Betriebsübergreifende Lösungen für textile Kreisläufe

Circular Economy in der Praxis: Die aktuelle Förderinitiative "Betriebsübergreifende Lösungen für textile Kreisläufe" richtet sich insbesondere an kleine und mittelständische Unternehmen (KMU). Ausdrücklich erwünscht sind Kooperationsprojekte zwischen KMU und Forschungseinrichtungen. Projektskizzen können bis einschließlich 31.03.2022 hier eingereicht werden.

Antje von Dewitz (Vaude) © Antje von Dewitz
DBU-Kuratoriumsmitglied Antje von Dewitz (Vaude) sieht in der Kreislaufführung von Textilien großes Potenzial für Wirtschaft und Umwelt. Hier ihr Videostatement (Vorschaubild).
Jeans mit Blumen © Deutsche Bundesstiftung Umwelt, Lea Kessens
Gute Aussichten: Die Textilindustrie steht auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft zwar vor großen Herausforderungen, hat aber gerade deshalb enormes Potenzial, um zur Trendsetterin für eine Circular Economy – eine umfassende Kreislaufwirtschaft – zu werden.
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Logo Circonomy © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Die Förderinitiative "Textile Kreisläufe" ist Teil des DBU-Förderschwerpunktes #DBUcirconomy.

Der schonende und effiziente Umgang mit Ressourcen ist eine Kernaufgabe heutiger und künftiger Generationen. Mit dieser Herausforderung ist auch die Textilindustrie in Deutschland konfrontiert. Ob nun für den Heim- oder Bekleidungsbereich, im Bausektor oder beim Fahrzeugbau: Die derzeitige Textilwirtschaft funktioniert überwiegend linear. Notwendig ist daher eine Alternative zum herkömmlichen linearen „take – make – waste“-Konzept, das zahlreiche negative ökologische und gesellschaftliche Auswirkungen mit sich bringt. Anstatt wertvolle und endliche Rohstoffe zu gewinnen, Produkte daraus herzustellen und am Ende der Nutzung als Abfall zu entsorgen, bedarf es einer Kreislaufführung, die alle Stufen des Lebenszyklus eines Produktes berücksichtigt und bereits beim Design an das spätere Recycling denkt (Design for Recycling). Als eine derartige, umfassende Lösung wird die Circular Economy diskutiert.

Der sogenannte RESOLVE-Ansatz (acatech 2019) benennt sechs Teilaspekte der Circular Economy: REgenerate (erneuerbare Ressourcen nutzen), Share (Nutzergruppe erweitern), Optimize (Abfall vermindern, Energie-/Materialeffizienz erhöhen), Loop (Wiederverwertung), Virtualize (Ersetzen durch Digitalisierung/Virtualisierung) und Exchange (Ersetzen durch ressourcenschonende Alternativen). Neben diesen vorrangig im B2B-Bereich angesiedelten Ansätzen spielt das Verhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher eine zentrale Rolle, um das Ziel einer Circular Economy zu erreichen.

Die Umwandlung bestehender linearer in zirkuläre textile Wertschöpfungssysteme bietet Start-ups und etablierten Unternehmen neben einem erheblichen Umweltentlastungspotenzial Chancen für die Weiterentwicklung ihrer Geschäftsmodelle. Hindernisse sind neben technischer und rechtlicher häufig auch organisatorischer Natur. Für eine Kreislaufführung stellen die bestehenden wechselseitigen Beziehungen zwischen Lieferantinnen/Lieferanten, Produzentinnen/Produzenten, Händlerinnen/Händlern, Aufbereiterinnen/Aufbereitern, Logistikerinnen/Logistikers und Nutzerinnen/Nutzer vielfach Hürden dar, die eine Kreislaufführung erschweren. Oft fehlt es zudem an transparenten und zielgruppenrelevanten Informationen über Angebote auf der einen Seite und zu Anforderungen und Kriterien auf der Nachfrageseite. Wichtige Erfolgsfaktoren für die Entwicklung zirkulärer Kreisläufe sind eine ganzheitliche Betrachtung, digitale Lösungen (z. B. Plattformen oder Marktplätze) sowie geeignete und für die etablierten Unternehmen meist neue Geschäftsmodelle. Ganz entscheidend ist das Zustandekommen einer vertrauensvollen Zusammenarbeit von Akteurinnen und Akteuren in der Wertschöpfungskette auf Entscheidungsebene.

