{"id":17966,"date":"2023-07-13T15:14:36","date_gmt":"2023-07-13T13:14:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/11326-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:14:37","modified_gmt":"2023-07-13T13:14:37","slug":"11326-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/11326-01\/","title":{"rendered":"Umweltentlastung durch Niederflur-G\u00fcterstra\u00dfenbahnen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die Entwicklung des innerst\u00e4dtischen Lade- und Lieferverkehrs wird durch steigendes Mengenwachstum bei kleineren Sendungsgr\u00f6\u00dfen, gegenseitige Behinderung von Liefer- und Berufsverkehr sowie Belastungen durch L\u00e4rm und Schadstoffemissionen des LKW-Verkehrs zunehmend problematischer. Die Verlagerung der Ver- und Entsorgung von Einzelhandel und Dienstleistungsgewerbe auf umweltfreundliche Verkehrsmittel kann hierzu eine Alternative bieten. Die mit Stra\u00dfenbahnlinien gut erschlossene Erfurter Fu\u00dfg\u00e4ngerzone sowie die Niederflur-Stra\u00dfenbahnen der EVAG bieten hierf\u00fcr gute Voraussetzungen. Zielstellung des Projektes war es, die konkreten Umsetzungsm\u00f6glichkeiten einer Niederflur-G\u00fcterstra\u00dfenbahn in Erfurt im Hinblick auf tech-nische Anforderungen, Betriebskonzept, Wirtschaftlichkeit und soziale Akzeptanz zu untersuchen und ggf. zu modifizieren.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZu Projektbeginn wurden folgende Arbeitsschritte durchgef\u00fchrt: Erfahrungen mit G\u00fcterstra\u00dfenbahnen und \u00e4hnlichen Projekten wurden mittels Literaturrecherche \u00fcber historische Projekte und j\u00fcngere Neuplanungen sowie durch ExpertInnengespr\u00e4che aufgearbeitet. Die technisch-organisatorische Machbarkeit hinsichtlich des Einzugsgebietes wurde mittels Begehungen vor Ort, Erfassung geeigneter Einzelhandelsgesch\u00e4fte und Dienstleistungsunternehmen sowie ExpertInnengespr\u00e4che gepr\u00fcft. Die Pr\u00fcfung der technisch-organisatorischen Machbarkeit hinsichtlich der technischen Anforderungen wurde im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsvertrages vom Institut f\u00fcr Kraftfahrwesen Aachen bearbeitet. Bislang ist eine Nutzung von Stra\u00dfenbahnen mit Niederflur-Technik (die zeitversetzt auch im \u00d6PNV einsetzbar sein sollen) f\u00fcr G\u00fctertransporte bundesweit noch nicht erprobt. Die Entwicklung des Betriebskonzeptes verlief \u00fcber fast den gesamten Projektzeitraum. Beginnend mit der Ausarbeitung von Konzeptalternativen wurden diese nach der Durchf\u00fchrung von ExpertInnengespr\u00e4chen zu einem provisorischen Betriebskonzept weiterentwickelt; die Endfassung konnte erst nach Vorliegen der Wirtschaftlichkeits- und der Akzeptanzanalyse fertiggestellt werden. Die Wirtschaftlichkeitsanalyse wurde, ausgehend von und in Auseinandersetzung mit dem Betriebskonzept, mittels m\u00fcndlichen Informationen und gewerblichen Prospekten erstellt. Die Besch\u00e4ftigungsfolgen wurden auf Grundlage von Literaturrecherche, ExpertInnengespr\u00e4chen und auf Basis des Betriebskonzeptes abgesch\u00e4tzt. F\u00fcr die Akzeptanzuntersuchung schlie\u00dflich wurden eine Vielzahl an ExpertInnengespr\u00e4chen, drei schriftliche Befragungen und eine \u00f6ffentliche Veranstaltung durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Zur Erreichung der gesetzten Ziele: Die technisch-organisatorische Machbarkeit einer