26.09.2018 | Kluges Wassermanagement hilft Vogel und Landwirtschaft

DBU fördert Modellprojekt des Michael-Otto-Instituts des NABU in Schleswig-Holstein mit 125.000 Euro | In der Projektdatenbank - AZ 34370/01

Bewilligungsübergabe © Deutsche Bundesstiftung Umwelt
Im Beisein von Dr. Berthold Pechan (MELUND, l.) überreichte DBU-Generalsekretär Alexander Bonde (r.) das Bewilligungsschreiben an Dr. Hermann Hötker vom Michael-Otto-Institut des NABU.
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Uferschnepfe © Jan Sohler/ Michael-Otto-Institut
Deutschlandweit gilt die Uferschnepfe heute als vom Aussterben bedroht. Einen ihrer letzten Verbreitungsschwerpunkte hat sie mit knapp 1.000 Brutpaaren in Schleswig-Holstein.
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Kiel. Im Rahmen des 34. Deutschen Naturschutztages in Kiel hat der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Alexander Bonde, heute eine Förderbewilligung für ein neues Projekt an Dr. Hermann Hötker vom Michael-Otto-Institut des Naturschutzbundes Deutschland (NABU, Bergenhusen) übergeben. Mit dem Vorhaben sollen die Nahrungssicherheit für Wiesenvögel und eine nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung bestmöglich miteinander kombiniert werden. „Bei erfolgreichem Abschluss kann es einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt in diesem speziellen Lebensraum leisten“, betonte Bonde. Die DBU fördert das Projekt fachlich und finanziell mit knapp 125.000 Euro. Eine Ko-Finanzierung erfolgt durch das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung (MELUND). An der Umsetzung sind auch das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (Flintbek) und die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein (Molfsee) beteiligt.

Vorhaben ergänzt Life-Limosa-Projekt um wasserwirtschaftliche Dimension

Hötker: „Ein Grund für die rückläufigen Brutzahlen bei Wiesenvögeln wie der Uferschnepfe ist die fehlende Nahrung auf den Feuchtwiesen. Die bevorzugten Weich- und Krebstiere, Schnecken oder Würmer bleiben aus, weil die Wiesen häufig zu trocken sind.“ Um das zu verhindern, werde meist im Frühjahr Wasser aufgestaut oder hinzugepumpt. Dies könne jedoch dazu führen, dass wiederum die Feuchtwiesen nicht mehr so gut bewirtschaftet werden können. In dem neuen Projekt sollen mithilfe von Experimenten vor Ort, Vergleichen historischer Strategien und dem Befragen Verantwortlicher konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet werden, bei denen die Nahrungssicherheit der Vögel und die Wirtschaftlichkeit der Flächennutzung gleichermaßen berücksichtigt werden. „Seit 2012 arbeiten wir im Rahmen des Life-Limosa-Projektes am Schutz der Uferschnepfe. Mit dem neuen Vorhaben ergänzen wir dieses um die wasserwirtschaftliche Dimension“, erläutert Hötker weiter. Das Life-Limosa-Projekt ist auf insgesamt zehn Jahre angelegt und wird von der Europäischen Union (EU) gefördert.

Erkenntnisgewinn für das Wiesenvogelmanagement in Schleswig-Holstein

Thorsten Elscher, Leiter der Abteilung Naturschutz und Forstwirtschaft im MELUND, hält das Projekt „Wassermanagement für Feuchtwiesen im Zeichen des Klimawandels“ für einen wichtigen Baustein im Rahmen des landesweiten Wiesenvogelmanagements. Dieses umfasst unter anderem das Sichern von Einzelgelegen über den gemeinschaftlichen Wiesenvogelschutz, den Erhalt qualitativ hochwertigen Grünlands über den Wiesenvogelerlass und Vertragsnaturschutz sowie das Prädationsmanagement – also Schutzmaßnahmen vor Fressfeinden. „Über dieses Projekt kann das Praxiswissen zu Umfang und Auswirkungen von Überstaumaßnahmen umfassend erweitert werden, sodass langfristig bessere Entscheidungsgrundlagen für die erfolgreiche Umsetzung von Wiesenvogelschutzmaßnahmen zur Verfügung stehen“, erklärt Elscher.

Deutschlandweit gilt die Uferschnepfe heute als vom Aussterben bedroht

Bonde wies darauf hin, dass trotz intensiven Bemühens die Bestände von Wiesenvögeln wie der Uferschnepfe weiter abnähmen. Der Klimawandel drohe diese Entwicklung zu verstärken. Noch bis in die 40er-Jahre seien Uferschnepfen häufig auf weitem, offenem und feuchtem Grünland zu sehen gewesen. Die veränderte Landnutzung, beispielsweise durch das Intensivieren, teils aber auch das Aufgeben von Landwirtschaft, hätten jedoch in den letzten Jahrzehnten zu dramatischen Bestandseinbrüchen geführt. Deutschlandweit gelte die Uferschnepfe heute als vom Aussterben bedroht. Einen ihrer letzten Verbreitungsschwerpunkte habe sie mit knapp 1.000 Brutpaaren in Schleswig-Holstein.

Wichtige Schnittstelle zwischen Naturschutz und Landnutzung

Die angestrebten Handlungsempfehlungen sollen später allen Personen dienen, die für den Naturschutz auf Feuchtwiesen zuständig sind. Dazu gehören neben Mitarbeitern von Landesministerien, Landesfachbehörden oder Kommunen auch Landwirte, die mit dem Bewirtschaften solcher Gebiete betraut sind. „Ein ausgeklügeltes Wassermanagement ist für das Bewirtschaften von Feuchtwiesen ebenso bedeutend wie für eine ausreichende Nahrungsverfügbarkeit für Wiesenvögel. Hieraus ergibt sich eine wichtige Schnittstelle zwischen dem Naturschutz, der Wasserwirtschaft und der Landnutzung“, so Dr. Volker Wachendörfer, DBU-Fachreferent für Naturschutz.

Ansprechpartner bei fachlichen Fragen zum Projekt (AZ 34370): Dr. Hermann Hötker, Telefon: 04885|57041