{"id":17949,"date":"2023-07-13T15:14:22","date_gmt":"2023-07-13T13:14:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/10994-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:14:24","modified_gmt":"2023-07-13T13:14:24","slug":"10994-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/10994-01\/","title":{"rendered":"Umweltinformationsvermittlung und -beratung f\u00fcr Sp\u00e4taussiedler am Beispiel Abfallwirtschaft in der ehemals Britischen Siedlung in Belm"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Bei dem Zielgebiet handelt es sich um eine Siedlung mit ca. 70 Wohnungen, die durch eine stark verdichtete Bauweise mit 4- bis 8-geschossigen Wohngeb\u00e4uden charaktersiert ist. Die Siedlung ist einseitig zu \u00fcber 80% mit Sp\u00e4taussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion belegt und durch einen \u00fcberdurchschnittlich hohen Anteil an Arbeitslosen und Sozialhilfeempf\u00e4ngern gekennzeichnet. Hieraus resultiert insbesondere eine problematische abfallwirtschaftliche Situation.<br \/>\nHauptursache der derzeitigen Situation ist ein hohes Informationsdefizit in gro\u00dfen Teilen der Bewohnerschaft \u00fcber M\u00f6glichkeiten zur Vermeidung sowie der richtigen Sammlung und Sortierung von Abf\u00e4llen. Die Hauptanforderung im Zielgebiet besteht deshalb darin, durch ein innovatives und auf die Zielgruppe zugeschnittenens Kommunikations- und Informationskonzept das Umweltbewu\u00dftsein zu erh\u00f6hen und das Abfallverhalten der Bewohner zu verbessern.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Kommunikations- und Informationskonzept zeichnet sich dadurch aus, da\u00df es die Abfallwirtschaft im Untersuchungsgebiet nicht isoliert von den sozialen Aufgaben, der Integrationsthematik und der individuellen Infrastruktur des Stadtteils behandelt und einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt.<br \/>\nF\u00fcr die Aufgaben, die im Rahmen der Informationsarbeit und der abfallwirtschaftlichen T\u00e4tigkeiten zu leisten sind, werden deshalb (Langzeit-)Arbeitslose oder Sozialhilfeempf\u00e4nger aus dem Stadtteil in einer Besch\u00e4ftigungsma\u00dfnahme \u00fcber einen Personaltr\u00e4ger eingestellt.<br \/>\nDie Informationsarbeit st\u00fctzt sich im wesentlichen auf f\u00fcnf Kommunikationsmittel, die sowohl die direkte (Mieterversammlung, Hausbesuche, wohnblockbezogene Informationsst\u00e4nde) als auch die indirekte Bewohnerinformation (Information \u00fcber Multiplikatoren, allgemeine Informationsarbeit \u00fcber Presse\/Medien und Informationsbl\u00e4tter) umfassen. Insbesondere werden im Rahmen der Informationsarbeit Teilprojekte und Aktionen mit Kindern und Jugendlichen sowie mit Multiplikatoren durchgef\u00fchrt. Beispielsweise sollen \u00fcber gemeinsame Aktionen in und mit Kinderg\u00e4rten und Schulen im Rahmen der Umwelterziehung Informationen in die Familien transportiert werden.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, da\u00df die Zielsetzungen im Bereich der Abfallwirtschaft auf der Grundlage des Umsetzungskonzeptes im Untersuchungsgebiet realisiert werden konnten. Das vorgehaltene Containervolumen f\u00fcr Restm\u00fcll konnte um etwa 40% reduziert werden und das Volumen f\u00fcr die Fraktionen Leichtverpackungen und Papier\/Pappe\/Kartonagen konnte um 60% bzw. 80% gegen\u00fcber den Ausgangswerten erh\u00f6ht werden<br \/>\nDie Pilotversuche zur Einf\u00fchrung der Biotonne sowie der betreuten Gemeinschaftskompostierung sind ebenfalls sehr positiv verlaufen. Es werden nun mit 2,5 Litern Biom\u00fcll pro Person Werte erreicht, die denen in anderen Wohngebieten entsprechen. Dar\u00fcber hinaus kann die Sortierqualit\u00e4t der Abf\u00e4lle in den Kompoststiegen und den Biotonnen als sehr gut bezeichnet werden.