{"id":18176,"date":"2024-12-19T10:32:03","date_gmt":"2024-12-19T09:32:03","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/11818-01\/"},"modified":"2024-12-19T10:32:04","modified_gmt":"2024-12-19T09:32:04","slug":"11818-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/11818-01\/","title":{"rendered":"Naturtextilien aus Nessel &#8211; innovative Technologie- und Produktentwicklung f\u00fcr die Textilindustrie"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Ziel des Projektes war es, \u00fcber die Nesselfasergewinnung und deren Verarbeitung Bekleidungstextilien mit neuartigen Eigenschaftskombinationen zu entwickeln, die dem Anspruch an Qualit\u00e4t, Gebrauchseigenschaften, \u00f6kologischem Bewusstsein und Wirtschaftlichkeit in der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette gen\u00fcgen. Die aus Sicht der Antragsteller gegebene Notwendigkeit der Projektbearbeitung ergab sich aus<br \/>\n&#8211;\tdem zunehmenden Interesse der Verbraucher an Bekleidungstextilien aus Naturfasern<br \/>\n&#8211;\tder Notwendigkeit, Verbraucherinteressen immer besser durch Textilien guter bekleidungsphysiologischer Eigenschaften gepaart mit modisch kreativen Ideen, zu befriedigen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAusgehend vom Fasernesselanbau, auch unter Bedingungen des \u00f6kologischen Landbaus, lag ein Schwerpunkt bei der Projektbearbeitung in der Optimierung des mechanischen Faseraufschlusses und einer Technologieentwicklung bis zur textil verwertbaren Einzelfaser. Garn- und Gewebeherstellung aus Mischungen mit weiteren cellulosischen Faserstoffen bildeten die Grundlage f\u00fcr f\u00e4rberei- und veredlungsseitige Entwicklungen in Optik und Haptik neuer Stoffe. Deren Eignung in Verarbeitung und Gebrauch von Bekleidungstextilien wurde letztlich durch Auflage einer Berufs- und Freizeitkollektion nachgewiesen.<br \/>\nAnbau und Verarbeitung von Nesselfasern k\u00f6nnen in der Bundesrepublik einen Beitrag zur Umweltentlastung leisten, wenn bei einer ganzheitlichen Betrachtung der Wertsch\u00f6pfungskette in Landwirtschaft und verarbeitender Industrie \u00f6kologisch vertretbare Verfahren die Basis der Verwertung bilden. Das Projekt erbrachte durchg\u00e4ngig den Nachweis der Anwendbarkeit derartiger Verfahren und Prozesse zur Erzielung hochwertiger textiler Eigenschaften.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>In dem vorliegendem Modellprojekt gelang es, bei Anwendung und Anpassung des heutigen Standes der Technik, in enger Zusammenarbeit von 3 wissenschaftlichen Einrichtungen und 2 kmU, \u00fcber den Anbau der Fasernessel und deren Gewinnung sowie ihrer textilen Weiterverarbeitung qualitativ hochwertige Bekleidungs- und Heimtextilien zu entwickeln. Bei der ganzheitlichen Entwicklung vom Anbau der Fasernessel \u00fcber die Untersuchung geeigneter textiler Verarbeitungs- und Veredlungsmethoden bis zur Konfektion fertiger Textilien lag der Schwerpunkt auf umwelt- und gesundheitsfreundlichen Verfahren.<br \/>\nEntscheidend f\u00fcr eine wirtschaftliche Produktion von Faserpflanzen ist eine maximale  Faserausbeute. Am Institut f\u00fcr Angewandte Botanik der Universit\u00e4t Hamburg konnten durch Auslese 10 neue Sorten mit guter W\u00fcchsigkeit und Fasergehalten von 12 &#8211; 16 % in das dortige Fasernessel-Sortiment aufgenommen werden. Trotzdem w\u00e4ren weitere z\u00fcchterische Untersuchungen notwendig, denn mit einem Reinfaserer-trag von max. 425 kg\/ha k\u00f6nnen Fasernesseln nicht mit anderen Faserpflanzen, wie Hanf (in Th\u00fcringen 2t\/ha nach T. Graf und A. Vetter: Symposium Werkstoffe aus Nachwachsenden Rohstoffen Sept. 2003 Erfurt) mithalten.