{"id":17818,"date":"2025-04-10T10:32:05","date_gmt":"2025-04-10T08:32:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/05621-01\/"},"modified":"2025-04-10T10:32:07","modified_gmt":"2025-04-10T08:32:07","slug":"05621-01","status":"publish","type":"projektdatenbank","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/projektdatenbank\/05621-01\/","title":{"rendered":"Untersuchungen zur Minderung der Keimemission in Leichtstoffsortieranlagen"},"content":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens<\/p>\n<p>Die fl\u00e4chendeckende Einf\u00fchrung des Dualen Systems f\u00fcr die Entsorgung von Verkaufsverpackungen f\u00fchrte zu tiefgreifenden Ver\u00e4nderungen in der Abfallwirtschaft. Die Belange der im Bereich der manuellen Sortierung besch\u00e4ftigten Arbeitnehmer, insbesondere deren Anspruch auf Schutz ihrer Gesundheit, geraten zunehmend in die Diskussion. Als Problem wurde in erster Linie, neben den klassischen Themen wie L\u00e4rmemissionen, statische und dynamische Muskelarbeit sowie Klimafaktoren, die Exposition gegen\u00fcber luftgetragenen Keimen erkannt. Erste Studien in Abfallbehandlungsanlagen, speziell in Sortieranlagen, wurden zu Beginn der 90er Jahre in D\u00e4nemark durchgef\u00fchrt. Diese f\u00fchrten zu dem Ergebnis, dass ein erh\u00f6htes Erkrankungsrisiko f\u00fcr dort besch\u00e4ftigte Arbeitnehmer nicht ausgeschlossen werden kann. Aktuelle Arbeiten aus dem deutschen Sprachraum besch\u00e4ftigen sich vorwiegend mit der Erfassung und Bewertung des Gesundheitsrisikos. Eine vergleichende Untersuchung \u00fcber die Wirksamkeit technischer Ma\u00dfnahmen in Wertstoffsortieranlagen fehlte g\u00e4nzlich. Um diese grundIegenden Erkenntnisdefizite zu minimieren, sollten emissionsmindernde Verfahrensentwicklungen im Handsortierbereich von Wertstoffsortieranlagen untersucht und beschrieben werden, um diese Ergebnisse in ein Sicherheitskonzept f\u00fcr solche Anlagen einflie\u00dfen lassen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenIn der ersten Phase des Vorhaben wurden die technischen und organisatorischen Rahmenbedingungen der Sortierung von Leichtstoffgemischen aus dem Dualen System beschrieben. Dabei wurden insbesondere Recherchen zum Stand der Technik in der Keimemissionsminderung durchgef\u00fchrt und Leichtstoffsortieranlagen ausgew\u00e4hlt, in denen einzelne Komponenten dieser Technik bereits installiert waren. Gleichzeitig wurde auch der Einfluss dieser Ma\u00dfnahmen auf den technischen Betriebsablauf der Sortieranlage und der damit verbundene Aufwand ber\u00fccksichtigt. In der zweiten Projektphase wurden an den ausgew\u00e4hlten Anlagen Keimemissionsmessungen so durchgef\u00fchrt, dass durch die Auswertung der Messergebnisse R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Wirksamkeit der Minderungsma\u00dfnahmen m\u00f6glich waren. Auf der Grundlage des recherchierten Stands der Technik und der Keimuntersuchungen wurde abschlie\u00dfend modellhaft f\u00fcr eine Leichtstoffsortieranlage ein sicherheitstechnisches Konzept zur Minimierung des Expositionsrisikos entwickelt. Das Konzept soll als ein allgemeiner Leitfaden f\u00fcr die Umsetzung derartiger Nachr\u00fcstungsma\u00dfnahmen in bestehenden Anlagen \u00e4hnlichen Typs angewendet werden und hat daher einen \u00fcbertragbaren Charakter.