{"id":46799,"date":"2026-05-22T11:16:02","date_gmt":"2026-05-22T09:16:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/moe-fellowship\/30015-573\/"},"modified":"2026-05-22T11:16:02","modified_gmt":"2026-05-22T09:16:02","slug":"30015-573","status":"publish","type":"moe-fellowship","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/moe-fellowship\/30015-573\/","title":{"rendered":"Flechten als Indikator der Qualit\u00e4t der Umwelt am Beispiel des Kaliningrader Gebiets"},"content":{"rendered":"<p>Flora der Flechten<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-size:11px;\"><span style=\"font-family:'Times New Roman';\"><big>Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts hat die Menschheit unseren Planeten ver\u00e4ndert. Die Entwicklung der Technologie, der Industrie, der Landwirtschaft, das Wachstum der St\u00e4dte &#8211; das alles verunreinigt den Boden, das Wasser und die Luft. In den St\u00e4dten ist das Problem besonders akut.<br \/>Umweltsch\u00fctzer in den St\u00e4dten machen \u00dcberwachungsstudien, identifizieren Verschmutzungsquellen, bieten eine Reihe von Ma\u00dfnahmen, um die Schadstoffemissionen zu verringern und negative Auswirkungen zu minimieren. \u00d6fters forscht und bewertet man die Wirkungen der Verschmutzung der Luft mit Hilfe der Pflanzen und  der Tiere, die schnell auf die Verschlechterung der Umweltbedingungen reagieren  &#8211; dieser Prozess wird Bioindikation genannt.<br \/>Das Objekt meiner Forschung sind Flechten. Flechte ist eine symbiotische Lebensgemeinschaft zwischen einem Pilz, dem so genannten Mykobionten, und einem oder mehreren Photosynthese betreibenden Partnern (Photobyonten). Der Mykobiont bildet einen Thallus (den K\u00f6rper der Flechte), wo sich die Zellen des Photobyonten befinden. <br \/>Weltweit etwa seit 30 Jahren benutzt man Flechten als Bio-Indikator f\u00fcr die Umweltverschmutzung der St\u00e4dte oder nat\u00fcrliche \u00d6kosysteme. Flechten reagieren extrem empfindlich auf Umweltbelastungen, insbesondere auf Luftverschmutzung, Eutrophierung und Klima\u00e4nderung. Negative Wirkungen der Eutrophierung auf \u00d6kosysteme durch luftgetragene N\u00e4hrstoffe sind vielf\u00e4ltig. Infolge der gewandelten Immissionssituation hat sich die epiphytische Flechtenflora in weiten Gebieten Mitteleuropas zugunsten eutrophierungstoleranter Arten stark ver\u00e4ndert. So f\u00fchrt die Eutrophierung zu einer Verringerung der biologischen Vielfalt der Flechten. <br \/>Zus\u00e4tzlich zur Ver\u00e4nderung des Artenspektrums eignet sich auch der Gesamtgehalt an Stickstoff (N) im Flechtenthallus als messbare Gr\u00f6\u00dfe, um die Wirkung eutrophierender Immissionen zu erfassen. Die Blattflechte Parmelia sulcata erweist sich hierf\u00fcr als besonders geeignet, weil ihr N-Gehalt mit der H\u00f6he des Stickstoffeintrags (z. B. Nitrat, Ammonium, Ammoniak) korreliert.<br \/>Ein weiterer Aspekt der Wirkung von Schadstoffen auf Flechten ist eine Ver\u00e4nderung im Stoffwechsel, z. B. in der Photosynthese. Nach der Umweltbelastung erscheinen Ver\u00e4nderungen in den physiologischen Parametern schneller als Ver\u00e4nderungen in den morphologischen Parametern. Deswegen ist die Chlorophyllgehaltver\u00e4nderung eine vielversprechende und operative Methode der Umweltbewertung.<br \/>Die Flechtenflora in der Stadt Gie\u00dfen und dem Land Hessen ist sehr gut untersucht. Auf dem vorliegenden Territorium werden die Forschungen schon seit 40 Jahren durchgef\u00fchrt. In der Stadt Kaliningrad und im Kaliningrader Gebiet ist das Territorium kaum erforscht. Untersuchungen der Luftverschmutzung und der Eutrophierung der Umwelt, Untersuchungen der Wirkung der Eutrophierung auf die physiologischen Parameter in Flechten sind aktuelle Forschungen. Diese Forschungen sind bisher nicht durchgef\u00fchrt worden.<\/big><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-size:11px;\"><span style=\"font-family:'Times New Roman';\"><big><strong>Zweck und Ziele<\/strong><br \/>Der Hauptzweck ist die Untersuchung der Flechten als Indikatoren f\u00fcr die Luftqualit\u00e4t an unterschiedlich verkehrsbelasteten Messpunkten in Hessen. <br \/>In diesem Zusammenhang sind die Aufgaben des Projektes:<br \/>1.