{"id":57772,"date":"2023-11-23T09:00:32","date_gmt":"2023-11-23T08:00:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/?post_type=news&#038;p=57772"},"modified":"2023-12-11T12:08:58","modified_gmt":"2023-12-11T11:08:58","slug":"das-wood-wide-web-der-pilze-sichern","status":"publish","type":"news","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/news\/das-wood-wide-web-der-pilze-sichern\/","title":{"rendered":"Das \u201eWood Wide Web\u201c der Pilze sichern"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-wordpress-dbu-dbu-container\">\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"1280\" src=\"https:\/\/www.dbu.de\/app\/uploads\/dbu_media-PM-144-2023-Bayerischer-Wald_\u00a9Alfred-Schiener-1920x1280.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-57806\" style=\"width:399px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.dbu.de\/app\/uploads\/dbu_media-PM-144-2023-Bayerischer-Wald_\u00a9Alfred-Schiener-1920x1280.jpg 1920w, https:\/\/www.dbu.de\/app\/uploads\/dbu_media-PM-144-2023-Bayerischer-Wald_\u00a9Alfred-Schiener-800x533.jpg 800w, https:\/\/www.dbu.de\/app\/uploads\/dbu_media-PM-144-2023-Bayerischer-Wald_\u00a9Alfred-Schiener-400x267.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Urwaldrest im Nationalpark Bayerischer Wald: Hier gibt es deutschlandweit die einzigen Vorkommen von Phellinidium pouzarii. Der seltene Totholz-Pilz, auch Duftender Feuerschwamm genannt, ist eine Zielart des DBU-Projekts der Universit\u00e4t Bayreuth. \u00a9 Alfred Schiener<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Bayreuth\/Grafenau. Trotz ihrer zentralen Rolle in vielen \u00d6kosystemen wird die Bedeutung von Pilzen bei Renaturierungen und im Artenschutz bisher nur wenig betrachtet. Ein von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gef\u00f6rdertes Projekt der <a href=\"https:\/\/www.uni-bayreuth.de\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.uni-bayreuth.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Universit\u00e4t Bayreuth<\/a> will das \u00e4ndern: Erstmals soll im Labor und in der Praxis erprobt werden, wie vom Aussterben bedrohte Pilzarten wieder angesiedelt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Pilze, die neben Tieren und Pflanzen eine eigene Kategorie der Lebewesen bilden, beschreiben ihr ganz eigenes Reich an Organismen. An der Oberfl\u00e4che ist nur der Fruchtk\u00f6rper zu sehen, unter der Erde oder in der Streu und im Totholz bilden sie riesige Netzwerke mit fadenf\u00f6rmigen Zellen, sogenannten Myzelien, mit denen sie Tier- und Pflanzenreste zersetzen. Sch\u00e4tzungen zufolge befinden sich in einem Hektar Waldboden sechs Tonnen Myzelien.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201ePilze sind richtige Recycling-Meister\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eOhne Pilze w\u00fcrde sich organisches Material \u00e4hnlich wie Plastik in der Umwelt ansammeln und nicht wieder in den N\u00e4hrstoffkreislauf gelangen \u2013 sie sind also richtige Recycling-Meister\u201c, erkl\u00e4rt Prof. Dr. Claus <strong>B\u00e4ssler<\/strong>, Professor f\u00fcr Pilz\u00f6kologie an der Universit\u00e4t Bayreuth. \u201eAu\u00dferdem stehen zahlreiche Pflanzenarten, darunter auch B\u00e4ume, in Symbiose mit Pilzen und werden so mit N\u00e4hrstoffen und Wasser versorgt.\u201c Daher wird das unterirdische Myzelien-Netzwerk auch als Internet der Natur, <em>Wood Wide Web<\/em>, bezeichnet. Au\u00dferdem sind die Organismen auch f\u00fcr uns Menschen wichtig \u2013 etwa als Lebensmittel oder in der Medizin. Trotz ihrer gro\u00dfen \u00f6kologischen Bedeutung sind sie nach B\u00e4sslers Worten dennoch kaum erforscht, auch Artenschutz-Ma\u00dfnahmen gebe es nur wenige.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignleft size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"355\" height=\"524\" src=\"https:\/\/www.dbu.de\/app\/uploads\/dbu_media-PM-144-2023-Pilzkulturen_\u00a9Universitaet-Bayreuth.