<br \/>\nMit verbesserten und teilweise neuartigen N\u00e4hrstoffkombinationen im \u00f6kologischen Landbau wurde am Institut f\u00fcr Pflanzenbau und Pflanzenz\u00fcchtung G\u00f6ttingen versucht, den Bed\u00fcrfnissen der Fasernessel zu entsprechen. Die Arbeiten wurden unter dem Gesichtspunkt durchgef\u00fchrt, dass der \u00f6kologische Landbau durch seine im Hinblick auf den Ressourceneinsatz teilweise extensive Wirtschaftsweise g\u00fcnstige Voraussetzungen f\u00fcr eine umweltgerechte Erzeugung bietet. Andererseits k\u00f6nnen durch die \u00f6kologische Produktionsweise auf dem Markt h\u00f6here Preise erzielt werden, wodurch die geringeren Ertragsleistungen im Anbau m\u00f6glicherweise kompensiert werden k\u00f6nnen. Dies gilt auch f\u00fcr Bekleidungstextilien aus kontrolliert biologisch angebauten Rohstoffen.<br \/>\nTrotz der stark unterschiedlichen Nesselchargen aus verschiedenen Anbaujahren und D\u00fcngeversuchen konnte mit dem im TITK praktizierten Aufschlussverfahren mittels vorhandener Technik ein Fasermaterial gewonnen werden, welches f\u00fcr die weitere textile Verarbeitung geeignet war. Von Nachteil derzeitiger mechanischer Aufschlussverfahren ist die schlechte Trennung der Holzanteile von den Fasern, was zum einen hohe Aufwendungen beim Nassaufschluss als auch bei der Faserreinigung vor der Garnherstellung erforderte. Sowohl die Gewebeherstellung als auch Veredlung und Konfektion der Nessel-Lyocell-Mischungen erfolgten als Mustermaterialien, aber unter industriellen Bedingungen. Obwohl hier von allen Projektpartnern Neuland beschritten wurde, gelang es, bei Anwendung \u00f6kologischer Verarbeitungstechnologien und dem Erhalt des Naturfasercharakters der Nesselfaser qualitativ hochwertige Textilien herzustellen. Eine zuk\u00fcnftige Vermarktung solcher Textilien wird als positiv eingesch\u00e4tzt.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>&#8211;\t07-10\/2000: bei der Agri 21 Expo Hannover (Poster und Exponat)<br \/>\n&#8211;\tJuli 2001: beim Forschungsseminar Uni Hamburg (Poster)<br \/>\n&#8211;\tOkt. 2001: bei der Biotechnica Hannover (Poster und Exponate)<br \/>\n&#8211;\tM\u00e4rz 2003: Modenschau mit Modellen aus Fasernessel bei einer Fachtagung der FNR in T\u00fcbingen gemeinsam mit dem Stoffhaus W&#038;S Textil Berlin<br \/>\n&#8211;\t Dreyling, G.: Die Fasernessel, eine wiederentdeckte alte Kulturpflanze, UWSF-Zumweltchem \u00d6ko-tox 13, 2001<br \/>\n&#8211;\tLehne, P., Schmidtke, K., Rauber, R. 2001: Blattfall von Fasernessel bei unterschiedlicher N\u00e4hrstoffversorgung, Mitteilungen der Gesellschaft f\u00fcr Pflanzenbauwissenschaften 13, 156-157<br \/>\n&#8211;\tLehne, P., Schmidtke, K., Rauber, R. 2001: Ertrag von Fasernessel im \u00f6kologischen Landbau. Mitteilungen der Gesellschaft f\u00fcr Pflanzenbauwissenschaften 13, 158-159<br \/>\n&#8211;\tWeitere Ver\u00f6ffentlichung in Arbeit<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Das Projekt konnte die Frage nach einer industriellen Nutzbarkeit der Fasernessel f\u00fcr textile Anwendungen grunds\u00e4tzlich positiv beantworten. Trotzdem bleiben eine Reihe von Fragen offen.<br \/>\nEine Wiederbelebung der Fasernessel h\u00e4ngt zun\u00e4chst von der Wirtschaftlichkeit des Anbaus und der Ernte ab, aber auch von den technischen Voraussetzungen, die f\u00fcr einen qualitativ hochwertigen Aufschluss der Fasernessel f\u00fcr textile Einsatzgebiete notwendig sind. Hier w\u00e4ren f\u00fcr eine industrielle Umsetzung weitere Untersuchungen notwendig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Ziel des Projektes war es, \u00fcber die Nesselfasergewinnung und deren Verarbeitung Bekleidungstextilien mit neuartigen Eigenschaftskombinationen zu entwickeln, die dem Anspruch an Qualit\u00e4t, Gebrauchseigenschaften, \u00f6kologischem Bewusstsein und Wirtschaftlichkeit in der gesamten Wertsch\u00f6pfungskette gen\u00fcgen. 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