Stipendienschwerpunkt: Forschung auf DBU-Naturerbeflächen – Ökologische Dynamik in Offenland und Wald (2011-2017, abgeschlossen)

Naturerbe_Pionierwaldfläche © Anne Hopf
Im Birken-Pionierwald wird die Gehölzentwicklung bei progressiver und regressiver Beweidung untersucht.
Konik-Pferde auf Oranienburger Heide
Konik-Pferde dienen dem Naturschutz: Durch die Beweidung wird das Offenland der DBU-Naturerbefläche erhalten.
Download
Kiefernforst, DBU-Naturerbe Rüthnicker Heide.  © DBU Naturerbe/H. Culmsee
Kiefernforst, DBU-Naturerbe Rüthnicker Heide.
Download
Kühnauer Heide
Die DBU Naturerbe GmbH übernimmt die Kühnauer Heide vom Bund.
Download

Einführung

Im Zuge der Sicherung des Nationalen Naturerbes hat die Bundesregierung 2005 beschlossen, 125.000 ha wertvoller Naturschutzflächen den Bundesländern, Stiftungen oder Naturschutzverbänden zu übereignen. Die gemeinnützige DBU Naturerbe GmbH ist dafür verantwortlich, derzeit 70 Liegenschaften mit knapp 70 000 ha Fläche langfristig für den Naturschutz zu sichern.

Aus der ehemaligen militärischen Nutzung auf vielen Naturerbeflächen resultiert ein naturschutzfachlich interessantes Vorkommen von Offenland- und Rohbodenstandorten. Nach der Nutzungsaufgabe stellen sich hier viele Fachfragen z.B. zur Sukzession im Offenland und deren Steuerung, zu Entwicklungsprozessen nach Waldumbaumaßnahmen bzw. nach einmaligen Eingriffen, wie z. B. im Rahmen einer Wiedervernässung. Geeignete Management-Strategien müssen wissenschaftlich erarbeitet und deren ökologischen Konsequenzen erforscht werden.

Untersuchungsgebiete

Die Oranienburger Heide war das Forschungsgebiet für viele Vorhaben des DBU-Stipendienschwerpunkts Naturerbe. Das 2 102 ha große Gebiet ist früher als Truppenübungsplatz genutzt worden. Im Offenland gibt es Trockenrasen, Heiden mit Heidekraut und Besenginster, Sand-Reitgrasfluren, Pionierwälder und Brandflächen. Daneben stocken naturnahe Laubmischwälder. Die Randzonen sind durch Kiefernforste, Kiefern-Birken-Mischbestände und Birkenwälder geprägt, wozu auch die Niederung des Mühlbachs mit Feuchtweiden gehört. In Ost-West-Richtung verläuft die Grenze zweier Großlandschaften: im Norden das Elbe-Elster-Tiefland mit kalkfreien, basenarmen Standorten und im Süden die Dahlen-Dübener Heide mit kalkfreien, basenreichen Standorten. Die Offenlandflächen werden mit Robustrassen beweidet. Als weitere Standorte dienten auch die Rüthnicker Heide und die Kühnauer Heide.

Ergebnisse

Sukzessionsprozesse im Gradienten Offenland-Wald wurden auf Mikro-, Meso- und Makroebene - entsprechend den charakteristischen ökologischen Situationen - betrachtet. Dabei wurde ein vielfältiges Methodenspektrum von der Erfassung im Freiland, über Freiland-Experimente bis hin zu Labor-Versuchen angewandt.

Die acht Promotionsvorhaben des Schwerpunktes lieferten wichtige Erkenntnisse zu Erhaltungs- und Entwicklungszielen für Heidelandschaften. Für gezielte Eingriffe des Menschen in das Sukzessionsgeschehen ist neben der Vegetationskartierung oft eine Kausalanalyse erforderlich. Für das flächenhafte Monitoring der Erhaltungszustände von Lebensraumtypen sind Fernerkundungs-Methoden unter Nutzung feldökologischer Daten geeignet.

Für die Analyse der Sukzession von Pflanzengesellschaften von Offenland zu Wald ist die Betrachtung von Pflanzenpopulationen in ihrer zeitlichen Dynamik wichtig. Artmerkmale, Vitalitätsparameter und Populationsgrößen geben Hinweise auf das Überdauerungsvermögen von Arten und auf Sukzessionszustände. Aus diesen Charakteristika kann das Regerationspotenzial von Offenlandarten eingeschätzt und eine Populationsgefährdungsanalyse (PVA) entwickelt werden.

Die Besenheide hat unter kontinentalen Bedingungen ein hohes reproduktives Potenzial (hohe Samenproduktion, umfängliche Diasporenbank, hohe Keimfähigkeit der Samen) und kann sich aus der Samenbank regenerieren. Beweidung schafft offene Bodenstellen und begünstigt das Überleben der Keimpflanzen. Um das Wachstum von Gehölzen (Zitterpappel, Sandbirke, Waldkiefer) in der frühen Sukzessionsphase zu begrenzen, sind in unterschiedlicher Kombination und Intensität alle drei Managementmaßnahmen Beweidung, Mahd und Entkusselung notwendig.

Simulationsmodelle können dabei helfen, die Bedingungen für einen Waldumbau (unter Einschluss von Naturverjüngung) zu analysieren. Auf lange Sicht könnten sich die Klimaxbaumarten Rotbuche und Traubeneiche durch Überwachsen der Traubenkirschenbestände im Kiefernwald etablieren. Allerdings ist dafür unter anderem ein Schutz vor massivem Wildverbiss notwendig.

Kontakt

Für Rückfragen steht Ihnen bei der DBU gerne Dr. Hedda Schlegel-Starmann zur Verfügung.

Wissenschaftlicher Koordinator des Stipendienschwerpunktes:
Prof. Dr. Matthias Schaefer
Universität Göttingen, Institut für Zoologie und Anthropologie, Abteilung Ökologie
www.uni-goettingen.de/de/114322.html

Publikation im Schwerpunkt DBU-Naturerbeflächen