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-57810\" style=\"width:272px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.dbu.de\/app\/uploads\/dbu_media-PM-144-2023-Pilzkulturen_\u00a9Universitaet-Bayreuth.jpg 355w, https:\/\/www.dbu.de\/app\/uploads\/dbu_media-PM-144-2023-Pilzkulturen_\u00a9Universitaet-Bayreuth-271x400.jpg 271w\" sizes=\"auto, (max-width: 355px) 100vw, 355px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Das Forschungsteam z\u00fcchtet im DBU-gef\u00f6rderten Vorhaben Pilzkulturen auf Holzd\u00fcbeln an. \u00a9 Universit\u00e4t Bayreuth<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Biodiversit\u00e4t f\u00f6rdern: neue Lebensr\u00e4ume und Ansiedlung bedrohter Arten<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Pilze sind jedoch wie viele andere Organismen von der zunehmenden Zerst\u00f6rung nat\u00fcrlicher Lebensr\u00e4ume und dem damit einhergehenden enormen Verlust der Biodiversit\u00e4t betroffen. \u201eWerden W\u00e4lder gerodet und Landfl\u00e4chen mit Infrastruktur oder Siedlungen bebaut, verlieren auch Pilze ihre Lebensgrundlage\u201c, sagt Dr. Hans-Christian <strong>Schaefer<\/strong>, DBU-Referent f\u00fcr zirkul\u00e4re Wirtschaft und Bio\u00f6konomie. \u201eDie biologische Vielfalt nimmt schneller ab als je zuvor in der Geschichte der Menschheit \u2013 etwa zwei Millionen Arten sind gef\u00e4hrdet. Wenn die menschengemachte Zerst\u00f6rung von \u00d6kosystemen weitergeht wie bisher, wird das erhebliche Folgen haben.\u201c Seit dem <a href=\"https:\/\/www.wwf.de\/themen-projekte\/artenschutz\/politische-instrumente\/cbd-die-un-konvention\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.wwf.de\/themen-projekte\/artenschutz\/politische-instrumente\/cbd-die-un-konvention\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Biodiversit\u00e4tsgipfel<\/a> der <a href=\"https:\/\/unric.org\/de\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/unric.org\/de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Vereinten Nationen <\/a>(UN) im Dezember 2022 gibt es versch\u00e4rfte globale Ziele zum Schutz der Artenvielfalt: Bis 2030 sollen unter anderem 30 Prozent der Land- und Meeresfl\u00e4chen auf der Welt unter Schutz gestellt werden. \u201eEs ist essenziell, dass wir Lebensr\u00e4ume wiederherstellen; renaturierte Gebiete m\u00fcssen dabei auch von bedrohten Arten besiedelt werden k\u00f6nnen\u201c, betont Schaefer. Insbesondere f\u00fcr spezialisierte und wenig mobile Tiere, Pflanzen und Pilze sei dies durch fragmentierte Landschaften schwierig \u2013 \u201edas trifft zum Beispiel auf Pilzarten zu, die auf abgestorbenen B\u00e4umen wachsen und auf W\u00e4lder mit viel Totholz angewiesen sind\u201c, so Schaefer. F\u00fcr diese Arten k\u00f6nne eine gezielte Wiederansiedlung hilfreich sein, um die Biodiversit\u00e4t in einem Gebiet zu erh\u00f6hen und den Bestand der Art zu sichern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>DBU-Projekt: Im Labor gez\u00fcchtete Pilze im Wald wieder ansiedeln<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image alignright size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"1440\" src=\"https:\/\/www.dbu.de\/app\/uploads\/dbu_media-PM-144-2023-Holzsstamm_\u00a9Universitaet-Bayreuth-1-1920x1440.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-57838\" style=\"width:430px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/www.dbu.de\/app\/uploads\/dbu_media-PM-144-2023-Holzsstamm_\u00a9Universitaet-Bayreuth-1-1920x1440.jpg 1920w, https:\/\/www.dbu.de\/app\/uploads\/dbu_media-PM-144-2023-Holzsstamm_\u00a9Universitaet-Bayreuth-1-800x600.jpg 800w, https:\/\/www.dbu.de\/app\/uploads\/dbu_media-PM-144-2023-Holzsstamm_\u00a9Universitaet-Bayreuth-1-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1920px) 100vw, 1920px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die mit Pilzen bewachsenen D\u00fcbel werden im Nationalpark Bayerischer Wald auf abgestorbenen Baumst\u00e4mmen ausgebracht. \u00a9 Universit\u00e4t Bayreuth<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Wie wirksam eine solche Wiederansiedlung f\u00fcr seltene, totholzbewohnende Pilze sein kann, untersucht ein DBU-gef\u00f6rdertes Projekt der Universit\u00e4t Bayreuth unter Leitung von Professor B\u00e4ssler. Daf\u00fcr entnehmen die Forschenden acht Pilzarten aus bekannten Populationen und z\u00fcchten diese im Labor auf Holzd\u00fcbeln an. \u201eEine Vorstudie hat gezeigt, dass dieses Vorgehen funktioniert\u201c, sagt B\u00e4ssler. Zeitgleich werden im <a href=\"https:\/\/www.nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de\/index.htm\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.nationalpark-bayerischer-wald.bayern.de\/index.