<\/p>\n<p>Ergebnisse und Diskussion<\/p>\n<p>Um die Wirksamkeit der vorhandenen baulichen bzw. technischen Elemente zur Keimemissionsminderung\/-vermeidung innerhalb des Handsortierbereichs von Wertstoffsortieranlagen darzustellen, war es notwendig, an geeigneten Messpunkten die bestehenden Keimkonzentrationen zu erfassen und mit der Struktur des Arbeitssystems in Beziehung zu setzen. Die Formulierung von Empfehlungen zum Arbeitsschutz f\u00fcr die Betreiber von Wertstoffsortieranlagen erfordert bei der Vielzahl von Ma\u00dfnahmen Schwerpunkte und Priorit\u00e4ten. Die Ma\u00dfnahmen zum Schutz der Arbeitnehmer lassen sich unterteilen in :<br \/>\n1. Emissionsmindernde Ma\u00dfnahmen<br \/>\n2. Raumlufttechnische Ma\u00dfnahmen<br \/>\n3. Begleitende Ma\u00dfnahmen<br \/>\n4. Messtechnische \u00dcberwachung<br \/>\nZu den emissionsmindernden Ma\u00dfnahmen z\u00e4hlt vor allem die Vermeidung von hohen Staubkonzentrationen durch das Aufwirbeln von anhaftenden Staubpartikeln bei der mechanischen Vorsortierung. Ein weiterer entscheidender Ansatzpunkt zur Minderung der Keimbelastung ist die Hygiene in der gesamten Anlage. Alle im Rahmen des Forschungsvorhabens untersuchten Wertstoffsortieranlagen waren mit unterschiedlich ausgepr\u00e4gten raumlufttechnischen Anlagen ausgestattet. Grundlage f\u00fcr die Beurteilung der raumlufttechnischen Anlagen (RLT-Anlagen) war jeweils das H\u00f6henprofil, mit dem die prozentuale Reduktion der Keimzahlen in Abh\u00e4ngigkeit der H\u00f6he \u00fcber dem Band aufgenommen wurde. Eine Orientierung zur Bewertung der ermittelten Keimzahlen bot der durch das Land Niedersachsen vorgegebene L\u00fcftungstechnische \u00dcberwachungswert von 10.000 KBE\/m\u00b3. L\u00fcftungstechnische Anlagen, mit denen der genannte \u00dcberwachungswert deutlich unterschritten wurde, sind dem L\u00fcftungstyp Verdr\u00e4ngungsl\u00fcftung zuzuordnen und mit Erfassungseinrichtungen kombiniert. Unabh\u00e4ngig von der Keimkonzentration am Band konnte die Keimzahl im Atembereich z. T. um bis zu 99 % reduziert werden. Die gefundenen Keimkonzentrationen in den beprobten Wertstoffsortieranlagen, die mit raumlufttechnischen Anlagen des L\u00fcftungstyps Verd\u00fcnnungsl\u00fcftung ausger\u00fcstet sind, lagen mit ihren Mittelwerten im Atembereich z. T. deutlich \u00fcber den Anlagen,  welche mit einer Verdr\u00e4ngungsl\u00fcftung ausgestattet sind.<br \/>\nZur L\u00fcftungstechnik ergeben sich die folgenden Empfehlungen:<br \/>\n1.\tRLT-Anlagen sollten nach dem Prinzip der turbulenzarmen Verdr\u00e4ngungsstr\u00f6mung arbeiten.<br \/>\n2.\tSt\u00f6rungen durch Querstr\u00f6mungen m\u00fcssen vermieden werden.<br \/>\n3.\tDie gezielte Abf\u00fchrung der kontaminierten Luft erfolgt mit Erfassungseinrichtungen.<br \/>\n4.\tRLT-Anlagen sind einer anlagenspezifischen Wartung und Pflege zu unterziehen.<br \/>\n5.\tDie lufttechnische Einrichtung sollte die M\u00f6glichkeit zur Konditionierung der Zuluft bieten.