coup 21- f\u00fcr nachhaltiges Wirtschaften, an der sich verschiedene Unternehmen in Arbeitskreisen beteiligen. Es wurde auch pr\u00e4sentiert beim Wissens- und Technologie-Transfertag der Fachhochschule N\u00fcrnberg am 5. Mai 2000. Exemplare des Abschlu\u00dfberichts  wurden u.a. versandt an die Landesgewerbeanstalt Bayern (an eine Assessorin von EFQM), die mit der Br\u00fcsseler Zentrale Kontakt aufnehmen will sowie an das Wuppertal-Institut (den Leiter der Deutschen Delegation im subcomittee 4 des TC 207 der ISO). \u00dcber das Institut f\u00fcr \u00f6kologische Wirtschaftsforschung (I\u00d6W) als wesentlichen Kooperationspartner flie\u00dfen die Ergebnisse in den NAGUS-Arbeitsausschu\u00df 5 zur Umweltleistungsbewertung ein.<br \/>\nEine Ver\u00f6ffentlichung in Buchform ist sowohl im deutschsprachigen und als auch anglos\u00e4chsischen Raum geplant. Kontakte mit englischen Verlagen wurden bereits in die Wege geleitet. Einige unserer ausl\u00e4ndischen Partnerhochschulen sind an den Ergebnissen in englischer Sprache ebenfalls sehr interessiert. Eine Kurzfassung der Resultate wird derzeit verschiedenen Verbandszeitschriften und Fachverlagen angeboten.<br \/>\nAn den Ergebnissen hat eine Reihe von Unternehmen, Institutionen, Gremien etc. Interesse bekundet, u.a.:<br \/>\n&#8211;\tEFQM (Weiterentwicklung des Selbstbewertungsmodells zu einem Quality and Sustainabililty-Award)<br \/>\n&#8211;\tISO 14031 Gremien (Konkretisierung der Definition und Beurteilung der Umweltleistung)<br \/>\n&#8211;\tEMAS 2\/3 -Gremien (Konkretisierung der kontinuierlichen Verbesserung im Rahmen von Revalidie-rungen)<br \/>\n&#8211;\tUmweltgutachter\/-berater<br \/>\n&#8211;\tdie Deutsche Akkreditierungsgesellschaft f\u00fcr Umweltgutachter (DAU) (zur \u00dcberarbeitung ihrer Pr\u00fcfkriterien, Auswahl- und Kontrollverfahren)<br \/>\n&#8211;\tVerb\u00e4nde (z.B. Mineralwasser-, Brauereiverband)<br \/>\n&#8211;\tHochschulen, Bildungseinrichtungen<br \/>\n&#8211;\tKapitalanlagegesellschaften, Rating- und Ranking-Agenturen<br \/>\n&#8211;\tstaatliche Stellen (zur F\u00f6rderung der konstruktiven Zusammenarbeit mit Unternehmen in der Umweltzielplanung und -kontrolle)<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Im Verlaufe des Forschungsprojektes wurden Methoden und Instrumente entwickelt, die vornehmlich Unternehmen der Getr\u00e4nke- und Hausbaubranche in die Lage versetzen, ihrer Umweltleistung auf das Ziel des sustainable development hin zu \u00fcberpr\u00fcfen und kontinuierliche Verbesserungsma\u00dfnahmen zur Steigerung der Umweltleistung zu ergreifen. Weitere Untersuchungen sollten sich anschlie\u00dfen, um auch anderen Branchen Hilfestellung zu einer anspruchsvollen Selbstbewertung zu geben.<br \/>\nAnhand der 5 untersuchten Referenzbetriebe konnte (wenngleich noch mit etlichen Informationsl\u00fccken) der Nachweis erbracht werden, da\u00df Klein- und Mittelst\u00e4ndische Unternehmen trotz starkem Wettbewerbsdruck zu einer hohen Umweltleistung f\u00e4hig sind &#8211; allerdings sollten sie sich st\u00e4rker in Netzwerken zusammenschlie\u00dfen und im Interesse ihrer erbrachten Vorleistungen auf eine \u00c4nderung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen dr\u00e4ngen. Das gilt f\u00fcr alle Unternehmen, die ein Interesse an der dringend notwendigen Ausgestaltung einer sozial-\u00f6kologischen Marktwirtschaft haben. Die Realisierung von \u00d6ko-Effektivit\u00e4t ist i.d.R. mit systemischen, funktionalen Optimierungen verbunden, die strategischen Mut, Weitblick und Kooperationsf\u00e4higkeit mit Umweltpartnern erfordert. Selbstverst\u00e4ndlich geh\u00f6rt dazu auch die Produktlinienverantwortlichkeit und ein kritisches, mit einer breiten \u00d6ffentlichkeit diskutiertes Bewu\u00dftsein \u00fcber die Universalisierbarkeit von Bed\u00fcrfnissen und die langfristige Tragf\u00e4higkeit des jeweiligen Produktionsprogramms. In diesem Zusammenhang ist die Integration des Ziels Umweltleistung in AGENDA 21-Prozesse unabdingbar.<br \/>\nDas im Forschungsprojekt entwickelte Bepunktungsmodell f\u00fcr Umweltleistung trifft sich zum Zeitpunkt seiner  Ver\u00f6ffentlichung interessanterweise mit dem Bepunktungsmodell des Umweltbundesamtes (DUX), das 6 Umweltbereiche mit max. 6000 Umweltpunkte benotet. Es ist denkbar, da\u00df unser Verfahren mit dieser Betrachtungsweise kompatibel ist, wozu weitere Forschungsarbeiten geleistet werden sollten. In jedem Falle dient unser Instrumentarium dem st\u00e4rkeren micro-macro-link, wie er jeder nationalen Umweltzielplanung (analog dem niederl\u00e4ndischen Vorbild) zugrunde liegen sollte.<br \/>\nDas von uns entwickelte Instrumentarium hebt also sowohl die (nach ISO 14000 oder EMAS) organisierten Umweltmanagementsysteme auf die strategische Stufe der Nachhaltigkeit (ohne die Verzahnung mit der operativen Entscheidungsebene auszublenden) und bildet eine Br\u00fcckenfunktion zwischen dem mikro\u00f6konomischen Bereich und der staatlichen Umweltpolitik, die verst\u00e4rkt auf indirekte Anreizfunktionen und freiwillige Vereinbarungen setzt. Zu bedenken ist dabei immer, da\u00df eine neue Balance zwischen \u00d6konomie, \u00d6kologie und Sozialem\/Kulturellem gefunden werden mu\u00df, die derzeit weit \u00fcberzogen zugunsten finanz\u00f6konomischer, kurzfristiger Kalk\u00fcle ausf\u00e4llt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIm theoretischen Teil (Kap. 2 &#8211; 5) wird zun\u00e4chst der Begriff der Umweltleistung gekl\u00e4rt. Dabei wird einerseits auf bestehende Normen, Richtlinien (EMAS, ISO 14031, EGT) Bezug genommen, andererseits als Ma\u00dfstab das globale Oberziel eines sustainable development herangezogen. 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