{"id":46418,"date":"2026-05-22T11:08:16","date_gmt":"2026-05-22T09:08:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/moe-fellowship\/30009-150\/"},"modified":"2026-05-22T11:08:17","modified_gmt":"2026-05-22T09:08:17","slug":"30009-150","status":"publish","type":"moe-fellowship","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/moe-fellowship\/30009-150\/","title":{"rendered":"Experimentelle Untersuchungen zur sicheren Bef\u00f6rderung und Lagerung von Gefahrstoffen, wie organischen Peroxiden und selbstzersetzlichen Stoffen"},"content":{"rendered":"<p>Experimentelle Untersuchungen zur sicheren Bef\u00f6rderung und Lagerung von GefahrstoffenViele in der chemischen Industrie verwendete Stoffe sind energiereich und aufgrund ihres Aufbaus thermisch instabil, so dass f\u00fcr die sichere Bef\u00f6rderung, Transport und Lagerung derartiger Stoffe ggf. Temperaturkontrollen notwendig sind. Sicherheitstechnisch werden die Gefahrstoffe aufgrund ihrer ausgepr\u00e4gten Gef\u00e4hrdungsmerkmale in Stoffgruppen eingeteilt. Zu diesen z\u00e4hlen insbesondere die beiden Stoffgruppen: organische Peroxide (Stoffklasse 5.2) und selbstzersetzliche Stoffe (Stoffklasse 4.1) von denen einige Vertreter sogar explosionsgef\u00e4hrlich im Sinne der RL 67\/548\/EWG bzw. dem deutschen Sprengstoffgesetz sind. Beim Umgang mit diesen Stoffen ist daher auf besondere Sicherheit zu achten. Im Falle einer Umsetzung derartiger Stoffe wird die Umgebung durch W\u00e4rmestrahlung, aber auch durch die dabei entstehenden Zersetzungsprodukte gef\u00e4hrdet. Zum Schutz von Personen und der Umwelt m\u00fcssen durch geeignete Pr\u00fcfmethoden wichtige Parameter, wie z. B. die Temperatur f\u00fcr den sicheren Transport und die Lagerung festgelegt werden.Eine sehr wichtige sicherheitstechnische Kenngr\u00f6\u00dfe, die beim Transport und bei der Lagerung von Gefahrstoffen von grunds\u00e4tzlicher Bedeutung ist, stellt die SADT (Self Accelerating Decomposition Temperature) dar. Sie ist definiert als die niedrigste Temperatur Tmin bei der eine selbstbeschleunigende Zersetzung eines Stoffes in seiner Verpackung eintreten kann. Folglich ist die SADT ma\u00dfgebend daf\u00fcr, ob die Temperatur einer Substanz w\u00e4hrend ihres Transports bzw. Lagerung zu kontrollieren ist oder nicht.Um Zersetzungen zu vermeiden, welche Personen und Umwelt gef\u00e4hrden k\u00f6nnen, sollten Aussagen \u00fcber die sichere Bestimmung der SADT in Abh\u00e4ngigkeit von der Beh\u00e4ltergr\u00f6\u00dfe und der eingesetzten Menge des Gefahrstoffes getroffen werden.F\u00fcr die Bestimmung der SADT sind verschiedene Verfahren und Methoden beschrieben. Im UN Handbuch (zur Bef\u00f6rderung von Gefahrenstoffen) sind vier Testverfahren vorgeschlagen, die Tests H.1 bis H.4 der Pr\u00fcfserie H. Die Pr\u00fcfserie H umfasst prinzipiell Pr\u00fcfungen und Kriterien, die die thermische Stabilit\u00e4t von Stoffen bei Bef\u00f6rderungstemperaturen betreffen und ist anwendbar auf feste Stoffe, fl\u00fcssige Stoffe, Pasten und Dispersionen. Mit Einf\u00fchrung des Global Harmonisierten Systems GHS (Verordnung (EG) Nr. 1272\/2008) sind die UN-Pr\u00fcfvorschriften (UN Recommendations on the Transport of Dangerous Goods, Manual of Tests and Criteria) Basis f\u00fcr die Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Chemikalien auch in der EU geworden.?\tDer UN-Test H.1 (die sog. Vereinigte Staaten SADT \u0096 Pr\u00fcfung) sieht vor, die SADT in der Original-Transportpackung zu bestimmen. Dies ist messtechnisch der beste Weg die SADT zu bestimmen. Der Test ist aber aufgrund des hohen Stoffverbrauchs (mit diesem Pr\u00fcfverfahren k\u00f6nnen Versandst\u00fccke bis zu 220 Litern gepr\u00fcft werden) unwirtschaftlich und birgt aufgrund der gro\u00dfen Stoffmenge ein gr\u00f6\u00dferes Gefahrenpotential.?\tMit dem UN-Test H.4 (der sog. W\u00e4rmestaulagerungspr\u00fcfung) kann dieses wirtschaftliche- und sicherheitstechnische Problem verringert werden. Die Bestimmung der SADT erfolgt dabei in einem w\u00e4rmeisolierten Gef\u00e4\u00df (Dewar-Gef\u00e4\u00df) mit einem maximalen Fassungsverm\u00f6gen von wahlweise 500 ml, 1000 ml oder 3000 ml. Die Wirksamkeit dieses Pr\u00fcfverfahrens ist jedoch davon abh\u00e4ngig, ein Dewar-Gef\u00e4\u00df auszuw\u00e4hlen, das \u00e4hnliche W\u00e4rmeverlustmerkmale pro Masseneinheit aufweist wie das f\u00fcr die Bef\u00f6rderung vorgesehene Versandst\u00fcck. Dieses Pr\u00fcfverfahren ist f\u00fcr die Bestimmung der SADT eines Stoffes in seiner Verpackung, einschlie\u00dflich IBCs und kleiner Tanks (bis 2 m3) anwendbar.Zusammenfassend wurde eine gute \u00dcbereinstimmung der ermittelten SADT-Werte nach beiden Pr\u00fcfverfahren (H.1 und H.4) festgestellt. Eine besonders gute \u00dcbereinstimmung der experimentell ermittelten Kenngr\u00f6\u00dfen und Parameter ergab sich f\u00fcr die Substanz Dilauroilperoxid von der Gruppe der organischen Peroxide (Stoffklasse 5.2). Hierbei weist der Ergebnisvergleich darauf hin, dass ein 500 ml Dewar-Gef\u00e4\u00df einen 20 kg-Packst\u00fcck mit Feststoff hinsichtlich seiner W\u00e4rmeverlustmerkmale sehr gut repr\u00e4sentieren kann, bzw. dem thermisch \u00e4quivalent ist. Dadurch l\u00e4sst sich entsprechend unter Verwendung des UN-H.4-Test den enormen Aufwand zur Pr\u00fcfung eines 20 kg-gro\u00dfen Packst\u00fccks (Material, Zeit und Kosten) sowie die daraus ausgehenden Gefahren und Risiken deutlich reduzieren.Aus den gewonnenen Ergebnissen kann noch zusammengefasst werden, dass einige der gepr\u00fcften Stoffe besonders temperaturempfindlich, also thermisch instabil sind. Ein gutes Beispiel daf\u00fcr stellt das selbstbeschleunigte Zersetzungsverhalten der Substanz Dimyristylperoxydicarbonat dar, die ebenfalls zu der Gruppe der organischen Peroxide (Stoffklasse 5.2) zuzuordnen ist. Eine thermische Zersetzung erfolgt in dem Fall in nur wenigen Tagen, mit einer extrem hohen Zersetzungsgeschwindigkeit und zwar bei Lagertemperaturen, die gar nicht weit weg von der normalen Umgebungstemperatur liegen. Man kann sich gut vorstellen, dass bei der Abwesenheit von Temperaturkontrollen es zu erheblichen Schaden, Personenunf\u00e4llen und Schadstoffbelastungen der Umwelt kommen k\u00f6nnte. Entsprechend erheblichere Belastungen und Schadensfolgen w\u00fcrden von einem Vorfall ausgehen, der beim Transport oder bei der Lagerung von bedeutend gr\u00f6\u00dferen Substanzmengen entsteht. Solche Unf\u00e4lle k\u00f6nnen nur durch sachgem\u00e4\u00dfe Bedingungen, bzw. durch Pr\u00fcfung und Festlegung der SADT vermieden werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Experimentelle Untersuchungen zur sicheren Bef\u00f6rderung und Lagerung von GefahrstoffenViele in der chemischen Industrie verwendete Stoffe sind energiereich und aufgrund ihres Aufbaus thermisch instabil, so dass f\u00fcr die sichere Bef\u00f6rderung, Transport und Lagerung derartiger Stoffe ggf. Temperaturkontrollen notwendig sind. 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