G\u00fcterstra\u00dfenbahn f\u00fcr Erfurt kann im Grundsatz bejaht werden. Dabei wurde allerdings von der urspr\u00fcnglich im Antrag favorisierten Idee Abstand genommen, die Gesch\u00e4fte nachts zu beliefern, da dies zu einer zeitlichen Verz\u00f6gerung von einem Tag f\u00fchren w\u00fcrde, die weder von den Transportunternehmen noch vom Einzelhandel akzeptiert w\u00fcrde. Alternativ wurde ein Betriebskonzept entwickelt, wonach die von den Transportunternehmen fr\u00fchmorgens angelieferten und auf Rollcontainer verladenen G\u00fcter per Stra\u00dfenbahn bis zu einer zentralen Warenschleuse in der Innenstadt transportiert werden. Von dort aus werden die Rollcontainer zu den Gesch\u00e4ften und Dienstleistungsunternehmen geschoben bzw. je nach Entfernung mit einem umweltfreundlichen Mobil (z.B. Elektromobil) verbracht. Anliefer- und Entsorgungsvorg\u00e4nge werden dabei gekoppelt. Die technische Machbarkeit eines G\u00fctertransportes per Stra\u00dfenbahn wurde gepr\u00fcft und unter Beachtung definierter Ausgestaltungskriterien an die Rollcontainer und die Stra\u00dfenbahn, Typ Combino, (Gewicht, Befestigung etc.) sowie mit Verweis auf eine erforderliche praktische Erprobung best\u00e4tigt. Einige Fragen erscheinen problematisch, wenn auch nicht unl\u00f6sbar: Z.B. m\u00fcsste bei palettierter Ware die Aufhebung des Vereinzelungsverbotes vereinbart sowie Software bereitgestellt werden, die mit den Lieferdaten der Transportunternehmen kompatibel ist und bei diesen das Vorhandensein von Sendungsverfolgungssystemen voraussetzt. Ein kritischer Punkt ist die Integration der Entsorgung, da sie in der Innenstadt fl\u00e4chendeckend erfolgen m\u00fcsste, um eine Kooperation f\u00fcr die Stadtwirtschaft lohnenswert zu machen. Das entscheidende Problem des Gesamtkonzeptes aber liegt in der fehlenden Wirtschaftlichkeit. Eine Sensitivit\u00e4tsanalyse ergab zwar eine m\u00f6gliche Deckung der Betriebskosten und Ab-schreibungen, jedoch unter kaum realisierbaren Annahmen und ohne Erwirtschaftung von Kapitalverzinsung sowie Tilgung und Zinsleistung der Anfangsinvestition. Die Besch\u00e4ftigungsfolgenabsch\u00e4tzung verdeutlichte einen Zielkonflikt zwischen einer besch\u00e4ftigungsfreundlichen Ausgestaltung des Betriebskonzeptes und bestehenden betriebswirtschaftlichen Erfordernissen, die jedoch unbedingte Voraussetzung sind. Im Ergebnis k\u00f6nnen mehrheitlich nur &#8211; auch bei tariflicher Entlohnung &#8211; nicht Existenz sichernde Teilzeitarbeitsverh\u00e4ltnisse geschaffen werden. Vollzeitarbeitsverh\u00e4ltnisse w\u00e4ren nur m\u00f6glich, wenn die Betreibergesellschaft auf weiteren Gesch\u00e4ftsfeldern t\u00e4tig w\u00e4re, in denen die Besch\u00e4ftigten nach stundenweisem Einsatz bei der G\u00fcterstra\u00dfenbahn zus\u00e4tzlich integriert w\u00e4ren &#8211; wie im Falle der Erfurter Verkehrsbetriebe (EVAG), die die Stra\u00dfenbahnfahrerInnen stundenweise f\u00fcr die G\u00fcterstra\u00dfenbahn und ansonsten im \u00d6PNV einsetzen k\u00f6nnte. Die Akzeptanzanalyse ergab positive Resonanz bei der Bev\u00f6lkerung und im Einzelhandel und Dienstleistungsgewerbe, wenn auch dort einige Folgeprobleme zu erwarten sind. Bei den entscheidenden Kooperationspartnern, den Transportunternehmen und der EVAG, stie\u00df die Projektidee dagegen kaum auf Akzeptanz. Zur potentiellen Umweltentlastung: In ExpertInnengespr\u00e4chen wurde best\u00e4tigt, dass