<br \/>\nRaumlufttechnische Anlagen sind das Kernst\u00fcck des sicherheitstechnischen Konzepts. Sie k\u00f6nnen jedoch nicht allein stehen. Begleitende Ma\u00dfnahmen im Bereich arbeitsmedizinischen Vorsorge, Hygiene sowie Unterrichtung der Arbeitnehmer sind daher immer parallel zu ergreifen.<br \/>\nNeben den Empfehlungen zum Arbeitsschutz wurden Empfehlungen zur messtechnischen \u00dcberwachung der Keimemissionen f\u00fcr den Handsortierbereich in Wertstoffsortieranlagen erarbeitet. Zur messtechnischen Erfassung der Keimemissionen und mikrobiologischen Analytik der Luftproben wurde das in der BIA-Arbeitsmappe (Kennzahl 9420) ver\u00f6ffentlichte Messverfahren f\u00fcr Schimmelpilze\/Hefen angewendet, das vom Ausschuss f\u00fcr biologische Arbeitsstoffe beim Bundesministerium f\u00fcr Arbeit und Sozialordnung (BMA) als Standardverfahren eingestuft wurde. Die Ermittlung der Belastungssituation f\u00fcr das Sortierpersonal erfolgt auf Basis der repr\u00e4sentativen Schichtmittelwerte. Um zu repr\u00e4sentativen Schichtmittelwerten zu gelangen, sollten Langzeitmessungen im Stundenbereich mit der indirekten Filtrationsmethode nach BIA durchgef\u00fchrt werden. Die Messungen sollten personenbezogen erfolgen.<br \/>\nUm die Effektivit\u00e4t keimemissionsmindernder Ma\u00dfnahmen anhand vergleichender Messungen in verschiedenen Wertstoffsortieranlagen zu bestimmen, d\u00fcrfen die hierf\u00fcr vorgesehenen Messungen nicht personenbezogen durchgef\u00fchrt werden. Der unterschiedlichen Aktivit\u00e4t bei der Durchf\u00fchrung der Sortiert\u00e4tigkeit entsprechend variiert die Aufwirbelung von keimbelastetem Staub und damit die Belastungssituation deutlich. Daher m\u00fcssen die Messungen grunds\u00e4tzlich unter standardisierten Bedingungen, d.h. statisch durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Fazit<\/p>\n<p>Auf der Grundlage eines umfangreichen Messprogramms in sieben ausgew\u00e4hlten Wertstoffsortieranlagen konnte deutlich gemacht werden, dass in erster Linie durch geeignete Raumlufttechnische Anlagen (RLT-Anlagen) eine signifikante Reduzierung der Keimzahlen im Atembereich der Besch\u00e4ftigten erreicht werden kann. Der Untersuchungsbericht beschreibt die Arbeitssysteme in den einzelnen Wertstoffsortieranlagen sowie das Messprogramm und nennt die wesentlichen Merkmale einer ad\u00e4quaten RLT-Anlage sowie weitere Empfehlungen zum Arbeitsschutz, etwa aus dem Bereich der arbeitsmedizinischen Vorsorge und der Hygiene. Abschlie\u00dfend werden Empfehlungen zur messtechnischen \u00dcberwachung ausgesprochen. Betreibern von Wertstoffsortieranlagen werden damit Hinweise an die Hand gegeben, um eigene betriebliche Arbeitsschutzkonzepte zu \u00fcberpr\u00fcfen und zu modifizieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zielsetzung und Anlass des Vorhabens Die fl\u00e4chendeckende Einf\u00fchrung des Dualen Systems f\u00fcr die Entsorgung von Verkaufsverpackungen f\u00fchrte zu tiefgreifenden Ver\u00e4nderungen in der Abfallwirtschaft. Die Belange der im Bereich der manuellen Sortierung besch\u00e4ftigten Arbeitnehmer, insbesondere deren Anspruch auf Schutz ihrer Gesundheit, geraten zunehmend in die Diskussion. 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