Stipendienschwerpunkt: Umweltethik (2008-2012, abgeschlossen)

Umweltethik_Publikum © Uni Greifswald
Auftaktveranstaltung in der Aula der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Umweltethik_Weizsäcker © Uni Greifswald
Prof. Dr. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker spricht über Energie- und Ressourceneffizienz

Einführung

Die Umweltethik ist diejenige Teildisziplin der angewandten Ethik, die sich mit den Fragen eines normativ richtigen (individuellen oder kollektiven) Umgangs mit der äußeren (belebten oder unbelebten) nicht menschlichen Natur befasst (Angelika Krebs (Hrsg.): Naturethik. Grundtexte der gegenwärtigen tier- und ökoethischen Diskussion, Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1997, ISBN 3-518-28862-8).

In den Debatten um aktuelle Umweltthemen wie Klimaschutz, Energieversorgung oder Ressourcenmanagement geht es im Kern immer auch um ethische Fragen wie die Verteilung materieller Güter, die Gerechtigkeit zwischen Generationen oder das Verständnis von Natur und Nachhaltigkeit. Die Umweltethik hinterfragt die Wertvorstellungen, die den menschlichen Umgang mit der Natur bedingen. Als Teildisziplin der praktischen Philosophie ist sie insbesondere bestrebt, die Bewertungen menschlicher Handlungen anhand verallgemeinerbarer Maßstäbe zu begründen.

Ergebnisse

Die neun Promotionsvorhaben des Schwerpunktes betrachteten umweltethische Aspekte in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen – bei Themen des täglichen Lebens wie Ernährung und Architektur über Ökonomie und Umweltfragestellungen wie der Biodiversität bis hin zu rechtlichen und kulturwissenschaftlichen Bereichen.

Ernährung ist mit das privateste für den Menschen, hat aber gleichzeitig globale Auswirkungen und kann in Bezug auf Nachhaltigkeit sehr unterschiedlich ausgestaltet sein. Hierzu wurde zum Einen abgeleitet, wie beim alltäglichen Kochen nachhaltiges Verhalten gefördert und zum Anderen inwieweit eine politische Einmischung für mehr Suffizienz bei der Ernährung ethisch begründet werden kann.

Auch im Hinblick auf die Architektur gibt es moralische Fragestellungen. Ein Promotionsvorhaben trug zur Entwicklung einer Ethik der umbauten Umwelt bei. Außerhalb der bebauten Umwelt stellt sich die Frage, wie der Mensch Natur und Umwelt wahrnimmt. Aus Sicht der Kulturökologie wurde beschrieben, wie sich diese Wahrnehmung im Laufe der Zeit wandelt und sich dies in der Literatur widerspiegelt.

Generell kann man annehmen, dass eine biodiverse Umwelt als schön wahrgenommen wird. Lässt sich dies ethisch begründen und ist diese Annahme kulturübergreifend gültig? Zur Klärung dieser Fragen wurde geprüft, ob die globale Biodiversitätspolitik kulturübergreifend umweltethisch begründet werden kann. Politische Vorstellungen wiederum werden mit diversen Regelwerken um- und durchgesetzt. Ein bereichsübergreifendes Beurteilungsvokabular ermöglicht hier die Bewertung der formalen, pragmatischen und moralischen Qualität von Regelwerken.

Verantwortungsgefühl und Vertrauen sind wichtige Aspekte, damit sich ganze Staaten sowie Einzelpersonen nachhaltig verhalten. In Bezug auf den Klimawandel wurde ethisch begründet, warum die Bürger der Industrieländer verpflichtet sind, die vom Klimawandel schon viel stärker betroffenen Personen und Gesellschaften in Schwellen- und Entwicklungsländern zu unterstützen.

Gerade im Hinblick auf Klimagerechtigkeit spielt das Verhältnis zwischen den Generationen eine große Rolle. Hierzu wurde erarbeitet, wie zukünftige positive Auswirkungen heutiger Schutzmaßnahmen so berechnet werden, dass auch in der weiteren Zukunft liegende Effekte heute schon ausreichend eingerechnet werden. In Bezug auf die Wirtschaftswissenschaften wurde des Weiteren begründet, warum ökonomische Theorien nicht wertfrei sind.

Kontakt

Für Rückfragen steht Ihnen bei der DBU gerne Dr. Nicole Freyer-Wille zur Verfügung.

Wissenschaftlicher Koordinator des Stipendienschwerpunktes:
Prof. Dr. Konrad Ott
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Philosophisches Seminar, Philosophie und Ethik der Umwelt
www.philsem.uni-kiel.de/de/lehrstuehle/philosophie-und-ethik-der-umwelt/ott

damals: Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald