{"id":46611,"date":"2026-05-22T11:12:02","date_gmt":"2026-05-22T09:12:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/moe-fellowship\/30012-363\/"},"modified":"2026-05-22T11:12:12","modified_gmt":"2026-05-22T09:12:12","slug":"30012-363","status":"publish","type":"moe-fellowship","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/moe-fellowship\/30012-363\/","title":{"rendered":"Auswertung der nat\u00fcrlichen Regenerationsf\u00e4higkeit des forstlichen \u00d6kosystems nach Borkenk\u00e4ferbefall im Nationalpark Berchtesgaden"},"content":{"rendered":"<p>Auswertung der nat\u00fcrlichen Regenerationsf\u00e4higkeit des forstlichen \u00d6kosystems nach Borkenk\u00e4ferbefall<\/p>\n<p>Nat\u00fcrliche St\u00f6rungen wie St\u00fcrme und Insektenkalamit\u00e4ten laufen in der Kernzone des Nationalparks Berchtesgaden ohne menschliches Eingreifen ab. In Folge des Windwurfs \u0084Kyrill\u0093 in 2007 sterben Fichtenbest\u00e4nde durch Borkenk\u00e4ferbefall gro\u00dffl\u00e4chig ab. Diese ungest\u00f6rte Dynamik verst\u00f6rt viele Anwohner und Touristen. Das Praktikumsprojekt unterst\u00fctzt das dreij\u00e4hrige Forschungsprojekt des Nationalparks \u0084Waldentwicklung nach Borkenk\u00e4ferbefall im Nationalpark Berchtesgaden\u0093. Auf 51 Probefl\u00e4chen wird mittels unechter Zeitreihe (ungest\u00f6rte Best\u00e4nde, frischer Borkenk\u00e4ferbefall &#038; Borkenk\u00e4ferbefall zwischen 1990 und 1997) versucht die nat\u00fcrliche Dynamik der Bergw\u00e4lder nach der St\u00f6rung zu erfassen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0Ergebnisse<br \/>Die Analyse der nat\u00fcrlichen Regenerationsf\u00e4higkeit des forstlichen \u00d6kosystems hat mit der Auswertung der Color Infrarot (CIR) Luftbilder begonnen. Hierzu war eine genaue Pr\u00fcfung des Zustands der W\u00e4lder des Nationalparks Berchtesgaden mit Hilfe von Kartensoftware notwendig. Uns interessierten vor allem die Best\u00e4nde mit St\u00f6rung durch Borkenk\u00e4ferbefall. Diese gest\u00f6rten Best\u00e4nde sind im CIR Luftbild anhand einer gr\u00fcnlichen F\u00e4rbung erkennbar; im Unterschied zu gesunden Best\u00e4nden, die im Luftbild rot abgebildet werden.<\/p>\n<p>Nach Auswertung aller Luftbilder haben wir notwendiges Fl\u00e4chenset erstellt, welches aus 51 Probefl\u00e4chen besteht. Die Arbeit im Gel\u00e4nde, die ab dem 5. Mai 2012 begann, umfasst die Sucharbeit nach passenden Fl\u00e4chen, den Materialaustrag und die Einmessung der einzelnen Probefl\u00e4chen. Im Gel\u00e4nde haben  wir die Probefl\u00e4chen in der Mitte des gest\u00f6rten Bestands oder in den definierten Koordinaten aus der letzten Waldinventur als Referenzfl\u00e4che (ungest\u00f6rter Bestand) positioniert. Hierbei haben wir immer auf die Repr\u00e4sentativit\u00e4t der \u00f6kologischen Bedingungen auf den Probefl\u00e4chen f\u00fcr eine objektive Auswertung beachtet.  Wir waren bei Verteilung der Probefl\u00e4chen in den T\u00e4lern und H\u00f6henstufen in der Eignung des Bestandes begrenzt. Die Repr\u00e4sentativit\u00e4t der \u00f6kologischen Bedingungen und Strukturcharakteristiken war manchmal nicht gegeben, weshalb wir andere Best\u00e4nde suchten.<\/p>\n<p>Die Verj\u00fcngung- und Bestandaufnahmen begannen am 7. Juli 2012 und konnten bis Ende Oktober realisiert werden. W\u00e4hrend dieser Zeit schaften wir es, auf allen 11 Probefl\u00e4chen der Montanstufe komplette Messungen durchzuf\u00fchren. Insgesamt haben wir auf diesen Probefl\u00e4chen im Durchschnitt\u00a0 2 841 Keimlinge pro Hektar (B\u00e4ume j\u00fcnger als 1 Jahr), 11 250 mehrj\u00e4hrige B\u00e4ume bis 20 cm H\u00f6he und 6 157 B\u00e4ume mit einer H\u00f6he von 20 cm bis 200 cm pro Hektar erfasst. Die gr\u00f6\u00dfte Verbreitung der Keimlinge ist auf den Referenzflachen in der Montanstufe mit einer Anzahl von 18 750 B\u00e4ume pro Hektar. Auf den gest\u00f6rten umger\u00e4umten Fl\u00e4chen entstanden\u00a0 Jahr 2007 (Neufl\u00e4che)  befinden sich 8 750 und auf den ger\u00e4umten Fl\u00e4chen befinden sich 3 700 B\u00e4umen pro Hektar. Auf den Fl\u00e4chen, die vor 1987 entstanden\u00a0 (Altfl\u00e4che),\u00a0 haben wir keine Keimlinge erfasst. 60 Prozent aller erfassten B\u00e4umen f\u00e4llt auf die Referenzfl\u00e4chen, 28 Prozent auf\u00a0 umger\u00e4umte Neufl\u00e4chen und 12 Prozent auf\u00a0 ger\u00e4umte Neufl\u00e4chen.\u00a0 In der Kategorie Keimlinge haben wir nur mit eine Art \u0096 Fichte (Picea abies) gefunden.<\/p>\n<p>Im der Kategorie mehrj\u00e4hrige B\u00e4ume bis 20 cm H\u00f6he gibt es also durchschnittlich 11 250 B\u00e4ume pro Hektar. Die gr\u00f6\u00dfte Verbreitung der mehrj\u00e4hrigen B\u00e4ume bis 20 cm ist auf den umger\u00e4umten Neufl\u00e4chen mit\u00a0 61 250 B\u00e4umen pro Hektar. Auf den Referenzflachen befinden sich zusammen 35 000 B\u00e4ume pro Hektar, auf den Altfl\u00e4chen\u00a0 21 250 und auf den ger\u00e4umten Neufl\u00e4chen 6 250 B\u00e4ume pro Hektar. Die prozentuale Vertretung mehrj\u00e4hriger B\u00e4ume bis 20 cm H\u00f6he hat andere Werte als die prozentuale Vertretung der Keimlinge. Wir k\u00f6nnen einen Anstieg des Anteils auf der Neufl\u00e4chen und einen R\u00fcckgang auf denReferenzfl\u00e4chen sehen. Ebenfalls erfassten wir bei mehrj\u00e4hrigen B\u00e4umen  auch das Vorkommen auf Altfl\u00e4chen und einen R\u00fcckgang bei ger\u00e4umten Neuflachen.<\/p>\n<p>Die meisten vorkommenden  Arten bei mehrj\u00e4hrigen B\u00e4umen sind Fichte mit 57 500 B\u00e4umen pro Hektar und Bergahorn mit 36 250 B\u00e4umen pro Hektar. Die beiden Arten befindensich im jeder Fl\u00e4chenvariante. Die Fichte hat den gr\u00f6\u00dften Anteil auf ger\u00e4umten Neufl\u00e4chen mit 60% und den kleinsten Anteil auf\u00a0 Neufl\u00e4chen mit 40% Vertretung. Der Bergahorn hat den gr\u00f6\u00dften Anteil auf Altfl\u00e4chen mit 41% und den kleinsten Anteil auf\u00a0 Referenzfl\u00e4chen mit 18% Vertretung. Die gr\u00f6\u00dfte Vielfalt befindet sich auf den Referenzfl\u00e4chen mit 6 verschieden Arten.  Neben Fichte und Bergahorn haben wir hier Buche, Vogelbeere, Mehlbeere und Tanne erfasst.<\/p>\n<p>In der Kategorie Verj\u00fcngung mit einer H\u00f6he von 20 cm bis 200 cm befinden sich durchschnittlich 6 157 B\u00e4ume pro Hektar. Die gr\u00f6\u00dfte Verbreitung bei B\u00e4umen mit einer H\u00f6he von 20 cm bis 200 cm befindet sich auf den Altfl\u00e4chen mit einer Anzahl von 37 067 B\u00e4ume pro Hektar. Auf den umger\u00e4umten Neufl\u00e4chen waren 18 399 B\u00e4ume, auf den ger\u00e4umten Neufl\u00e4chen 6 533 und auf den Referenzfl\u00e4chen 5 733 B\u00e4ume pro Hektar.