<br \/>\nDie Resultate im Bereich der Abfallwirtschaft wie auch die Ergebnisse der Fragebogenaktionen best\u00e4tigen, da\u00df das angewandte Kommunikationskonzept zur Information der Bewohner erfolgreich gewesen ist. In Schwerpunktbereichen, wie der Sammlung und Sortierung von Leichtverpackungen bzw. Verpackungen mit dem Gr\u00fcnen Punkt sowie Sperrgut und Haushaltsgro\u00dfger\u00e4ten, konnten Informationsdefizite in erheblichem Umfang abgebaut werden und die Bewohner f\u00fcr ein ge\u00e4ndertes Entsorgungsverhalten sensibilisiert und motiviert werden.<br \/>\nDie enge Anbindung des Projektes bzw. der B\u00fcror\u00e4ume an die Beratungsstelle der Gemeinde Belm direkt im Projektgebiet, die sehr stark von den im Untersuchungsgebiet wohnhaften Sp\u00e4taussiedlern genutzt wird, in Verbindung mit der zu Projektbeginn breit angelegten Informationsarbeit \u00fcber Informationsst\u00e4nde, Arbeit mit Multiplikatoren (Hausmeister, aktive Mieter, Kinderbetreuung), Pressearbeit und Bewohnerinformation, \u00fcber Aush\u00e4nge, Plakate in den einzelnen Wohnbl\u00f6cken sowie die Verteilung von Informationsschreiben hat dazu beigetragen, da\u00df innerhalb kurzer Zeit ein breiter Bekanntheitsgrad des Projektes erreicht werden konnte.<br \/>\nZur \u00dcberwindung von Sprachbarrieren und Kontakt\u00e4ngsten hat es sich bew\u00e4hrt, Bewohner aus dem Untersuchungsgebiet als Mitarbeiter einzusetzen. Die Bereitschaft bei den russischen Sp\u00e4t-aus-sied-lern (80 % der Bewohnerschaft), sich einerseits informieren zu lassen und andererseits die Umsetzung abfallwirtschaftlicher Ma\u00dfnahmen zu unterst\u00fctzen, war dadurch auf breiter Basis vorhanden.<br \/>\nDie soziale Integration der Bewohner konnte aufgrund des Projektes ebenfalls gesteigert werden. Der Abbau von Informationsdefiziten erm\u00f6glichte es den Bewohnern, ihr Verhalten im Alltag entsprechend zu \u00e4ndern, wodurch insgesamt eine Verbesserung der Wohnumfeldsituation erreicht werden konnte. Letzteres f\u00fchrt zu einem ordentlicheren Erscheinungsbild und erh\u00f6ht dadurch die Akzeptanz des Wohngebietes nach au\u00dfen.<br \/>\nIm Hinblick auf die Fortf\u00fchrung des Projektes hat sich die enge Zusammenarbeit mit den Wohnungs- und Verwaltungsgesellschaften, insbesondere mit deren Hausmeister und Mitarbeiter vor Ort bew\u00e4hrt. Die Einbindung, Information und Motivation dieser Personengruppe ist von Bedeutung f\u00fcr die kontinuierliche Fortf\u00fchrung der eingef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen sowie f\u00fcr die Information von Nezuz\u00fcgen.<br \/>\nDie enge Zusammenarbeit mit den p\u00e4dagogischen Einrichtungen vor Ort (z.B. den Kinderg\u00e4rten und Schulen) hat gezeigt, das insbesondere Kindern und Jugendlichen eine nicht zu untersch\u00e4tzende Rolle als Multiplikator von Informationen zukommt. Positive Effekte auf das Bewohnerverhalten konnte durch die Kinder in ihrer Funktion als Mittler erreicht werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Die abfallwirtschaftliche Situation im Untersuchungsgebiet hat sich stark gebessert, sowohl hinsichtlich der Reduzierung der Restm\u00fcllmengen, als auch hinsichtlich der Quantit\u00e4t und Qualit\u00e4t der zu erfassenden Wertstoffmengen. Das Belmer Abfallberatungsprojekt hat gezeigt, da\u00df mit Hilfe eines Kommunikationskonzeptes, das die aktive Beteiligung und Einbindung von Bewohnern und deren Familien sowie den Abbau von Sprachbarrieren und Kontakt\u00e4ngsten zum Inhalt hatte, die Verbesserung der abfallwirtschaftlichen Situation erreicht werden konnte. Nur wenn die soziale Integration der Bewohner eines Viertels gelingt, gelingt es auch sozial- und umweltvertr\u00e4gliches Verhalten im Alltag umzusetzen, wodurch letztlich ein technisch optimiertes Abfallwirtschaftskonzept erst erfolgreich umgesetzt werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Bei dem Zielgebiet handelt es sich um eine Siedlung mit ca. 70 Wohnungen, die durch eine stark verdichtete Bauweise mit 4- bis 8-geschossigen Wohngeb\u00e4uden charaktersiert ist. 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