\tAneignung der neuen Methoden der Lichenoindication.<br \/>2.\tKartierung der Diversit\u00e4t epiphytischer Flechten als Indikatoren f\u00fcr Luftg\u00fcte und Eutrophierung.<br \/>3.\tErfassen von Stickstoffanreicherungen in der Blattflechte Parmelia sulcata zum Nachweis von Immissionswirkungen.<br \/>4.\tBestimmung des Chlorophyllgehaltes in Parmelia sulcata.<\/big><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-size:11px;\"><span style=\"font-family:'Times New Roman';\"><big><br \/><strong>Methoden<\/strong><br \/>Ich habe 20 Versuchsstandorte in Giessen ausgesucht, um die Artenzusammensetzung der Flechten zu kartieren und Probenahme zur Messung von Stickstoff und Chlorophyll durchzuf\u00fchren.  Weitere vier Versuchsstandorte liegen im l\u00e4ndlichen Hessen.<br \/>Als Objekt f\u00fcr die Untersuchung von Stickstoff und Chlorophyll  wurde die epiphytische Flechtenart &#8211; Parmelia sulcata ausgew\u00e4hlt.<br \/>&#8211; Die Methode der Kartierung der Diversit\u00e4t epiphytischer Flechten als Indikator f\u00fcr Luftg\u00fcte und Eutrophierung wurde nach VDI-Richtlinie 3957 Blatt 13 vorgenommen. <br \/>&#8211; Das Erfassen von Stickstoffanreicherungen in der Blattflechte Parmelia sulcata zum Nachweis von Immissionswirkungen, nach VDI-Richtlinie 3957 Blatt 18 war weiterer Bestandteil der Untersuchungen.<br \/>&#8211; Die Bestimmung des Chlorophyllgehaltes in Parmelia sulcata mittels spektrophotometrischer Methode wurde durchgef\u00fchrt.<\/big><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-size:11px;\"><span style=\"font-family:'Times New Roman';\"><big><br \/><strong>Vorab-Ergebnisse\u00a0<\/strong><br \/>1.\tMethode \u00abErfassen von Stickstoffanreicherungen in der Blattflechte Parmelia sulcata zum Nachweis von Immissionswirkungen. VDI-Richtlinie 3957 Blatt 18\u00bb erlernt. <br \/>2.\tFlechtenkartierung an 100 B\u00e4umen auf 20 Versuchsstandorte (16 in Giessen und 4 au\u00dfer der Stadt) durchgef\u00fchrt. Luftreinster Punkt war der Berg Taunus. Luftqualit\u00e4t \u0096 ist gut, Einfluss eutrophierender Luftverunreinigungen ist m\u00e4\u00dfig. Am st\u00e4rksten luftverschmutzter Ort ist Autobahn Giessen-Frankfurt am Main. Luftqualit\u00e4t \u0096 ist schlecht, Einfluss eutrophierender Luftverunreinigungen ist sehr hoch.<br \/>3.\tDerzeit sind 100 Proben von Parmelia sulcata f\u00fcr Stickstoffbestimmung gesammelt und vorbereitet und wurde der Stickstoffgehalt in 50 Proben (dreifach) bestimmt. Der h\u00f6chste Gehalt an Stickstoff wurde in Thallus Parmelia sulcata in der Stadt Gie\u00dfen gefunden: Marburger Str. (3,160\u00b10,138 %) und Gr\u00fcnberger Str. (3,113\u00b10,343 %). Den niedrigsten Stickstoffgehalt haben Schlo\u00dfborn am Taunus (1,235\u00b10,186 %) und Asel im Raum des Edersees (1,249\u00b10,114 %). <br \/>4.\tChlorophyllgehalt wurde in 100 Proben bestimmt. Der h\u00f6chste Gehalt an Chlorophyll &#8220;a&#8221; im Thallus von Parmelia sulcata wurde in Gie\u00dfen gefunden: Marburger Str. (6,159\u00b10,994 ?g\/mg Luft-Trockengewicht des Thallus) und Heinrich-Buff-Ring (6,569\u00b10,750 ?g\/mg). Der niedrigste Gehalt an Chlorophyll &#8220;a&#8221; in Schlo\u00dfborn am Taunus (2,893\u00b10,237 ?g\/mg) und in Asel im Raum des Edersee (2,904\u00b10,276 ?g\/mg) gefunden.<br \/>5.\tEs wurde eine starke direkte positive Korrelation in den 50 Proben zwischen dem Chlorophyll- und Stickstoffgehalt in Parmelia sulcata (Spearman-Rangkorrelationskoeffizient r = 0,862, Signifi-kanzniveau von p = 0,01) gefunden.<\/big><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flora der Flechten Im Laufe des vergangenen Jahrhunderts hat die Menschheit unseren Planeten ver\u00e4ndert. Die Entwicklung der Technologie, der Industrie, der Landwirtschaft, das Wachstum der St\u00e4dte &#8211; das alles verunreinigt den Boden, das Wasser und die Luft. 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