\u00a0 55 % der erfassten B\u00e4ume sind auf den Altfl\u00e4chen. Der geringste Anteil f\u00e4llt mit 8 % auf die Referenzfl\u00e4chen.<\/p>\n<p>Die meisten vorkommenden Baumarten mit einer H\u00f6he von 20 cm bis 200 cm sind Bergahorn mit 31 003 B\u00e4umen, Fichte mit 21 067 B\u00e4umen und Vogelbeere mit 10 000 B\u00e4umen pro Hektar. Alle drei Arten befinden sich im jeder Fl\u00e4chenvariante. Die Fichte hat den gr\u00f6\u00dften Anteil auf den Referenzfl\u00e4chen  mit 59% und den kleinsten auf den ger\u00e4umten Neufl\u00e4chen mit 6 % Anteil. Der Bergahorn hat den gr\u00f6\u00dften Anteil auf\u00a0 Altfl\u00e4chen mit 59 % und den kleinsten Anteil auf den Referenzfl\u00e4chen mit 12%. Vogelbeere hat den gr\u00f6\u00dften Anteil auf\u00a0 ger\u00e4umten Neufl\u00e4chen mit 34 % und den kleinsten Anteil auf Altfl\u00e4chen mit 10 %.  Die anderen Arten haben Anteile zwischen 1 und 6 %.  Eine Ausnahme stellen die ger\u00e4umten Neufl\u00e4chen dar,\u00a0 wo\u00a0 die meisten B\u00e4umen gepflanzt sind.  Die gr\u00f6\u00dfte Vielfalt befindet sich auf den Referenzfl\u00e4chen mit 8 verschieden Arten.<\/p>\n<p>Wir haben auch die Eignung der Mikrostandorte f\u00fcr die Verj\u00fcngung untersucht. In der Kategorie Keimlinge ist auf den Neufl\u00e4chen der verbreitetste Mikrostandort das Moos mit 72 % Anteil, auf den Referenzfl\u00e4chen ist das\u00a0 Moos mit 53 % und Streu mit 40 % vertreten und bei ger\u00e4umten Neufl\u00e4chen hat die Bodenvegetation 100 % Vertretung. Wir k\u00f6nnen sehen, dass die gr\u00f6\u00dfte Bedeutung auch in der Kategorie mehrj\u00e4hrige B\u00e4ume bis 20sm H\u00f6he der Mikrostandort  Moos bei jeder Fl\u00e4chevariante hat. Der Mikrostandort Moos hat bei jeder Fl\u00e4chevariante \u00fcber 40 % Anteil und bei ger\u00e4umten Neufl\u00e4chen sogar 80 % Vertretung. Wichtiger Mikrostandort f\u00fcr die Verj\u00fcngung ist auch die Streu, die auf den Fl\u00e4chenvarianten oft vertreten ist.<\/p>\n<p>In der Kategorie B\u00e4ume mit einer H\u00f6he von 20 cm bis 200 cm H\u00f6he dominiert auch der Mikrostandort Moos aber den zweitgr\u00f6\u00dften Mikrostandort k\u00f6nnen wir nicht so deutlich feststellen. Hier spielt die nat\u00fcrliche Sukzession eine Rolle, welche erh\u00f6hte Anteile der Bodenvegetation auf den Neufl\u00e4chen bewirkt. Wir k\u00f6nnen sagen, dass der wichtigste Mikrostandort f\u00fcr die Verj\u00fcngung in der nordorientierten Montanstufe des Nationalparks Berchtesgaden das Moos ist. Diese entdeckte Umst\u00e4nde beweisen die F\u00e4higkeit der Naturregeneration ohne menschlichen Eingriff.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auswertung der nat\u00fcrlichen Regenerationsf\u00e4higkeit des forstlichen \u00d6kosystems nach Borkenk\u00e4ferbefall Nat\u00fcrliche St\u00f6rungen wie St\u00fcrme und Insektenkalamit\u00e4ten laufen in der Kernzone des Nationalparks Berchtesgaden ohne menschliches Eingreifen ab. In Folge des Windwurfs \u0084Kyrill\u0093 in 2007 sterben Fichtenbest\u00e4nde durch Borkenk\u00e4ferbefall gro\u00dffl\u00e4chig ab. Diese ungest\u00f6rte Dynamik verst\u00f6rt viele Anwohner und Touristen. 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