05.12.2018 | Landwirtschaft: Wenn den Schädlingen Unheil blüht

Richtige Blühstreifenkomposition leistet Pflanzenschutz im Gemüseanbau – Knapp 125.000 Euro von der DBU | In der Projektdatenbank - AZ 30234/01

Blühstreifen © Anton Sartisohn/IPP
Am Beispiel von Rosenkohl hat das abgeschlossene Projekt gezeigt, wie mithilfe richtig „zusammengesetzter“ Blühstreifen Nützlinge gefördert werden können.
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Marienkäfer verdrängen Schädlinge © Marina Amelin/IPP
Nützlinge wie Marienkäfer verdrängen Schädlinge und betreiben damit aktiven Pflanzenschutz.
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Hannover. Zwischen Raps und Rüben bilden Blühstreifen an Feldrändern immer häufiger einen Rückzugsort für heimatlos gewordene Tier- und Pflanzenarten. Doch die bunten Streifen können noch viel mehr: Richtig „zusammengesetzt“ locken sie gezielt Nützlinge an. Das sind Tier- und Pflanzenarten, die unliebsame Schädlinge wie Blattläuse abwehren. Das Institut für Gartenbauliche Produktionssysteme – Abteilung Phytomedizin (IPP) an der Leibniz Universität Hannover hat mit der Firma Appels Wilde Samen (Darmstadt) eine entsprechende Saatgutmischung zusammengestellt, die nun zum Kauf angeboten wird. Fachlich und finanziell wurde das Forschungsprojekt mit knapp 125.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese kleinen Oasen nicht nur zum Artenschutz beitragen, sondern auch aktiven Pflanzenschutz im Anbau ermöglichen. Damit wird das Anlegen solcher Flächen noch attraktiver für Landwirte“, resümiert Dr. Rainer Meyhöfer vom IPP.

Blühstreifen als Lebensraum und Pflanzenschutzmittel

DBU-Generalsekretär Alexander Bonde: „Seit Jahren beobachten wir einen Rückgang von Tier- und Pflanzenarten in unserer Kulturlandschaft. Dieser Rückgang muss aufgehalten werden. Das Schaffen von Lebensräumen – beispielsweise durch Blühstreifen – kann hier ein effektives Mittel sein.“ In verschiedenen Bundesländern werden Landwirte deshalb finanziell gefördert, wenn sie entlang ihrer Felder Blühstreifen anlegen, um die Artenvielfalt zu erhöhen. „Ein weiterer Vorteil, der vor allem für Landwirte interessant ist: Mit einer entsprechend zusammengesetzten Saatgutmischung für die angrenzenden Blühstreifen können angebaute Pflanzen aktiv vor Schädlingen geschützt werden“, so Bonde weiter. Das habe das nun abgeschlossene Projekt mithilfe der entwickelten Saatgutmischung am Beispiel von Rosenkohl aufgezeigt.

Entwickelte Mischung fördert Nützlinge und wehrt Schädlinge ab

Um dies zu leisten, muss die Pflanzenmischung sogenannten Nützlingen unter anderem Nahrung und Schutz bieten. „Gibt es beispielsweise mit Marienkäfern oder Schwebfliegen viele natürliche Feinde von Blattläusen und anderen landwirtschaftlichen Schädlingen, fressen entsprechend weniger unliebsame Insekten die angebauten Pflanzen“, erläutert Meyhöfer. „Auf der anderen Seite sollte die ausgesäte Mischung so konzipiert sein, dass die darin enthaltenen Pflanzen für Problemschädlinge, wie beispielsweise Schadschmetterlinge, möglichst unattraktiv sind.“ Diese Aspekte seien im Umgang mit Blühstreifen im Rahmen des Projektes erstmals berücksichtigt worden.

Zukünftig Blühstreifen für andere Gemüsesorten entwickeln

„Wichtig ist, dass auch die entwickelte Saatgutmischung verschiedenen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bietet. Somit hilft sie nicht nur beim aktiven Pflanzenschutz, sondern stärkt generell den Artenschutz“, so DBU-Referent Dr. Holger Wurl. Dank des aktiven Pflanzenschutzes könne im besten Fall langfristig weniger Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen und so die Umwelt zusätzlich entlastet werden. Wurl: „Da die Mischung nun von Landwirten für ihre Feldränder genutzt werden kann, sind die Projektergebnisse in der Praxis angekommen.“ Zukünftig wollen die Projektpartner weitere Mischungen erarbeiten, um mit Blühstreifen auch andere Anbauprodukte aktiv schützen zu können.

Fachlicher Ansprechpartner zum Projekt: Dr. Rainer Meyhöfer, 0511|762-3096