{"id":17848,"date":"2023-07-13T15:14:48","date_gmt":"2023-07-13T13:14:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/11712-01\/"},"modified":"2023-07-13T15:14:49","modified_gmt":"2023-07-13T13:14:49","slug":"11712-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/11712-01\/","title":{"rendered":"\u00d6kologisches Bauvorhaben Haus am Strom, Landkreis Passau"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Auf dem Gel\u00e4nde des Wasserkraftwerks Jochenstein wurde in unmittelbarer Nachbarschaft des Naturschutzgebietes Donauleiten etwa 25 km donauabw\u00e4rts von Passau eine Umweltbildungseinrichtung errichtet. Neben diversen Angeboten zur Umweltbildung (Ausstellung, gef\u00fchrte Exkursionen, Tagungen, Schulungen, Vortr\u00e4ge und Vorf\u00fchrungen) verbindet das Haus am Strom den Umweltgedanken mit einem sozialen Engagement zur Integration der Behinderten im Dienstleistungssektor. Die Arbeitspl\u00e4tze sind \u00fcberwiegend von behinderten Arbeitskr\u00e4ften besetzt.<br \/>\nAn einem Ort der zu 100% regenerative Energie (Abw\u00e4rme der Kraftwerksturbinen, Strom aus Wasserkraft) zur Verf\u00fcgung stellt, sollten andere Kriterien des nachhaltigen Bauens ins Blickfeld gestellt werden. Diese sind die Materialit\u00e4t und Konstruktion der Bauwerke. Auch die Fragen nach den Planungsmethoden sollte in die Konzeptentwicklung einflie\u00dfen. Sie verbanden sich mit den nat\u00fcrlichen Standortcharakteristiken, aus denen sich die Prinzipien der Formbildung als rationale Kriterien der architektonischen und narrative der symbolischen Formen ableiten.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Konzept der Architektur, seiner Bauteile und der Haustechnik wurden nach den Gesetzen des bionischen Designs nach Nachtigall entwickelt. Die Analogien aus den Frombildungsprinzipien der belebten und unbelebten Natur sind Vorbilder f\u00fcr bionische Ableitungen der Art, wie die Formen der symbolischen, r\u00e4umlichen, konstruktiven, technischen Gestalt der Bauwerke und ihrer Teile entstehen sollten. Durch ein fr\u00fchzeitiges Zusammenf\u00fchren aller beteiligten Planer sollte eine parallele Entwicklung der Elemente des architektonischen Konzepts und dadurch ein integrativer Effekt zwischen den einzelnen Sachgebieten entwickelt werden.<br \/>\nDas Energiekonzept wurde mittels dynamischer Simulation und Tageslichtsimulationen der wichtigsten R\u00e4ume \u00fcberpr\u00fcft und optimiert. Gleichzeitig wurde ein Instrument der \u00d6kobilanzierung (ifib) eingef\u00fchrt, das hier zum ersten Mal der \u00f6kologischen Optimierung der Bauteile w\u00e4hrend der Planung diente.<br \/>\nDie Konstruktionen wurden im Spannungsfeld komplexer Formbildung (Schalen) und einfacher iterativer Herstellungsmethodik (Vorbild Ziegelschale) unter Minimierung der Veredelungsschritte des Baumaterials gesucht.<br \/>\nIm Zusammenhang mit Umweltbildung sollte ein Bauwerk seine kommunikative Funktion zur St\u00e4rkung der Au\u00dfenwirkung des Projektes erf\u00fcllen: eine sinnlich-symbolische Innenraumausbildung (emotionale Besucherwahrnehmung) und eine pr\u00e4gnante, Aufmerksamkeit erzielende Au\u00dfengestalt (\u00fcberregionale Ausstrahlung).<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Aus den Bauwerken, einer Freifl\u00e4chengestaltung, die das Naturschutzgebiet einbezieht, und einer Ausstellung zum Thema Wasser ist ein Ensemble entstanden, das Verbindungen aufnimmt und Zusammenh\u00e4nge darstellt.<br \/>\nDie Au\u00dfenanlagen thematisieren die Gew\u00e4sserl\u00e4ufe in der Landschaft und die formbildenden Prozesse (Erosion), die landschaftliche Vielfalt und Lebensr\u00e4ume (Artenvielfalt der Donauleiten) erzeugen.<br \/>\nDie Ausstellung stellt anhand einer jahreszeitlichen Themeneinteilung wasserspezifische Fragestellungen unserer Umwelt und ihres Zusammenhangs zu unserer kulturellen Entwicklung dar.<br \/>\nDie Bauwerke symbolisieren die spezifischen Charakteristiken des Ortes, insbesondere der geologischen und biologischen Formbildungsprinzipien. Vergleichbare Ans\u00e4tze haben die Bauwerksgestalt, die Konstruktionen und die technischen Einrichtungen beeinflusst.<br \/>\nPlanung: Eine fr\u00fchzeitige Beteiligung und ein paralleler Input der fachspezifischen Sichtweisen und Beitr\u00e4ge hat gute Ergebnisse erzielt. Hervorzuheben sind die Optimierungen durch die Instrumente der Simulierung und Optimierung, die wesentliche Ver\u00e4nderungen w\u00e4hrend der Projektentwicklung mit sich brachten. Obwohl das Energiekonzept nicht in den Mittelpunkt der Betrachtung gestellt worden war, haben wir das Ziel einer Unterschreitung der geltenden WSVO um 30% erreicht. Die Konzentration auf die Thematiken Materialit\u00e4t und Konstruktion als Beitr\u00e4ge zur Nachhaltigkeit hat im Bereich der Konstruktion innovative Ans\u00e4tze hervorgebracht.