02.03.2018 | Wilder Wald und weite Heide: Artenschutz ist Lebensraumschutz

DBU fordert zum „Tag des Artenschutzes“: Lebensgrundlagen erhalten

Alt- und Totholz
Sind die Wälder wie hier auf der DBU-Naturerbefläche Woldeforst naturnah, bleiben sie sich selbst überlassen. Es entwickelt sich Wald-Wildnis mit einem hohen Alt- und Totholzanteil: Lebensraum für viele selten gewordene Tier- und Pilzarten.
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Schwarzspecht
Seltene Vogelarten wie der Schwarzspecht sind auf Alt- und Totholz angewiesen.
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Schafbeweidung
Heidelandschaften oder Sandmagerrasen wie hier auf der DBU-Naturerbefläche Marienfließ können nur mit schonenenden Pflegemaßnahmen erhalten bleiben. Schafe haben sich bewährt, aber auch Ziegen, Heckrinder, Konik-Pferde und Wasserbüffel sind genügsame Landschaftspfleger.
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Ziegenmelker
Gut getarnt ist der Ziegenmelker, eine seltene Nachtschwalbenart. Wachsen die Offenlandflächen allerdings zu, geht sein Lebensraum verloren, dann nützt ihm die Tarnung nichts.
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Osnabrück. Der Verlust der Artenvielfalt könnte zum Verlust der Lebensgrundlagen führen. Darauf macht die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) anlässlich des Tages des Artenschutzes am 3. März aufmerksam. „Artenschutz gelingt aber nur, wenn auch wertvolle Lebensräume geschützt werden“, gibt Alexander Bonde, DBU-Generalsekretär, zu bedenken. Die Flächen des Nationalen Naturerbes seien Inseln der biologischen Vielfalt. Von den deutschlandweit 156.000 Hektar (ha) Naturerbeflächen trägt das DBU Naturerbe, eine Tochtergesellschaft der DBU, die Verantwortung für 70 Flächen mit 69.000 ha. Hier sollen sich einerseits Wälder langfristig unbeeinflusst vom Menschen zu wildem Wald entwickeln. Andererseits werden wertvolle waldfreie Flächen wie Heidelandschaften bewirtschaftet, zum Beispiel durch Schafbeweidung. Bonde: „Über diese Doppelstrategie stellen wir sicher, dass der naturschutzfachliche Wert erhalten oder sogar verbessert wird.“ Welche Maßnahmen konkret umgesetzt werden, wird in Naturerbe-Entwicklungsplänen festgelegt.

Artenschwund ist zentrale Herausforderung unserer Zeit

Der unvermindert anhaltende Artenschwund ist wie der Klimawandel eine der zentralen Herausforderungen unserer Zeit. Das haben Wissenschaftler um den schwedischen Forscher und Träger des Deutschen Umweltpreises der DBU, Prof. Dr. Johan Rockström, der ab Herbst eine der beiden leitenden Funktionen des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung inne hat, mit dem Konzept der „planetaren Belastungsgrenzen“ dargestellt. Innerhalb dieser Grenzen könne menschliche Entwicklung stattfinden, ohne die Lebensgrundlagen zu zerstören. Nach den aktuellen Roten Listen der Tier- und Pflanzenarten sind beispielsweise von den in Deutschland vorkommenden rund 3000 Farn- und Blütenpflanzen bereits 30 Prozent gefährdet. Zu den Hauptursachen gehören Lebensraumveränderungen wie Biotopzerstörung, Aufforstung von Offenlandlebensräumen, Entwässerung, intensive Bewirtschaftung und Nährstoffeinträge, aber auch die Aufgabe von extensiven Nutzungsformen. Gerade hier setze die DBU gemeinsam mit ihrem langjährigen Partner, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), Sparte Bundesforst, an, indem sie Wälder und waldfreie Gebiete sowie wertvolle Feuchtgebiete und Moore erhält und weiterentwickelt.

Naturnahe Waldentwicklung fördern – Wildnis zulassen

Die DBU Naturerbeflächen wurden ehemals zumeist militärisch genutzt: Als Truppenübungsplätze, Munitionslager oder auch Versorgungseinrichtungen waren sie für die Bevölkerung meist nicht zugänglich. Häufig handelt es sich um relativ große, unzerschnittene Räume, die mehr oder weniger stark vom Menschen beeinflusst wurden. „Waldgebiete wollen wir möglichst schnell einer natürlichen Entwicklung zuführen“, erklärt Prof. Dr. Werner Wahmhoff, fachlicher Leiter des DBU Naturerbes. „Wir leisten damit einen Beitrag zur Biodiversitäts-Strategie des Bundes.“ Danach soll bis 2020 der Flächentanteil der Wälder mit natürlicher Entwicklung fünf Prozent der Waldfläche in Deutschland betragen. Wahmhoff: „Wir helfen der Natur auf den DBU-Naturerbeflächen mitunter aktiv auf die Sprünge: Aus naturfernen Kiefern- und Fichtenmonokulturen werden naturnahe Wälder mit hohem Laubbaumanteil. Sind sie naturnah, bleiben sie sich selbst überlassen. Dadurch wächst der Alt- und Totholzanteil, und die ökologische Funktion des Waldes wird gestärkt.“ Die Roten Listen zeigen, dass vor allem die Tier- und Pilzarten überproportional stark gefährdet sind, die auf solche naturnahen Wälder spezialisiert sind. Dazu zählen auch seltene Vogelarten wie der Schwarzspecht und der Zwergschnäpper, die ihre speziellen Waldlebensräume auf verschiedenen DBU-Naturerbeflächen vorfinden.

Artenreiche Offenlandflächen durch extensive Bewirtschaftung erhalten

Eine andere Herangehensweise habe sich für die artenreichen Offenlandflächen als zielführend erwiesen. „Wenn wir diese Flächen sich selbst überlassen, werden die artenreichen Heidelandschaften und Grünlandflächen nach und nach verbuschen und mit Gehölzen zuwachsen. Dann finden darauf angepasste und seltene Arten wie Heidelerche, Ziegenmelker und Neuntöter keinen Lebensraum mehr“, gibt Wahmhoff zu bedenken. Daher sei es wichtig, diese Lebensräume dauerhaft durch schonende Pflegemaßnahmen wie Schafbeweidung oder Mahd zu erhalten und ihren Zustand zu verbessern. Gleichzeitig beschäftige sich das DBU Naturerbe intensiv mit dem Feuchtgebietsmanagement. Wahmhoff: „Gewässer- und Feuchtgebiete sind Ökosysteme mit Schnittstellenfunktion zwischen verschiedenen Lebensräumen. Sie beheimaten eine Vielzahl häufig hochspezialisierter Lebensgemeinschaften mit zahlreichen gefährdeten und gesetzlich geschützten Arten.“ Vor allem unverbauten Bächen und Flüssen mit natürlichem Gewässerlauf komme aufgrund ihrer ökologischen Funktion als Wander- und Ausbreitungskorridor für eine große Anzahl von Arten eine besondere Bedeutung für die Biotopvernetzung zu. Zielsetzung sei daher insbesondere die Wiederherstellung des Wasserhaushaltes auf den Flächen.

Naturerbe-Entwicklungspläne legen Management für zehn Jahre fest

„Der Rahmen für die Naturschutzziele auf den einzelnen DBU-Naturerbefläche ist in den mit Bund und Ländern abgestimmten Leitbildern festgelegt“, erklärt Privatdozentin Dr. Heike Culmsee, Leiterin der Naturerbe-Entwicklungsplanung auf DBU-Naturerbeflächen. „Im Planungsprozess werden dann Biotop- und Artendaten erhoben und für jede Fläche geeignete Maßnahmen festgelegt. Dabei wird die Doppelstrategie angewendet: Es erfolgt eine Abwägung, auf welchen Teilflächen eine natürliche Waldentwicklung stattfinden und wo genau artenreiche Lebensräume durch extensive Bewirtschaftung erhalten werden sollen.“ Als fachliche Grundlage für das Flächenmanagement hat ein Plan eine Umsetzungsdauer von 10 Jahren. Die Pläne werden mit dem jeweiligen Land und dem Bundesamt für Naturschutz abgestimmt. Danach werden sie vor Ort in enger Zusammenarbeit mit den Bundesforstbetrieben der BImA und weiteren Partnern umgesetzt. Zwei Naturerbe-Entwicklungspläne für die DBU-Naturerbeflächen Marienfließ und Woldeforst wurden kürzlich verabschiedet. Im Laufe dieses Jahres werden weitere Naturerbe-Entwicklungspläne für DBU-Naturerbeflächen in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Bayern folgen.

PM Naturerbe-Entwicklungsplan Marienfließ