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Nationalpark Bayerischer Wald<\/a> ausgew\u00e4hlte Fl\u00e4chen mit Totholz verschiedener Baumarten ausgestattet und vorhandene Pilzgemeinschaften untersucht. \u201eDie Gebiete sind ganz unterschiedlich mit sonnigen oder schattigen Bedingungen in eher unber\u00fchrten oder forstlich gepr\u00e4gten W\u00e4ldern\u201c, so B\u00e4ssler. Das erm\u00f6glicht dem Forschungsteam, optimale Ansiedlungsstrategien f\u00fcr unterschiedliche Standorte und Pilzarten zu identifizieren. Anschlie\u00dfend sollen die gez\u00fcchteten Pilze in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark im Fr\u00fchjahr und Sommer 2024 auf die vorbereiteten Fl\u00e4chen und Baumst\u00e4mme ausgebracht werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erfolgskontrolle nach zwei Jahren \u2013 Arbeitshilfen f\u00fcr Naturschutzverb\u00e4nde und Forstverwaltungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUm die Effekte der Wiederansiedlung beurteilen zu k\u00f6nnen, \u00fcberpr\u00fcfen wir die Pilzgemeinschaften zwei Jahre nach der Ma\u00dfnahme\u201c, so B\u00e4ssler. Die Erkenntnisse sollen in Artenhilfsprogramme f\u00fcr die einzelnen bedrohten Pilzarten einflie\u00dfen, die Waldbesitzende oder Naturschutzverb\u00e4nde als Grundlage f\u00fcr eigene Projekte nutzen k\u00f6nnen. F\u00fcr den Schutz der Pilze plant der Nationalpark Bayerischer Wald im Zuge des DBU-gef\u00f6rderten Vorhabens zudem ein Bestandsmonitoring, bei dem fachkundige Personen eingebunden werden. So sollen mehr Informationen \u00fcber die Verbreitung gesammelt und das Bewusstsein f\u00fcr die Bodenorganismen als Teil naturnaher W\u00e4lder gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kontakt bei fachlichen Fragen<\/strong> <strong>(AZ <a href=\"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/38686-01\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.dbu.de\/projektdatenbank\/38686-01\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">38686\/01<\/a>):<\/strong> Prof. Dr. Claus B\u00e4ssler, Tel. +49 921 552 461<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-wordpress-dbu-dbu-container\">\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Medien &amp; Infos<\/h3>\n\n\n<div id='dbu_icon_mb-block-5b236c0e-0dd2-46a7-93a4-c70bc87f2946' class='dbu-icon__container '><a id='dbu_icon_mb-block-5b236c0e-0dd2-46a7-93a4-c70bc87f2946' class='dbu-icon  ' href='\/app\/plugins\/hidden-send.php?id=sPfQDDIg5Bx9syRk%2FBX91MIp3ddt1OuPOwtnsvx3CPs%3D'><div class='dbu-icon__image'><i class='fa-sharp fa-solid fa-at'><\/i><\/div><div class='dbu-icon__content'><div class='dbu-icon__content-headline'>Prof. Dr. Claus B\u00e4ssler<\/div><div class='dbu-icon__content-text'>Universit\u00e4t Bayreuth<\/div><\/div><\/a><a id='dbu_icon_mb-block-5b236c0e-0dd2-46a7-93a4-c70bc87f2946' class='dbu-icon  ' href='https:\/\/www.dbu.de\/app\/uploads\/dbu_media-PM-144-2023-Wiederansiedlung-von-Pilzen.pdf'><div class='dbu-icon__image'><i class='fa-sharp fa-solid fa-file-pdf'><\/i><\/div><div class='dbu-icon__content'><div class='dbu-icon__content-headline'>Pressemitteilung<\/div><\/div><\/a><\/div><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DBU-Projekt zum Schutz der Biodiversit\u00e4t<\/p>\n","protected":false},"author":6,"featured_media":57808,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[2517,50,52],"class_list":["post-57772","news","type-news","status-publish","has-post-thumbnail","hentry","category-dbu","tag-artenschutz","tag-naturschutz","tag-umweltforschung"],"meta_box":{"dbu_headerimage_cover":"","dbu_submenu":"","dbu_submenu_position":"","dbu_submenu_entry":[],"dbu_news_mail":"1","dbu_news_mail_status":"Mails wurden versandt"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/news\/57772","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/news"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/news"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/news\/57772\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":61422,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/news\/57772\/revisions\/61422"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/57808"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=57772"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=57772"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=57772"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}