<br \/>\nKonstruktion: Die Brettwerkschale ist eine schalenartige Konstruktion, die analog zum Mauerwerk aus einem einzigen immer gleichen Bauteil ( ein Brett 1200x28x120mm) zusammengesetzt wird. Die Formbildungsparameter sind \u00fcberschaubar und erm\u00f6glichen eine algorithmische Darstellung (Vorfertigung) der Form. Eine Druckstrebenkonstruktion wurde derart entwickelt, dass nahezu alle Formen mit der gleichen Bauart ausgebildet werden k\u00f6nnen. Lediglich deren Dimensionierung und Abmessungen sind an-zupassen.<br \/>\nDie Konstruktion des Vortragssaales, eines eif\u00f6rmigen Bauwerks, wurde anhand grunds\u00e4tzlich verschiedener Varianten bilanziert. Die Versuche anhand von neuartigen materiellen Anwendungen der Schalenbildung wurde aufgrund der Kosten- und der Bilanzierungssituation zugunsten der Holztafelbauweise aufgegeben.<br \/>\nEnergie und Haustechnik: Die Heizw\u00e4rme wird aus der Turbinenabw\u00e4rme des Kraftwerks gewonnen. Ein Heizestrich dient der winterlichen Heizung und der sommerlichen K\u00fchlung (Donauwasser) in den Ausstellungsr\u00e4umen. Da der Vortragsraum nicht immer genutzt wird, wurde er mit einer schnellen L\u00fcftungsheizung mit W\u00e4rmer\u00fcckgewinnung ausgestattet. Ein wasserauftriebskraftbetriebener Aufzug wurde nach dem Prinzip der Schleuse entwickelt. Daf\u00fcr wird das Gef\u00e4lle der Donau am Kraftwerk (ca. 9,0m) ausgenutzt. Die Toilettensp\u00fclung wurde durch einen zylindrischen Glassp\u00fclwasserbeh\u00e4lter als informatives Element ausgebildet. Dadurch kann der praktisch relevante Wasserverbrauch thematisiert werden.<\/p>\n<p>\u00d6ffentlichkeitsarbeit und Pr\u00e4sentation<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Entwicklungs- und Realisierungsphase:<br \/>\n\u00b7\tDas Haus am Strom &#8211; \u00d6kologie und Architektur 4-seitiger Beitrag in Innovationen, Chancen und Modelle f\u00fcr die Zukunft Hrsg. WWF Deutschland und Pro Futura GmbH 1998<br \/>\n\u00b7\t Planungsvorbild Natur VDI &#8211; Nachrichten, 18.2.00<br \/>\nDas fertige Projekt wurde dargestellt:<br \/>\n\u00b7\tHaus am Strom &#8211; Neubau eines Umweltbildungszentrums bei Passau Bauen mit Holz 9\/2000<br \/>\n\u00b7\tHaus am Strom &#8211; Zentrum f\u00fcr nachhaltiges Wirtschaften Bundesbaublatt 9\/2001<br \/>\n\u00b7\tUmweltbildungszentrum Jochenstein Informationsdienst Holz, Dokumentation Holzbauten in Bayern 37<br \/>\n\u00b7\tHaus am Strom &#8211; Zentrum f\u00fcr nachhaltiges Wirtschaften glasforum 11\/02, monatliche Beilage in GFF Zeitschrift f\u00fcr Glas, Fenster, Fassade 11\/02<br \/>\nParallel zu diesem Abschlu\u00dfbericht ist gibt es eine Buchdokumentation ab M\u00e4rz 2003. Der Charakter dieses Buches soll eine gr\u00f6\u00dfere Zielgruppe der Besucher des Haus am Strom ansprechen. Darin sind in allgemeinverst\u00e4ndlicher Sprache alle Bestandteile des Projektes kurz erl\u00e4utert und fachspezifisch wichtige Dinge im Einzelnen kurz dargestellt.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Theorie statt Konvention: Die zunehmende Planungskomplexit\u00e4t macht neue Planungsmethoden erforderlich. Insbesondere die Kommunikation und die iterative Entwicklung des Projektes auf allen Ebenen muss dabei im Vordergrund stehen. Stichworte: Entwicklung integraler und interdisziplin\u00e4rer Planungsstrategien.<br \/>\nForm und rationale Produktion: Orthogonale Strukturen sind nicht per se rational. Auf der Basis der neuen wissenschaftlichen Entwicklungen l\u00e4sst sich die Varianz der Produktionsm\u00f6glichkeiten vergr\u00f6\u00dfern und damit optimierte baukonstruktive L\u00f6sungen mit einer Vielfalt der baulichen Umwelt verbinden.<br \/>\nEntwicklung der Brettwerkschale: Die produktionstechnische Entwicklung der Brettwerkschale hinsichtlich Vorfertigung konnte innerhalb dieses Realisierungsprozesses nicht umgesetzt werden. Die Konstruktionsart eignet sich in jedem Fall f\u00fcr eine Vorfertigung. Es ist ein erheblicher Kostenvorteil davon zu erwarten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Auf dem Gel\u00e4nde des Wasserkraftwerks Jochenstein wurde in unmittelbarer Nachbarschaft des Naturschutzgebietes Donauleiten etwa 25 km donauabw\u00e4rts von Passau eine Umweltbildungseinrichtung errichtet. 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