Ziel dieser Fördermaßnahme ist es, durch innovative technische und gleichzeitig wirtschaftlich realisierbare Lösungsansätze sowie durch neuartige Bildungs- und Qualifizierungsformate zur Schließung überbetrieblicher ressourceneffizienter Produkt-, Material- und Stoffkreisläufe zu gelangen. Es sollen Wertschöpfungsnetze und Kaskadensysteme für Produkte, Komponenten und Materialien ermöglicht werden. Förderfähig sind insbesondere innovative, modellhafte Projekte, die zeitnah in die Praxis überführt werden können und sich u. a. durch eines oder mehrere der folgenden Merkmale auszeichnen:

  1. Einrichtung unternehmensübergreifender Kooperationen, in denen z. B.
    • Altprodukte zurückgeführt und wiederverwendet werden (z. B. Reverse-Logistik),
    • Anforderungen an kreislaufgerechtes und recyclingfähiges Design überbetrieblich etabliert und genutzt werden,
    • die Lebensdauer von Produkten verlängert wird (Reinigung/Reparatur/Refurbish/Repair/Re-Use),
    • innovative, praxistaugliche Sharing-, Pfand- und Leasingkonzepte realisiert werden,
    • die Energie- und Materialeffizienz in Wertschöpfungskreisläufen gesteigert wird,
    • Verbundmaterialien durch Mono-Materialien ersetzt werden,
    • Recyclingsansätze wie Trennschichten für Multimaterialien entwickelt und so Kreisläufe ermöglicht werden,
    • kreislauffähige Materialinnovationen entwickelt werden sowie
    • (Neben- und Abfall-)Produkte und Stoffe eines Unternehmens als Input-Material für ein anderes Unternehmen genutzt werden.
  2. Innovative Geschäftsmodelle zur Überwindung von Hemmnissen für eine hochwertige Kreislaufführung von Textilien.
  3. Bereitstellung und Nutzung von Produkt- und Materialinformationen, z. B. mittels digitaler Plattformen, Produkt-/Materialpässen, Kennzeichnung, Fingerprinting, überbetriebliche Standards für Recyclingprodukte.
  4. IT-basierte Lösungen für die Umsetzung von Geschäftsmodellen wie Sharing-Konzepten oder Kollaborationsplattformen.
  5. Neuartige Bildungs- und Kommunikationskonzepte im Bereich der beruflichen Bildung (Berufsorientierung, Aus-, Fort- und Weiterbildung) sowie im Bereich der schulischen und außerschulischen Nachhaltigkeitsbildung unter Erprobung und Nutzung neuer, digitaler Medien möglichst unter Einbezug von Partnerinstitutionen der Praxis und der Berücksichtigung der Lehrkräftequalifizierung.
  6. Aufbau neuer und innovative Erweiterung bereits bestehender (Bildungs-/Qualifikations-)Netzwerke zur Umsetzung zirkulärer Ansätze.
  7. Innovative Recycling- und Sortierprozesse zur werkstofflichen und rohstofflichen Rückführung textiler Produkte in den Kreislauf.
  8. Innovative Entfügetechnologien und Verarbeitungsverfahren für Materialmischungen.
  9. Aufbau neuer kreislauffähiger Textil-Logistiken, wie z. B. Rücknahmekonzepte, Pfandsysteme, digitale Materialverfolgungssysteme, digitale Kennzeichnung und smarte Sammelbehälter.

Das Einreichungsverfahren für Projekte im Rahmen der „Förderinitiative Circular Economy“ ist vorrangig für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und Forschungseinrichtungen offen. Ausdrücklich erwünscht sind Kooperationsprojekte zwischen KMU und Forschungseinrichtungen; die Beteiligung weiterer Akteurinnen und Akteure (z. B. Großunternehmen) ist möglich, ebenso die Einbindung internationaler Partnerinnen und Partner der Lieferkette. Es gelten die Förderleitlinien der DBU in der aktuellen Fassung. Hier geht es zur Antragstellung.

Einreichungsfrist für Projektskizzen ist der 31.03.2022. Bitte kennzeichnen Sie die Projektskizze zu dieser Förderinitiative im Titel mit „FI CE“, um die korrekte elektronische Zuordnung sicherzustellen.

Im Rahmen des DBU-Promotionsstipendienprogramms können Stipendienanträge zum Schwerpunkt „Besser wirtschaften und leben in Kreisläufen – Transformationspotenziale der Circular Economy“ gestellt werden. Die Einreichungsfristen für Stipendienanträge sind der 15. Januar und der 15. Juni (siehe www.dbu.de/StipendienschwerpunktCE).

Bei Fragen zur Ausschreibung nehmen Sie gern Kontakt mit uns auf.

Kontaktdaten "Förderinitiative: Textile Kreisläufe"
Hier finden Sie eine Übersicht nach Förderthemen und unser Organigramm als PDF.