eine Minderung des KFZ gebundenen Wirtschaftsverkehrs, v.a. des LKW-Verkehrs, f\u00fcr die Wohn- und Einkaufsattraktivit\u00e4t der Erfurter Innenstadt sinnvoll sei. Insbesondere Fu\u00dfg\u00e4ngerInnen w\u00fcrden durch LKW-Verkehr behindert, was durch eine schriftliche Befragung best\u00e4tigt wurde. Eine ma\u00dfgebliche Minderung der vom Lieferverkehr erzeugten Emissionen ist jedoch nicht anzunehmen, da die Transportkapazit\u00e4t im entwickelten Minimalkonzept lediglich dem Liefervolumen von 2 &#8211; 3 Kraftfahrzeugen entspricht. Zum Arbeits-, Zeit- und Kostenplan: Der Arbeits- und Zeitplan wurde im Wesentlichen eingehalten. Einige Arbeitsschritte wurden zeitlich versetzt, so wurde die Erarbeitung des Betriebskonzeptes und der Akzeptanzanalyse vorgezogen und zeitlich gestreckt, die Besch\u00e4ftigungsfolgenabsch\u00e4t-zung erfolgte in einem nach hinten verlagerten Zeitraum. Methodische Modifikationen im Arbeitsfeld Akzeptanzuntersuchung wurden nach Absprache vorgenommen. Zwei Aufgaben stie\u00dfen auf Probleme: Interviews mit Besch\u00e4ftigten von Transportunternehmen konnten wegen fehlender Zugangsm\u00f6glichkeiten nicht gef\u00fchrt werden und die Durchf\u00fchrung \u00f6ffentlicher Veranstaltungen musste wegen sehr geringer Teilnahme auf eine reduziert werden. Die Kosten f\u00fcr das Projekt liegen im Wesentlichen im geplanten Bereich. Der Planansatz wurde um ca. 1.580 DM \u00fcberschritten, was haupts\u00e4chlich auf die tarifliche Entwicklung bei den Personalkosten zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>F\u00fcr die ExpertInnengespr\u00e4che und zur Pr\u00e4sentation auf thematisch verwandten \u00f6ffentlichen Veranstaltungen wurde Informationsmaterial erstellt sowie das Projekt auf Veranstaltungen der Stadt Erfurt im Rahmen der Lokalen Agenda 21 vorgestellt. Auf einer eigenen Veranstaltung wurde das Projekt n\u00e4her erl\u00e4utert. In einer Regionalzeitung erschien ein Artikel zum Projekt aufgrund eines gegebenen Interviews. Ein ausf\u00fchrlicher selbst erarbeiteter Artikel wurde in der Fachzeitschrift Der Nahverkehr abgedruckt. Geplant ist die Ver\u00f6ffentlichung der Studie sowie ein Workshop mit ParteienvertreterInnen, um die Projektergebnisse auch auf der politischen Ebene zu diskutieren.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Der Einsatz einer G\u00fcterstra\u00dfenbahn f\u00fcr den innerst\u00e4dtischen Verteilverkehr in Erfurt ist technisch und organisatorisch machbar, w\u00fcrde derzeit jedoch an fehlender Wirtschaftlichkeit und Akzeptanz scheitern. Zu diskutieren w\u00e4re, ob diese Hinderungsgr\u00fcnde ggf. durch politische Angebote und Rahmenbedingungen sowie durch Modifizierung des Projektansatzes ver\u00e4ndert werden k\u00f6nnten (z.B. Stra\u00dfenbahntransporte als Teil eines um-fassenderen City-Logistik-Konzeptes).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die Entwicklung des innerst\u00e4dtischen Lade- und Lieferverkehrs wird durch steigendes Mengenwachstum bei kleineren Sendungsgr\u00f6\u00dfen, gegenseitige Behinderung von Liefer- und Berufsverkehr sowie Belastungen durch L\u00e4rm und Schadstoffemissionen des LKW-Verkehrs zunehmend problematischer. Die Verlagerung der Ver- und Entsorgung von Einzelhandel und Dienstleistungsgewerbe auf umweltfreundliche Verkehrsmittel kann hierzu eine Alternative bieten. 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